Ein neuer Text der – unregelmäßig – auf sechzger.de erscheinenden Artikelserie Poppular Demand von Sabine. Sie hebt – bei aller Euphorie, die insbesondere nach dem vergangenen Freitagabend in Giesing herrscht – den Zeigefinger. Am Montag danach.

Freedom? There ain’t no fucking freedom!

Diese Textzeile von Cockney Rejects hat sich in meinen Kopf gespült, seit ich über unser erstes Heimspiel in Freiheit nachdenke.

Freiheit.
Ein großes und mächtiges Wort. Ein Wort, das bei Sechzig gerade ziemlich oft fällt und sogar auf der Brust unseres Trikots prangt.
Das erste Heimspiel in Freiheit liegt also hinter uns: Alle zusammen. Alle ziehen an einem Strang. Miteinander. Gemeinsam. In Einigkeit.
Superlative geben sich die Hand und das Farbenspiel des Himmels hatte sich beim Heimspielauftakt die größte Mühe gegeben, dem Ganzen einen wahrlich “epischen” Anstrich zu geben. Und doch schwanke ich zwischen Euphorie und Skepsis. Denn ich kenne Sechzig.
Sechzig war lange der Verein, über den alle gelacht haben. Der Chaosverein. Immer eine neue skandalöse Geschichte, immer irgendein Streit, irgendein Drama, irgendeine Katastrophe. Und der Größenwahn reichte sich dabei zuverlässig den Staffelstab.

Das “Farbenspiel des Himmels” am Freitag Abend

Und jetzt beginnt also ein neues Zeitalter?
Freiheit. Gemeinsam. Einigkeit. Everybody’s Darling.

Und genau da werde ich misstrauisch. Denn mal ehrlich: Seit wann ist Sechzig everybody’s Darling?
Und will ich das überhaupt?

Es gab einmal diesen schönen Slogan: “Mehr Hass!”
Nicht selten hatte ich ihn beim letzten Spiel auf den Lippen.
Denn Fußball darf dreckig sein. Laut. Wütend. Unvernünftig. Hässlich.
Fußball muss nicht pädagogisch wertvoll sein. Er muss nicht immer klug sein. Und er muss schon gar nicht immer harmonisch sein.

Am Freitag stand ich in der Kurve und vor mir unterhielten sich zwei Menschen gefühlt eine halbe Ewigkeit über ihre Facharbeiten.
Während unten Fußball gespielt wurde. Ich dachte irgendwann: Leute, wir sind hier beim Fußball! Diskutiert eure scheiß Facharbeit woanders!

Und vielleicht ist genau das mein Problem mit der neuen, schönen Fußballwelt.
Denn auch Freiheit kostet ihren Preis. Mag ich es, dass auf unserer altehrwürdigen Anzeigetafel irgendein Sponsor steht?
Nein. Das mag ich nicht.
Ich will dabei gar nicht alles schlechtreden.
Im Gegenteil.
Es ist unglaublich viel Gutes passiert. Die aktive Fanszene hat sich enorm engagiert und etwas einzigartiges und hoffentlich nachhaltiges auf die Beine gestellt. Menschen haben Geld gegeben. Football for the People – ich mag diesen Slogan sehr, ähnlich wie ich immer “Reclaim the Game” sehr mochte.

Menschen haben Verantwortung übernommen. Sich solidarisch gezeigt.
Und man spürt diese Energie.
Ich finde das großartig.
Aber genau deshalb darf man sich darauf jetzt nicht ausruhen.
Freiheit ist kein Zustand, den man einmal ausruft und dann ist er da.
Freiheit muss ausgehalten werden.

Und Freiheit bedeutet auch, dass man den Menschen widerspricht, die gerade etwas Gutes auf die Beine gestellt haben.
Vielleicht sogar gerade dann. Denn Macht bleibt Macht. Und es ist selten gut, wenn eine Macht einfach durch eine andere ersetzt wird.
Auch dann nicht, wenn die Menschen, die sie haben, es gut meinen.
Auch dann nicht, wenn sie Sechzig lieben.
Macht muss kritisch betrachtet werden.
Immer.
Und mächtige Menschen müssen dazu angehalten werden, sich selbst kritisch zu betrachten.
Das ist keine Undankbarkeit.
Das ist Demokratie.
Und vielleicht ist es auch Fußball.
Denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Sechzig plötzlich der Verein wird, den alle liebhaben.

Vielleicht würde mir sogar etwas fehlen.
Der Streit.
Der Widerspruch.
Der Wahnsinn.
Der Dreck.
Vielleicht sogar der Hass.
Nicht der Hass auf Menschen.
Sondern diese alte, widerspenstige, punkige Energie, die sagt: Wir lassen uns nicht alles gefallen. Auch nicht von denen, die es gut mit uns meinen. Wir bleiben unangepasst.
Denn vielleicht ist das die eigentliche Prüfung unserer neuen Freiheit. Nicht, ob jetzt alle miteinander klarkommen. Sondern ob wir uns trauen, auch in einem neuen, harmonischen, sauberen Sechzig unbequem zu bleiben. Ich hoffe, dass diese neue Zeit funktioniert.
Wirklich.

Vielleicht funktioniert sie sogar besser, als ich denke. Aber ich kenne Sechzig. Bei uns bleibt es nicht lange harmonisch.
Vielleicht ja diesmal doch?
Das wäre schön.
Aber Freiheit bedeutet eben auch, unbequem zu bleiben.
Und Fußball darf dreckig sein.
Also diskutiert eure Facharbeit in der Mensa – und schreit euch beim nächsten Spiel die Seele für unser freies Sechzig aus dem Leib!

 

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John Warthof

Freiheit ist wichtig. Aber der Begriff wird inflationär verwendet, spätestens seit Corona. Viele, die von Freiheit sprechen, mussten nie dafür kämpfen oder für Freiheit einstehen. Auch aus nem Song: „Du glaubst Freiheit ist ein Geschenk für Dich. Doch ich sag Dir, da liegst Du richtig falsch!“

Sabine kennt Sechzig, Sabine kennt die Menschen. Sehr inspirierender Post, Danke!

1860_4ever

Ich musste den Text auch 2 x mal lesen um durchzusteigen. Aber es gehört auch dazu andere Meinungen bzw. Gespräche über ihre Facharbeit zu tolerieren. Wenn mir was net gefällt versuche ich wegzugehen. oder einfach nicht hinzuhören. Das ist auch ein stück Freiheit.
Zur Freiheit habe ich noch etwas gefunden. Und zwar von Kaiser Marcus Aurelius: Für den römischen Kaiser Marcus Aurelius bedeutet Freiheit keine äußere Willkür oder Privilegien, sondern die absolute Unabhängigkeit des Geistes von äußeren Einflüssen. In seinen Selbstbetrachtungen beschreibt er Freiheit als innere Souveränität: Wer seine Gedanken kontrolliert, sich von Urteilen freimacht und seine Pflicht erfüllt, ist selbst im größten Druck frei.
Ein letzter Gedanke noch fällt mir als Hymne für die Freiheit ein. Und zwar das Lied von Marius Müller-Westernhagen “Freiheit”. Ansonsten ELIL

United Sixties

Sehr guter Kommentar und möchte das ausdrücklich auch so „mitunterschreiben“!
Man darf seinen Lokalrivalen im Fussball hassen.
Man darf auch kritisieren und sehr gut beobachten, was die neue Vereinsführung aus ihrer Verantwortung, Mitverantwortlichkeit und Lehren der Vergangenheit bei Sechzig entwickelt und neue Macht hoffentlich diesmal besser wie erfolgreicher lenkt.
Ich will mit meinen Nachkommen und Freunden unseren geliebten, verrückten, kultigen
TSV 1860 in München wieder öfter Siege feiern und Aufstiege erleben dürfen.
Zusammen unter Löwen ! Vereinsliebe pur!
Das wird erst in einigen Jahren zu bewerten sein und drücke für das sicherlich notwendige Glück allen Beteiligten beide Daumen.

Little Feat

Ja der gute Peter Jakobi. Ein Jahr später dann Sparifankal. Eine innovative Zeit der Rockmusik

D.Pest

Dann schau ich mal, was ich noch auf die Reihe bringe. Als ich mit „Fußball nur Sechzig“ begann, war Sechzig in der Bayernliga. Sehr weit weg von Hipster, die es ja damals noch gar nicht gab (vielleicht etwas in die Popperrichtung). Da gab es damals tatsächlich Schlagzeilen in den örtlichen Zeitungen die in etwa lauteten „Frauen holt eure Wäsche von der Leine, die Löwen kommen“, Warnungen zu jedem Auswärtsspiel waren vollkommen normal. 

Später waren die roten die Bonzen und Schickimicki, Sechzig immer der Arbeiterclub aus Giesing mit den fanatischen, wilden Fans

Ständiger Begleiter war schon immer der Chaos- der zerstrittene- und der Pleiteclub. Was 2017 kam..da will ich nicht darüber reden, jeder weiß es.

Jetzt, sind wir der „coole Freiheitsclub“? Sind wir nicht. Vielleicht in den Augen von Insta, FB und deren effekthaschenden und sensationsgeilen Klientel. Aber wie die Erfahrung lehrt, ziehen diese „Tecknomaden“ sehr gerne und sehr schnell weiter.

Wir sind der Club, der vor 2 Monaten tot war, der Club, den die Mitglieder, Neumitglieder, Spender und Sympathisanten am Leben erhielten und wieder Leben einhauchten. Wenn sich da auch ein paar (Hundert?)  Hipster mit anschlossen (aus welchen Gründen auch immer), freut mich dass in erster Linie für den Verein. Aber Sechzig bleibt Sechzig. Ich mag auch die Euphorie momentan, es tut gut zu sehen, welch unglaublich Kraft aus diesem Verein heraus entstehen kann.

Und genauso wissen wir alle, die nächste Krise lauert schon ums Eck und wird uns wieder viel abverlangen..Sechzge hoid. Und auch dann, bei der nächsten „Keule“ steht – wie schon seit jeher bei Sechzig – die Löwenfamilie zu 100% hinter dem Verein. Das ist Sechzig-DNA.

Deshalb liebe ich den Verein!

 

border60line

ach wie schön, profaner pathos. so verarbeitet jeder/jede daseinsberechtigung und die ambivalenz zu etwas, jemandem, dazugehören zu wollen. habe auch lange gebaraucht das zu begreifen, bis ich es akzeptieren konnte, bis ich wusste ich bin so, bin nur ein mensch, blau weiß, grün gold aus emotio, ohne anglizismen, ohne narzissmus, ohne wertung, ohne rechenschaft und eigener historie. solange sie schreien, solange sie mit mir, uns, dazugehören (wollen) sind mir die themen im stadion wurscht (außer sie sind naziwichser)

munichblue

Der fachlich sehr gute Text ist eine Kolumne und deshalb interessiert es mich gar nicht so sehr ob ich da inhaltlich der gleichen Meinung bin. Mir geht es darum eine andere Perspektive zu erfahren und neue Ansätze zu lesen.

Aber in einem bin ich bei Sabine, und dann auch wieder nicht:

Wir sollten alle die neue Euphorie und auch die instabile, aber emotional fühlbare Harmonie genießen. Denn eines ist bei uns Sechzgern sicher. Die nächste Krise steht schon vor der Tür. Die Frage ist nur wer die Tür öffnet,

Dennis M.

Und warum sollten nicht mal gute Zeiten kommen?

Vorstopper

Genau, denn irgendwann einmal, spielt 60 wieder international 😉

Kraiburger

Mit dem Sieg im DFB-Pokal könnte es bereits kommende Saison soweit sein. Und als Pokalsieger sind wir dann für die Ligaphase in der Europa League qualifiziert. Ich bin bereits auf der Suche nach geeigneten Flügen nach Kopenhagen, Astana und Reykavik.

ultrafuehrers from hell

..ja Binderl, deine Gedanken und Wahrnehmungen dürfen schon Platz haben in der schon etwas überdrehten – “grün gold, uber alles”(oha, diese Beschreibung lehnt sich an den als leicht anklagende Parodie gedachten Song der DK..)-Wolke.
Und mal ehrlich. Seit den ersten Kindheitsromantiken in der West- od. Nordkurve war klar: eine Löwenfamilie, die sich nicht mindestens 5mal pro Spiel bzw.1mal pro Woche in echte, bessere, wahre und gar keine Löwen aufteilt geht doch auch nicht,…oder?? ..the harder they come, the harder they fall….
Und ja, schaut und hört man genau bzw. genauer hin, dann haben die Cockney Rejects mit “..the greatest Giasing fuck off…” noch so ein passend notwendiges Punk-Rock-Oi! Dokument hinterlassen.
Hauptsache Aufkleber hin, wo sowieso schon 60 da oder drin ist, …gIAsing wird bestimmt nicht durch die lächerlichen, unglaubwürdigen anti-hipster/Gentrifugen- Graffitis dreckiger, sondern durch die neue Mentalität vergleichbar der eines Durchlauferhitzers, – der vor immer lauter knarrenden Freilaufnaben, immer billigeren Rasierern, new Boazn und famous Grandpa`s Caffes die 18,60-Grad Normaltemperatur zu halten verlernt hat…
und was hat wohl 1975 Peter Jacobi umgetrieben, den tollen Song ” Giasing, Giasing” zu veröffentlichen ?

randpositions_loewe

Sehr guter Text. Zumindest meiner Gefühlslage kommt er sehr entgegen.

Panthera-Leo

Echte Sechzger sind Alle, die den Löwen im Herzen tragen 💙🦁

egal in welcher Zeit,

egal in welcher Liga,

egal mit welchem Personal auf und neben dem Platz,

egal mit welchen Trikots etc.

WsdV💪

Siggi

Bei dem Satz “Aber ich kenne Sechzig. Bei uns bleibt es nicht lange harmonisch.” musste ich gleich an “meine bessere Hälfte” denken. Immer wenn sie sagt “Ich kenne Dich doch”, habe ich das Gefühl, jetzt liegt sie aber komplett daneben.

Benson

Ich finde diesen Kommentar extrem daneben. Gatekeeping ist Mist, egal ob es “die Meinen” oder “die Anderen” betreiben.

Habe ich im Stadion überhaupt was zu suchen? Ich bin ein salonlinker Gutmensch und nicht im Blaumann von der Schicht ins Stadion gekommen. Ich war die letzten 20 Jahre auf Grund diverser Umstände nicht oft im Stadion. Bin ich überhaupt “echt” genug für dich, Sabine?

Ich hatte meinen Sohn dabei, der, obwohl Lebensmitlgied, doch eher Teilzeit-Löwe ist. Der hat, als das Spiel in der 2. Halbzeit bisschen dahingeplätschert ist, mehr Aufmerksamkeit darauf verwendet, Becher zu sammeln, damit er sich das neue Barcelona-Trikot leisten kann. Andererseits ist er einer der 4000, von denen du kürzlich geschrieben hast. Was machen wir jetzt mit dem, Sabine?

Wegen mir darf jeder Hipster, den die aktuelle Welle der Solidarität anspült, kommen und bleiben. Wer gespendet hat, darf sich auch gerne feiern lassen. Football is for you and me. Punkt.

Keine Angst, über uns wird man noch sehr lange lachen. Wenn die Saison zu Ende ist und wir nicht aufgestiegen sein werden (was auch keiner, der sich halbwegs mit der Materie beschäftigt, annimmt), werden sie alle daherkommen und sagen: “Haha, war wohl nix mit euerer Wiedergeburt, ihr Spaßvögel”.

Siggi

Lieber Christian, so wie der Text geschrieben ist, MUSS er Widerspruch provozieren. Ob da eine dahinerstehende “Message” rüberkommt oder nicht, ist da unerheblich. Die Art wie hier darauf reagiert wird, finde ich erfrischend lebendig und vielfältig. Was will man mehr?

Magic

Klar … der Text ist ja geradezu auf Krawall und Widerspruch gebürstet … die Reaktionen hier wie bestellt … könnte man direkt eine Facharbeit drüber schreiben … und im F2 vortragen … am besten unter der LfGR-Fahne…

Siggi

Sonst geht’s Dir gut?

Benson

Ich kann dir gar nicht sagen wie oft ich den Text gelesen habe, bevor ich geschrieben habe.

Das ist einfach all over the place, wie wir hipster sagen.

Ja, ich kann auch Passagen finden, an denen ich nichts auszusetzen habe. Aber der Tenor bleibt: ihr Gutmenschen mit euren Spenden und eurem ganzen wohlmeindenden Getue seid mir nicht dreckig genug. Bleibt doch alle daheim!

Benson

Das sollte aber keine Grundvoraussetzung sein um einen Text zu erfassen, oder?

Joerg

Hab das gelesen, manches zweimal, so super besonderes kann ich dabei nicht finden und empfinden, ist okay, bissell provokant, bissl auf Harmonie, bisll Sechzig…. a bisell bisell halt 👍

Aymen1860

Super Kommentar. Danke. 

AckermeisterTSV

Da fällt einem nur eins ein: WTF?!

HirschgartenLoewen

Der Artikel fasst perfekt zusammen, dass Sechzig für jeden was anderes bedeutet.
Das geht fast schon wieder in die Diskussion Fan oder nicht- Fan, OG- Jünger oder Ruinenanbeter.
Mich langweilt es, dass jeder Individuell glaubt, dass er Sechzig definieren darf und damit entscheidet, was 14.999 andere im Stadion zu tun oder zu lassen haben.
Da ist das GWS nur ein Auszug aus dem Leben von über 80mio in DE oder hunderten von Millionen in Europa.

Sei mir ned böse, aber es steht Dir einfach nicht zu, dass Du Dich über Facharbeit der Kollegen im Stadion aufzuregen hast. Lass die zwei einfach machen.
Taugt es mir nicht, dann geh ich in der West woanders hin oder stimme einfach mehr im Gesang an, dann hör ich eh nix um mich rum.
X mal schon im GWS passiert.
Es ist nämlich einfach so, dass hier jeder zusammenkommt, ob ich ihn mag oder nicht, ob ich die Person riechen kann oder nicht, ob ich mit der Person reden kann oder nicht. Genau das ist aber das Stadionerlebnis.
Hunderte Leute genau 1x kennengelernt, gut unterhalten für ein Spiel und danach vergessen. Aber auch schon welche erlebt, die will ich auch nicht nochmal kennenlernen.
Aber alle gehen zu den Löwen und verdienen sich den Löwen auf der Brust.

Dein Artikel hat richtig gute Elemente, aber hängen bleibt bei mir, unbequem zu bleiben für eine Freiheit, die jeder anders definiert.
Wie wärs, wenn wir uns einfach alle mal in Ruhe lassen und jeder sein Ding machen kann.
Wenn jeder einfach mal etwas weniger über den anderen reden würde, dann wäre das Leben auch im Block nochmals entspannter. Aber viele glauben immer, dass sie Sechzig definieren und was besseres sind.

Reg ich mich über jedes Kind oder Jugendlichen auf, die vielleicht jetzt zu dem Löwen finden, weil wir halt cooler als die xTe Meisterschaft sind? Nein, jawohl. geil. her mit euch. Die Jungen sind die Zukunft.

Chance auf eine neue Hütte umgebaut in Giesing, die vielleicht nicht jedem taugt, weil des war früher halt besser? Ja, bitte, saniert die Bruchbude mit einem Dach und die Stimmung explodiert. Macht einfach.

Ist das Trikot nicht mein Geschmack, weil der xTe graue Blauton halt doch nicht meinem Auge gefällt. Ja, draufgeschissen. Es kommen eh 3-4 pro Jahr raus und dann kann jeder tragen was er will. Oder ich warte halt ein Jahr.

Steigen wir die Saison nicht auf? vielleicht auch nicht die nächste? Ja, mei, wird schon irgendwann passieren.

Bis dahin, freu mich auf jedes weitere Heimspiel und viele nette Leute von jung bis alt.

Auf die Löwen

Greg

Du sprichst mir aus der Seele 

John Warthof

Im Stadion sollte man schon schwerpunktmäßig 60 schauen und aktiv supporten. Kann schon verstehen, dass Event-Fans (die cool im GWS sein wollen, sich aber keine 90 Min auf den Ball einlassen möchten) nerven. Auch ich wünsche mir mehr Passion und weniger Gleichgültigkeit. Fussball konsumieren entspricht dem Bayern-Fan, Fussball arbeiten ist was für den 60-Fan.

Green Schindel Company

Der Löwe neigt ja gerne zum Generalisieren. Der Ringelstätter hat es ja mal sehr treffend auf den Punkt gebracht.
Aber das wird mir manchmal schon etwas zu wild. Freiheit? Ist ja noch nicht mal gesagt, solange das Insolvenz Verfahren nicht Rum ist und alles juristische geklärt ist.
Da lobt man meiner Meinung nach den Tag schon sehr früh vor dem Abend.
2 Unentschieden und jeder stellt sich auf tabellarisches Mittelfeld ein. Puh…
Kann meiner Meinung nach alles passieren die Saison. Auf oder Abstieg. Niemand weiß es.
Die Verwaschung zum Hipster Klub, nachdem es ein Heimspiel gegeben hat und nicht gleich wieder der Grant hoch gekommen ist. Samma doch froh, dass es auch mal ein paar schöne Tage gibt. Und keine Sorge. Die grantigen und tristen Tage, an denen man wieder sein gesamtes Fantum in Frage stellt, kommen schnell genug.
Ich würde mir wünschen, dass die Vereinsführung bei allem Hoch einen kühlen Kopf bewahrt und entschlossen so weiter arbeitet.
Weil Rückschlüsse für die Zukunft kann man aus den letzten paar Wochen noch nicht ziehen.

Green Schindel Company

Das schon! Mein Punkt ist: Davon auszugehen, dass Sechzig jetzt zum Hipsterclub wird, nur weil sich im Stadion auch paar Normalos rumtreiben, halte ich für übertrieben. Es wäre doch schön, wenn sich Sechzig zu einem Verein entwickelt, der aufgrund seiner Liebenswürdigkeit großen Zulauf bekommt. Weil es ist jetzt eine historische Chance, dass man voraussichtlich Hasan los ist. Aber dann sollte man sich umso mehr auf die Hinterfüße stellen, dass man ein neues positives Image aufbaut. Und da bezweifle ich es, dass “Mehr Hass” wahnsinnig geschäftsförderlich ist. Ja. Sechzig Fan zu sein, ist eine Form der eigenen Identitätszuschreibung. Und da ist das Unangepasste, Rotzige, gegen die Großkopferten sein, ein zentraler Bestandteil. Aber ich würde mir wünschen, dass Löwen, egal ob “Einsteiger” oder “Fortgeschrittene” gleichermaßen willkommen geheißen werden.

John Warthof

„Hipster“ sind keine „Normlos“. Die Mischung machts, also keine Panik. Facharbeit besprechen wirkt aber trotzdem deplatziert.

Kraiburger

Gerade nachdem ich gestern eine whattsapp mit dem Inhalt “Krass, unser Sechzig ist jetzt voll der scheiß Hipster-Club geworden!” bekommen habe, kann ich deine Zeilen sehr, sehr gut nachvollziehen.

Aber ich kenne mein Sechzig auch gut genug: Es gibt immer was zu tun. Es gibt immer was zu diskutieren. Und es gibt nie Zeit, sich auszuruhen!

Aber trotzdem darf man so Abende wie den Freitag einfach mal genießen, weil wir ihn uns wirklich alle gemeinsam erarbeitet haben. Aber ausruhen, dürfen wir uns nicht darauf!

Und beim Tennis und in der Uni sind wir auch nicht, da bin ich vollkommen bei dir!

Nik

Samstag in der S-Bahn zwei Jugendlichen zugehört, die sich darüber unterhalten haben, dass ein dritter Kumpel ja nur sagt, dass er Sechzger ist, weil das cool ist.
Da wusste ich auch nicht, ob ich mich freuen oder kotzen soll.

Posicelli

Sechzig ist schon immer cool.
Für jemanden wie mich, der nicht aus Giesing kommt, war 1860 schon vor immer cool.
Und da kenne ich noch mehr.

HuiWaeller

“Krass, unser Sechzig ist jetzt voll der scheiß Hipster-Club geworden!” bekommen habe, kann ich deine Zeilen sehr, sehr gut nachvollziehen.

Kann ich schon irgendwo verstehen diese Reaktion. Wie wenn die Band, die man schon vor langer Zeit entdeckt hat, plötzlich jeder kennt. Auch da nervt’s, wenn sich nebenan ständig Leute unterhalten.

Trotzdem: Der Zuwachs an Mitgliedern, der zur Rekordanzahl von 29.000 geführt hat, kommt ja auch nicht von ungefähr. Da sind auch einige dabei, die über “Trendsportarten” wie Radsport, Padel oder die Running-Abteilung (ich sage bewusst Running, weil hipper als Joggen) dazu gekommen sind. Und wenn sich davon auch ein paar ins Stadion verirren, ist das ja auch nicht schlecht oder?

Diejenigen, denen es nicht so sehr um den Fußball geht, werden von sich aus früher oder später dem Stadion fernbleiben, wenn die erste Euphorie des Saisonbeginns etwas abebbt und der Event Charakter vielleicht etwas weniger wird. Und aus dem Rest werden vielleicht noch echte Fans, wer weiß…

Niederbayer

Wer definiert denn wer ein “echter Fan” ist? Oder was muss ich erfüllen um mich dazu zählen zu dürfen? 😉

HuiWaeller

Ich sicher nicht 😉 Das mit den “echten Fans” war eher eine Anspielung auf den Grundton des Artikels und ein paar Kommentare hier. Im Grunde sollte das niemand definieren, weil das Fansein wohl etwas sehr individuelles ist.

matthiasem

Also die “Hipsterisierung” von Sechzig (und Giesing) – die ich persönlich auch ätzend finde – hat nun wirklich nicht erst jetzt angefangen. Dazu gehören u.a. auch die beiden eV Trikots (& eigentlich 90% des eV Fanshops), die ich persönlich aber auch beide habe und geil finde, so ehrlich müssen wir schon sein.
Nochmal, ich gebe euch Recht, als dass ich es auch lieber dreckig-workingclass hätte, aber gerade vor einer zu schnellen Vereinnahmung (im Stadion) schützt uns doch allein schon, dass 2/3 der Tickets über Dauerkarten vergeben sind. Gerade jetzt beim ersten Heimspiel können nicht viele “neue” Hipster im Stadion gewesen sein, da hatten alteingesessene Fans ohne DK schon Schwierigkeiten an Tickets zu kommen.

Benson

Geil oder ätzend? Hipsterisierung ist es nur, wenn’s die anderen machen, oder?

matthiasem

Nö. Ich geh zB auch beim Running mit, obwohl ich es sehr Hipster finde. Aber ich laufe halt gern, finde es geil mit anderen Löwen zu laufen und die Leute dann meistens persönlich doch ganz nett, halte mich bei Zeug raus, das mir zu weit geht (Sponsorenevents zB) und versuche halt zu ändern, was mir nicht passt. Wenn das nicht geht muss ich es akzeptieren oder gehen. Das ist dann meine Entscheidung, aber aufregen darf es mich trotzdem – egal wie ich mich entscheide. Das ist eben Demokratie, wenn die Mehrheit was anders will, ist es eben anders (wie im Artikel ja beschrieben) und trotzdem bzw genau deswegen braucht es auch immer eine Opposition (genau wie im Artikel beschrieben).

Das letzte ist übrigens auch wissenschaftlich belegt, gibt es keine Opposition kommt es zum Schweinebucht-Effekt.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie emotionalisierend das Thema “Hipsterisierung von Sechzig” offenbar ist.

matthiasem

Warum bist du darüber erstaunt? Die “Hipsterisierung”, wie ich sie verstehe, ist auch eine Form seine “Seele zu verkaufen”.
Ist das besser als ein Investor? Meiner Meinung nach, ja.
Muss man (im modernen Profi-Fußball) irgendeinen Tod sterben? Meiner Meinung nach, ja.

Aber emotional ist es halt trotzdem.

Ich darf aber die Leute doch trotzdem scheiße finden. Und die dürfen trotzdem zu Sechzig gehen, ich kann es ihnen ja nicht verbieten. Aber die Emotionalität

Es überrascht mich, weil ich es persönlich nicht so empfinde, dass mir durch “die Hipster” irgendwas von meiner Vorstellung von 1860 genommen wird. Das mag dir anders gehen und das ist vollkommen OK. Im Übrigen kann ich deine Kritikpunkte schon auch nachvollziehen. Nur fühlt es sich für mich – zumindest derzeit – noch nicht nach “Seele verkaufen” an. Grüße!

Dennis M.

Wünschenswert wäre, wenn 1860 jetzt einfach mal erfolgreich und zukunftsorientiert arbeitet. Es gibt alle möglichen Leute bei so einem großen Verein.