Das Auswärtsspiel mit dem weitesten Anreiseweg führt unsere Löwen am heutigen Samstag an die Ostsee. Nachdem das Team zum Saisonauftakt vor vier Wochen in Meppen weilte, sind nach diesem Wochenende die ganz harten und weiten Touren für dieses Kalenderjahr erstmal absolviert. Den Nord-Aufsteiger aus Lübeck – nur kurze eineinhalb Autostunden von Rostock entfernt zu Hause – durften wir ja selbst letzte Woche erstmal in München begrüßen und besiegen.

Die Löwen flogen heute im Morgengrauen als Tabellenführer gen Norden, wobei natürlich der ärgste Verfolger, der 1. FC Saarbrücken schon mit einem 1:0 im noch nicht terminierten Nachholspiel in Duisburg formal in der Tabelle nach dem 4. Spieltag wieder an uns vorbeiziehen könnte. Das sollte die weiß-blauen Akteure aber gar nicht tangieren – die Löwenbrust darf Spitzenreiter-Breite annehmen.

Das scheint auch angeraten, denn gegen die Kogge gibt es einiges gut zu machen: Die Statistik der 34 bisherigen Vergleiche sieht nicht sonderlich rosig für uns aus: In vier Drittligaspielen seit dem Aufstieg 2018 gelang lediglich im ersten Aufeinandertreffen ein Pünktchen an der Ostsee (2:2) – danach setzte es drei Pleiten. Zuletzt am 32. Spieltag der Vorsaison Mitte Juni vor Giesinger Geisterkulisse. In der 2. Liga kam es zwölfmal zu einem Duell zwischen den heutigen Kontrahenten und auch hier haben die Hanseaten klar die Nase vorn: Drei Löwensiegen stehen sieben Niederlagen und zwei Unentschieden gegenüber. Lediglich zu seligen Bundesligazeiten konnte 1860 fast die Hälfte der insgesamt 18 Aufeinandertreffen siegreich gestalten (acht Siege, vier Unentschieden, sechs Niederlagen). Eine Heimreise aus Rostock mit den gewünschten drei Punkten im Gepäck erlebten Mannschaften des TSV 1860 in der Geschichte insgesamt vier Mal: Kurioserweise zwei davon innerhalb von nur fünf Monaten: Am 20. April bzw. am 20. September 1996 siegte das damalige Team von Werner Lorant mit 3:0 bzw. 4:2 im legendären alten Ostseestadion.

Wie sich aus den genannten Zahlen schließen lässt, verbrachten Hansa Rostock und 1860 München mehr als die Hälfte der Spielzeiten seit der Vereinigung des deutschen Fußballs vor 29 Jahren in einer gemeinsamen Liga. Man könnte meinen, dass sich Löwe und Kogge immer wieder zueinander hingezogen fühlen: Nachdem Rostock nach nur einem Jahr Bundesligazugehörigkeit 1992 abstieg, gesellte sich unser Verein ein Jahr später zu den ersten Duellen hinzu, verließ die 2. Liga aber bekanntermaßen schon 1994 Richtung Oberhaus, was den Hanseaten dann 1995 gelang. Und als Sechzig nach neun gemeinsamen Bundesligajahren zurück in die Zweitklassigkeit rutschte, tat es uns der FCH ein Jahr später wieder nach. Anders als der TSV 1860 gelang Hansa Rostock wiederum zwei Jahre später nochmal der Sprung in die Beletage des deutschen Fußballs, ehe man 2010 dann sogar erstmals in die Drittklassigkeit abstürzte. Während die Löwen eine gefühlt bleierne Ewigkeit in Fröttmaning und der 2. Liga herumdümpelten, kamen die Rostocker 2011 nochmal für ein Jahr zurück dorthin, dann ging es wieder runter. Seit 2012 gehört Hansa nun ohne weitere Unterbrechung der 3. Liga an. Unser TSV 1860 übersprang bekanntlich fünf Jahre später die 3. Liga auf dem Weg nach unten, um 2018 dann wieder in einer Liga mit Hansa zu landen.

Löwencoach Michael Köllner hat übrigens ganz eigene, spezielle Erinnerungen an sein bislang einziges Spiel als Trainer gegen Hansa Rostock: Vor fast zwei Jahren trat er – gerade mit dem Nürnberger Club in die Bundesliga aufgestiegen – in der 2. Pokalrunde beim Drittligisten an und erlebte einen Abend, den er – nach eigenen Worten – nie vergessen wird. Zum einen kam es im Vorfeld des Spiels den ganzen Tag immer wieder zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Anhängern beider Vereine in der Rostocker Innenstadt, worüber auch die sportlich Verantwortlichen detailliert im Bilde waren, da sogar – so Köllner –  eine Spielabsage im Raum stand. Zum anderen wurde der friedliebende Oberpfälzer während des Spiels im Ostseestadion – wie er gegenüber sechzger.de berichtete – fortwährend mit „Freibier und Sitzkissen beschenkt.“ Eine liebevolle Umschreibung von Wurfgeschossen des Rostocker Tribünenpublikums. Auf dem Rasen retteten Köllners Schützlinge sich damals erst in der 90. Minute in die Verlängerung, gerieten erneut in Rückstand, glichen nochmal aus, um dann im Elfmeterschießen in die nächste Runde einzuziehen. Kein Tag für schwache Nerven. Wir wünschen unserem Coach dieses Wochenende einen wesentlich entspannteren Tripp an die Ostsee!

Dass es aber auch diesmal ein hartes Stück Arbeit wird, dort zu bestehen, sollte jedem klar sein. Für unseren Trainer ist Rostock – nicht zuletzt aufgrund von zehn Neuzugängen vor dieser Saison – einer der Top-Favoriten auf den Aufstieg. Und auch die eigenen Ambitionen des FC Hansa sind – nach drei sechsten Plätzen in den vergangenen drei Spielzeiten – durchaus in diese Richtung zu interpretieren. Immerhin vier Trainer der Konkurrenz (von denen Lauterns Schommers allerdings schon nicht mehr im Amt ist), sehen die Kogge im Sommer 2021 vor einem Comeback in der 2. Liga (Michael Köllner hat sich – das nur am Rande – zumindest in der Umfrage von liga3-online.de – nicht auf seine persönlichen Aufstiegskandidaten festgelegt). Der Saisonstart mit zwei Siegen und nur einer Niederlage – diese übrigens bei unserem nächsten Gegner aus Saarbrücken – hat an der Ostsee schon eine gewisse Euphorie geweckt. Ihre Begeisterung dürfen heute Nachmittag auch Fans aktiv ausleben: Satte 7.500 Zuschauer sind im Ostseestadion zugelassen. Uns Löwenfans bleibt dagegen nur die Übertragung im BR, das Löwen-Radio und natürlich ergänzend der Liveticker hier auf sechzger.de!

 

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