Servus Oliver Griss,

ich fühle mich ja fast schon etwas geschmeichelt: Du hast doch mich gemeint mit dem „vermeintlichen Blogger“, oder? Für den Fall dass „Ja“. Schade, dass Du erst diesmal auf mich reagiert hast: Meinen Leserbrief an Dich im Juni 2019

Stephan Tempel

https://bunte-ansichten.de/mein-leserbrief-an-dieblaue24/

hast Du seinerzeit ja leider nicht veröffentlicht. Das hatte ich aber auch nicht wirklich anders erwartet: Mit Meinungen, die nicht in Dein Weltbild passen, scheinst Du ja ohnehin ein Problem zu haben, ansonsten wären auf Deinem Blog (das „vermeintlich“ spare ich mir an dieser Stelle; mir ist auch nicht ganz klar wie ein Blog bzw. ein Blogger ein „vermeintlicher” sein kann) ja nicht viele, viele Leute wegen Nichtigkeiten bzw. Argumenten gesperrt, während sich andere User seit Monaten gegenseitig mit Beleidigungen übertrumpfen, aber diese bei Dir offensichtlich gerne gesehen sind, wenn sie nur in die richtige Richtung gehen.

Jetzt hat also der Präsident von Türkgücü der Aussage seines Geschäftsführers von letzter Woche widersprochen, die dieser gegenüber der Presse getätigt hatte. Was bei uns ein Vorgang wäre, bei dem Du sofort auf die Geschäftsführung oder Präsidenten bzw. die Außendarstellung draufhauen würdest, nützt Du in diesem Fall, um die zu diskreditieren, die die offizielle Mitteilung des Geschäftsführers geglaubt haben.

Ja mei. Wobei die Frage ohnehin ist, wen schon Türkgücü interessiert: Vermutlich kaum jemanden, wenn er nicht gerade die Domain dierote24.de registriert hat. Dass der Türkgücü-Präsident Dir so ganz nebenbei widersprochen hat („Es ist kein Geheimplan. Es ist ein Plan, den Dr. Koch kennt, den auch unsere Mitstreiter kennen.“) spielt da schon keine große Rolle mehr.

Eigentlich – und das meine ich ohne jede Ironie – empfinde ich inzwischen mehr Mitleid für Dich als sonst etwas: Du bist seit über 30 Jahren im Umfeld von 1860 tätig – aber es gibt gefühlt immer weniger Leute, die Dich mögen. Dein Blog ist gut frequentiert und aktuell, aber im Kommentarbereich hat sich ein Niveau angesiedelt, da würde sich vermutlich jede Klowand in einer Dorfdisco dafür schämen. Gefällt Dir das, was sich da auf Deiner Seite abspielt? Schwer vorstellbar. Ein Journalist sollte sich doch ein anderes Niveau von seinem Klientel wünschen, oder?

Ich bin ja nur ein vermeintlicher Blogger. Wenn ich mit meinem Schreibstil jedoch dieses Niveau anziehen würde, dann würde ich sofort meine Arbeitsweise überdenken.

In Deiner Welt meinst Du vermutlich wirklich, dass Du der Mehrheit der Löwenfans aus der Seele sprichst bzw. schreibst. Mitgliederversammlungen und die Stimme des Volkes im Stadion sprechen da eine andere Sprache. Wie fühlt sich das an? Ziemlich komisch, oder?

Neulich hast Du gesagt, dass Du nicht mehr mit dem Zug auswärts fährst, sondern Dir immer ein Leihauto nimmst, weil Du in Zügen angegangen und bedroht worden bist. Das finde ich – ohne jede Ironie – sehr traurig und zudem falsch, weil ich schon immer ein Mann des Wortes war.

Trotzdem wäre es vielleicht einmal an der Zeit, die eigene Arbeitsweise und Außendarstellung, insbesondere aber die Behandlung von anderslautenden Meinungen zu überdenken. Oder hat man schon jemals etwas davon gehört, dass einer der unzähligen anderen Reporter von 1860 bedroht worden wäre, egal was die Leute manchmal für einen Stuss schreiben?

Ich mach Dir einen Vorschlag: Wenn wir uns das nächste mal am Trainingsgelände, am Flughafen oder wo auch immer begegnen, dann schaust Du nicht demonstrativ weg: Du kannst zu mir ganz normal „Servus“ sagen und wir können uns gerne mal im Löwenstüberl auf ein Getränk zusammensetzen und über 1860 reden, uns über unsere Visionen und Vorstellungen austauschen. Vermutlich werden wir unterschiedliche Vorstellungen haben, was für mich aber auch kein Problem ist, so lange man sich gegenseitig mit Respekt behandelt – so wie es mit anderen Löwen mit anderen Meinungen ja auch funktioniert.

Wäre doch eine sehr gute Gelegenheit oder ein Anfang, um die Fanspaltung bei 1860 zu überwinden, findest Du nicht auch?

Oder wir schweigen uns weiter an und ignorieren uns. Können wir auch machen – der Ball liegt bei Dir.

Beste Löwengrüße,

Stephan Tempel