Herzlich willkommen zur Taktiktafel-Analyse des Spiels TSV 1860 München gegen den SV Meppen (1:1). Ein bitterer Punktverlust für die Löwen, aber auch ein ganz klar verdienter Punktgewinn für den SV Meppen.

Die Emsländer traten in München ohne echten Mittelstürmer an; nominell war das, was Trainer Rico Schmitt auf den Platz schickte, ein 4-2-3-1. Luka Tankulic wurde dabei als einzige Spitze aufgeboten. Tatsächlich war es bei eigenem Ballbesitz der Meppener mit Faßbender und Guder auf den Außenpositionen eher ein 4-3-3 mit einem hängenden Mittelstürmer oder – wenn man so will – einer falschen Neun.

Dem stellte Michel Köllner das in dieser Saison in den meisten Spielen bisher gezeigte 4-1-3-2 mit Bär und Mölders im Sturm entgegen. Biankadi blieb zunächst überraschenderweise auf der Bank. An seiner Stelle wurde Stefan Lex in die Startelf berufen.

Die wichtigsten statistischen Zahlen des Spiels

  • Ballbesitz 60%:40% (zugunsten des TSV 1860 München)
  • Passgenauigkeit TSV 1860 81%, SV Meppen 76%
  • defensive Zweikampfquote TSV 1860 57%, SV Meppen 60%
  • Schüsse/aufs Tor TSV 1860 18/9, SV Meppen 16/8
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) TSV 1860 7,33, SV Meppen 11,61

Die erste Halbzeit

In einer fulminanten ersten Viertelstunde brannten die Löwen mit 70% Ballbesitz während dieser 15 Minuten ein richtiges Offensivfeuerwerk ab. Eine hochkarätige Chance konnte Bär nicht verwandeln und ein Tor von Richy Neudecker wurde wegen Foulspiels aberkannt. Die Löwen waren bissig, hauten sich, nah am Mann, gegen den Ball in die Zweikämpfe rein, und überraschten den Gegner mit dieser Wucht zunächst. Just in diese starke Anfangsphase des TSV 1860 München fiel dann in der 18. Minute der Gegentreffer durch einen Konter, der klar besser verteidigt hätte werden müssen. Aber dazu kommen wir etwas weiter unten.

Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit kamen die Meppener nun klar besser ins Spiel als zuvor. Trotz deutlich weniger Ballbesitz konnten sie gleichviele Schüsse abgeben wie unsere Löwen. Die schnell gespielten Positionsangriffe und auch die Konter des SV Meppen wurden vom TSV 1860 München nicht mehr so konsequent verteidigt. Nur neun abgefangene Bälle und zwölf gewonnene Zweikampfduelle gegen den Ball sprechen hier Bände.

Offensiv präsentierten sich die Löwen weiterhin zumindest bis vor den Strafraum gut. Viermal kamen die Löwen auch noch aus dem Spiel heraus zum Abschluss in der gegnerischen Box, allerdings mit mehr oder weniger ungefährlichen Schüssen, die Domaschke nicht vor große Probleme stellten. Eine Standardsituation war es schließlich die dem TSV 1860 München zum Ausgleich verhelfen sollte. Bär traf in der 40. Minute per Kopf nach einer Ecke von rechts.

Dieser Gegentreffer schockte Meppen nicht im geringsten. Weiterhin brachten sie ihr schnelles Spiel auf den Platz und weiterhin waren die Löwen im Verhalten gegen den Ball viel zu langsam und zu passiv. Kurz vor Ende der ersten Hälfte hätten sich die Sechzger nach einem Angriff, der zunächst eine Schusschance für Tankulic bot und nach einer Glanzparade von Hiller Fassbender mit dem Kopf vergeigte, nicht über den erneuten Führungstreffer der Gäste beschweren dürfen.

Das 0:1

Als bei einem Angriff der Löwen Mölders an der Sechzehnmeterlinie einen Pass von Dressel nicht verarbeiten kann, kommt die Meppener Defensive in Ballbesitz und spielt sich zunächst über eine klassische Dreiecksformation vor dem Strafraum sehr schnell frei. Einen langen Flachpass auf Tankulic am Mittelkreis lässt dieser zurückprallen zu Evseev der aus den Lauf heraus Guder auf Halbrechts bedienen kann. Am aus Meppener Sicht rechten Strafraumeck der Sechzger kommt Guder schließlich an diesen gut getimten hohen langen Pass und schließt mit dem ersten Kontakt über Hiller hinweg ins Tor ab.

Bei diesem tadellos herausgespielten Konter des SV Meppen waren die Spieler des TSV 1860 München bei jeder Ballberührung der Meppener zu weit von den Gegenspielern entfernt, als dass defensiv etwas ausgerichtet hätte werden können.

Klar ist: Einen Konter zu verteidigen ist immer schwer, vor allem wenn der mit einer solchen Präzision ausgeführt wird wie in diesem Fall. Trotzdem müssen die Löwen meiner Meinung nach die Dreickspassformation vor dem Meppener Strafraum früher stören. Herumstehen wie ein Reh im Scheinwerferlicht und dem Gegner zusehen, ist nicht das, was man auf der Tribüne (und Trainerbank) sehen will.

Als der lange Pass auf Takulic kommt, muss man diesen zudem irgendwie verhindern. Wenn das nicht geht, muss ein Spieler verdammt nochmal nah genug an Tankulic dran sein und ihn foulen, bevor er den Ball bekommt. Dass die Laufwege der Abwehrspieler zurück, was den Positionen beim vorangegangenen Angriff der Löwen geschuldet war, gegen Guder auf der Halbposition auch eher begleitend als störend waren, kommt erschwerend hinzu. Zu guter Letzt kommt Hiller noch etwas zu spät oder zu langsam aus seinem Kasten und steht beim Lupfer von Guder zu weit vom Schützen entfernt, um eingreifen zu können.

Das 1:1

Nach einer Ecke von Neudecker auf den kurzen Pfosten trifft Bär per Kopf zum bis dahin verdienten Ausgleich.

Die zweite Halbzeit

Offensiv kann man auch in der zweiten Halbzeit den Spielern des TSV 1860 München nichts vorwerfen. Es wurde auf Gedeih und Verderb alles versucht, um dieses vermaledeite zweite Tor zu schießen. Gleich nach dem Pausentee hatte Mölders mit einem Lattenpendler, der leider nicht hinter der Linie war, die wohl größte Chance zur Führung für die Sechzger.

Gegen den Ball war das, was unsere Löwen boten, jedoch eine absolute Katastrophe. Zu passiv, zu große Abstände, zu langsam. In der gesamten zweiten Halbzeit wurden von den Sechzgern überhaupt nur fünfundzwanzig direkte Duelle gegen den Ball geführt. Davon wurden mit zwölf nicht einmal die Hälfte gewonnen.

Diese Art und Weise, defensiv zu agieren, ist eines Löwen nicht würdig. In keiner der defensiv für Zweikampfverhalten relevanten Statistiken stehen die Löwen in der zweiten Halbzeit über einem Wert von 50%.

Dass es vorn nicht klappt, kann passieren. Es gibt ja immer noch einen Gegner, der versucht, Tore zu verhindern. Dass man in den zweiten 45 Minuten so gegen den Ball arbeitet, hat mich beim Spiel und einige Stunden danach aufgeregt. Und heute, da ich diese Zeilen schreibe, reg ich mich schon wieder drüber auf. Defensiv war die zweite Halbzeit eine Nichtleistung.

Fazit

Vor dem Spiel war klar, dass wir es tunlichst gewinnen sollten, um den Anschluss nach vorne nicht zu verlieren. Folglich spielten die Löwen einerseits guten Offensivfußball, bei dem leider aus dem Spiel heraus kein Erfolgserlebnis erzielt werden konnte. Andererseits zeigt man gegen den Ball ein so passives Verhalten, vor allem in der letzten Reihe, aber auch teilweise im Mittelfeld. So ein pomadiges Abwehrverhalten wie in der zweiten Halbzeit, bei dem sich jeder auf sein Stellungsspiel verlässt, aber kaum defensive Zweikämpfe geführt wurden, will ich nie wieder sehen.

Noch ist trotzdem alles im grünen Bereich, sechs Punkte fehlen bis zur Spitze, vier Punkte auf einen Aufstiegsplatz. Das Tabellenbild (auch auf unserer Startseite zu finden) ist nach sieben Spieltagen schon sehr spannend.

Meppen war für uns zuhause schon immer ein eher unangenehmer Gegner. Vielleicht liegt uns am kommenden Sonntag Halle etwas besser. Zehn erzielte Tore für den TSV 1860 München in den letzten beiden Spielen dürften uns zuversichtlich stimmen, dort etwas mitnehmen zu können.

Datenquelle: Wyscout

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