1.FC Saarbrücken – TSV 1860 München in der Taktiktafelanalyse am 13. Spieltag in Liga drei. Herzlich Willkommen dazu, liebe Leser.

Michael Köllner schickte die Löwen im Spiel 1.FC Saarbrücken – TSV 1860 München im 4-4-2 auf den Platz. Saarbrückens Trainer Koschinat hatte die gleiche Grundformation.

Bei eigenem Ballbesitz verschoben die Löwen zu einem 3-5-2. Das Prinzip der sogenannten “Dynamischen Dreierkette”, bei dem der defensiver eingestellte Sechser Wein sich auf die rechte Seite zu den Innenverteidigern zurückfallen ließ, Steinhart und Deichmann auf die Außenpositionen ins Mitttelfeld vorschoben, und Box-to-Box Spieler Dressel als Anspielstation im Zentrum auf der Sechserposition diente, war ein gutes Mittel, um die Gastgeber bei der defensiven Zuordung zu verwirren. Bär und Mölders wurden dann im letzten Drittel vor dem Saarbrücker Tor vom aus dem Mittelfeld aufrückenden Biankadi unterstützt. So entstand bei Angriffen der TSV 1860 München in letzter Konsequenz ein 3-4-3, mit dem die Saarländer nicht gut zurechtkamen. Die Fülle von Schüssen, welche die Sechzger absetzen konnten, sind ein guter Indikator, wie gut das Spiel nach vorne bis ins letzte Drittel funktionierte.

Gegen den Ball lag der Fokus beim TSV 1860 München nicht wie üblich auf Pressing, sondern darauf, die möglichen Anspielpartner für den jeweils ballführenden Saarbrücker aus dem Spiel zu nehmen.

Die Pressing-Linie lag somit genau wie die Verteidigungslinie eher im tieferen Bereich der jeweiligen dafür definierten Zonen.

Auch die Saarländer spielten nominell im 4-4-2. Der zweite Stürmer neben Zielspieler Grimaldi, Jacob fungierte als hängende Spitze, was die Formation im Spiel gegen den Ball zu einem 4-5-1 (4-2-2-1-1) machte. Die Pressing-Linie und Verteidigungslinie waren bei den Saarbrückern sehr hoch angelegt. Bis das Pressing der Saarländer wirklich funktionierte, dauerte es jedoch einige Zeit.

Offensiv waren die Saarbrücker – wie in allen Spielen bisher – auf schnelles Umschalten und vertikales Spiel ausgerichtet. Dabei war das Ziel, mit möglichst wenigen Ballkontakten und hohem Tempo schnell vor das Tor unserer Löwen zu kommen, um so die bisher sehr treffsicheren Offensivspieler in Szene zu setzen.

Die Statistischen Werte der Partie

 

  • Ballbesitz TSV 1860 39% 1.FC Saarbrücken 61%
  • Passgenauigkeit TSV 1860 75% 1.FC Saarbrücken 80%
  • Defensive Zweikampfquote TSV 1860 67% 1.FC Saarbrücken 66%
  • Schüsse/aufsTor TSV 1860 19/6 1.FC Saarbrücken 7/3
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) TSV 1860 15,55 1.FC Saarbrücken 8,07

 

Fokus auf Ballbesitz und Passgenauigkeit

Sieht man sich die Werte für Ballbesitz und Passgenauigkeit an, könnte man sofort auf die Idee kommen, das Spiel 1.FC Saarbrücken – TSV 1860 München wurde von den Hausherren kontrolliert und die Löwen wären mit dem 1:1 gut bedient gewesen. Allerdings fällt dem aufmerksamen Leser der Statistikwerte sofort auf, dass das so nicht stimmen kann, denn eine Mannschaft, die das Spiel kontrolliert, lässt nicht neunzehn gegnerische Schüsse zu, während sie selbst nur sieben mal aufs Gehäuse der Kontrahenten feuert.

Was also hat es mit den oben genannten Werten auf sich und warum sieht es, wenn man nur nackte Zahlen sieht, aus, als wäre Saarbrücken spielbestimmend gewesen?

Insgesamt spielt die Mannschaft, die mehr Ballbesitz hat, natürlich auch mehr Pässe, das ist eine Binsenweisheit. Der 1.FC Saarbrücken spielte sage und schreibe 195 Pässe mehr als die Sechzger. Das ist schon eine Hausnummer, möchte man meinen. Wenn man aber tiefer in die Passstatistik eintaucht, sieht man, dass den Saarländern im Spiel nach vorne nicht viel mehr angekommene Pässe gelangen als den Löwen.

Die gesamte Statistik des Spiels 1.FC Saarbrücken – TSV 1860 München steht und fällt in erster Linie mit der Anzahl der Pässe nach hinten, die auf Verteidiger und Torhüter gespielt werden. Da hat der 1. FC Saarbrücken die doppelte Anzahl im Vergleich mit unseren Sechzgern vorzuweisen. Wenn ein Pass nach hinten gespielt wird, geht diesem meist ein Pass nach vorn voraus, ebenso folgt darauf im Normalfall auch wieder einer nach vorne, also kann man die gleiche Anzahl an Pässen, die nach hinten gespielt werden, auch nochmal von den nach vorne gespielten abziehen, um zum effektiven, offensiven Ballbesitz zu kommen. Wenn man auf beiden Seiten nur das Passspiel der offensiv ausgerichteten Mannschaftsteile begutachtet und die Rückpässe im eigenen letzten Drittel und dazugehörige, nicht direkt offensiv gestaltete Aktionen bei Ballbesitz einrechnet, ergibt sich sich ein nahezu ausgeglichenes Bild auf beiden Seiten.

Dieses Bild hat allerdings einen kleinen aber feinen Unterschied. Nämlich den, dass die Saarbrücker es bedeutend seltener schafften, ihre Offensivspieler derart in Szene zu setzen, dass es für Schüsse gereicht hätte. Selbst wenn man die beiden Pfostentreffer zu den Schüssen aufs Tor dazu zählt, werden es nur fünf Schüsse, die dem Tor der Löwen gefährlich geworden sind. Saarbrücken hatte im Strafraum weniger Ballkontakte als der TSV 1860 München. Der 1. FCS gewann lediglich zwei Zweikämpfe in der gegnerischen Box und konnte abgesehen von dem Strafstoß nur zwei Schüsse absetzen, bei denen Hiller etwas zu tun bekam. In anderen gefährlich anmutenden Situationen hatte der Löwenkeeper immer den richtigen Riecher, um seine Abwehraktionen so zu setzen, dass der Angreifer letztendlich das Nachsehen hatte.

Das Spiel

Die erste Halbzeit

In den ersten gut fünf Minuten der Partie 1.FC Saarbrücken – TSV 1860 München kam der Gastgeber mit viel Dampf aus der Kabine. Danach spielte aber zunächst bis auf wenige Saarbrücker Entlastungsangriffe hauptsächlich der TSV 1860 München. So konnten die Hausherren in der ersten halben Stunde der Partie in keiner offensiven Statistik überzeugen. Ein einziger wirklich gefährlicher Kopfball durch Zeitz, dessen Gegenspieler diesem Moment Mölders war, in der dritten Minute steht für Saarbrücken in diesem Zeitraum zu Buche.

Ganz anders sah es bei den Löwen aus. Mehr als die doppelte Quote bei offensiv Zweikämpfen, dreimal so viele Schüsse aus Positionsangriffen und doppelt so viele aus Standardsituationen hatten die Sechzger bis zur 30. Minute des Spiels zu verzeichnen. Auch die Schussgenauigkeit beim TSV 1860 war mit 50% grundsätzlich in Ordnung. Lediglich der wie immer gegen den TSV 1860 München gut aufgelegte Torhüter Batz stand dem Torerfolg für unsere Sechzger bis dahin im Weg.

Nach einer halben Stunde aber bekam Saarbrücken das Aufbauspiel der Sechzger besser in den Griff und stellte sich dann gut darauf ein, dass die Löwen Deichmann bei eigenem Ballbesitz vollständig von der Kette ließen und Wein im taktischen Prinzip “Dynamische Dreierkette” für ihn die rechte Abwehrseite abschirmte. Immer wenn die Löwen bei eigenem Ballbesitz beide Außenverteidiger nach vorne schicken und der defensive Mittelfeldspieler sich in die Kette zurückfallen lässt, ist das Offensivspiel über weite Strecken der Partien, in denen so agiert wurde, für den Gegner schwer zu verteidigen gewesen.

Aber zurück zum Spiel vom Samstag. Saarbrücken spielte nach vorne in der Schlussviertelstunde der ersten 45 Minuten präziser als davor. Insgesamt war das aber nicht effektiv. Trotz optischer Überlegenheit brachten es die Hausherren zwischen der 30. Minute und dem Pausenpfiff nur zu drei Ballkontakten in der Box des TSV 1860. Diese Ballkontakte fanden alle zwischen der 36. und 40. Minute statt. Schuss sprang dabei für Saarbrücken keiner heraus.

In der 36. Minute hätte der Schiedsrichter allerdings bei einem Konter der Saarbrücker durchaus einen Strafstoß gegen Sechzig pfeifen können. Lang hielt Grimaldi bei einer Abwehraktion am Trikot fest, sodass dieser zu Boden ging. Dem gut positionierten Schiedsrichter war dies allerdings nicht genug, um das Vergehen des neunzehnjährigen Münchners zu ahnden.

Die zweite Halbzeit

In der zweiten Halbzeit des Spiels 1.FC Saarbrücken – TSV 1860 München kam der 1. FCS wieder mit hohem Druck aus der Kabine und konnte diesen diesmal länger aufrecht erhalten als noch im ersten Durchgang. Wie aber schon in der Schlussviertelstunde der ersten 45 Minuten war auch in dieser Phase keinerlei Effektivität für die Saarbrücker, die doppelt so viele Positionsangriffe wie der TSV 1860 zuendespielen konnten, vorhanden. Einen einzigen Ballkontakt in der Box der Sechzger hatten die Saarländer bis zur 60. Minute nach Wiederanpfiff. Dem stehen auf der anderen Seite des Spielfelds fünf Ballkontakte unserer Löwen in der Box entgegen. Mit 4:0 Schüssen haben die Sechzger auch in der Schussstatistik die Nase vorn. Biankadis Versuch in der 58. saß dann auch. Zuvor war schon Bär mit einer guten Chance in der 51. Minute am glänzenden Saarbrücker Schlussmann Batz gescheitert.

Nach dem 0:1 durch Dauerläufer Biankadi war Saarbrücken zunächst einige Minuten geschockt. Das führte zu zwei weiteren Großchancen für den TSV durch zunächst Sacha Mölders und später Marcel Bär, die beide rechts am Tor vorbeizielten. Bärs Chance allerdings muss das 0:2 für den TSV 1860 München sein. Frei vor dem Torwart zunächst ohne Gegenspieler weil Zeitz das Abseits aufhob, muss er einfach cooler sein und den Ball in die Maschen dreschen.

Danach wechselte Saarbrücken doppelt und spielte nun mit Wut im Bauch. Die Löwen verloren zunehmend die defensive Zuordnung. Das mag den Einwechslungen der Saarbrücker geschuldet sein, die dürfen aber keine Entschuldigung dafür sein. Fakt ist, wenn man einerseits weiß, dass der Gegner jede Menge schnelle Leute auf dem Platz hat und man andererseits im Spiel nach vorne die zweiten Bälle im vertikalen Spiel nicht mehr holen kann, läuft man zwangsläufig in Konterangriffe hinein. Hier hätte den Löwen kontrollierteres, langsameres und abgeklärteres Spiel bei eigenem Ballbesitz gutgetan.

Nun war es aber beileibe nicht so, dass sich die Sechzger gar keine Chancen mehr erspielt hätten. Auch in dieser Phase liegt Sechzig in der Schussstatistik mit 7:4 vorn. Es fehlte leider – wie so oft – die Präzision im Abschluss. Ein einziger Schuss der Löwen ging in der letzten halben Stunde noch so aufs Tor, dass Batz eingreifen musste. Das hat wiederum damit zu tun, dass der Großteil der Schüsse von außerhalb der Box kamen.

In der 81. Minute war es dann soweit. Der Schiedsrichter Pfiff Strafstoß für den 1.FCS und der nicht gänzlich unverdiente Treffer für die Gastgeber fiel. Nicht gänzlich unverdient deshalb, weil Saarbrücken mit unter anderem zwei Pfostentreffern in der zweiten Hälfte durchaus Möglichkeiten aufwies und mit eben gutem, aber nicht effektiven Spiel drückte und sowohl beim Ballbesitz als auch bei den klaren Chancen einen leichten Vorteil hatte. Schaut man aber aufs gesamte Spiel, müssten die Sechzger zu diesem Zeitpunkt schon drei eigene Treffer auf der Habenseite verbuchen.

Nach dem Ausgleich bis zum Schlusspfiff lieferten die Löwen den Saarbrückern eine wahre Abwehrschlacht, bei der das Löwenbollwerk standhielt. Ein Gewinn zweiter Bälle in der eigenen Hälfte war für die Löwen quasi nicht mehr zu verbuchen. Angriffswelle auf Angriffswelle lief auf den Löwenstrafraum. Zudem erkämpften sich die Saarbrücker eine wahre Serie an Eckstößen, die in der jüngeren Vergangenheit gegen andere Teams schon mehrmals für Gegentore gesorgt hatten. Passiert ist trotz mehrerer brenzliger Momente nichts mehr.

Die Tore im Spiel 1. FC Saarbrücken – TSV 1860 München

Das 1:0

Nach einem Abstoß von Marco Hiller auf die rechte Seite erkämpfte sich Deichmann den zweiten Ball und setzte sich im Duell gegen Kerber durch. Deichmann spielte Bär auf halber Höhe zwischen vorderer Strafraumbegrenzung und Grundlinie rechts von der Box an. Marcel Bär versuchte nach einem kleinen Tänzchen mit Müller ins Zentrum zu Flanken. Seine Flanke wurde jedoch von Boeder geblockt und kam so zu Daniel Wein. Wein kam knapp vier Meter von der Seitenauslinie entfernt aus etwa zwanzig Meter von der Grundlinie entfernt an den Ball. Er zog ein paar Meter nach innen und schlug den Ball dann aus etwa siebzehn Metern ins Strafraumzentrum einen Meter vor die kleine Box. Dort leitete Mölders den Ball mit der Brust weiter zu Biankadi. Der zog trocken ins rechte Eck ab und ließ Batz, dem von zwei seiner eigenen Leute die Sicht versperrt wurde, keine Chance auf eine Abwehraktion.

Das 1:1

Nach einem Foul von Salger an Scheu (81.) zeigte der Schiedsrichter Patrick Kessel, nimmt man allein die Aktion Salgers als Grundlage, wohl zurecht auf den ominösen Punkt. Dass Grimaldi Greilinger zuvor abseits des Balles zu Fall bringt war weder Kessel noch seinem Assistenten an der Seitenlinie aufgefallen. Der eingewechselte Julian Günther-Schmidt schoss links unten vom Schützen aus gesehen ins Tor. Hiller landete ausnahmsweise im falschen Eck und hatte keine Chance, den Strafstoß zu parieren.

Fazit 1.FC Saarbrücken – TSV 1860

Zum Schluss steht unter dem Strich ein 1:1. Vor dem Spieltag hatte ich ja mit einer Punkteteilung gerechnet. Allerdings hätte ich, aufgrund der starken Offensive des 1.FCS eher mit einem glücklichen Unentschiedenen für den TSV 1860 München gerechnet. Nun steht ein glückliches Unentschieden für den Gegner zu Buche und für die Löwen mal wieder verschenkte Punkte. Punkte, die bei höherer Präzision im Abschluss diese Saison schon mehrfach geholt hätten werden müssen.

Nach wie vor ist es aber der komplett falsche Ansatz so zu tun, als spielten die Sechzger schlecht oder würde nicht kämpfen. Lediglich zwei weniger gute Spiele gab es in dieser Saison. Unglücklich vergeigte Punkte aufgrund fehlenden Glücks im Abschluss und/oder glänzender Leistungen der Torhüter auf der Seite der Gegner sind kein Grund, irgendetwas in Frage zu stellen. Schon gar nicht den Trainer oder Willen des Teams.

Es war ein dickes Brett, das man zu Bohren hatte. Letzte Saison hatten wir dort noch verloren, diesmal einen Punkt geholt. Im Saisonvergleich also ein Fortschritt. Auch das Spiel war im Vergleich zu letzter Saison, als man in Halbzeit eins gegen die Saarländer gar nichts zu melden hatte, ein klarer Fortschritt. Wenn die Treffsicherheit hoffentlich bald zurückkommt, wird der TSV 1860 München mit großen Schritten in der Tabelle nach vorne marschieren, dessen bin ich mir sicher. Ich wünsche Euch nun einen schönen Montag. Bis morgen zur Taktiktafel vor dem Pokalschlager gegen den FC Schalke 04.

Datenquelle: Wyscout

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“Nach einem Foul von Salger an Scheu (81.) zeigte der Schiedsrichter Patrick Kessel, nimmt man allein die Aktion Salgers als Grundlage, wohl zurecht auf den ominösen Punkt.”

Scheu klemmt im Fallen Salger`s Arm ein. Ganz klar kein Foul!
Bitte nochmals die Bilder studieren und entsprechend korrigieren!

Schön analysiert! Ich sehe das genauso, die Mannschaft spielt eigentlich einen tollen Fußball, fast in allen Spielen. Selten habe ich eine Saison erlebt, wenn überhaupt, bei der es so ungünstig was die Punkteausbeute betrifft für uns läuft.