Der Verwaltungsrat des TSV München von 1860 e.V. hat dem “Bündnis Zukunft 1860” in einer Erklärung eine Absage zur Podiumsdiskussion erteilt.

Bündnis Zukunft wollte Podiumsdiskussion mit 8 Personen

Das Bündnis Zukunft 1860 hatte geplant, mit vier Kandidat/innen des aktuellen Verwaltungsrats eine öffentliche, live gestreamte Podiumsdiskussion zu veranstalten. Seitens des “Bündnisses” sollten ebenfalls vier Personen teilnehmen.

“Ausgehend von der Anmerkung von Herrn Nicolai Walch bei der Kandidatenvorstellung von Pro 1860 und unserem bereits bei der Übergabe unseres Matchplans geäußerten Angebot zum Austausch an das Präsidium möchten wir den Ball aufgreifen und zu einem gemeinsamen Austausch einladen. Angesichts der bevorstehenden Wahl ist dies sicherlich von öffentlichem Interesse und uns als Vertretern des Bündnis Zukunft 1860 ist es wichtig, dass sich die Mitglieder ein eigenes Bild davon machen können, welche Position wir teilen und wo wir uns unterscheiden […]”.

Nicolai Walch hatte bei besagter Veranstaltung von “Pro1860” und der “Löwenheimat Giesing e.V.” kritisiert, dass das Bündnis mit dem Verwaltungsrat des TSV München von 1860 e.V. noch kein Gespräch gesucht hatte und an ein Treffen appelliert: “[…] Sprecht mit dem amtierenden Verwaltungsrat. Dies hat bis heute nicht stattgefunden. Beschäftigt Euch mit den wirklichen Aufgaben des Verwaltungsrates […]”.

Ob Walch mit “sprecht mit dem amtierenden Verwaltungsrat” eine öffentlichkeitswirksame, dem Wahlkampf dienende Podiumsdiskussion gemeint hatte, darf bezweifelt werden.

Verwaltungsrat des TSV 1860 gegenüber “Bündnis Zukunft”: “Fehlendes Satzungsverständnis, Ignoranz und Respektlosigkeit”

Die nun ebenfalls öffentlich kommunizierte Erklärung des Verwaltungsrats des TSV München von 1860 e.V. hat es in sich. In fünf detailliert verfassten Punkten legt das Kontrollgremium des e.V. dar, weshalb es der Einladung des “Bündnis Zukunft 1860” nicht folgen wird. Im fünften Punkt wird das neunköpfige Gremium deutlich: “Das auf Ihren Social Media-Kanälen formulierte Selbstverständnis des “Bündnis Zukunft 1860“, allein Ihre Kandidaten würden mit einem “klaren Plan für die Weiterentwicklung des Vereins“ antreten, zeugt in unseren Augen nicht nur von fehlendem Satzungsverständnis und ebenso fehlender Kenntnis der Entwicklungen im Verein, sondern leider auch von Ignoranz und Respektlosigkeit”.

Verwaltungsrat erklärt sich: die Meldung im Wortlaut

Sehr geehrte Initiatoren und Mitwirkende des “Bündnis Zukunft 1860“,

die Mitglieder des amtierenden Verwaltungsrats des TSV München von 1860 e. V. wurden am 22.05.2024 durch Sie per E-Mail – mit Fristsetzung bis zum 28.05.2024 – eingeladen, an einer von Ihnen geplanten Online-Podiumsdiskussion teilzunehmen. Nahezu zeitgleich erfolgte bereits eine Bekanntgabe Ihrer Veranstaltung auf den Social Media-Kanälen des “Bündnis Zukunft 1860“. Mittlerweile haben Sie Ihre Einladung in Teilen ebenfalls auf Facebook veröffentlicht.

Wie wir dem Schreiben entnehmen, sollte der Teilnehmerkreis der von Ihnen geplanten Debatte aus vier Kandidaten des “Bündnis Zukunft 1860“ sowie vier aus der Mitte des amtierenden Verwaltungsrats zu benennenden Diskutanten bestehen.

Wir finden die öffentliche Erörterung Ihrer Einladung zwar seltsam, aber passen uns in diesem Fall Ihrer Gepflogenheit an und antworten ebenfalls coram publico: Alle Mitglieder des Verwaltungsrates lehnen eine Teilnahme an der von Ihnen geplanten Veranstaltung aus grundsätzlichen Erwägungen heraus ab.

Die Konzeption Ihrer Veranstaltung, die organisatorische Durchführung sowie die begleitende Kommunikation entsprechen nicht unserem Verständnis von Demokratie und Debattenkultur.

Unsere Absage ist keine Zurückweisung von Einzelpersonen aus Ihrem Bündnis. Ihr persönliches Engagement für den TSV München von 1860 ist uns wichtig und wir erkennen dieses ausdrücklich an. Wir sind überzeugt davon, dass alle Beteiligten um der gemeinsamen Sache willen im Dialog bleiben müssen.

Zu den Gründen im Einzelnen:

Erstens: Ihre Vorstellung vom Verwaltungsrat als ein gestaltendes Gremium im Verein ist falsch. Gestaltend sind das von den Mitgliedern des Gesamtvereins gewählte Präsidium und die von den Mitgliedern der einzelnen Abteilungen gewählten Abteilungsleitungen. Der Verwaltungsrat des TSV München von 1860 e. V. ist satzungsgemäß ein Kontrollgremium. Eines, deren Mitglieder zudem verpflichtet sind, über alle ihnen durch die Verwaltungsratstätigkeit bekannt gewordenen vertraulichen Vorgänge, Stillschweigen zu bewahren. Die von Ihnen gewünschte öffentliche Debatte können wir gar nicht führen, ohne gegen diese Pflicht zu verstoßen.

Zweitens:

Ihnen scheint es vor allem um die erneute öffentliche Vorstellung Ihres Wahlprogramms zu gehen. In Ziffer 10.3 der Satzung des TSV München von 1860 e. V. heißt es: “Vor Wahlen ist ALLEN Kandidaten Gelegenheit zu geben, sich und gegebenenfalls ihr Programm vor beziehungsweise auf der Mitgliederversammlung in angemessenem Umfang vorzustellen.“ Wir respektieren als amtierender Verwaltungsrat alle Kandidierenden und sehen keine Veranlassung dazu, einzelne Personen aus dem Bewerberkreis hervorzuheben. Durch eine Teilnahme an Ihrer geplanten Veranstaltung würden wir aber genau das forcieren.

Drittens:

Die Mitglieder des Verwaltungsrats verstehen sich als ein unabhängiges, pluralistisch zusammengesetztes Vereinsgremium. Es gibt keine, wie Sie offensichtlich annehmen, gemeinsame Agenda, die stellvertretend von vier Ausgewählten vorgetragen werden könnte.

Viertens:

Kurioserweise nutzen Sie in Ihrer Einladung ausgerechnet die Anmerkung eines Verwaltungsratsmitglieds, das in einem Wortbeitrag den von Ihnen initiierten “Blockwahlkampf“ als schädlich für den Verein kritisierte, als Aufhänger. Diese Bezugnahme halten wir für nicht aufrichtig. Der Appell an Sie war selbstredend keine Aufforderung zu weiteren öffentlichen Debatten, sondern zu persönlichen Gesprächen über Aufgaben und Rollenverständnis des Verwaltungsrats. Unvoreingenommen und sinnstiftend hätten solche Unterredungen allerdings schon vor Monaten stattfinden sollen. Sie haben uns nie kontaktiert. Bitte verstehen Sie, dass zum jetzigen Zeitpunkt Ihre Einladung als reines Wahlkampf-Vehikel anmutet.

Fünftens:

Das auf Ihren Social Media-Kanälen formulierte Selbstverständnis des “Bündnis Zukunft 1860“, allein Ihre Kandidaten würden mit einem “klaren Plan für die Weiterentwicklung des Vereins“ antreten, zeugt in unseren Augen nicht nur von fehlendem Satzungsverständnis und ebenso fehlender Kenntnis der Entwicklungen im Verein, sondern leider auch von Ignoranz und Respektlosigkeit.

Mit freundlichen Grüßen

Sascha Königsberg, Sebastian Seeböck, Beatrix Zurek, Christian Groß, Dr. Markus Drees, Gerhard Mayer, Nicolai Walch, Robert von Bennigsen

Verwaltungsrat TSV München von 1860 e.V.

 

 

 

 

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Eurasburger1860

Das Selbstverständnis des Bündnisses ist ähnlich bizarr wie die Auftritte die Ismaik gerade in den sozialen Medien abliefert.

Mit welcher Legitimation soll denn bitte der aktuelle VR (das sind einzelne Personen) weitere Kandidaten benennen, die dann mit dem erlauchten Kreis des Bündnis Blocks diskutieren?

Die Absage war mehr als notwendig und richtig. Man hat dem Bündnis mit dem Auftritt bei Pro schon genug Aufmerksamkeit gegeben!

black_belt_blues

Sehr gut! Genau so und nicht anders. Warum sollte man sich mit dieser personifizierten Scheinheiligkeit jetzt an einen Tisch setzen?
Die kochen so oder so ihre versalzene Ismaik-Suppe, an der sie ersticken würden, wenn sie die am Ende auslöffeln müssten.
Wir Mitglieder werden sie davor bewahren und kein BZ wählen.

Stepanek

Welche Rolle spielt denn der aktuelle Verwaltungsrat im Zusammenhang mit den Wahlen, keine!
Dieser Verwaltungsrat, bzw. seine gewählten Mitglieder werden demnächst die Arbeit einstellen (nach der Wahl) und haben dann keinerlei Aufgaben und Funktionen mehr. Über was wollen/sollen diese dann mit dem BZ heute diskutieren.
Zur Wahl treten eine Vielzahl von Kandidaten an, mit denen kann man über die Zukunft sprechen. Der politischen Fairness halber, sollte man zu solchen Diskussion dann aber alle einladen.
Aber das passt wohl nicht ins PR-Konzept des BZ?

Steffen Lobmeier

Ich finde es schade, weil der jetzige VR argumentativ sicher einiges zu bieten gehabt hätte, kann aber die Begründung für die Absage voll und ganz nachvollziehen.

Siggi

Wie im Artikel schon geschrieben, gibt es “den Verwaltungsrat” in diesem Sinne nicht, sondern die verschiedenen Verwaltungsräte.

Linksblau

Sehr überzeugendes Statement!