Nach knapp zehn Jahren besuchte Ex-Löwe Mohamad Awata erstmals wieder seine syrische Heimat. Nach seiner Rückkehr aus Damaskus berichtet Awata im Interview mit sechzger.de über seine Erlebnisse und Emotionen.
Mohamad Awata im Interview mit sechzger.de
sechzger.de: Servus Mo, vielen Dank, dass Du Dir Zeit für das Interview nimmst. Heute geht es ausnahmsweise mal nur am Rand um Fußball. Vielmehr steht Deine Reise nach Syrien, also Deine Heimat, im Vordergrund. Wie lange warst Du dort und welche Orte hast Du besucht?
Mo Awata: Ich war insgesamt vier Wochen in Syrien. Hauptsächlich habe ich Damaskus und mein Heimatviertel besucht, aber auch einige umliegende Orte. Mir war wichtig, meine Familie zu sehen, alte Freunde zu treffen und mir selbst ein Bild davon zu machen, wie sich das Land nach all den Jahren verändert hat.
sechzger.de: Unter anderem hast Du ja auch Dein ehemaliges Wohnhaus bzw. das, was davon übrigblieb, besucht. Welche Gedanken schossen Dir durch den Kopf, als Du dorthin zurückgekehrt bist, wo Du aufgewachsen warst. Wie lange warst Du nicht mehr dort gewesen?
Mo Awata: Der Besuch meines ehemaligen Wohnhauses war ein sehr emotionaler Moment. Ich war fast zehn Jahre nicht mehr dort. Mein Haus ist völlig zerstört, und mein ganzes Viertel (Damaskus Jobar) liegt in Trümmern. Als ich das gesehen habe, kamen viele Erinnerungen hoch – schöne, aber auch sehr schmerzhafte. In solchen Momenten wird einem bewusst, was Krieg wirklich bedeutet.
Bislang kein dauerhafter Frieden in Syrien
sechzger.de: Inzwischen ist Syrien in den Medien nicht mehr sehr präsent, die Kriege und Krisen in anderen Regionen der Welt werden mehr besprochen. Wie ist die Lage in Syrien aus Deiner Sicht? Von dauerhaftem Frieden ist man ja noch immer weit entfernt, oder?
Mo Awata: Die Lage in Syrien ist heute ruhiger als früher, aber von dauerhaftem Frieden kann man noch nicht sprechen. Viele Menschen kämpfen täglich ums Überleben, vor allem wirtschaftlich ist die Situation extrem schwierig. Trotzdem spürt man Hoffnung und einen starken Willen der Menschen, weiterzumachen.
sechzger.de: Du bist 2016 vor dem Bürgerkrieg über die Türkei und Griechenland nach Deutschland geflohen, viele Freunde und Familienmitglieder sind geblieben. Was hat der Krieg mit den Menschen dort gemacht?
Mo Awata: Der Krieg hat tiefe Spuren bei den Menschen hinterlassen. Viele sind müde, innerlich verletzt und haben viel verloren. Gleichzeitig sind sie unglaublich stark, solidarisch und dankbar für kleine Dinge. Diese Mischung aus Schmerz und Stärke hat mich sehr bewegt.
“München ist meine zweite Heimat geworden”
sechzger.de: Du bist inzwischen seit rund zehn Jahren in Deutschland, hast Dir ein neues Leben aufgebaut. Hast Du mittel- oder langfristig den Wunsch, wieder nach Syrien zurückzukehren? Oder siehst Du Deinen Lebensmittelpunkt auch dauerhaft in München?
Mo Awata: Syrien ist mein Land, es hat mich geprägt und mir so viel gegeben. Ich trage eine große Dankbarkeit für meine Heimat in mir. In der kommenden Zeit möchte ich sowohl in Syrien als auch hier etwas bewegen, arbeiten und Verantwortung übernehmen. Es ist mein Wunsch, meinem Land zu dienen und etwas zurückzugeben. Gleichzeitig bin ich in München sehr glücklich, habe hier tiefe und starke Beziehungen zu den Menschen aufgebaut und fühle mich auch hier zuhause. München ist für mich ebenfalls zu einer zweiten Heimat geworden.
sechzger.de: Bei Deinem Besuch hast Du ja auch Kontakte geknüpft, um beim Aufbau Deiner Heimat zu helfen. Wie sieht das konkret aus? Und gibt es eine Möglichkeit, Dich zu unterstützen?
Mo Awata: Während meines Besuchs habe ich Kontakte geknüpft, um soziale und sportliche Projekte zu unterstützen, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Sport kann Hoffnung geben und Perspektiven schaffen. Unterstützung ist über verschiedene Hilfsorganisationen oder durch direkte Förderung solcher Projekte möglich.
Strukturelle Schwächen im syrischen Fußball
sechzger.de: So ganz ohne Fußball geht’s dann doch nicht. Du warst bei Deinem Besuch in Syrien auch im Stadion und hast Dir ein Spiel angeschaut. Was war das?
Mo Awata: Natürlich durfte auch der Fußball nicht fehlen. Ich habe ein Ligaspiel in Damaskus besucht. Die Atmosphäre war sehr besonders, die Leidenschaft der Fans war trotz aller Schwierigkeiten deutlich spürbar.
sechzger.de: Wie würdest Du das Niveau des syrischen Fußballs einschätzen? Würdest Du gerne – falls sich die Gelegenheit bietet – mal für die Nationalmannschaft auflaufen?
Mo Awata: Das Niveau des syrischen Fußballs ist ausbaufähig, allerdings gibt es viele talentierte Spieler. Mit besseren Strukturen wäre noch viel möglich. Für die Nationalmannschaft zu spielen wäre für mich selbstverständlich eine große Ehre, sollte sich diese Gelegenheit einmal ergeben.
sechzger.de: Nach Deinem Abschied von den Löwen im Jahr 2018 hast Du in Jordanien gespielt, kehrtest aber nach nur wenigen Monaten nach Deutschland zurück. Woran lag das?
Mo Awata: Die Rückkehr nach Deutschland hatte sowohl sportliche als auch persönliche Gründe. Ich habe gemerkt, dass es für meine Entwicklung der richtige Schritt war.
Vertragsauflösung bei Türkgücü
sechzger.de: Bis gestern standest Du bei Türkgücü unter Vertrag, nun wurde dieser aufgelöst. Wie geht es weiter für Dich?
Mo Awata: Türkgücü kämpft um den Klassenerhalt und ich drücke der Mannschaft die Daumen. Was mir Mut macht, ist der starke Zusammenhalt innerhalb des Teams und der feste Glaube daran, dass man es schaffen kann. Ich selber bin offen für eine neue Herausforderung und gespannt, was sich ergibt. Natürlich würde ich sehr gerne im Raum München bleiben.
sechzger.de: Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft!
Mo Awata: Vielen Dank für das Interview und die angenehme Zusammenarbeit.















Danke für das Interview! War sehr interessant zu lesen!
Awata ist einfach ein Grundsympatischer Typ! 🙂
Wow! Vielen Dank für diese Eindrücke! Und alles Gute weiterhin an Mo Awata!