Ein herzliches Grüß Gott zur Taktiktafel vor dem Spiel FSV Zwickau – TSV 1860 München. Die Sechzger stehen vor der schweren Aufgabe, den sprichwörtlichen Bock umzustoßen und etwas Zählbares einzufahren. Die Zwickauer haben gegen Halle und Kaiserslautern keine Punkte holen können. Das Nachholspiel zwischen diesen beiden Spielen gegen Viktoria Köln wurde gewonnen. Vergangenen Samstag konnte die Partie gegen Verl wegen Sturm nicht stattfinden. Was können wir von den Gastgebern aus Westsachsen erwarten und wie kann man dort das bestmögliche Ergebnis einfahren?

Joe Enochs, der amerikanische Coach der Schwäne, ist der dienstälteste Trainer der Liga. Seit Jahren hält er sein Team mit einem vergleichsweise niedrigen Etat in der dritthöchsten Spieklasse. Er schafft es, sowohl Taktik als auch Systematik Jahr für Jahr dermaßen an das vorhandenen Spielermaterial anzupassen, dass er sich trotz eingeschränkter Mittel mit dem Abstieg in den vier Jahren seiner Amtszeit nur peripher beschäftigen musste.

Waren die Zwickauer vergangene Saison noch vornehmlich im 3-5-2 (5-3-2) unterwegs, lässt Enochs seine Schwäne in dieser Spielzeit mit einer Ausnahme generell mit Viererkette in der letzten Reihe antreten. Am häufigsten wurde bisher das 4-4-2 mit der Doppelsechsvariante auf den Plan geworfen. Und genau mit diesem System rechne ich auch am Samstag.

Die wichtigsten Statistiken des FSV Zwickau

  • Ballbesitz: 43% (schlechtester Wert in der Liga)
  • Passgenauigkeit: 74% (schlechtester Wert in der Liga)
  • Defensive Zweikampfquote: 63%
  • Flankengenauigkeit: 38% (bester Wert der Liga)
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion): 9,5

Wie spielt der FSV Zwickau? Wo ist er angreifbar?

Aus einer sicheren Defensive heraus versuchen die Zwickauer mit möglichst wenig Ballkontakten schnörkellos auf die Flügel im letzten Drittel vor dem gegnerischen Tor zu kommen, um dann mit gut gezielten Flanken das Sturmzentrum zu bedienen. Der FSV Zwickau ist das Team, das trotz im Schnitt geringem Ballbesitz, die meisten Flanken mit der höchsten Genauigkeit in der Liga pro Spiel zustande bringt. Eine leichte Tendenz dieses Flügelspiels zur linken Seite hin ist bei Zwickau zu erkennen. Fünfzehn Prozent der Flanken der Schwäne kommen in den Fünfmeterraum des Gegners.

Dieses Vorgehen der Zwickauer in der Offensive macht auch durchaus Sinn. Als zweitstärkste Mannschaft hinter Wiesbaden, was den Erfolg beim Kopfballspiel betrifft, und als Mannschaft, die am häufigsten Kopfballduelle führt, wäre es unlogisch, diese große Stärke nicht auszuspielen.

Gegen den Ball stehen die Zwickauer relativ tief und agieren abwartend. Vor der Box der Zwickauer kann es zu einem zermürbenden Geduldsspiel werden, bis der Ball einmal gefährlich in die Box gespielt werden kann. Hohe Flanken werden bei der Kopfballstärke des Teams und mit der Strafraumbeherrschung, die Torhüter Brinkies an den Tag legt, eher nicht zum Erfolg führen. Eine Ausnahme könnten hier auf Kopfhöhe, vom Tor weggezogene scharfe Flanken bilden.

Angriffspunkte

Flanken, die nicht von oben in den Gefahrenzone hineintropfen, sondern eben scharf gespielt werden, haben für die angreifende Mannschaft den Vorteil, dass sie, wenn sie verteidigt werden können, oft leichter als zweiter Ball im Zentrum vor dem Tor erobert werden können. Nichtsdestotrotz halte ich, um den Ball in die Box bzw. den Fünfmeterraum zu bringen, flache Flanken und Kombinationsspiel für das zielführendere Mittel.

Damit das gelingt, wird viel Bewegung ohne Ball von den offensiven Spielern der Sechzger vonnöten sein. Sich in tiefere Positionen fallen lassen, Positionswechsel mit dem Nebenmann, Kreuzläufe in der Spitze, um Defensivspieler horizontal aus der Position zu ziehen, oder das Innenverteidigerpaar in der Rückwärtsbewegung auf dem falschen Fuß zu erwischen, können Mittel sein um das Bollwerk, das die Westsachsen zur Verteidigung der eigenen roten Zone aufbieten, zu durchbrechen.

Stärken und Schwächen des 4-4-2 (Doppelsechs)

Stärken:

Es wird zunächst eine starke, doppelte Abwehrkette aufgebaut. Dadurch wird es möglich, den Gegner auf den Flügeln zu doppeln und trotzdem im Zentrum kompakt zu stehen. So zwingt man den Gegner oft Tempo aus dem Spiel zu nehmen. Passwege können aufgrund der guten Staffelung in Tiefe und Breite leicht zugestellt werden.

In der Offensive liegen die Stärken klar auf den Außenpositionen. Sowohl die Außenverteidiger, als auch die Mittelfeldaußenspieler können für großen Druck auf den Flügeln sorgen.

Von den beiden defensiven Mittelfeldspielern im Zentrum übernimmt einer den offensiven Part (Box to Box Spieler) und der andere bleibt auf seiner absichernden Position. So kann man die Lücke im Zentrum zu den Stürmern schließen.

Wenn das Zusammenspiel der Mannschaftsteile gegen den Ball so funktioniert wie es in diesem System gewollt ist, zwingt man den Gegner oft auf die Flügel, sodass dieser mit Flankenläufen und hohen Bällen agieren muss, um den Ball ins Zentrum vors Tor zu bringen.

Schwächen:

Die große Schwäche in diesem System ist normalerweise die Lücke zwischen Mittelfeld und Sturm. Sowohl bei eigenem Ballbesitz, aber auch nach einem Ballverlust ist es wichtig, diesen Raum schnell zu schließen.

Es fehlt ein Kreativspieler im Zentrum. Deshalb ist das zentrale offensive Mittelfeld ein Schwachpunkt. Offensive Kreativität entwickelt sich im 4-4-2 mit Doppelsechs vornehmlich auf den Außenpositionen.

Durch das fehlen des “Zehners” wird dem Box to Box Spieler eine hohe Laufleistung abverlangt. Er muss sowohl offensiv als auch defensiv die Lücken zwischen den Mannschaftsteilen schnell schließen.

Schlüsselspieler

Defensive

Torhüter und Kapitän Johannes Brinkies (#1) ist seit Jahren die klare Nummer 1 der Schwäne und eine absolute Bank bei hohen Bällen in den Strafraum. Leichte Schwächen hat er auf der Linie und im eins gegen eins. Diese sind aber vernachlässigbar. Im Großen und Ganzen ist Brinkies einer der besten Keeper der Liga.

Die Zweikampfmaschine der Schwäne in der Innenverteidigung ist Steffen Nkansah (#25). Er ist mit 71% gewonnener Zweikämpfe der große Stabilitätsfaktor in der Hintermannschaft des FSV. In der Spieleröffnung ist der 25-jährige Abwehrchef sicher und mit einem guten Auge für den freien Mitspieler ausgestattet. Hinzu kommt, dass der 1,88 m große Nkansah in Puncto gewonnene Kopfballduelle im eigenen Sechzehner in der Top Ten der Liga zu finden ist.

Mittelfeld

Mit Jansen und Schikora fallen die eigentlichen Schlüsselspieler auf der Sechserposition aus. So wird also vermutlich der Junge Yannick Möker (#27) der Schlüssel im defensiven Mittelfeld werden. Sowohl defensiv als auch offensiv ist er mit seinen erst 22 Jahren nach den oben genannten Ausfällen eine Stütze des Teams von Joe Enochs. Defensive Zweikampfstärke und gutes Passspiel zeichnen den jungen Defensivspieler, der sowohl als Sechser als auch als Achter einsetzbar ist, aus.

Sturm

Ronny König (#15), der “alte” Mann im Sturmzentrum, ist ein ständiger Unruheherd. Er geht auch “dahin, wo’s wehtut”. Bisher hat er allerdings erst vier Treffer auf dem Konto. Dadurch, dass er Räume für seine Mitspieler schafft, indem er einen Innenverteidiger bindet, ist König auch mit mäßigem Torerfolg der wahrscheinlich wichtigste Offensivspieler bei Zwickau. Die meisten Treffer für die Schwäne hat Dominic Baumann (#28) auf dem Kerbholz. Aus der Tiefe in die Spitze vorstoßend ergänzt er König vortrefflich.

Fazit für das Spiel FSV Zwickau – TSV 1860 München

Für beide Teams gilt am Samstag der alte Grundsatz: Das nächste Spiel ist immer das Schwerste. (Den Fünfer ins Phrasenschwein zahl ich hier gerne).

Die Zwickauer gehen nach dem Spielausfall der Partie gegen Verl ausgeruhter in die Partie, ob das jedoch ein entscheidender Vorteil ist, wird sich zeigen.

Der Erfolg für den TSV 1860 gegen Zwickau hängt nach meinem Dafürhalten ganz klar von der Bereitschaft ab, gegen den Ball konzentriert und mit entsprechender Härte zu agieren. Bei Ballbesitz sind Laufbereitschaft und Passgenauigkeit in die Spitze der Schlüssel zum Erfolg.

Zwickau wird seine Tugenden, das Spiel des Gegners zu zerstören, in die Waagschale werfen. Vorne wird der FSV Zwickau mit Druck über die Außen die Stürmer mit hohen Bällen füttern, um die vorhandene Kopfballstärke auszunutzen.

Schlüssel zum Sieg

Keine Angst davor Fehler im Offensivspiel zu machen, ist aus Löwensicht am Samstag das wichtigste. Fehler dürfen passieren. Sie sind normal im Fußball. Die eigenen Mitspieler zu Fehlern zu zwingen, weil man aus Angst davor, den Ball zu bekommen nicht in der Lage bzw. nicht Willens ist, sich frühzeitig vernünftig freizulaufen, darf nicht mehr passieren.

Viel Bewegung bei eigenem Ballbesitz in den vertikalen und horizontalen Ebenen des Spielfelds innerhalb des Offensivverbunds der Löwen ist der Schlüssel zu erfolgreichem Offensivspiel beim TSV 1860 München gegen die Schwäne aus Zwickau, die traditionell tief stehen werden.

Gegen den Ball wird es für die Löwen wichtig sein, das Flügelspiel zu unterbinden und Zwickau ins Zentrum zu zwingen, wo sie bisher nicht sehr effektiv agieren.

Natürlich ist Zwickau schlagbar. Nach der Niederlage im Hinspiel und der Leistung der letzten beiden Spiele hat die Mannschaft von Michael Köllner gegen die Schwäne etwas gutzumachen. Das ist hoffentlich Motivation genug, um alles zu geben, was für drei Punkte in der Trabistadt nötig ist.

So könnte Zwickau gegen den TSV 1860 beginnen

Datenquelle: Wyscout

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