Als wir von sechzger.de vor ein paar Monaten uns Gedanken machten, wie wir die zerstrittenen Fanlager beim TSV 1860 wieder etwas näher zusammen bringen könnten, hatten wir folgende Idee: Wir setzen zwei in der Fanlandschaft relativ bekannte Fans mit unterschiedlichsten Ansichten an einen Tisch, diese können dann eine Stunde diskutieren – zum Schluss werden sie vermutlich nicht einer Meinung sein, aber immerhin zeigen dass man sich trotzdem respektieren und auf Augenhöhe miteinander reden kann. Namen die uns damals unter anderem durch den Kopf gingen: „Kraiburger“ bei den Traditionalisten und „Franz Hell“ auf der investorenfreundlichen Seite.

Dann kam Corona – und wir hatten ganz andere Probleme. Zudem bekam der Franz einen Herzinfarkt und da wollten wir ihn eher nicht stressen – die Idee geriet in Vergessenheit. Dann kam das Trainingslager des TSV 1860 in Windischgarsten und ich bekam einen Anruf:

„Du, das 11-Freunde-Magazin sucht für den „Stammtisch“ drei Löwenfans mit unterschiedlichen Ansichten. Der Franz Hell hat schon zugesagt. Wärst Du dabei?“.

„Wow, das 11Freunde“ – war mein erster Gedanke – die einzige Fußballzeitung, die ich mir noch am Bahnhofskiosk bei meinen Reisen hole: Erstausgabe im Jahre 2000, erscheint inzwischen monatlich mit einer verkauften Auflage von über 50 000 Exemplaren und hat diverse Auszeichnungen bekommen. Ob ich da dabei wäre? Na, selbstverständlich.

Weniger selbstverständlich für mich war, dass sich ein Reporter mal eben von Duisburg aus auf den Weg machte und in München dazu einen Fotografen (+ Assistenten) einpackte – jener fotografiert normalerweise Nationalspieler, Politiker und Luxusautos:

www.dirkbrunieckie.de

Von München aus fuhren sie dann mal eben nach Windischgarsten um dort den „Stammtisch“ abzuhalten und fotografisch festzuhalten:

Da saßen wir nun zu dritt – der Franz, der Maxi und ich –  in Windischgarsten im Wirtshaus Kemmetmüller und machten das, was wir im Trainingslager am liebsten machten – allerdings unter Beobachtung. Diese war jeoch gleich vergessen – und es kam wirklich Stammtisch-Atmosphäre auf:

Wir philosophierten über den TSV 1860, die Fehler der Vergangenheit, die Lage in der Gegenwart und einen möglichen Weg für die Zukunft. Den genauen Inhalt entnehmt ihr bitte dem Heft 11FREUNDE (Ausgabe 227 – Oktober 2020) – das hat ohnehin mit 116 meist farbigen DIN-A4-Seiten, wenig Werbung aber vielen sehr guten Artikeln das Prädikat „klare Kaufempfehlung“.

Dass Franz, Maxi und ich nach 90 Minuten Gespräch nicht die gleiche Meinung haben: Selbstverständlich. Aber ebenso selbstverständlich, dass wir auf Augenhöhe diskutieren. Mit dem Franz im Übrigen seit nun bald 25 Jahren, weil wir schon viele tausend Kilometer gemeinsam zurückgelegt haben – z.B. im Auto nach Portugal über Andorra (2500 Kilometer) zur Europameisterschaft 2004.

Wer Recht hat? Nicht so wichtig. Wichtig ist, dass sich Löwen untereinander respektieren und akzeptieren. Einen Satz bzw. zwei Sätze vom 11Freunde-Interview drucke ich dann doch ab, es ist das Schlusswort vom Franz Hell und dieses passt auch hier: „Egal, was auch passiert: Unsere Liebe zu Sechzig ist und bleibt ungebrochen.“

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hab das Heft seit vielen Jahren im Abo, ist wirklich empfehlenswert,weil auf eine intelligente und durchdachte Art systemkritisch; euer Stammtisch hat mich förmlich angesprungen, mit einer mehrseitigen Reportage über die Situation bei ´60 hätte ich nie gerechnet! und wie beschrieben, man muss nicht einer Meinung sein ,um respektvoll miteinander umzugehen; daher hats mich sehr gefreut was und wie ihr euch präsentiert habt; ich habe insgesamt den Eindruck, dass wir in der öffentlichen Wahrnehmung, auch was die Fachpresse betrifft, langsam wieder Boden gutmachen und entsprechend “positiver” dargestellt werden

In der Tat sehr lesenswert, auch wenn mir Maxis und Stephans Ansichten natürlich deutlich nachvollziehbarer erscheinen als die vom Franz.

Aber das kennt man ja von der ARGE…