TSV 1860 scheitert im DFB Pokal an Eintracht Frankfurt

“Sechzig applaudiert sich trotzig selbst” überschrieb die Süddeutsche Zeitung ihren Spielbericht vom Pokal-Aus der Löwen vom TSV 1860 gegen Eintracht Frankfurt gestern Nachmittag. Und dieser Satz bringt auf den Punkt, was zahlreiche Löwenfans  empfanden, die sich das Spiel in einer der Kneipen Rund um den Ort des Geschehens, etwas weiter entfernt oder vielleicht zu Hause vor dem TV-Bildschirm angesehen haben.

Weit trauriger als das Ausscheiden unserer Mannschaft wog und wiegt allerdings die Tatsache, dass dieser Pokalknaller zweier Traditionsvereine mit reichhaltiger Pokalgeschichte – auch und vor allem im direkten Vergleich – gestern Nachmittag ein weiteres stimmungsvolles Kapitel hinzugefügt worden wäre, wenn… ja wenn nicht weiterhin der Covid 19-Erreger ein Fußballspiel vor Zuschauern (zumindest im Freistaat Bayern) verhindern würde. Was wären das für gesangliche Duelle zwischen Westkurve und Stehhalle und den Gästefans in der Ostkurve geworden? Gänsehaut garantiert! Und vielleicht hätten ja 13.500 frenetischen Löwenfans die letzten fehlenden Reserven auf weiß-blauer Seite mobilisiert, die am Ende für die Pokalsensation gefehlt haben.

Haben in der Vergangenheit nicht schon häufig gefühlt die Zuschauer im Giesinger Fußballtempel den Ball über die Linie gedrückt und damit das Stadion erst Recht zum Tollhaus gemacht? Aber Lammentieren hilft nichts. Genausowenig übrigens über die Leistung des Schiedsrichters von gestern Nachmittag. Gleichwohl die Aberkennung des Anschlusstreffers durch Sascha Mölders nach 64 Minuten eine Fehlentscheidung war, sollten wir aus dieser Partie ehobenen Hauptes herauskommen und nicht den Fehler beim Unparteiischen oder sonstigen Widrigkeiten suchen.

Unter dem Strich habe ich gestern einen Bundesligisten gesehen, der gegen einen aufopferungvoll Fußball arbeitenden Drittligisten exakt so viel Engagement auf den Rasen brachte, um den Einzug in die nächste Runde zu realisieren. Im Prinzip genügte den Hessen die Viertelstunde nach der Pause, um Sechzig auf die Verliererstraße zu schicken. Wie sagt man so schön: Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss.

In Sachen Ballsicherheit und Passgenauigkeit habe ich über weite Strecken des Spiels den Zweiklassenunterschied deutlich gesehen. Und dennoch war es ein würdiger Auftritt unserer Löwen, der die zumindest aus sportlichen Gesichtspunkten vorhandene Vorfreude auf die nächsten Samstag beginnende Saison nochmal steigern konnte. Und da ich vorher nicht mit einem Weiterkommen im Pokal gerechnet hatte, hält sich die Enttäuschung auch in Grenzen. Mund abputzen – weitermachen. Da war ich in den vergangenen Jahrzehnten, als es dem TSV 1860 als Zweit- oder Erstligisten so häufig nicht gelang, im Pokal zumindest mal zu überwintern, sondern man sich regelmäßig spätestens im Achtelfinale nach Kräften blamierte und gegen irgendwelche “Nonames” ausschied wesentlich entäuschter.

Was gestern auf jeden Fall gewonnen wurde sind Erkenntnisse. Erstens: Michael Köllner hat das Team in der Sommervorbereitung wieder ein Stück weiter entwickelt und hat einen Plan, wie er aus dem vorhandenen Spielermaterial Maximales herausholen kann. Allen Zweiflern und Nörglern zum Trotz. Zweitens: Wir brauchen unbedingt noch einen Stürmer, der den Leitwolf Sascha Mölders direkt unterstützt und entlastet, ihn aber auch mal nach sechzig oder siebzig intensiven Minuten auf dem Rasen komplett ersetzen kann.

Mit Mölders allein dürfte das Beklagen der vergebenen Torchancen in der kommenden Saison häufiger zu hören sein. Günter Gorenzel, bitte übernehmen Sie! Und drittens: Wir brauchen unbedingt wieder Zuschauer im Stadion. So nett auch meine persönliche Gesellschaft im Biergarten des “Agilolfinger” in Untergiesing, der Vereinsgaststädte des SC München auch war – Fußball findet in vollen, stimmungsvollen Stadien statt und ein Traditionsduell wie das gestrige hat vor einer Geisterkulisse nur eines Bruchteil des Reizes, wie vor einer vollen Hütte.

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