Schon im fünften Jahr hintereinander blicken sechzger.de-Redakteure am Ende der Saison in einem Rückblick aus ihrer ganz persönlichen Perspektive zurück auf die zu Ende gegangene Spielzeit. Nachdem bereits zahlreiche Redakteure einen ausführlichen Blick auf die Spielzeit 2024/25 geworfen haben, ist heute Jan Schrader mit seinem Saisonrückblick an der Reihe.
Heimspiel gegen Cottbus – warum nicht immer so?
Nichts Halbes und nichts Ganzes war die Saison 2024/25 mit unseren Löwen. Erneut musste ein Trainerwechsel her, um die Mannschaft wieder in die Spur zu bekommen. Auch wenn man das beim TSV 1860 München durchaus gewohnt ist, nervt es rückblickend dennoch. Dass sie das Potential zu mehr hatte, ließ sie immer wieder aufblitzen – nur um wenig später mit der nächsten Enttäuschung aufzuwarten. Immerhin wurde wir als Fans vom Abstiegskampf an den letzten Spieltagen verschont.
Welches war Dein Löwenspiel der Saison?
Spielerisch und ergebnistechnisch möchte ich an dieser Stelle definitiv das überraschende 5:1 gegen Energie Cottbus nennen. Verloren die Löwen im Hinspiel in dieser Höhe noch unglücklich mit 1:5 in Cottbus, drehten sie gegen den Aufsteiger im Rückspiel den Spieß mit einem tollen Auftritt um und sorgten für Begeisterung unter den Löwenfans. Es war ein toller Heimspieltag an diesem Samstag in Giesing.
Wenn wir vom Gesamtpaket sprechen, ist bei mir definitiv der Auftritt bei Waldhof Mannheim ganz vorne. Vom Ergebnis über den Support hat an diesem Tag einfach alles gepasst. Ein top aufgelegter Gästeblock zeigte dem Heimanhang die Grenzen auf und das Geschehen auf dem Platz befeuerte die Löwenfans passenderweise auch noch.
Wer war Dein Spieler der Saison?
Auch wenn er erst zur Rückrunde zu der Mannschaft dazu stoß, steht er für mich sinnbildlich für eine der wesentlichen Verbesserungen unter Patrick Glöckner. Gemeint ist Anderson Lucoqui, der sich mit viel Kampf, Willen und Einsatz innerhalb kürzester Zeit in die Herzen der Fans gespielt hat. Das sind genau die Tugenden, die man leider sehr oft vermisst hat und die Siege noch schöner und Niederlagen erträglicher machen. Ich hoffe, dass man sich mit Lucoqui auf einen neuen Vertrag einigen kann und er sich von seiner Knie-Operation gut erholt. Dann werden wir auch 2025/26 wieder viel Freude mit dem ehemaligen Braunschweiger haben.
Was oder wer war für Dich die Überraschung (positiv/negativ) der Saison?
Hier möchte ich die Entwicklung von Sean Dulic als positiven Aspekt nennen, die Peter in seinem Rückblick auch bereits umfangreich beschrieben hat. Aus der Not heraus musste oder durfte der Junglöwe in der Innenverteidigung ran und hat seinen Job von Beginn an stark gemacht. Gekrönt wurde das Ganze durch die geniale Offensivaktion im Spiel gegen Energie Cottbus. Umso schöner, dass man sich vor kurzem auf eine langfristige Verlängerung des ursprünglich bis 2026 laufenden Vertrags einigen konnte. Macht Dulic so weiter, werden ihn die Löwen früher oder später nicht mehr halten können, aber man darf dann stolz sein auf den nächsten Junglöwen, der es im Profifußball weit bringen könnte.
Auch bei der negativen Überraschung schließe ich mich einem Vorredner an und zwar Christian. Die Heimbilanz war schon erschreckend und auch einer der Gründe, wieso die Löwen lange im Tabellenkeller und abschließend im Mittelfeld der Liga gelandet sind. Wirkliche Gründe gibt es für das schlechte Abschneiden auf Giesings Höhen nicht – man kann nur hoffen, dass es 2025/26 wieder deutlich besser aussehen wird.
Was war für Dich das schönste Tor der Saison?
Es waren tatsächlich einige schöne Treffer in der Rückrunde dabei (Guttaus Treffer in Hannover, Wolfram in Köln, Deniz gegen Haching), aber wie in meinem Jahresrückblick 2024 nenne ich an dieser Stelle erneut den Treffer von Thore Jacobsen in Bielefeld. Einmal hochgeschaut, gezielt, perfekt getroffen und drei ganz wichtige Punkte auf der Habenseite.
Insgesamt eine enttäuschende Saison
Am Ende stand Platz 11. Bist Du zufrieden mit dieser Saison?
Zufrieden kann man definitiv nicht sein – einzig mit dem Umstand, dass der Klassenerhalt dann doch frühzeitig unter Dach und Fach gebracht wurde. Die Einschätzung, dass das ein Kader für die obere Tabellenregion in der 3.Liga ist, konnte die Mannschaft viel zu selten bestätigen. Hoffentlich kommt in der nächsten Spielzeit mehr Konstanz bei den positiven Leistungen rein, dann kann ein Aufstieg ein realistisches Szenario sein.
Enttäuscht bin ich mittlerweile allerdings auch nicht mehr, denn bereits zur Winterpause war ja absehbar, dass in dieser Saison der Klassenerhalt das höchste der Gefühle sein wird. Zumindest lag ich mit meinem Tipp Ende 2024 fast richtig (Platz 9).
Wie schätzt Du die Arbeit von Patrick Glöckner und seinem Trainerteam ein?
In Mannheim trauert man Glöckner zum Teil noch nach und ich denke mittlerweile kann man auch sehen, warum dem so ist. Der Ansatz mit mehr Emotionen gefällt mir persönlich besser als der analytische und ruhige Stil von Giannikis. Für eine abschließende Bewertung möchte ich allerdings die kommende Saison abwarten. Zu oft hat man sich bei den Löwen schon gefreut, um dann doch nach einigen Monaten den nächsten Trainerwechsel erleben zu müssen. Ich fände es schön, wenn wir an dieser Stelle auch nach der Saison 2025/26 über Patrick Glöckner und sein Trainerteam diskutieren können.
Was wird Dir von der Saison 2024/25 besonders in Erinnerung bleiben?
Zum einen die schwache Heimbilanz, zum anderen den Wechsel von Marco Hiller. 17 Jahre sind im Profifußball heuzutage eine absolute Seltenheit und Hiller hat nicht nur regelmäßig mit Paraden die Mannschaft im Spiel gehalten, sondern trägt den Löwen auch im Herzen. Eine traumhafte Kombination, die nun leider erst einmal nicht mehr zu sehen sein wird. Ich kann mir aber vorstellen, dass das nicht der letzte Auftritt im Löwentrikot war. Zumindest hoffe ich sehr, dass Marco irgendwann den Weg zurück nach Giesing findet.
Nächste Saison um den Aufstieg mitspielen
Was rechnest Du Dir in der kommenden Saison mit den Rückkehrern Volland, Niederlechner und Jakob aus?
Puh, das ist wirklich eine spannende Frage. Zum einen sind das natürlich schon Transfers mit Signalwirkung und schön ist es auch, dass Spieler wieder zu ihrem Verein zurückkehren. Andererseits schwirrt mir immer wieder der Name Stefan Aigner im Kopf herum. Da waren die Umstände ja ähnlich und dann hat die Wiedervereinigung von Spieler und Verein mal so gar nicht gefruchtet. Ich möchte aber positiv bleiben und sage daher: so einiges! Der Aufstieg ist ja seit Jahren ohnehin das selbsternannte Ziel, aber aktuell habe ich auch wirklich ein gutes Gefühl dabei, dass die Rückkehr in die 2.Bundesliga gelingen könnte.
Von welchem Spieler erwartest Du Dir in der Saison 2025/26 besonders viel?
Da führt kein Weg daran vorbei, auch hier Niederlechner und Volland zu nennen. Ich bin gespannt, wie schnell sie in der 3.Liga ankommen werden – der Fußball, der hier gespielt wird, ist ja doch ein anderer als in Liga 1 und 2 – doch wenn das zeitnah gelingt, müssten beide locker 10+ Tore erzielen können.
Was ist Dein dringendster Wunsch in Bezug auf den TSV 1860?
Da habe ich sogar zwei. Fortschritte in Sachen Stadion wünscht man sich gefühlt in jedem Saison- und Jahresrückblick, passieren tut allerdings in den letzten Jahren herzlich wenig. Ich baue mal auf das Wort von Oberbürgermeister Dieter Reiter, dass in diesem Jahr nun auch wirklich eine Entscheidung in Sachen Grünwalder Stadion fallen muss. Dann wird man sehen, wohin die Reise für die Löwen gehen wird. Dass für mich die Zukunft nur in Giesing liegen kann, daraus möchte ich keinen Hehl machen. Mir fehlen einfach nach wie vor realistische (!) Alternativen, von daher kann die Antwort nur Sechzgerstadion lauten.
Mein zweiter Wunsch ist, dass die Durchlässigkeit in Sachen Nachwuchs – Profis noch besser wird. Reich und Dulic sind zwei positive Beispiele, mit denen die Löwen früher oder später Transfereinnahmen generieren können. Nur so kann der TSV 1860 München grüne Zahlen schreiben – entsprechend hoffe ich, in der Saison 2025/26 die nächsten Durchstarter erleben zu dürfen.
Bisher erschienene Saisonrückblicke der sechzger.de-Redaktion auf die Saison 2024/25:
Thomas Enn
Christian Jung
Thomas Spiesl
Stefan Kranzberg
Peter Gratz












Als Stefan Aigner zurückkam, wurde in der KGaA Englisch gesprochen. Dass sich da ein bairisches Urgestein nicht wohl fühlt (und nicht nur deswegen) konnte nicht wirklich verwundern. Deshalb würde ich den Stefan Aigner jetzt nicht als Vergleich heranziehen.
Aber da lief doch noch mehr falsch, meinst nicht?
Was meinst Du? Ich stehe jetzt auf dem Schlauch.
Was ich meinte, ist, dass die Rückholaktion von Aigner mit der von Jakob, Volland und Niederlechner unter ganz anderen Umständen stattfand. 4 Millionen für Aigner, “We go to the Top”, Pereira, 20 Mio. zusätzliche Schulden usw. usf. HI ist zwar immer noch da, aber es wird jetzt wohl so viel wie möglich im Hintergrund (ohne Facebook) geklärt(?).
Ich habe das schon des Öfteren im Kommentarbereich gepostet: Es ist alles eine Sache des morphischen Feldes oder anders gesagt: es müssen alle am selben Strang und in dieselbe Richtung ziehen. Wenn das nicht gewährleistet ist, hilft dir auch ein Wirtz bei Sechzig nichts.