Für die “Generation Bayernliga” beim TSV 1860 fand heute vor 34 Jahren ein ganz besonderes Spiel statt. Zwar handelte es sich nur um ein Testspiel, aber die Löwenfans fieberten der Partie trotzdem schon Tage vorher entgegen. Im Olympiastadion traf Sechzig im Derby auf den Verein aus der Seitenstraße und trotzte ihm ein beachtenswertes 0:0 ab.
Kein Derby zwischen 1984 und 1991
Über zehn Jahre waren seit dem letzten Bundesligaderby im März 1981 (1:1) vergangen. Die Löwen hatten sich am Saisonende 80/81 aus der Bundesliga verabschiedet und mussten ein Jahr später wegen des Lizenzentzugs gar den bitteren Weg in die drittklassige Bayernliga antreten. Für den Weltverein aus der Säbenerstraße war 1860 in der Folge kein wirklich adäquater Gegner mehr. Dreimal traf man sich noch im Oly bzw. auf Giesings Höhen zu Freundschaftsspielen, die es zwischen diesen beiden Vereinen nach Überzeugung der Anhänger hüben wie drüben aber ja eigentlich gar nicht geben kann. Ab Herbst 1984 gab es dann sieben Jahre lang gar keine Stadtduelle mehr, was zum damaligen Zeitpunkt noch einigermaßen unüblich war.
Zwei vereinbarte Testspiele nach dem Aufstieg der Löwen
Nachdem die Löwen aber im Sommer 1991 nach neun langen Bayernliga-Spielzeiten vielumjubelt in den Profifußball zurückgekehrt waren, änderte sich das. Die beiden Klubs vereinbarten zwei Testspiele für die folgende Saison. Das erst fand passenderweise auf den Tag einen Monat nach dem Löwen-Aufstieg statt. Von Seiten der Roten war das Interesse an der Partie, die offiziell ein Heimspiel für den FC Bayern darstellte, eher gering. Insgesamt nur 35.000 Zuschauer fanden an diesem Dienstag Abend den Weg ans Oberwiesenfeld, um dem Derby beizuwohnen. Die große Mehrheit davon trug weiß und blau. Und die machte schon eine Stunde vor dem Anpfiff mächtig Wirbel. Der weißblaue Fanblock war – anders als dann gut drei Jahre später bei den Bundesligaspielen im Oly – an jenem 16. Juli 1991 in den unüberdachten Blöcken H2 und J1 untergebracht.
Müder Kick mit ein paar Aufregern
Nur in den Anfangsminuten hatten die Löwen Respekt vor den Bundesligastars. Nach einer guten Viertelstunde hatte der Underdog die größte Torgelegenheit des Spiels, als Raimond Aumann vor dem heranstürmenden Löwen-Neuzugang Jochen Heisig per Fuß in höchster Not retten musste. Kurz später versuchte Peter Zeiler den Kapitän im Bayernkasten mit einem Lob zu überwinden, zielte allerdings zu ungenau. Insgesamt wurde den Besuchern des Olympiastadions ein für den Zeitpunkt mitten in der sommerlichen Saisonvorbereitung typischer müder Kick präsentiert. Der allerdings auch ein paar hitzige Szenen bot. Schon nach zwölf Minuten musste Manni Bender (der Jahre später ja auch für die Löwen die Fußballstiefel schnüren sollte) nach einem Foul verletzungsbedingt vom Feld. Genauso ging es Stefan Effenberg nach gut einer Stunde, als er wegen einer Tätlichkeit an Günter Haslbeck glatt Rot sah. Ein wenig Feuer war durchaus drin in diesem 178. Münchner Derby.
“Bayern schwach”
Das torlose Remis bejubelte die Nordkurve frenetisch, die Löwen drehten eine Ehrenrunde während die Roten bedröppelt in die Kabine schlichen, um sich die Standpauke ihres Trainers Jupp Heynckes abzuholen. “Bayern schwach” titelte am nächsten Morgen die tz und die Abendzeitung schrieb von “bissigen” und “erstaunlich respektlosen Löwen, die von ihren Fans begeistert gefeiert wurden.”
Die Aufstellung der Löwen
Trainer Karsten Wettberg setzte am 16. Juli 1991 im Derby auf folgende Elf der Löwen:
Berg – Hainer – Miller, Maurer, Haslbeck (78. Windsberger), Zeiler, Hecht, Motzke, Kneißl (87. Schwarzmeier) – Heisig (60. Gröber), Schmidbauer (46. Schmid)
PS: Knapp neun Monate nach dem hier besprochenen Derby kam kam es auf Giesings Höhen zum “Rückspiel” der beiden vereinbarten Testspiele in dieser Saison. Den dazu passenden Erinnerungsartikel findet Ihr hier.










