Später als gedacht geht es für die Löwen im Toto-Pokal weiter. Nachdem der TSV Buchbach in der ersten Runde einen gesperrten Spieler eingesetzt hatte, wurde aus einem 8:1 Sieg eine 0:2 Niederlage. Somit war der Gegner, der TSV Geiselbullach, als einziger Kreissieger in der zweiten Runde und wählte, wie zu erwarten war, den TSV 1860 als Gegner aus. Aufgrund von administrativen und logistischen Problemen wurde das Spiel auf den 12. August verschoben und folgt nun auf das erste Heimspiel in der 3. Liga. Die Löwen müssen in den Münchener Westen, nach Olching in den Ortsteil Geiselbullach zum örtlichen Bezirksligaufsteiger.

Wo spielen wir da eigentlich?

Zur Freude vieler Löwenfans geht es in dieser Runde nicht in die Landkreise Hof oder Lichtenfels, sondern in den an München angrenzenden Landkreis Fürstenfeldbruck. Genauer gesagt nach Geiselbullach, einem Stadtteil der Stadt Olching im Münchner Nord-Westen. Geiselbullach war bis zur Gebietsreform 1978 eine eigene Gemeinde und wurde dann zusammen mit dem Ortsteil Graßlfing nach Olching eingemeindet. Das Kirchdorf hat knapp 2000 Einwohner und entstand durch eine Schenkung von Kurfürst Max Emanuel an seinen Hofkammerrat Johann Geisler im Jahre 1724. Der Name soll sich aus dessen Nachnamen und “Buelach” (Buchenwald) zusammensetzen.

1818 wurde dann die Gemeinde begründet, die heute den Großteil des Olchinger Stadtgebiets auf der linken Seite der Amper ausmacht. Graßlfing wiederum, wo sich auch der Sportplatz befindet, liegt zusammen mit Olching auf der rechten Amperseite. Außerdem liegt der Golfclub Olching zu großen Teilen im alten Gemeindegebiet und es gibt ein großes Gewerbeareal, dass vielen vom Vorbeifahren auf der B471 bekannt sein dürfte.

Aktuelles – Die Ausgangssituation

Nach der Traumsaison mit Meistertitel und Pokalsieg startete der TSV Geiselbullach nun also in das Abenteuer Bezirksliga. Im ersten Spiel gab es gegen den VfL Denklingen ein 1:1, im darauf folgenden Derby gegen den Absteiger SC Olching musste man sich trotz toller Fanunterstützung klar mit 0:5 geschlagen geben. Die dritte Partie gegen Deisenhofen II verfestigte den Eindruck, dass die Abwehr noch nicht ganz in der Bezirksliga angekommen ist und ging zuhause mit 2:5 verloren. Außerdem musste man sich in der ersten Runde im Kreispokal mit 2:3 in Alling (KK) geschlagen geben. Die Gelb-Weißen sind also früh auf dem Boden der Tatsachen angekommen.

Ergebnistechnisch lief auch die Vorbereitung mehr als durchwachsen, es konnte nur gegen den TSV Türkenfeld (KL) gewonnen werden. Wenn man sich aber die Namen der restlichen Gegner ansieht wären viele Siege auch verwunderlich gewesen. So testete man etwa gegen Eintracht Karlsfeld (LL) und Landsberg (BYL).

Nach der Partie gegen die Löwen wartet eine englische Woche auf die Aufsteiger. Zuerst empfängt man am DFB-Pokal-Wochenende Planegg, dann geht es unter der Woche nach Obermenzing, worauf man Samstag Mittag zum (von Fans der Amateurlöwen schlecht gelittenen) MTV München an die Werdenfelsstraße reist.

Kader & Transfers

Wie Spielertrainer und Einsergoalie Stefan Held bereits im Interview mit sechzger.de verriet, besteht die frisch gebackene Bezirksliga-Mannschaft zum Großteil aus heimischen Spielern. Viele stammen aus Geiselbullach und haben den Großteil ihrer fußballerischen Laufbahn beim örtlichen TSV verbracht. Zur neuen Saison wurde der Kader aber durch einige Neuzugänge mit Erfahrung auf höherem Niveau verstärkt.

Im Sturm sticht hier Goalgetter Lukas Bründl (28) hervor, der mit 17 Toren maßgeblich zum Aufstieg beigetragen hat und seit mehr als 10 Jahren im Verein ist. Unterstützt wird er in der Offensive unter anderem von Karl Sduzy (22), der letztes Jahr für den FC Aich in der Bezirksliga aktiv war und schon Erfahrung in der Landesliga sammeln konnte. Im Mittelfeld zieht Routinier Dennis Probst (34) die Fäden, der bis auf ein kurzes Intermezzo in Allach auch seit über einer Dekade in Bullach spielt. Hier verstärkte man sich zusätzlich mit Fitim Raqi (33) der jahrelang für Karlsfeld in der Landesliga wirbelte und für die Löwen ein paar Futsal Spiele absolviert hat, sowie dem jüngeren Marc Egenhofer (24), der aus der Jugend des Landeslisten Oberweikertshofen stammt und letztes Jahr beim FC Aich Stammspieler in der Bezirksliga war.

Die Abwehr hält seit langen Jahren Kapitän Sebastian Schäfer (31) zusammen und wird hierbei von Louis Frank (32) und dem gerade verletzten Co-Spielertrainer Maximilian Mutter (33) unterstützt, die beide schon für den SC Olching Landesliga gespielt haben. Der Weg vom größeren Stadtrivalen zum kleineren TSV, um die Karriere auf einem ansprechenden Niveau ausklingen zu lassen zeigt sich bei einigen Kickern der Bullacher. Auch Torhüter Stefan Held ist diesen Weg nach der Pandemie gegangen, nachdem er fünf Jahre für den SCO den Kasten sauber gehalten hat und auch für Pipinsried einige Spiele in der Bayernliga machen konnte.

Löwenpower: Stefan Held (Jugend), Fitim Raqi (Futsal)

Vereinsgeschichte

Der TSV Geiselbullach-Neu-Esting e.V. wurde am 20. Oktober 1961 von Fußballern aus der Gegend gegründet und trug erste Freundschaftsspiele auf dem Sportplatz der Volksschule Graßlfing aus. Im folgenden Jahr konnte man bereits eine eigene Sportanlage an der Florianstraße beziehen. Das erste offizielle Spiel ging gegen den ESV Neuaubing mit 2:4 verloren. Bis 1966 trat man in der untersten Leistungsstufe an, ehe der Aufstieg in die B-Klasse gelang. 1969 steig man erneut ab, erreichte nach einem Trainerwechsel 1973 wieder die B-Klasse. Nach einem weiteren Wechsel auf der Position des Übungsleiters gelang sogar der Durchmarsch und man spielte mit Mannschaften wie dem SC Olching und Dachau 65 in der A-Klasse.

Bis 1975 wurde im TSV nur Fußball gespielt, von 70-72 gab es kurzzeitig auch eine Frauenmannschaft. Fast genau 14 Jahre nach der Gründung wurde die Grundschulturnhalle Graßlfing errichtet, welche dem Verein seitdem zu Verfügung steht. In diesem Zuge entstanden eine Ski-, Gymnastik-, Tischtennis- und Tennisabteilung. Ab 1979 erfolgte der Aufbau einer eigenen Tennisanlage, die durch Tätigkeiten von Verein und Gemeinde heute sechs Sandplätze umfasst. Im Jahre 1988 zog man an die Schulstraße um. Auf dem Sportgelände wurde auch das erste richtige Vereinsheim mit Gaststätte errichtet.

Ab den 80ern

Die Fußballabteilung plagten aber ab den 80ern Nachwuchssorgen und so musste man 1983 den Gang in die B-Klasse antreten. Zuerst sah es nach Wiederaufstieg aus, aber es kam anders. Ab 1988 war man, pünktlich zum Umzug, wieder am Anfang – also in der C-Klasse – angekommen. Zehn Jahre später erfolgte eine Umstrukturierung und -benennung der Ligen, sodass man von nun an in der A-Klasse vertreten war.

Seit der Jahrtausendwende sind die Bullacher meist in der Kreisliga oder Kreisklasse anzutreffen. Ausreißer war die Saison 2011/12 in der Bezirksliga Oberbayern Süd. In den letzten Jahren gab es eine sportliche Konsolidierung und erfolgreiche Weiterentwicklung, die in der Saison 2021/22 zum Aufstieg in die Kreisliga führte und nach zwei verlorenen Relegationen 2023 und 2024 nun in der letzten Saison in den direkten Aufstieg in die Bezirksliga Süd mündete. Die Qualifikation zum Landespokal gelang durch den Sieg im Kreispokal Zugspitze in der letzten Saison, quasi einem Doublejahr.

Verein

Im TSV Geiselbullach sind ca. 1000 Mitglieder angemeldet, welche die Vereinsfarben Gelb und Weiß tragen. Neben dem Fußball gibt es noch die Abteilungen Tennis, Rad- und Skisport, Floorball und Gymnastik. Außerdem wird noch Eltern-Kind-Turnen angeboten. Die größten Erfolge der Fußballer sind die Kreisklassenmeisterschaften 2007 und 2022, die Kreisligatitel 2011 und 2025, sowie die Siege im Erdinger Meistercup 2007 und dem Kreispokal 2024/25.

Stadion

Gespielt wird auf der Sportanlage Schulstraße mit der Adresse: Schulstraße 12, 82140 Olching-Geiselbullach. Die Kapazität für Dienstag beträgt 1 750 Zuschauende, weshalb die Ticketsituation auch so angespannt ist. Ausbau gibt es bis auf die Terrasse der Vereinsgaststätte nicht. Auf der Seite der Auswechselbänke sind am Spielfeldrand ein paar Bänke installiert. Die 1988 eröffnete Sportanlage liegt im Ortsteil Graßlfing, auf der Olchinger Seite der Amper und umfasst zwei Naturrasenspielfelder. Diese sind schön von Bäumen umrahmt und werden im Nord-Osten vom Ascherbach begrenzt.

Schulstraße Geiselbullach

Trivia – Unnützes Wissen

  • Der Torjäger der Gastgeber Lukas Bründl ist ein Enkel des früheren Löwenstürmers Ludwig “Bubi” Bründl.
  • Ein paar hundert Meter entfernt von der Sportanlage liegt das Gut Graßlfing, auf welchem die Olchinger Brau Manufaktur angesiedelt ist und einen Biergarten betreibt.
  • Der Trainer der Bullacher ist eingefleischter Löwenfan und hat in der Jugend beim TSV 1860 gespielt.
  • Das Stadion mit der größten Kapazität in Olching und Umgebung ist kein Fußballstadion, sondern das Speedway-Stadion des MSC Olching. Die Rennen ums goldene Band und die German-Open sind auch für Motorsport-Laien eine spannende Angelegenheit, ein Besuch wird wärmstens empfohlen!
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Aymen1860

Bin heute beruflich bedingt leider nicht dabei. Super informativer Artikel, auch wenn man aus der Gegend kommt.
Hoffe es wird ein geiles Spiel.

Toller und sehr informativer Artikel. Ich lese die Rubrik viel zu selten, fällt mir gerade wieder auf. Dabei gefallen mir die Berichte immer ausnehmend gut. 👍