Im eskalierten Machtkampf mit dem Stammverein des TSV 1860 München zieht Investor Hasan Ismaik ein neues juristisches Register: Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, lässt Ismaiks Firma HAM ihre Interessen ab sofort von dem ehemaligen CSU-Spitzenpolitiker und Rechtsanwalt Peter Gauweiler vertreten. Mit dem 76-Jährigen betritt ein Akteur die Löwen-Bühne, dessen Ruf ebenso laut wie beschädigt ist.
Der Auslöser: Wie die Investorenseite die wirtschaftliche Geschäftsgrundlage zerstörte
Um Gauweilers Auftrag zu verstehen, muss man die Chronologie der Ereignisse der letzten Wochen genau betrachten. Wie wir bereits auf sechzger.de berichteten, hat das Präsidium des e.V. den Kooperationsvertrag mit der HAM aus wichtigem Grund gekündigt. Diese Kündigung war jedoch keineswegs der Auslöser des wirtschaftlichen Kollapses – sie war die unumgängliche Reaktion auf eine zuvor von der HAM ausgelöste Krise.
Der eigentliche Auslöser war die kurzfristige Kündigung von bestehenden Darlehensverträgen durch die Investorenseite, welche nach Ansicht der Vereinsvertreter und der Geschäftsführung der KGaA rechtswidrig erfolgte. In den anschließenden Last-Minute-Verhandlungen knüpfte Ismaik die erneute Zahlung der Lizenzsumme an Forderungen, die wohl nicht verbandskonform waren und somit vom e.V. gar nicht erfüllt werden durften. Da Ismaik die fehlenden 2,7 Millionen Euro für die Drittliga-Lizenz schlussendlich blockierte, wurde den Löwen die Zulassung entzogen. Der Zwangsabstieg in die Regionalliga war die Folge.
Erst durch diesen von der HAM provozierten Lizenzverlust wurde außerdem Sponsoren und Fans plötzlich die Geschäftsgrundlage entzogen. Die Partner und Anhänger hatten schließlich für Leistungen der 3. Liga bezahlt: Die Fans für den Profifußball, die Sponsoren für hochwertige Werbeleistungen, die insbesondere durch die dortige TV-Präsenz im frei empfangbaren Fernsehen und im Pay-TV generiert werden – eine mediale Reichweite, die die Regionalliga Bayern schlicht nicht bieten kann.
Sponsoren-Flucht und Dauerkarten-Exodus
Die wirtschaftliche Quittung für dieses Verhalten folgte prompt und traf die KGaA hart: Hauptsponsor Die Bayerische machte sofort von einem vertraglich verankerten Sonderkündigungsrecht Gebrauch, das explizit für den Fall eines Zwangsabstiegs galt. Viele andere Sponsoren besaßen vermutlich ähnliche Klauseln und zogen ebenfalls die Reißleine. Gleichzeitig verloren auch die Dauerkartenkäufer ihre Geschäftsgrundlage: Es wird gemunkelt, dass bereits in den ersten 24 Stunden nach dem Lizenzentzug rund 3.000 Rückforderungsanträge für die Tickets der Saison 2026/27 bei der Geschäftsstelle eingingen.
Angesichts dieses umfangreichen Entzugs an Geldern wuchs die Finanzlücke der ohnehin von der Insolvenz bedrohten KGaA stark an. Doch statt zu retten, was er beschädigt hatte, erteilte Ismaik am 4. Juni (Fronleichnam) gegenüber der Süddeutschen Zeitung weiteren Finanzspritzen nach dem Zwangsabstieg eine Absage:
„Ich glaube, mittlerweile ist allen klar, dass es keine Lösung sein kann, Jahr für Jahr einfach nur neues Geld zur Verfügung zu stellen.“
Die Reaktion des Vereins: Rettung des Spielbetriebs
Nach diesem wirtschaftlichen Offenbarungseid und der vermutlich endgültigen Zahlungsverweigerung der HAM handelte das Präsidium des e.V. am Donnerstagabend, um den Profifußball vor dem Untergang zu bewahren. Das Präsidium um Gernot Mang kündigte den Kooperationsvertrag mit sofortiger Wirkung. Nur durch diesen Schritt kann das Spielrecht im Stammverein gehalten werden und unabhängig von der nun faktisch handlungsunfähigen und wertlosen KGaA (mit einer neue Spielbetriebsgesellschaft) eine Mannschaft für die Regionalliga gemeldet werden. Hier war der Abstieg sogar von Vorteil, da der BFV die Spielrechte nur an die Vereine und nicht direkt an ausgegliederte Gesellschaften vergibt.
Dies ist der juristische Knackpunkt, an dem Gauweiler ansetzen soll: Der Kooperationsvertrag aus dem Jahr 2011 enthält eine folgenschwere Klausel, nach welcher der e.V. unter keinen Umständen – selbst im Falle einer KGaA-Insolvenz – in den Ligen 1-4 eine eigene Mannschaft melden durfte. Da der e.V. diesen Vertrag nun wegen Ismaiks vorheriger, schwerer Pflichtverletzungen für hinfällig erklärt hat, sieht Ismaik seine Felle und den gesamten Wert seiner Gesellschaft davon schwimmen. Er kündigte an, über Gauweiler „alle vertraglichen Rechte wahren“ zu wollen.
Der Auftrag für Gauweiler: Ein „Mann fürs Grobe“ für schmutzige Fälle
Dass Ismaik ausgerechnet auf Gauweiler setzt, verwundert kaum: In Justiz- und Politikkreisen gilt der 76-Jährige als Spezialist für Klienten, bei denen der mediale Gegenwind ohnehin schon orkanartig weht. So verteidigte Gauweiler beispielsweise die Interessen der Warburg-Bank und ihrer Gesellschafter im gewaltigen Cum-Ex-Steuerskandal. Auch den Regisseur Dieter Wedel, der sich im Zuge der #MeToo-Bewegung massiven Missbrauchsvorwürfen ausgesetzt sah, vertrat er juristisch.
Dass Reputationsrisiken in seiner Kanzlei ohnehin eine untergeordnete Rolle spielen, zeigt auch ein Blick auf das Kanzleischild: Seine aktuelle Sozietät („Gauweiler & Sauter“) betreibt er gemeinsam mit dem ehemaligen bayerischen Justizminister Alfred Sauter. Dieser geriet 2021 als eine der zentralen Figuren in den Fokus der CSU-Maskenaffäre, nachdem er in der Hochphase der Corona-Pandemie fragwürdige Millionen-Provisionen bei der Vermittlung von überteuerten Schutzmasken abkassiert hatte.
Die Verbindung zum rechten Finck-Imperium und internationale Mandate
Besonders schwer wiegt in diesem Zusammenhang auch Gauweilers jahrelange Verbindung zum verstorbenen Multimilliardär August von Finck junior. Während seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter kassierte Gauweiler über seine Kanzlei zweifelhafte Millionenhonorare für Beratungstätigkeiten für das Finck-Imperium – ein Umstand, der ihm massive Kritik wegen der unklaren Trennung von politischem Mandat und privaten Wirtschaftsinteressen einbrachte.
Noch brisanter ist jedoch der politische Hintergrund des Geldgebers: Investigative Recherchen deckten auf, dass August von Finck junior über Jahrzehnte hinweg als einer der wichtigsten verdeckten Finanziers der radikalen Rechten und der AfD in Deutschland agierte. Der Spiegel verabschiedete Gauweiler bei seinem politischen Abgang folgerichtig nicht als „liebenswürdigen Querkopf“, sondern als „finsteren Reaktionär und eitlen Selbstdarsteller“. Auch international schreckte Gauweiler nicht zurück: 2015 vertrat er das autokratische, wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen in der Kritik stehende Emirat Katar im juristischen Feldzug gegen den ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger.
Prominente Niederlagen: Erinnerungen an den Fall Wildmoser
Dass Gauweilers polterndes Auftreten vor Gericht keineswegs ein Garant für Erfolg ist, zeigen seine historischen Niederlagen. Eine seiner bittersten Pleiten ist dabei direkt mit der Vergangenheit des TSV 1860 München verknüpft: Gauweiler vertrat Karl-Heinz Wildmoser junior im spektakulären Revisionsprozess um die Schmiergeldaffäre beim Bau der Allianz Arena. Gauweiler versprach viel, scheiterte jedoch 2006 vor dem Bundesgerichtshof (BGH) vollumfänglich. Wildmosers Revision wurde abgeschmettert und er musste seine viereinhalbjährige Haftstrafe antreten.
Auch in jüngerer Vergangenheit demontierte sich Gauweiler teilweise selbst, als er sich in erbitterte, öffentlich ausgetragene Kanzlei- und Honorarstreitigkeiten mit seinem ehemaligen Partner Wolf-Rüdiger Bub verstrickte.
Hasan Ismaik hat sich mit Peter Gauweiler genau den Rechtsbeistand geholt, der zu seiner aktuellen Eskalationsstrategie passt: Ein streitbarer Jurist, dem ein schlechter Ruf des Klienten völlig egal ist, und der auch vor aussichtslosen, langjährigen Schlammschlachten nicht zurückschreckt. Ob Gauweiler im Dickicht der Kündigungsklauseln eine Lücke findet, um den rechtmäßigen Neuanfang des e.V. zu torpedieren, oder ob sich der TSV 1860 demnächst in die lange Liste von Gauweilers prominenten verlorenen Prozessen einreiht, werden die kommenden Monate vor Gericht zeigen.











Da wächst zusammen, was zusammen gehört.
Ich für meinen Teil hoffe ja nach wie vor, dass der TSV bald noch eine Schadensersatzklage gegen HAM drauflegt. Sind ja nicht nur Ismaiks 60%, die über Nacht nur noch 25% wert sind, sondern auch die 40% vom e.V.
“Wenn Ihr nicht macht, was ich will, mach ich Euer Spielzeug kaputt” ist der Gestus eines Kindergarten Schlägers.
Es war klar, dass Ismaik alle juristischen Register ziehen wird, und ein Anwalt vom Typ Gauweiler passt natürlich bestens zu ihm. Aber letztlich ist das ziemlich egal. Der e.V. muss einfach dafür sorgen, dass er seine Sicht der Dinge überzeugend präsentiert. Ismaiks Verhalten über die Jahre sollte dafür genug Material bieten. Man sollte aber auch überlegen, was man tut, falls man den Prozess gegen alle Gewissheit doch verliert. Wenn es wirklich zur Gründung einer GmbH für den Betrieb des Profifußballs kommt, ist eine Rückkehr in die alte KGaA kaum mehr vorstellbar. Dann lieber Bayernliga, solange Ismaik die KGaA am Leben hält?
HI wurde wieder mal falsch beraten: Gauweiler…! Echt jetzt?
Hast du Scheiße am Fuß,hast du Scheiße am Fuß.Mehr muß man nicht zu diesem Duo sagen.
Man sollte schon bei der Sache bleiben.
Ganz übler Kommentar.
Herzlichen Glückwunsch zu diesem meisterlichen Artikel.
Da kann man hinter jeden Satz einen grünen Haken setzen.
Einfach phantastisch und Super recherchiert.
ELIL
wow, gauweiler. egal welchem politischen spectrum man angehört, und damals, zu helmbrechts/lohof… ihr wißt was ich meine, zeiten, war die verunglimpfung des namens gauweiler quasi ein nomen est omen, aber das sagt mir … hasi hasi… du bist auf der wirklich dunklen seite deiner macht(illusion) angekommen. egal was er sagt, egal was er denkt … DAS sagt halt echt alles.. zumindest für einen 60münchner
Ganz ehrlich.
Da weiß man jetzt echt nicht, wer von den beiden schrecklicher und unsympathischer ist.
Wie hieß es in dem wunderschönen Lied?
Scheint.. e auf den Scheich, Sche..e auf sein Geld.
Jetzt hat er den Wunsch erfüllt, und nun ist es such nicht recht.
Jetzt ist doch das passiert, was hier als einziges Heilmittel propagiert wurde.
Also, auf die Löwen.
Tja Hasi, wie heißt es so schön: “Vor dem Schaden klug sein”…u. “Wer anderen eine Grube gräbt fällt selbst hinein”…Hasi ist weder vor dem Schaden klug, noch nach dem Schaden. Da fehlts bei ihm halt an Allem, um im entferntesten irgend sowas wie klug erkennen zu können. Und das mit der Grube lassen wir mal offen, in die er sich selbst schon gestürzt hat.😉😁😜
Der muss mit 76 immer noch praktizieren ?
Der hat da Spaß dran und Hasan zahlt mal wieder. Eine Win Win Situation für den Gauweiler.
Achtung schlechtes Wortspiel folgt:
Ismail provoziert den Super-Gau, weil er es nicht besser weiß
Der Gauweiler? Das passt zusammen!
…Die Gescheiterten finden zueinander…u. Gleich u. Gleich gesellt sich gern. Das Crash-Team ist komplett u. Starreporter ist…wir kennen ihn Alle, der Chef vom Blauen Bock 24🤣😂🤣
Der Graeter hat der Gauweiler schon in den höchsten Tönen gelobt
na wer sonst… bild(t) dir deine meinung … hauptsache polarisieren. bringt auflage, bringt klicks, bringt dich dort “DrüBen24” dazu dich genausooft auslassen zu können. bringt dich ins gespräch. was will man als abgehalfteter washed up mehr?
Gleich und gleich gesellt sich gerne.
Bin gespannt was der Gauweiler-Kolumnenpartner Christian Ude dazu sagt.
👍Ha, gerade erst gelesen. Ich habe oben den selben Gedanken/Spruch gebracht bevor ich den bei Dir fand. Wie sich doch Gedanken manchmal gleichen, übertragen u. vervielfältigen. Da wird an dem Spruch zu Hasi+Gauweiler bestimmt was Wahres dran sein, wenn das viele auch so sehen…😉😜