Wunden lecken am Tag danach… Hand aufs Herz, Löwenfans: Die Niederlage im kleinen Derby gestern Abend hat weh getan. Und das nicht nur, weil dadurch wohl die letzten vorhandenen realistischen Aufstiegsträume ausgeträumt sind, sondern weil wir eine kämpferische und (im besten Sinne) aggressive Löwentruppe sehen durften, die dem Gegner alles abverlangte und letztlich unglücklich als Verlierer in diesem Prestigeduell vom Platz ging. Einem Gegner, bei dem die finanzielle Ausstattung der Zweitvertretung die unseres geliebten Turn- & Sportvereins um ein Vielfaches übersteigt und der sich seine U23 im Profifußball aus der Portokasse leisten kann.

Und trotz der Anerkennung für die Leistung der Akteure in weiß und blau, die leider nicht belohnt wurde – oder gerade deshalb – stellt sich am Tag danach die Frage: Was machen die „Bayern Amateure“, wie sie von ihrem eigenen Anhang gerne verniedlichend und verharmlosend genannt werden, eigentlich in dieser 3. Liga?

Laut Transfermarkt.de hat der Kader der Roten einen Gesamtwert von 24,5 Millionen Euro. Das ist deutlich mehr, als dreimal so viel, wie die Roten Teufel aus Kaiserslautern, als zweitteuerste Mannschaft der 3. Liga aufbieten, mehr als viermal so viel, wie unsere Löwen (im Mittelfeld der Werttabelle der 3. Liga) und knapp sechsmal so viel, wie bei den „Billigteams“ aus Großaspach, Chemnitz, Mannheim (!), Zwickau oder Münster zu Buche steht. In diesem Zusammenhang lohnt sich sogar ein Blick in die 2. Liga: Nur vier Mannschaften sind dort wertvoller, als das B-Team aus der Säbenerstraße (Stuttgart, der HSV, Hannover und Nürnberg). Der Bundesligaaufsteiger Bielefeld kommt mit einem günstigeren Kader aus.

Da stellt sich mir die Frage: Warum ist mit einem Aufstieg in die 3. Liga für Zweitvertretungen der Großvereine eigentlich Schluss? Macht diese Regelung heute noch Sinn? Warum lässt man die kleinen Roten nicht in die Liga aufsteigen, in die sie viel besser passen würden? Internationale Vergleiche gefällig? In Österreich ist es ein völlig normaler Zustand, dass – mal abgesehen von den Farmteams des Linzer ASK oder der Salzburger Dosen, die unter anderen Namen antreten – eine Mannschaft namens „Young Violetts Austria Wien“ in der zweithöchsten Spielklasse mitmischt. Wem die „Operettenliga“ als Beispiel nicht gefällt: Das B-Team von Real Madrid tritt mit dem Namenszusatz „Castilla“ seit Jahren als Fahrstuhlmannschaft zwischen zweiter und dritter spanischer Liga an.

Da das Problem der zweiten Mannschaften mit einer künstlichen Höchstgrenze was die Ligenzugehörigkeit anbelangt, nie gelöst wird, weil sich das Thema nur immer weiter nach unten verlagert, sollte man – aus meiner Sicht – diese Mannschaften einfach aufsteigen lassen, wenn sie können. Von mir aus darf der „FC Ruhmreich“ sogar zwei Teams in der Bundesliga antreten lassen. Wenn die wirtschaftliche Kapazität es hergibt, macht das sicher mehr Sinn, als ein völlig überteuertes Team künstlich an eine Liga zu binden, in die es einfach nicht reinpasst.

Die hier angestellten Überlegungen mögen – z.B. für einen Roten – nach schlechten blauen Verlierern klingen.  Mag sein. Ich gebe offen zu, dass ich grundsätzlich immer Respekt gegenüber dem sportlichen Kontrahenten habe und dass ich stets einfordere, eine Niederlage fair anerkennen zu können. Bei der „FC Bayern München AG“ und speziell im Fall von gestern Abend gelingt mir das nicht. Es ist armselig, wie der von seinen Bossen angetriebene Sebastian Hoeness in der Pressekonferenz nach dem Spiel darüber schwadroniert, wie wichtig es „für den Klub“ sei, solche Erfolge auf dem Rasen zu erzielen. In Ermangelung eines echten sportlichen Ziels feiert man, wie Hoeness weiter ausführt, den Punkterekord der zweiten Mannschaft irgendeines früheren Trainers nun getoppt zu haben. Da kann ich leider nur den Onkel des Protagonisten zitieren, der einmal in einem anderen Zusammenhang mit Bezug auf uns Löwenfans sagte: „Da will ich nicht hin!“

Ist es denn geil, mit einer völlig deplatzierten Mannschaft eine Liga zu dominieren, um sich in der Folgesaison dann – entgegen der landauf landab von Fußballfans geäußerten Forderung, dass Meister aufsteigen müssen – wieder brav einzureihen und womöglich dasselbe Spielchen erneut zu spielen? Und wieder und wieder…
Wahrscheinlich fehlt mir als Löwenfan irgendein Gen, das der gemeine Rote in sich trägt, um sich allein nur vorstellen zu können, an so etwas Freude zu haben. Und darf ich ehrlich sein? – Ich bin über dieses Defizit sehr glücklich!

 

 

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[…] habe bereits am Tag nach dem Spiel unserer Löwen gegen die U23 von München Rot Ende Juni hier auf sechzger.de dargestellt, welch himmelweiter Unterschied in der finanziellen Ausstattung zwischen den beiden […]