Nachdem das UEFA-Cup-Spiel in der 1. Runde bei Jazz Pori die richtige Europacup-Atmosphäre leider vermissen ließ, lagen die Hoffnungen des Löwen-Anhangs auf eine stimmungsvolle Fahrt nun auf der zweiten Runde – und die Löwen-Fans sollten nicht enttäuscht werden:

Sicherlich – Amsterdam, Liverpool, Mailand oder Madrid – alles mögliche Gegner – wären nicht nur wegen der Sprache noch eine Spur internationaler gewesen, aber auch eine Fahrt zum Deutschen Fußballmeister von 1941 versprach echte Fußballatmosphäre.

Eintrittskarte von den Groundhoppers 1860

Sehr viele Löwenfans wollten mit dem Zug in die Hauptstadt von Österreich fahren – das war mir leider nicht möglich: Durch die Fehlzeit beim Ausflug nach Tampere war trotz Attest das Misstrauen der Berufsschullehrer geweckt und mir wurde nahegelegt, am Europacup-Tag besser nicht wieder krank zu sein.

So machte sich also der inoffizielle Löwen-Sonderzug ohne mich, aber mit so ziemlich allem was die Münchner Fußballszene zu bieten hat auf den Weg. Damals konnten große Gruppen Fußballfans noch ohne größere Probleme ohne oder mit sehr wenigen Fahrkarten reisen (heute geht das so nicht mehr, auch die Bahn lernt dazu) – der Reiseleiter der Fußballgruppe 1860 wurde ob des fehlenden Tickets ständig im Zug ausgerufen, aber nicht gefunden. Beim Rückweg fragte erst gar niemand mehr nach einer Fahrkarte.

Mir half das wenig – ich schrieb meine Klausuren im Staatsrecht und wurde um 14 Uhr von der Berufsschule von der restlichen Familie abgeholt und mit Bleifuß ging es nach Wien. Ne gute Stunde vor Anpfiff am Stadion angekommen, erstand ich erst einmal die Europa-Cup-Souvenirs von dem Abend – einen Pin und einen Spielwimpel.

Später wurden ähnliche Artikel x-fach nachproduziert – und ich hörte mir im Stadion die Geschichten der anderen Löwenfans an: Nicht alle hatten mit den Wienern gute Erfahrungen gemacht – so hatte es rund um den Prater ein paarmal zwischen Münchnern und Wienern gekracht und einem Löwen-Fan war ein abgeschlagenes Glas ins Gesicht geschlagen worden – die Narben die kurz unter dem Auge aufhören sieht man übrigens auch 2020 noch.

Zum Anpfiff waren sicherlich 25 000 Zuschauer im Ernst-Happel-Stadion (ehemals Praterstadion), davon war ein gutes Viertel aus München angereist.

Die Ultras Rapid hatten eine Zettel-Choreo organisiert, von der ich aber nicht zuviel mitbekommen hatte: Im Löwen-Block brannte und rauchte es – niemand kam übrigens damals auf die Idee, Löwen-Präsident Wildmoser dafür verantwortlich zu machen oder ihm vorzuwerfen, dagegen zu wenig zu unternehmen – und die Löwenkurve gab ein äußerst würdiges Bild für ein Europa-Cup Spiel ab:

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Stimmung und Spiel waren allererste Sahne – bis kurz vor der Halbzeit: Zwei Platzverweise für die Löwen, ein Elfmeter und das 1:0 für Rapid quasi mit dem Pausenpfiff – das waren alles andere als gute Voraussetzungen für die zweite Halbzeit und es sollte noch schlimmer kommen:

Die Tore Nummer zwei und drei für Rapid in der zweiten Halbzeit waren dann leider die logische Konsequenz und somit hatte 1860 äußerst schlechte Karten fürs Rückspiel.

Traurig auch, dass in diesem das Olympiastadion nicht einmal zur Hälfte gefüllt war, trotz tausender Wiener.

Vielen mag das angesichts des fast aussichtslosen Spielstandes logisch erscheinen – zwanzig Jahre zuvor war dies jedoch noch ganz anders: Da verloren die Löwen das Aufstiegsspiel zur 1. Bundesliga in Bielefeld mit 4:0, trotzdem kamen zum Rückspiel rund 60 000 Löwenfans ins Olympiastadion und wurden für ihr kommen belohnt: Die Löwen gewannen sensationell 4:0 und machten beim dadurch fälligen Entscheidungsspiel in Frankfurt mit 2:0 dann den Aufstieg perfekt.

[vc_video link=”https://www.youtube.com/watch?v=3jUlCBpH0lY” title=”TSV 1860 – Arminia Bielefeld – 0:4, 4:0, 2:0″]

Zurück zum Wien-Spiel: Nach zwei schnellen Löwen-Toren und einer roten Karte für einen Rapidler lag die Sensation schon in der Luft – ein Wiener-Gegentor zerstörte alle Löwen-Träume, es war erst einmal wieder Schluß mit Europacup. Rapid Wien bekam in der nächsten Runde Lazio Rom zugelost und scheiterte.

[vc_video link=”https://www.youtube.com/watch?v=uC4ueJvCCbE” title=”TSV 1860 München – Rapid Wien, 1997, 2:1″]

PS: Wer sich noch an unsere “Alleefahrer-Serie” erinnert: An jenem Abend zerbrach die Serie eines damaligen Allesfahrers – ab dann war er nie mehr bei 1860 gesehen:

Die Allesfahrer von 1860 – Teil 4

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[…] (1991), Ulm (1993) oder Meppen (1994) – Bundesliga-Derby-Siegen (1999/2000), den wenigen Fahrten mit Dir durch Europa oder aber – wie die noch jüngeren, die irgendwie von Dir infiziert wurden – von Höhepunkten […]

[…] Rapid Wien – TSV 1860 München, UEFA-Cup 1997 […]