Fast so dramatisch wie „Schalke 05“ – als eine Frau wegen eines Versprechers (angeblich) ihren Job verlor

Was in diesen Tagen maximal für ein paar lustige Kommentare in den sozialen Netzwerken sorgt, war vor wenigen Jahrzehnten noch ein unverzeihlicher Frevel und sorgte umgehend für einen Welle der Empörung: Eine falsche Zahl bei einem Fußballverein.

Vielleicht liegt es daran, dass der Löwenfan deutlich schlimmeres gewohnt ist, vielleicht haben sich auch einfach die Zeiten geändert – wir blicken zurück auf das, was damals im „das aktuelle sportstudio“ geschehen ist und seine Folgen: Im Jahre 1973 übernahm Carmen Thomas als erste Frau überhaupt „das aktuelle sportstudio“ im ZDF. Legendär aus dieser Zeit sind zwei Höhepunkte:

1. Die Bild-Zeitung hatte schon vor ihrer zweiten Sendung einen Verriss über eben diese Sendung geschrieben,  bevor die Sendung überhaupt – live – ausgestrahlt wurde – es handelte sich um die „Bild am Sonntag“.

Durch einen technischen Fehler war die Ausgabe schon am Kiosk zu kaufen, bevor die Sendung am Samstag Abend überhaupt ausgestrahlt wurde. Das nutzte Carmen Thomas – legendär ihre Ansage: Sie brauchen heute nicht zu gucken, weil eine große deutsche Zeitung schon weiß, wie ich heute sein werde.“ – sie las die  (natürlich negative) Kritik dann einfach in der Sendung vor.

Die Artikel in der Bildzeitung hatten also schon seinerzeit die gleiche Qualität wie heute.

2. Auf  einen positiven Höhepunkt folgte dann auch ein negativer: Sie versprach sich ein gutes halbes Jahr später bei der Moderation vom Spiel der Schalker gegen Standard Lüttich und machte dabei aus dem Heimverein „Schalke 05“.  Auch wenn sie das nicht  – wie oftmals behauptet – ihren Job kostete (sie moderierte „das aktuelle sportstudio“ noch 1,5 Jahre weiter), so fühlten sich doch alle Machos und Sexisten bestätigt dass es eine Frau eben nicht könne und beim ZDF gingen etliche Beschwerden ein.

Vierzig Jahre später passierte einem Schweizer Moderator das selbe Missgeschick: Er machte aus „Schalke 04“ ebenfalls „Schalke 05“ – die Reaktionen der Eidgenossen waren deutlich entspannter. Vielleicht weil es ein Mann war, oder weil deutlich weniger Schalker das Schweizer Fernsehen ansehen als „das aktuelle sportstudio“.

Welches Geschlecht der Techniker hatte, der sich bei der Jahreszahl von 1860 München vertan hat, das wissen wir nicht. Es sorgt 2020 ja auch noch allenfalls für ein kleines schmunzeln und zu einem Artikel darüber, was solch ein Fehler vor rund 50 Jahren für Auswirkungen hatte.