Schaut man sich am heutigen Tage die Nachrichten an, dann wird es auch für Fußballfans die Corona bisher eher belächelt haben ernst: Man erwägt ernsthaft Geisterspiele wie sie z.B. in Italien schon praktiziert werden. Gerade ist das kommende Revierderby Dortmund-Schalke in aller Munde, aber es könnte auch meine Löwen am Wochenende treffen. Sinnvolle Maßnahme oder Hysterie?

Fakt ist: je nach Institut und Experten wird Corona mal so gefährlich wie eine ordinäre Influenza, etwas weniger oder etwas mehr gefährlich eingestuft. Fakt ist ebenfalls: Alle Maßnahmen bis jetzt – die Abriegelung ganzer Städte, zigtausend stornierte Urlaubsreisen, Absagen von Messen etc. haben die Ausbreitung des Virus nicht mehr stoppen können und werden es nicht mehr stoppen– täglich werden neue Infektionen gemeldet.

Gesundheitsminister Spahn empfiehlt jetzt, Veranstaltungen mit mehr als tausend Menschen abzusagen – und dazu gehören halt auch die meisten Fußballspiele. Was für ein grandiose Idee – als würde das Virus das zählen anfangen und sich dann bei Größenordnungen jenseits der tausend denken „ich übertrag mich dann mal“.

Wieviel Kontakt hab ich bei einem Fußballspiel zu meinen Mitmenschen? Ich fahre in den gleichen öffentlichen Verkehrsmitteln mit denen ich auch zur Arbeit fahre – dieser Faktor zählt also nicht. Dann gehen wir bei der Einlasskontrolle hintereinander ins Stadion und wir sitzen oder stehen nebeneinander und hintereinander. Sollte mein Hintermann zu laut schreien und seine potentiellen Viren via Tröpfcheninfektion verschleudern, dann werden diese wohl an meiner Jacke absterben.

Anders schaut es im öffentlichen Leben aus: Die Bahnen sind jeden Tag und jeden Nachmittag überfüllt. Wer auf dem Weg in die Arbeit nur einmal umsteigt, hat vermutlich mehr potentielle Risikokontakte als jeder Besucher eines Fußballspieles. Sind in den Bahnen jetzt mehr oder weniger als tausend Leute gleichzeitig? Dürfte dem Virus herzlich egal sein. Was also machen? Den öffentlichen Nahverkehr bis auf weiteres ohne Mitfahrer fahren lassen, Geisterfahrten quasi oder dann doch besser ganz aussetzen? Flugzeuge und Flughäfen? Alles vorsorglich streichen und schließen?

Gestern Abend war ich in der Sauna. Tausend Leute waren nicht drinnen, aber beim Aufguß saßen knapp 100 Leute dicht an dicht gedrängt und schwitzten. Wollen wir uns über Tröpfcheninfektion unterhalten? Über das Klima in Schwimmbädern? Sauna und Schwimmbäder schließen? Wie schaut es mit den Geschäften und Fußgängerzonen aus? Größeren Betrieben? Den Unis? Oder Diskotheken, in  denen vielleicht keine tausend Leute sind, aber die Besucher sicherlich mehr potentielle Risikokontakte haben als Besucher eines Fußballspieles. Oder habt ihr schon einmal einem wildfremden Nachbarn wegen einem Tor oder seiner sexy Kutte einen Zungenkuss reingedrückt? Eben. Wollen wir das ganze öffentliche Leben vorsorglich schließen?

Ok, Corona hat es geschafft: Wahl in Thüringen, Flüchtlinge, Wahlen, Tempolimit, Greta… alles nicht mehr so wichtig, Deutschland hat ein neues Thema über welches es diskutieren kann. Habt Panik vor einer besseren Grippe, plündert die Supermärkte so lange diese noch geöffnet haben dürfen, fahrt mit dem Anhänger vor und ladet tonnenweise Klopapier, Mehl, Konserven und Nudeln ein (außer die Vollkornnudeln die überall liegen bleiben wo der Rest leergekauft ist – denn soooo schlimm ist der Virus ja dann doch nicht, als dass man die fressen müsste, lieber verhungert ihr vermutlich).

Aber lasst uns die Fußballspiele – denn diese sind nicht mehr oder weniger gefährlich als jede andere Tätigkeit, die wir tagtäglich begehen.

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