Die Frage ob Geisterspiele beim Fußball oder nicht, hat in den letzten Monaten für sehr viel Diskussionsstoff gesorgt. Letztlich entschied sich eine deutliche Mehrheit für Geisterspiele, weil Fußball mit Zuschauern einem so utopisch vorkam, wie ein Picknick auf dem Mars: Viele Schulen, Geschäfte, Restaurants und Dienstleister waren geschlossen und wer bei einem Spaziergang zu lange auf einer Parkbank verweilte, bekam eine Anzeige. In einigen Ländern waren ja noch nicht einmal Spaziergänge erlaubt.

Wenige Wochen später schaut es wieder ganz anders aus: An das soziale Leben mit Maske hat man sich weitestgehend gewöhnt (oder wie Österreich die Maske zum Einkaufen schon wieder abgeschafft) – Schwimmbäder, Saunen und Fitnessstudios haben wieder geöffnet – und es fanden auch die ersten Demonstrationen mit 10 000 oder sogar mehr als 20 000 Teilnehmern statt. Dass die Infektionszahlen danach nennenswert in die Höhe gegangen wären ist nicht bekannt. In München hatten wir von gestern auf heute 6 (in Worten: sechs) Neuinfektionen – und das 2,5 Wochen nach der Demonstration mit über 20 000 Teilnehmern.

In Deutschland hatten wir seit Beginn knapp unter 200 000 (exakt 191 768) Corona-Infektionen (rund 0,25% der Gesamtbevölkerung) – es sind fast 9000 Menschen daran gestorben und rund 175 000 gelten als genesen – das macht weniger als 8000 aktive Corona-Infektionen und somit gemessen an der Gesamt-Bevölkerung 0,01 Prozent.

In Ungarn (0,04 Prozent) und Serbien (0,17 Prozent) sind schon wieder Fußballspiele mit Zuschauern zugelassen – wenn auch mit Auflagen.

Dass die laufende Saison ohne Zuschauer beendet wird, dürfte außer Frage stehen. Aber die kommende Saison? Am wenigsten Probleme dürften die Sitzplätze machen – hier wird eher weniger gesungen und die Sitzplätze lassen sich relativ leicht erfassen. Für die Stehplätze sind zusätzliche Abtrennungen und eine stark reduzierte Kapazität denkbar – ebenso wie der Einsatz der umstrittenen Corona-App. Vorstellbar wäre auch, dass zuerst einmal ein begrenztes Kontingent nur für die (ersten) Dauerkarten-Käufer freigeschaltet wird.

Einige Löwen-Fans haben auch schon das Oly ins Gespräch gebracht: Hier ist nach der Zusage an TürkGücü ja auf einmal wieder Drittliga-Fußball denkbar – Sicherheitsabstände könnten hier vermutlich problemlos eingehalten werden. Ob das dann Spaß macht, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Für den TSV 1860 wäre die Aussicht auf Spiele vor Zuschauern vermutlich eines der wichtigsten Zeichen überhaupt: Die Löwen-Fans haben 45 000 Geistertickets erworben, fast alle (uns bekannten) haben auf ihre Rückerstattung für die Jahreskarte bzw. die wegen Corona verpassten Spiele verzichtet. Ob die Löwenfans auch Sitzplatz- (550,- bzw. 460,-) oder Stehplatz-Dauerkarten (245,-) kaufen, wenn wieder die Gefahr besteht etliche Spiele nicht sehen zu können, darf dann doch eher angezweifelt werden.

Unter welchen Voraussetzungen kauft ihr euch eure Dauerkarte? Oder kauft ihr die auch auf die Gefahr hin, die komplette Hinrunde oder sogar mehr zu verpassen? Seid ihr für eine Lockerung – oder sollten Fußballspiele weiterhin ohne Zuschauer stattfinden, bis ein Medikament/Impfstoff gegen Corona entwickelt ist?

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