Großes Beben bei den Löwen und das vor der zweiten englischen Woche der Saison. Manch einer unkt schon, dass der Chaosverein TSV 1860 wieder in voller Blüte steht. Nun soll es also übergangsweise Alper Kayabunar von den Amateuren als Trainer richten. Die erste Aufgabe hätte hierbei durchaus eine leichtere sein können, ist der nächste Gast aktuell gut in Form und möchte sich mit den nächsten drei Punkten im vorderen Teil der Tabelle festsetzen. Der Gegner, welcher diese aus Giesing entführen will, kommt nicht aus den viel besungenen “blauen Bergen”, sondern vom Höhenberg im gleichnamigen Kölner Stadtteil. Es ist der FC Viktoria Köln 1904 e.V.!

Aktuelles – Die Ausgangssituation

Man kann ruhig arbeiten am Höhenberg und auch deshalb hat sich Viktoria Köln in den letzten Jahren von einem ständigen Abstiegskandidaten hin zu einer gestandenen Drittligamannschaft entwickelt. Trotz vielen Umstellungen im Kader nach jeder Saison ist man in den letzten Jahren immer konkurrenzfähig und steht auch in dieser Saison nach acht Spieltagen mit dem neuen Cheftrainer Marian Wilhelm sehr gut da. Aktuell rangiert man mit 13 Punkten, einem Torverhältnis von 10:7 und einer Bilanz von 4-1-3 auf dem 6. Tabellenplatz und in Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen.

Aus den letzten fünf Ligaspielen holte man 10 Punkte, musste sich aber am Wochenende gegen Osnabrück mit einem 0:0 Unentschieden zufriedengeben. Davor konnte man die letzten beiden Gegner der Löwen besiegen, gegen den VfB Stuttgart II nahm man dagegen keine Punkte mit. Im DFB-Pokal ist man in der ersten Runde gegen Paderborn ausgeschieden, im Mittelrheinpokal wiederum, dessen Titelverteidiger man ist, steht man in der 3. Runde.

Kader & Transfers

Wieder einmal gab es einen großen Umbau auf der rechten Rheinseite in dessen Zuge es auch einige Löwen nach Köln verschlagen hat. Insgesamt stehen beim FCV 19 Abgänge 17 Neuerwerbungen gegenüber, wobei sich ein Transferplus von einer halben Million Euro ergeben hat.

Abgänge

Auf der Abgangsseite sticht besonders Eigenbauspieler Zoumana Keita heraus. Der 19-jährigen Innenverteidiger wurde um 500 000€ vom RSC Anderlecht verpflichtet. Rechtsverteidiger Sidny Cabral (22), seines Zeichens Nationalspieler der Kap Verden, verschlug es zu CF Estrel Amador ins portugiesische Oberhaus. Auch für weitere Spieler war Der Höhenberg ein gutes Sprungbrett. Serhat-Semih Güter (27, MS) steht nun in Darmstadt unter Vertrag, Enrique Lofolomo (25, DM) läuft für Zulte Waregem in Belgiens erster Liga auf und Jonah Sticker (21, IV) wurde vom SC Paderborn verpflichtet. Außerdem kehrten die El Mala Brüder zum ihrem Stammklub FC Köln zurück, wo der jüngere Bruder Said inzwischen Stammspieler und Leistungsträger in der Bundesliga ist.

Zugänge

Es gab also einiges zu Ersetzten bei Viktoria Köln, um das gezeigte Niveau zu halten, doch das scheint gut geglückt zu sein. Allein von unserem TSV kamen drei Spieler. Tim Kloss (21) ist in der Dreierkette als Innenverteidiger gesetzt und gleichzeitig mit drei Treffern bester Torschütze. Auch Raphael Ott (19) und Soichiro Kozuki (24) zog es nach Köln, wobei Letzterer nach unseren Informationen morgen nicht einsatzberechtigt ist. Allgemein verpflichtete man fast ausschließlich junge Spieler unter 25. Die Aufnahmen sind einmal die Leihe von Frank Ronstadt (28, RV) aus Kaiserslautern und der Transfer von Top-Scorer David Otto (26, MS) vom Absteiger Sandhausen. Tragende Rollen spielen nach ihrer Ankunft außerdem Yannick Tonne (20, RA) der von den Schalke Amateuren kam, Leonhard Münster (23, ZM) von VfB Stuttgart II sowie Verthomy Bobby (22, IV) der von Standard Lüttich 16 FC aus der dritten belgischen Liga verpflichtet wurde. Letztere ist die Zweitvertretung von Standard Lüttich.

Bestandskader

Wichtige Stützen des Kaders sind jedoch auch über den Sommer erhalten geblieben. Im Tor steht eigentlich noch immer Dudu (26), der aber im letzten Spiel (sehr erfolgreich) von Neuzugang Arne Schulz (22, Paderborn) vertreten wurde. In der Innenverteidigung hält Kapitän Christoph Greger (28) den Laden zusammen, während eine Reihe wieder vorne Florian Engelhardt (22) in sein drittes Jahr geht. Nicht zu vergessen ist Sturmtank Lex-Tyger Lobinger (26) der aktuell bei zwei Treffern hält.

Trainer

Auch auf der Trainerbank hat es eine Veränderung gegeben. Nachdem Olaf Janßen nach Sandhausen gegangen ist, übernahm sein letztjähriger Co-Trainer Martin Wilhelm (37) den Job an der Seitenlinie. Der 37-jährige ist sein über 15 Jahren im Verein und hat vorher schon einige Jugendmannschaften trainiert. Der Berliner galt schon letztes Jahr als das taktische Hirn hinter dem Erfolg der Viktoria, weshalb die anhaltend guten Leistungen nicht besonders verwundern.

Löwenpower: Tim Kloss, Soichiro Kozuki, Raphael Ott, Christoph Greger (hat bis 2016 die gesamte Löwenjugend durchlaufen), Lex-Tyger Lobinger (spielte 2015/16 in der U17 der Junglöwen)

Vereinsgeschichte

Der aktuelle Verein ist ein Nachfolgeverein, welcher trotz der “1904” im Namen erst 2010 gegründet wurde. Die “Stammvereine” der FCV sind der “FC Germania Kalk”, der “Mühlheimer SV 06” und der “SC Preußen Dellbrück”. In der Einzelgeschichte dieser Vereine finden sich jeweils wieder viele Fusionen. Aufgrund dieser Geschichte sieht sich die Viktoria als “Repräsentant des rechtsrheinischen Fußballs”.  Ich starte aber trotzdem am Beginn:

Der heutige Verein bezieht sich auf den 1904 gegründeten “FC Germania Kalk”. In den Jahren bis 1918 wurden einige Fusionen durchgeführt, aus denen der “VfR Köln 04 rrh.” (rechtsrheinisch) hervorging. Dieser Klub konnte dann erste Erfolge verzeichnen und nahm u.a. am Finale zur deutschen Meisterschaft 1926 teil. Nach Problemen während der Kriegszeit entstand aus einer temporären “Kriegsspielgemeinschaft” im Jahre 1949 aus dem VfR und dem “Mülheimer SV 06” der “SC Rapid Köln 04”. Dieser hatte seinen Sitz am Sportpark Höhenberg, der noch immer Heimat des heutigen Vereins ist. Dies ist die eine Seite der Geschichte.

Die andere geht aus dem Stadtteil Dellbrück aus, der nach dem Krieg einige der erfolgreichsten Fußballvereine Kölns beherbergte. In den 50er Jahren war der “SC Preußen Dellbrück” die zweite große Nummer nach dem FC und erreichte 1950 das Halbfinale der deutschen Meisterschaft.

Die alte Viktoria

Im Jahre 1957 fusionierten die “Preußen” mit der Dellbrücker Nummer zwei “Rapid” zum “SC Viktoria 04 Köln”, um dem 1. FC Köln entgegentreten zu können.  In 1963 konnte man sich nicht für die Bundesliga qualifizieren und war von nun an zweitklassig, obwohl man in der Vorsaison noch am Messepokal teilgenommen hatte. In 1978 erfolgte der Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord, aus der man, nach der Einführung der eingleisigen 2. Liga, wegen Zulassungsproblemen in 1981 wieder abstieg.

Die bis jetzt letzte Fusion passierte im Jahre 1994, als man mit dem “SC Brück” zusammenging und bis 2002 “SCB Preußen Köln” hieß. Die Umbenennung zum “SCB Viktoria Köln 1994” mit altem Wappen erfolgte 2002. Dieser Verein musste dann im Jahre 2010 Insolvenz anmelden. Zur Rettung der Jugendarbeit wurde der heute bestehende Klub gegründet. 11 Tage nach der Insolvenz wurde der “FC Viktoria Köln 1904 e.V.” aus der Taufe gehoben und übernahm alle Mannschaften des insolventen SCB.

Die neue Viktoria

Da ein Start in der Landesliga verweigert wurde und man nicht in der Kreisliga B beginnen wollte, wurde die Männerfußballabteilung des “FC Junkersdorf” aufgenommen. Mit deren Startrecht durfte man in der NRW-Liga einsteigen. Jetzt begann auch die Zeit der größten Vereinslegende der jüngeren Geschichte Mike Wunderlich, dem Rekordspieler und -torschützen der neuen Viktoria.

2012 gelang der Aufstieg in die Regionalliga West, 7 Siege im Mittelrheinpokal und 2019 war mit dem Aufstieg in die 3. Liga der größte Erfolg der jüngeren Vergangenheit geschafft. Seitdem halten sich die “Rechtsrheinischen” in der dritthöchsten Spielklasse und haben seit der letzten Saison die U17 und U19 aus dem NLZ in den jeweilig höchsten Spielklassen. Aktuell hat der Verein ca. 700 Mitglieder und bietet neben den Herren noch Frauen- und Inklusionsfußball an. Vereinsfarben sind schwarz, weiß und rot.

Fanszene

Die Fanszene der Viktoria ist sehr überschaubar. Dies ist natürlich besonders durch die starke Konkurrenz durch den FC und auch Fortuna Köln bedingt. Es gab über die Jahre einige Veränderungen auf den Rängen, sodass jetzt aktuell offizielle Fanclubs bestehen.

Als Ultras verstehen sich davon nur die “Juniors Höhenberg”, die die Mannschaft optisch und akustisch unterstützen. Früher gab es mehrere Ultra(orientierte)gruppen, z.B. die “High Society Höhenberg“, welche sich im Jahre 2019 nach dem Verlust der Zaunfahne auflösen mussten. Die Fanklubs der Kölner scheinen ein Faible für interessante Namen zu haben. Es existieren aktuell “Die Vollpfosten” und die “Schnullerbande”, in der Vergangenheit soll es u.a. “Senfschwanz – Die Senftras” und “13 Meter ohne Kopf” gegeben haben…

Trivia – Unnützes Wissen

  • Der Trikotsponsor der Viktoria “Peynoos” ist spezialisiert auf den Vertrieb mediterraner Käsevariationen.
  • Die eSportler der Viktoria gewannen 2024 die 3. Liga eMeisterschaft
  • Köln wird wie der TSV 1860 seit dieser Saison von “Joma” ausgestattet.
  • Lex-Tyger Lobinger ist der Sohn des inzwischen verstorbenen, ehemaligen Weltklassse-Stabhochspringers Tim Lobinger.

Der 9. Spieltag im Überblick

Dienstag 19:00 Uhr 1. FC SaarbrückenMSV 02 Duisburg
19:00 Uhr VfB Stuttgart II – SV Wehen Wiesbaden
19:00 Uhr FC Hansa Rostock – FC Energie Cottbus
19:00 Uhr TSV Havelse 1912 – SV Waldhof Mannheim
19:00 Uhr Aachener TSV Alemannia – FC Erzgebirge Aue
Mittwoch 19:00 Uhr SSV Ulm 1846 Fußball – 1. FC Schweinfurt 05
19:00 Uhr VfL 1899 Osnabrück – SSV Jahn Regensburg
19:00 Uhr SC Verl 1924  – FC Ingolstadt 04
19:00 Uhr TSV 1860 München – FC Viktoria Köln 1904
19:00 Uhr Rot-Weiss Essen – TSG Hoffenheim II
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