Eines der beeindruckendsten und dramatischsten Spiele für viele Löwenfans ereignete sich exakt heute vor 30 Jahren: Im Fußball gab es noch die Zwei-Punkte-Regel, das Sechzgerstadion war noch für über 30 000 Zuschauer (exakt: 30 306) zugelassen – die Löwen hatten unter Trainer Karsten Wettberg eine fulminante Serie hingelegt und den Rückstand auf Platz 1 (nur dieser berechtigte zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde) massiv verringert – von sieben Punkten auf nur noch einen Punkt.

Karsten Wettberg hatte im Winter übrigens Willi Bierofka als Trainer abgelöst – der eine oder andere Löwenfan wird bei der derzeitigen Situation vermutich ein Deja-vu haben…

Am letzten Spieltag sollten also ausgerechnet die unter Werner Lorant trainierten auf Platz eins stehenden Schweinfurter zum Endspiel nach Giesing kommen – die Ausgangslage war klar: Die Löwen mussten gewinnen, Schweinfurt 05 genügte ein Unentschieden für die Bayernliga Meisterschaft: Trotz heftigem Regen war das Sechzgerstadion natürlich ausverkauft, über dreißigtausend waren gekommen um die Löwen zur Meisterschaft und somit in die Aufstiegsrunde zu brüllen.

Der Verfasser dieser Zeilen war damals 12 Jahre alt und mit seiner blauen Familie in der Westkurve, in der es damals noch keine Trennzäune gab – ein letztes Fleckchen um sich noch irgendwo hinzuquetschen wurde neben der Stadionwirtschaft gefunden. Zu „den Wuidn unter die Uhr“? Damals vollkommen undenkbar.

Vom Spiel sah ich aufgrund der geringen Körpergröße wenig bis gar nichts, aber dass die Löwen kurz vor der Halbzeit das 1:0 schossen, das hab ich mitbekommen. Giesing bebte und dreißigtausend sangen Freudentrunken „Nie mehr Bayernliga“.

Dann kam die zweite Halbzeit und mit ihr der Ausgleich in der 63. Minute für Schweinfurt 05 – geschossen durch einen gewissen Bernhard Winkler. Das konnte jedoch die Löwen nicht erschüttern und es war Roland „Magic“ Kneißl – der damals noch gar nicht so genannt wurde, der ihm zu ehren so genannte Fan-Club war noch gar nicht gegründet – der die Löwen mit seinem Treffer zum 2:1 wieder an die Tabellenspitze und Giesing in Ekstase versetzte – aber nicht lange, denn schon im Gegenzug gab es einen Elfmeter für Schweinfurt – das 2:2.

Nun waren die Löwen weit aufgerückt und es war ausgerechnet einer der zuverlässigsten und besten Löwen, der einen eher harmlosen Ball verpasste und somit Schweinfurt das 3:2 ermöglichte – Walter Hainer war der Unglücksrabe, nur drei Minuten nach dem Elfmeter und somit keine fünf Minuten nach der Löwen-Führung – vom Himmel in die Hölle.

Sieben Minuten später erzielten die Löwen dann noch den 3:3 Ausgleich, Schweinfurts Werner Lorant wurde inzwischen vom Schiedsrichter auf die Tribüne geschickt und die Löwen rannten dem 4:3 hinterher – vergeblich: Es blieb beim 3:3, Schweinfurt erreichte die Aufstiegsrunde und zog über diese in die 2. Bundesliga ein, allerdings ohne Werner Lorant und Bernhard Winkler, welche den Verein verließen: Das Abenteuer zweite Liga wurde für Schweinfurt 05 zum Fiasko, mit nur 13 Punkten stieg man sang- und klanglos wieder ab.

Die Löwen wiederrum erreichten in der nächsten Saison problemlos die Aufstiegsrunde, siegten in dieser und stiegen in die zweite Liga auf – unvergessen die Worte von König Karsten Wettberg auf dem Rathausbalkon: „1860 ist nie sportlich abgestiegen, aber sportlich wieder aufgestiegen“. Lang ist´s her.

Äußerst empfehlenswert dazu: Das Interview mit Horst Schmidbauer in der heutigen Süddeutschen Zeitung:

https://www.sueddeutsche.de/sport/tsv-1860-muenchen-es-ist-kein-boeses-wort-gefallen-1.4903200

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