Philipp Hosiner wurde unter anderem mit den Löwen-A-Junioren Deutscher Pokalsieger. Er ist seit September 2019 beim Chemnitzer FC und hat in 17 Spielen 15 Tore geschossen – der CFC der kurz nach Saisonbeginn wie ein sicherer Absteiger aussah, hat die Abstiegsränge mittlerweile verlassen. Sechzger.de stand er netterweise für ein Interview zur Verfügung.

von Stefan Kranzberg

Sechzger.de:

Servus Philipp, zunächst mal herzlichen Dank, dass Du Dir Zeit nimmst für dieses Interview und herzlich willkommen zurück in Giesing. An was denkst Du spontan als Erstes, wenn Du an die Löwen denkst?

Philipp Hosiner:

An eine gute Zeit damals. Ich bin mit 17 Jahren von zu Hause ausgezogen, um in die große Welt des Fußballs aufzubrechen. Ich habe dort in der A-Jugend und der zweiten Mannschaft gespielt und hatte drei Jahre lang eine schöne Zeit. Ich bei bei Sechzig viele Freunde kennengelernt, mit denen ich heute noch im Kontakt bin.

Sechzger.de:

Vielen ist ja gar nicht bewusst, dass Dein Name eng verknüpft ist mit einem der größten Triumphe der Vereinsgeschichte. Dein Tor in der 90. Minute bescherte den Löwen 2007 in Berlin den Pokalsieg bei den A-Junioren. Wie sind Deine Erinnerungen daran?

Philipp Hosiner:

Das war einfach ein extrem geiler Moment – eigentlich mein schönster
Moment bei Sechzig. Es hatte damals über 30 Grad, wir waren eigentlich schon alle ausgepowert. Dann fiel das Tor in der letzten Minute zum Pokalsieg. Das war ein besonderes Gefühl, das sind extrem schöne Momente, die man nie vergisst.

Sechzger.de:

Von der Jugend gings anschließend direkt zu den Amateuren, wo Du in 31 Spielen satte 12 Tore erzieltest und etliche Assists verbuchen konntest. Für einen Profivertrag reichte es trotzdem nicht und Du wechseltest nach Sandhausen. Wie kam es dazu? Wie groß war die Enttäuschung, dass es nicht bei 1860 weiterging?

Philipp Hosiner:

Natürlich war es enttäuschend, weil ich denke, dass die Leistungen schon entsprochen hätten, um einen Profivertrag zu bekommen. Das war auch immer mein Ziel. Ich wäre gerne geblieben, mir wurde aber nur ein Amateurvertrag angeboten. Ich wollte jedoch den Schritt in den Profifußball machen und bin dann nach Sandhausen gewechselt.

Sechzger.de:

Auch in Sandhausen lief es leider nicht komplett nach Wunsch. Ich erinnere mich an ein Treffen am Rande eines Spiels mit der 2. Mannschaft, wo Du des Öfteren in der 7. Liga aushelfen musstest. Wie hast Du die Rückkehr nach Österreich empfunden? War der Wechsel zur Vienna eine Erlösung, eine Flucht oder eine bewusste Entscheidung für einen Neuanfang in der 2. österreichischen Liga?

Philipp Hosiner:

Das Jahr in Sandhausen war aufgrund der großen Konkurrenz für mich als jungen Spieler schwierig. Wir hatten damals fünf oder sechs Stürmer, wovon ich der Jüngste war. Ich hatte Kaliber wie Sreto Ristic und Regis Dorn vor mir. Der Neuanfang bei Vienna war für mich der richtige Schritt zur richtigen Zeit. Von da an ging es die nächsten Jahre nur bergauf.

Sechzger.de:

Nach der Vienna gings weiter zu Admira und schließlich zur Austria, wo Du nicht nur Meister, sondern auch Torschützenkönig und Nationalspieler wurdest und in der Champions League spieltest. Wie erklärst Du Dir diese Leistungsexplosion im Nachhinein?

Philipp Hosiner:

Ich habe in den Jahren das bekommen, was man als junger Spieler braucht: Nämlich Spielzeit. Ich habe mich bei jedem Verein extrem wohlgefühlt, meine Tore gemacht und konnte so meine Qualitäten ausspielen. Wenn man sich als Stürmer in einen Lauf spielt und wohlfühlt, sind Tore meistens das Ergebnis daraus.

Sechzger.de:

Es folgte eine Station in Frankreich bei Stade Rennes, wo es dann leider nicht so prickelnd lief. Ich habe Dich zu der Zeit ja zweimal besucht: Beim Testkick in Günzburg gegen Heidenheim warst Du bärenstark, hast getroffen und schienst inmitten der vielen Neuzugänge voll integriert. Beim Ligaspiel in Metz hingegen ging bei der Mannschaft und auch bei Dir recht wenig. War der Wechsel nach Rennes aus heutiger Sicht ein Fehler?

Philipp Hosiner:

Auf jeden Fall nicht. Ich konnte mich auf internationalem Fußballniveau weiterentwickeln, eine andere Kultur und Sprache kennenlernen. Ich habe da sehr viele Erfahrungen mitnehmen können. Für mich war der Wechsel der richtige Schritt, weil ein halbes Jahr später meine die Krankheit entdeckt wurde. Wenn ich nicht in Frankreich gespielt hätte, wäre ich später wahrscheinlich nicht zum Medizincheck nach Köln gekommen, wo der Tumor entdeckt wurde. Deshalb bin ich im Nachhinein sehr dankbar.

Sechzger.de:

Du hast es selber angesprochen: Danach geriet der Fußball erstmal in den Hintergrund, als ein großer Tumor bei Dir festgestellt wurde. Hast Du damals damit gerechnet, nochmal in den Profibereich zurückkehren zu können? War das evtl. sogar eine Antriebsfeder, um die schwere Zeit zu überstehen?

Philipp Hosiner:

Für mich war immer klar, dass ich zurückkommen werde und das so schnell wie möglich. Ich habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die perfekte Reha zu absolvieren. Ich war bei sehr guten Leuten in Behandlung und elf Wochen nach der Operation wieder auf dem Trainingsplatz.

Sechzger.de:

Beim 1. FC Köln und Union Berlin konntest Du anschließend Erst- und Zweitligaluft schnuppern. Was war Dein Highlight aus dieser Zeit?

Philipp Hosiner:

In Köln war mein erstes Bundesliga-Spiel und damit auch das erste Spiel nach meiner Krankheit das Highlight. Wir haben zu Hause gegen den HSV gespielt und ich habe nach meiner Einwechslung das Tor zum 1:1 erzielt und später das Siegtor zum 2:1 vorbereitet. In Berlin hatte ich viele schöne Momente.

Was mir am meisten in Erinnerung geblieben ist, ist der Siegtreffer gegen Nürnberg an der alten Försterei. Wir standen dadurch im Frühjahr an der Tabellenspitze und haben eine richtige Euphorie entfacht.

Sechzger.de:

Anschließend wechseltest Du wieder nach Österreich: Sturm Graz war das Ziel. Wie kam es dazu?

Philipp Hosiner:

Ich hatte damals die Chance einen längerfristigen Vertrag in Graz zu unterschreiben. Ich hatte auch einen ziemlich guten Start. Danach gab es aber ein paar Probleme, weil wir aus den internationalen Wettbewerben ausgeschieden sind. Es kam ein neuer Trainer, der nicht an mich geglaubt hat, der mir den Profifußball nicht mehr zugetraut hat. Daran sieht man, wie wichtig es ist, einen Trainer zu haben, der an einen glaubt. Training allein macht für einen Fußballer keinen Spaß.

Sechzger.de:

Und jetzt also Chemnitz! Dass Du Sturm verlassen wolltest, lag auf der Hand, dass Du dann aber den Schritt nach Chemnitz machst, wo der CFC zu der Zeit in der 3. Liga doch ziemlich abgeschlagen auf den Abstiegsrängen lag, war dann aber doch überraschend. Gabs denn keine anderen Angebote? Und was gab den Ausschlag für den CFC?

Philipp Hosiner:

Ich habe erst ziemlich spät meinen Vertrag in Graz aufgelöst. Es kam wieder ein Trainer, der mir eine Chance geben wollte. Dann hat sich der Verein aber doch entscheiden, den Vertrag mit mir aufzulösen. Bei Chemnitz hatte ich durch den damaligen Co-Trainer Sreto Ristic ein gutes Gefühl. Ich wollte wieder einen Verein finden, bei dem ich die Chance bekomme, wieder regelmäßig zu spielen, um an meine Leistungen anzuknüpfen. Der Wechsel nach Chemnitz ist für mich der richtige Schritt.

Sechzger.de:

Ich hätte Dich natürlich sehr gerne wieder bei 1860 gesehen. War das gar nicht im Gespräch?

Philipp Hosiner:

Nein. Ich hatte von 1860 kein Angebot vorliegen.

Sechzger.de:

Mit dem Chemnitzer FC schreibst Du aktuell ja eine besondere Erfolgsgeschichte. Ihr habt die Abstiegsränge zwischenzeitlich verlassen, Du triffst am Fließband und durch die sportlichen Erfolge wird auch das negative Image, das dem Verein in den letzten Monaten angeheftet wurde, beiseite gewischt. Könnte kaum besser laufen, oder?

Philipp Hosiner:

Die Ergebnisse in den letzten Monaten sind das Resultat ehrlicher harter Arbeit. Die Mannschaft hat die Qualität in der Liga zu bleiben. Wir haben uns gemeinsam zurückgekämpft und sind auf einem guten Weg.

Sechzger.de:

Aber jetzt mal unter uns… Sollte der CFC doch noch absteigen, wovon ich allerdings nicht ausgehe:  Magst zurückkommen nach Giesing? Wir würden Dich mit offenen Armen empfangen.

Philipp Hosiner:

Mit so etwas beschäftige ich mich nicht! Ich will mit dem CFC die Klasse halten. Mit der Konstellation Abstieg beschäftige ich mich überhaupt nicht.

Sechzger.de:

Philipp, vielen Dank, dass Du uns Rede und Antwort gestanden bist. Für die restliche Saison wünsche ich Dir alles Gute und viel Erfolg – mal abgesehen vom kommenden Spiel im Grünwalder Stadion natürlich…

Philipp Hosiner:

Danke. Ich freu mich auch.

Das Interview führte Stefan Kranzberg