Investoren bei Fußballvereinen – der vierte und vorerst letzteTeil dieser vierteiligen Serie. Leseempfehlung, insbesonders für die Gegner von 50+1.

Hier könnt ihr die anderen Teile noch einmal nachlesen:

Investoren bei anderen Fußball-Vereinen – ein Blick über den Tellerrand (Teil 1)

Teil IV.

Ein Artikel von Stefan Kranzberg

 

Xamax Neuchâtel 

Natürlich läuft nicht nur in England so einiges schief, auch in der Schweiz durfte der ein oder andere Verein bereits unliebsame Bekanntschaft mit einem Investor machen. Fangen wir mit Xamax an, wo der tschetschenische Oligarch Bulat Tschagajew 2011 den Verein übernahm und direkt mal umbenennen wollte: „Vainach“, der historischen Begriff für seine Heimat, sollte Teil des Vereinsnamens werden, was der Schweizer Verband jedoch ablehnte. Gut so.

 

Tschagajew träumte von der Champions League und überlegte sogar, Diego Armando Maradona als Trainer zu verpflichten. Überliefert ist, dass der Tschetschene in der Pause des Cupfinals 2011 seinen Spielern mit „I will kill you all!“ gedroht hatte.

 

2012 wurde Xamax wegen ausstehender Gehaltszahlungen und ungetreuer Geschäftsführung die Lizenz entzogen, Tschagajew wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt. Diese wurde zwar mittlerweile widerrufen, der damalige Absturz des Traditionsvereines konnte jedoch nicht vermieden werden. Doch Xamax stand wieder auf, spielte in der vergangenen sogar wieder in der Super League und sorgte in der Relegation für ein sensationelles Comeback. Nach einer 0:4-Heimpleite gegen den Zweitligisten FC Aarau schien der Abstieg besiegelt, doch dann gewannen die Neuenburger ebenfalls mit 4:0 im Aarauer Brügglifeld und sicherten sich im anschließenden Elfmeterschießen den Klassenerhalt.

 

Servette Genf

Der Franzose Marc Roger erhielt bei Servette Genf 2004 für einen Franken die Aktienmehrheit und übernahm im Gegenzug Schulden von über vier Millionen Franken. Seine Pläne waren ambitioniert:  Weltmeister Christian Karambeu sollte das Team aus der Westschweiz zurück zum alten Glanz führen. Ein libanesischer Geschäftsmann versprach Roger während einer Pressekonferenz, dem Verein innerhalb von fünf Jahren 70 Millionen Franken zur Verfügung zu stellen – selbstredend traf das Geld nie ein. Roger wurde im März 2005 wegen ungetreuer Geschäftsführung und Urkundenfälschung verhaftet und wurde für 23 Monate inhaftiert. Servette hatte plötzlich 11 Millionen Schulden an der Backe.

 

Aber weil man aus Fehlern ja nicht zwingend lernt, wiederholte sich das Spielchen ein paar Jahre später. Hauptakteur diesmal war der Iraner Majid Pishyar, der Servette 2008 übernahm, nachdem er zuvor Admira Wacker (Österreich) an die Wand gefahren hatte. In  Genf hingegen schien zu Beginn alles rosig: der Verein stieg 2011 wieder in die Super League auf, Pishyar träumte bereits vom Meistertitel 2014 und von der Champions League. Das Erwachen indes war böse: Servette musste 2012 seine Bilanz deponieren und Unternehmer Pishyar tauchte ab.

 

Aber hey, Ihr wisst ja: aller guten Dinge sind drei und so fiel Servette 2012 auf den nächsten Investor herein. Der Kanadier Hugh Quenned wurde 2012 bei Servette zunächst als Retter gefeiert, zumal der große Schuldenberg von Vorgänger Pishyar vorerst getilgt werden konnte. Quennec wollte sein Modell vom HC Servette (Eishockey) auf den Fußball adaptieren – das wiederum ging Vollgas in die Hose und so hatte Servette im Juni 2015 abermals fünf Millionen Franken Schulden und wurde in die Promotion League zwangsrelegiert. Der Konkurs konnte schließlich in letzter Minute verhindert werden und Servette kehrte in der Vorsaison in die Super League zurück.

 

FC Wil

Auch in Will zeigte man sich in der Vergangenheit wenig lernfähig. Bereits 2002 hatte der damalige Präsident Andreas Hafen bei der UBS 48 Millionen Franken veruntreut und davon zehn Millionen in den Club gesteckt. Ein gutes halbes Jahr später stieg eine ukrainische Gruppe um den früheren sowjetischen Nationalspieler und Bundesligaprofi Igor Belanow ein und kaufte für 1,15 Millionen Franken 51 Prozent der Aktien. Es war der Anfang von chaotischen Monaten im Verein und führte zur Nachlassstundung im Frühjahr 2004.

 

Im Sommer 2015 übernahm der türkische Bauunternehmer Mehmet Nazif Günal den Verein aus der Ostschweiz, der seit jeher im Schatten des großen Nachbarn FC St. Gallen steht.  Geplant war der Durchmarsch von der Challenge League via Super League in die Europa League. 25 bis 30 Millionen steckte Günal in das Wiler Projekt und lockte große Namen wie den Schweizer Nationalspieler Johan Vonlanthen, André Santos (ehemals Arsenal) und zahlreiche türkische Profis in die Schweizer Provinz. Bis Ende 2016 zahlte Günal pünktlich, im Frühjahr 2017 zog er sich plötzlich zurück und Wil konnte auf einen Schlag die Löhne nicht mehr bezahlen. Zum Saisonende stieg der FC Wil sportlich ab, profitierte jedoch vom Lizenzentzug des FC Le Mont und ist aktuell nachwievor in der Challenge League aktiv.

 

Anschi Machatschkala

Roberto Carlos, Samuel Eto’o, Guus Hiddink und einige mehr – etliche Weltstars gaben sich zwischen 2010 und 2013 die Klinke bei Anschi Machatschkala in die Hand, eher der Etat drastisch reduziert werden musste und der Verein 2014 sogar in die 2. russische Liga abstieg. Was war passiert? Offiziell wurde der ausbleibende Erfolg seit 2011 und das Financial Fairplay der UEFA für die Neuausrichtung angegeben, tatsächlich dürften jedoch finanzielle Schwierigkeiten von Klubbesitzer Suleiman Kerimov der Grund gewesen sein, dessen Aktien bei der Firma Uralkali um bis zu einem Viertel eingebrochen waren. Da gerät das teure Spielzeug Fußball natürlich schnell mal in Vergessenheit.

 

Dnipro FC

Ein ähnliches Schicksal hatte auch der ukrainische Verein Dnipro FC, immerhin Europapokalfinalist 2015, zu erleiden. Dort geriet Eigentümer Ihor Kolomoyskyi in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten, für den Verein war plötzlich kein Geld mehr vorhanden und so stieg der Traditionsclub 2017 zum ersten Mal in seiner Geschichte in die 2. Liga ab.

 

FC Malaga

In Spanien steht der einstige Champions-League-Viertelfinalist FC Malaga vor den Scherben seiner Existenz. Ein unerwarteter Geldregen im Jahr 2010 ließ die Fans des bis dato mittelprächtigen Vereins davon träumen, in der Spitze Europas mitzumischen. Doch so schnell wie das Geld gekommen war, war es auch wieder weg – und mit ihm der Erfolg. In der Hauptrolle dieses Dramas: ein launischer Scheich.

 

Abdullah bin Nasser bin Abdullah Al Ahmed Al Thani, Mitglied der katarischen Königsfamilie und einer der reichsten Männer der Emirate, erwarb den Verein Mitte 2010 für rund 36 Millionen Euro und ließ vollmundigen Ankündigungen bald Taten folgen. Die Vereinsschulden wurden beglichen und innerhalb kürzester Zeit  gut 200 Millionen Euro in den FC Malaga gepumpt. Spätestens als der Katarer erklärte, ein neues Stadion für bis zu 65.000 Besucher bauen lassen zu wollen, waren sich die Fans der Boquerones sicher: Al Thani ist der Messias, der den Verein aus der Lethargie der letzten Jahrzehnte befreien wird.

 

Aber natürlich kam auch hier alles anders und die ausgelassene Stimmung in der Hafenstadt fand ein unerwartet schnelles Ende, als Präsident Al Thani urplötzlich und ohne ersichtlichen Grund den Geldhahn abdrehte. Ohne die notwendigen Finanzspritzen des Scheichs stand der Traditionsverein vor dem Ruin, da er die teuren Spielergehälter unmöglich alleine stemmen konnte.

 

Lediglich auf Twitter beteuert der 48-Jährige stets seine große Liebe zu Malaga, während die Fans seit Monaten seinen Abgang fordern. “Sie haben uns weisgemacht, dass der Verein größer werden würde, als die Fans es jemals erahnen durften”, hieß es in einem Brief der Fangemeinde im Januar 2018, in dem der Rücktritt des Scheichs gefordert wurde. “Aber das ganze Projekt ist wie ein Kartenhaus ohne solide Fundamente in sich zusammengefallen.” Aktuell kämpft der FC Malaga in der Segunda Division um die Rückkehr in die Erstklassigkeit.

 

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