Blicken wir ein Jahr zurück: Der TSV 1860 hatte gerade 4:2 gegen Viktoria Köln gewonnen und damit am 14. Spieltag die Abstiegsplätze der 3. Liga verlassen. Man stand auf Platz 15 und somit quasi gleichauf mit dem späteren Meister Bayern II (14.) und dem späteren Aufsteiger Würzburger Kickers (13.). Dennoch: Man hatte bereits ein 0:4 bei Waldhof Mannheim und ein 1:5 beim 1.FC Magdeburg erlitten. Die Stimmung an der Grünwalder Straße war im Keller und sowohl sportlich als auch wirtschaftlich sah es zappenduster aus in Giesing.

Die letzte Identifikationsfigur

Mit Daniel Bierofka verabschiedete sich am 05.11.2019 dann auch noch der Trainer, der an anderer Stelle gerne als “letzte Identifikationsfigur von 1860” betitelt wurde. Ein dreiviertel Jahr später sollte dies dann Aaron Berzel sein und nochmal ein paar Wochen später durfte sich dann auch Sascha Mölders mit diesem Titel schmücken. Aber das nur am Rande… Ein Jahr ist der Abgang Bierofkas jetzt her und der Untergang des Abendlandes wurde aufgrund dieser Personalie prognostiziert.

Das Jahr eins nach Daniel Bierofka beim TSV 1860

Wie wir heute wissen, kam alles ganz anders. Sportlich setzten die Löwen nach dem Trainerwechsel zu einem geradezu unglaublichen Höhenflug mit 16 Spielen ohne Niederlage an. Man durfte in Giesing sogar bis zum Saisonende vom Aufstieg träumen. Taktisch und spielerisch war (und ist) die Weiterentwicklung unter Michael Köllner deutlich erkennbar und wenn es die Aufgabe eines Trainers ist, seine Spieler jeden Tag noch ein bisschen besser zu machen, dann hat man das Gefühl, dass dies nun der Fall ist. Kurzum: Köllner ist ein Glücksfall für 1860!

Loyaler Bierofka

Jahre zuvor wurde dies auch über Daniel Bierofka gesagt, als er in der schwärzesten Stunde für die Löwen da war, loyal blieb und sich bereit erklärte, seinen Teil zum Wiederaufbau des TSV 1860 München beizutragen, nachdem dieser direkt in die Regionalliga Bayern durchgereicht worden war. Dies kann man Biero gar nicht hoch genug anrechnen, denn die damalige Viertligatruppe trug eindeutig seine Handschrift. Doch bereits nach der schweren Verletzung von Timo Gebhart war zu erkennen, dass Bierofkas taktisches Verständnis limitiert war. Gegen andere spielstarke Teams (in erster Linie die Zweitvertretungen von Profivereinen) reichte es einfach nicht, sich auf die individuelle Überlegenheit der Löwenspieler zu verlassen.

Mangelnde taktische Flexibilität

In der ersten Saison in der 3. Liga wurde dies zunehmend deutlicher ersichtlich. Zunächst kaschierten zahlreiche Tore aus Standardsituationen dieses Manko jedoch. Doch als selbst diese einstige Stärke wegbrach, wurde es dunkel am Löwenkosmos und die Schwächen des Bierofka-Systems umso deutlicher. Keine taktische Flexibilität und Variabilität, viel zu wenige spielerische Elemente im Aufbau, kaum einstudierte Spielzüge und auch der Glaube an die eigene Stärke fehlte. Anders sind die Einbrüche in Mannheim und Magdeburg (s.o.) kaum zu erklären.

Fragiles Umfeld

Natürlich setzte auch das instabile Umfeld der Löwen anno 2019 dem Trainer zu, keine Frage. Allerdings muss er sich auch den Vorwurf gefallen lassen, durch seine eindeutige vereinspolitische Positionierung nicht unbedingt zur Deeskalation beigetragen zu haben. Auch ist es ein offenes Geheimnis, dass Bierofkas Informationspolitik in Richtung mancher Medien deutlich offener war als zu anderen. Das alles konnte auf die Dauer nicht gut gehen und so brach das Kartenhaus heute vor einem Jahr zusammen.

Der Löwe lebt!

Das war die Vergangenheit, im Hier und Jetzt macht es wieder Spaß, den Löwen zuzusehen. Daran ändert auch eine Niederlage wie am vergangenen Wochenende nichts. Das Auftreten der Mannschaft und ihrer Verantwortlichen ist einfach von A bis Z so viel positiver und optimistischer, dass es uns als Fans packt und mitreißt. Und auch wenn man jetzt nicht davon ausgehen sollte, dass Michael Köllner bis an sein Lebensende an der Grünwalder Straße tätig sein wird, so ist dieser Wandel deutlich spürbar und nicht zuletzt auf seine Person zurückzuführen. Aber so ist es nun mal im Fußball. Für jeden Protagonisten gibt es eine richtige Zeit am richtigen Ort. Bei Bierofka war es 2007 bis 2019 – dafür noch einmal ein ausdrücklicher Dank und weiterhin alles Gute. Bei Köllner begann die Erfolgsstory im Jahr 2019 und wird hoffentlich noch sehr lange anhalten!

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