Der Vorbericht zum Spiel der Löwen gegen die Münchner Vorstädter.

Ganz anders als gegen unseren Gegner vom vergangenen Wochenende, gegen den in der 3. Liga aus zwei Spielen nun also genau null Punkte auf der Habenseite der Löwen zu finden sind, sieht die jüngere Bilanz gegen jenen Verein aus, der heute Abend im Sechzgerstadion vorbeischaut: Die letzten fünf Duelle (eines davon im Totopokal) mit der SpVgg Unterhaching konnte der TSV 1860 gewinnen. Lediglich im September 2018, im ersten Treffen nach dem Aufstieg, überließen wir den Vorstädtern ein mickriges Pünktchen, welches sie sich auch erst in der Nachspielzeit sichern konnten. Seitdem trug der Sieger im sogenannten Münchner “S-Bahn-Derby” immer weiß und blau.

Das erste Geisterspiel gegen Unterhaching Ende Juni 2020

Nach wie vor negative Gesamtbilanz

Diese Aufbesserung der Gesamtbilanz gegen Haching in den letzten Jahren tat aber auch Not: Zum insgesamt 34. Mal kreuzen wir heute mit den Rotblauen in einem Pflichtspiel die Klingen und blicken dabei weiterhin auf satte 13 Niederlagen und neun Unentschieden zurück. Die Anzahl der Löwensiege kann mit einem heutigen Erfolg immerhin auf zwölf gestellt werden. Allerdings könnte es in der Folge dann durchaus passieren, dass noch einige Zeit vergeht, bis die Löwen- und Statistikfreunde sich über eine vollständig ausgeglichene Bilanz gegen diesen Gegner freuen dürfen: Ein Drittligaduell mit den Vorstädtern in der kommenden Saison erscheint im Moment eher unwahrscheinlich. Und das liegt nicht daran, dass der Verfasser dieser Zeilen weiterhin uneingeschränkt vom Aufstieg der Löwen in die 2. Bundesliga träumt…

Heute vielleicht das letzte Duell für länger?

Nein, die Hachinger sind es, die im Moment sehr klar auf Kurs „Adios 3. Liga“ liegen. Die drittletzte Tabellenposition, die sie derzeit einnehmen, sieht schon schlimm aus – dabei ist diese Platzierung sogar noch trügerisch: Als einziges Team im Keller hat die Mannschaft von Trainer Arie van Lent bereits 25 Spiele absolviert und daraus nur 21 Punkte gesammelt. Wenn Lübeck (23 Spiele/20 Punkte) und Magdeburg (24/21) in ihren Nachholspielen nur jeweils einfach punkten, dann übernimmt Haching direkt die Rote Laterne. Wenn dann auch noch Duisburg (23/24) und Uerdingen (21/24) ihre zahlreichen noch offenen Partien einigermaßen erfolgreich gestalten, dann tut sich aus der Perspektive im Münchner Südosten schon eine deutliche Lücke zum rettenden Ufer auf.

Niederlagen und Verkauf eines Leistungsträgers

Im Jahresfinale 2020 konnte man Spiele gegen den FCK und in Mannheim siegreich gestalten sowie den kleinen Roten ein Unentschieden abtrotzen. Danach setzte es jedoch in zehn sieglosen Partien neun Pleiten. Eine Nullnummer gegen Türk Gücü Mitte Januar bedeutete den bislang einzigen Punkt im Jahr 2021 für Kapitän Markus Schwabl und seine Mitstreiter. Zu allem Überfluss verließ der laut kicker-Durchschnittnote beste Hachinger Akteur der ersten Saisonhälfte, Torwart Nico Mantl den Club im Winter in Richtung Red Bull Salzburg. Rund zwei Millionen, so heißt es hinter vorgehaltener Hand, spülte dieser Transfer in die auch hier klammen Kassen. Als „wirtschaftlich absolut notwendig“ bezeichnete der Präsident, Kapitänsvater und – wie der Sohn Ex-Löwe – Manni Schwabl diesen Verkauf, weil es sonst in der Vorstadt „sehr, sehr eng“ geworden wäre.

Der verpuffte Börsengang

Dabei sah noch vor gar nicht all zu langer Zeit alles so rosig aus rund um den Alpenbauer-Sportpark. Im Sommer 2019 ging man als erst zweiter Fußballverein in Deutschland an die Börse  und träumte von einer goldenen Zukunft in höheren Ligen. Auch im medialen Umfeld des TSV 1860 wurde zu jener Zeit das von Schwabl senior verantwortete Konstrukt vereinzelt gerne als Ideal herangezogen, dem man an der Grünwalder Straße schon bald hinterherhinken würde. So können sich auch vermeintliche Experten täuschen.

Trainerfrage wird in Haching vorerst nicht gestellt

Als durchaus positiv, vielleicht sogar vorbildlich darf man im knallharten Business Profifußball hervorheben, dass Coach van Lent in Unterhaching aktuell eigentlich nicht um seinen Job fürchten muss. Manni Schwabl hat – auch gegen zuletzt lauter werdende Kritik – dem Trainer sein fortgesetztes Vertrauen ausgesprochen. Und das trotz der oben angesprochenen Katastrophenbilanz von elf Spielen ohne Sieg (fünf der dabei erzielten acht Treffer fielen übrigens in nur zwei Spielen: bei der 2:3-Pleite in Meppen und dem dramatischen 3:4 gegen Verl).

Dem gebürtigen Holländer, der im Sommer 2020 den so perfekt ins beschauliche Unterhaching passenden und außerordentlich sympatischen Claus Schromm an der Seitenlinie beerbt hatte, wird allerdings bei Weitem nicht mehr von allen Seiten der Rücken gestärkt. Im Blog Überhaching forderte schon am letzten Sonntag der Autor eines Kommentars – nach der Niederlage in Duisburg tags zuvor – unmissverständlich den sofortigen Rauswurf des 50jährigen Trainers. Unter der Woche schlossen sich dann 14 Fanclubs der Rotblauen an und richteten einen offenen Brief an Schwabl mit der identischen Forderung.

Sechzger.de natürlich wieder mit Liveticker

Ob der 54-jährige Holzkirchener vielleicht schon heute Abend, nach einer neuerlichen Pleite für seine Akteure erneut die Schwüre vom „gemeinsamen Durchstehen der schwierigen Situation“ in die Mikrofone diktieren muss und was sonst noch so in Giesing passiert – Ihr erfahrt es wie gewohnt aus dem sechzger.de-Liveticker ab den Nachmittagsstunden. Bei einem Freitagabend-Flutlichtspiel in Giesing gegen Unterhaching kommen einem natürlich sofort die Erinnerungen an das dramatische Totopokalspiel vom 11. Oktober 2019 in den Sinn, als Marco Hiller nach einem 1:1 nach 90 Minuten zum Elferkiller wurde und der Jubel auf Giesings Höhen keine Grenzen kannte. Auch wenn heute auf den Rängen leider bestenfalls ein paar Zaunfahnen wehen – nur ein Hauch der Euphorie von damals auf dem Rasen wäre uns um viertel vor neun sehr Recht!

Marco Hiller, der gefeierte Held des Elfmeterschießens gegen Haching im Oktober 2019

FOTOS: Anne Wild

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