Herzlich Willkommen zur Taktiktafelanalyse unserer 0:2 Niederlage gegen die SpVgg Unterhaching. Der Sieg für die Hausherren war verdient.

SpVgg Unterhaching – TSV 1860 ist und bleibt kein Derby. Das sehen viele vielleicht anders, ich nicht. Trotzdem muss man auch ein Nichtderby mit der notwendigen Aggressivität angehen. Die haben die Löwen vermissen lassen. Aber der Reihe nach.

System

Beide Trainer schickten ihre Mannschaften im 4-4-2 auf den Platz. Die Heimmannschaft begann gegen den Ball mit Pressingfallen im Mittelfeld zu spielen das Pressing mittig bis hoch anzulegen und bei Ballgewinn zielstrebig nach vorne gehen. Dabei war die Zonenverteilung der Angriffe der Hachinger über das gesamte Spielfeld verteilt.

Erste Halbzeit

Die Sechzger pressten in einem ähnlichen Bereich allerdings in höherer Frequenz direkt anlaufend aber mit ähnlich wenig direkten Aktionen in den pressingrelevanten Zonen. Bei eigenem Ballbesitz war zu Beginn die Passfrequenz deutlich höher und die Passwege deutlich kürzer, als beim Gastgeber. Gegen die rustikalen Hausherren gab es aber mit teilweise ängstlich wirkendem Passspiel nichts zu holen.

Die wenigen Torchancen die sich die Löwen erarbeiteten vergaben sie. Trotz insgesamt hoher Qualität der Chancen konnten die Sechzger keine dieser Möglichkeiten nutzen. Anders die Hachinger, die in Halbzeit eins ihre qualitativ beste Chance nutzten.

Zweite Halbzeit

In der zweiten Halbzeit bot sich nun zu Beginn ein etwas anderes Bild. Nun gab es gegen den Ball extrem tief stehende Hachinger die auf Konter lauerten zu sehen und bei eigenem Positionsspiel gegen das zunächst noch gleichbleibende Pressingschema der Löwen sehr bedacht und kontrolliert spielten.

Nach dem zweiten Gegentreffer versuchten die Löwen mit höher angelegter Pressinglinie noch einmal besser ins Spiel zu kommen, was beherzt verteidigende Hachinger, die kaum eine Gelegenheit zum temporeichen Gegenstoß liegen ließen, aber kaum zugelassen haben. Den Ball in den gegnerischen Strafraum zu bringen war weniger das Thema für die Sechzger als dort auch in Ballbesitz zu kommen oder zu bleiben. Hachings Befreiungsversuche nach Balleroberung endeten zwar dann häufig im Mittelfeld, doch die Sechzger konnten ihrerseits nie wirklich Profit aus den eignen Balleroberungen schlagen.

Bevor wir in die genauere Analyse einsteigen wie immer die statistischen Werte der Partie.

Statistische Werte SpVgg Unterhaching – TSV 1860 München

  • Ballbesitz SpVgg 49% – TSV 51%
  • Passgenauigkeit SpVgg 81% – TSV 82%
  • defensive Zweikampfquote SpVgg 63% – TSV 67%
  • Schüsse/aufs Tor SpVgg 15/9 – TSV 9/4
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) SpVgg 14,75 – TSV 9,38

Analyse der statistischen Werte

Ballbesitz (49%:51%)

Beim Ballbesitz gab es keine größeren Differenzen was die Verteilung dessen über das gesamte Spiel hinweg ansieht. Die Hachinger waren allerdings mit deutlich geringerem Spieltempo also niedrigerer Passfrequenz unterwegs. Sie konnten sich beim Aufbau insgesamt deutlich mehr Zeit lassen und spielten weniger hektisch und kontrollierter als unsere Löwen. Speziell in der ersten Halbzeit gab es in den einzelnen Spielphasen kaum große Differenzen bei der Ballkontrolle. Lediglich das Ergebnis derselben war für die Teams unterschiedlich.

Während Unterhaching wenn sie ins letzte Drittel der Löwen kamen in der ersten Halbzeit über die Hälfte ihrer, bis ins letzte Drittel der Sechzger, durchgebrachten Angriffe mit einem Schuss abschließen konnten, gelang das dem TSV 1860 auf der anderen Seite lediglich bei 15% der Angriffe die bis ins letzte Drittel durchkamen.

Die Zweite Halbzeit zeigt hier mit lediglich einem Schuss aus dem Spiel heraus ein noch katastrophaleres Bild der Sechzger Offensive. Haching konnte zwar im Verhältnis Angriffe zu Schüsse das Niveau auch nicht mehr ganz erreichen, dennoch hatten die Gastgeber immer noch bei 40% ihrer bis ins letzte Drittel durchgebrachten Angriffe Schüsse abfeuern können.

Wenn man nun auch noch die Zahlen der jeweils bis ins letzte Drittel Durchgebrachten Angriffe vergleicht offenbart sich eines ganz deutlich, nämlich die Schwäche der Löwen gegen Massiv verteidigende Gegner Lösungen zur produktiven Boxpenetration zu finden. Dazu weiter unten mehr.

Passgenauigkeit (81%:82%)

Auch hier haben wir bei den beiden Teams ein sehr ausgeglichenes Bild und man muss tatsächlich sagen, dass bei den Hachingern die Passgenauigkeit wie meistens wenn es in der 3. Liga über die 80& geht wieder bei den Sicherheitspässen im eigenen Defensivverbund zu suchen ist. Rück- und Querpässe dort überwiegen die der Löwen in der gleichen Zone bei weitem.

Beim Passspiel der Löwen an sich findet man wenn man lediglich die Statistiken ansieht wenig kritikwürdiges. Auch die Passfrequenz war hoch, das allerdings gezwungenermaßen, denn die Hausherren setzten Die Sechzger spätestens nach dem zweiten Pass beim Aufbau im Positionsspiel unter Druck. Durch diesen Druck wurden die Spieler der Sechzger oft hektisch. Zwar konnte auch in der Hektik oft auch der nächste Pass zum eigenen Mann gebracht werden, war dann aber meistens, da der nächste Spieler auch gleich den Hachinger Druck zu spüren bekam, schnell Beute der Gastgeber, die sich dann entweder im direkten Zweikampf durchsetzten, oder einen mit noch größerer Hektik gespielten Pass abfangen konnten.

Alles in allem ist es also zwar so, dass sowohl die räumliche Progression als auch die Genauigkeit im Passspiel beim TSV 1860 München zwar stimmte, aber durch die Nervosität die bei den Gästen deutlich sichtbar war, oft falsche Entscheidungen den Adressaten oder den Zeitpunkt des Passes betreffend, getroffen wurden.

Haching auf der anderen Seite hatte im Aufbau kaum Schwierigkeiten, aber große Probleme aus dem Mittelfeld ins letzte Drittel der Löwen durchzukommen. Wenn das allerdings gelang herrschte Alarmstimmung in Sechzigs Hintermannschaft.

Insgesamt tauchten die Sechzger achtundvierzig mal im letzten Drittel der Hachinger auf konnten dabei aber lediglich drei mal aus dem Spiel heraus Schüsse generieren. Mit nur sechsundzwanzig durchgebrachten Positionsangriffen von denen aber neun mit Schüssen abgeschlossen werden konnten haben wir hier eine deutliche Schieflage was die Effizienz der Angriffsleistung der beiden Teams betrifft.

Defensive Zweikampfquote (63%:67%)

Siebenundsechzig Prozent gewonnene Defensivzweikämpfe für unsere Löwen schaut auf den ersten blick wunderbar aus. Schauen wir auf die genaueren Zahlen sehen wir, dass die Zweikampfintensität also geführte Zweikämpfe pro Minute gegnerischem Ballbesitzes diesen Eindruck sofort ins Gegenteil umkehrt. Die SpVgg Unterhaching hat im Spiel gegen den TSV 1860 München 1,97 Zweikämpfe pro Minute gegnerischem Ballbesitzes vorzuweisen. Unsere Sechzger können andersherum lediglich mit einer Zweikampffrequenz von 1,16 Zweikämpfen pro Minute gegnerischem Ballbesitzes aufwarten. Das ist ein deutlicher Indikator für zu wenig Defensivdruck auf das gegnerische Spiel.

Wer jetzt glaubt, das hätten die Löwen durch eine bessere Bilanz beim abfangen von Pässen wettgemacht ist auf dem Holzweg, auch hier liegen die Sechzger 26% hinter den Gastgebern.

Durch den höheren Defensivdruck verunsicherten die Unterhachinger unsere Sechzger immer mehr und am Ende gewinnt derjenige mit dem höheren Kampfgeist und defensivem Einsatzwillen zunächst die Moral und später das Spiel. Weil er der eigentlich bis ins letzte Drittel gut funktionierenden Offensive der Löwen genau dort wo es dann wirklich zählt den Schneid abkauft.

Schüsse/aufs Tor (15/9:9/4)

Die Schussanzahl und die Schussgenauigkeit sehen die Gastgeber im Spiel SpVgg Unterhaching gegen den TSV 1860 München vorn. Eine Mannschaft die neun Schüsse aufs eigene Tor zulässt blockt zu wenig ab. Schafft es also zu selten in die adäquate Defensivpostion zu kommen oder hat angst vorm Ball. Sucht es Euch aus was der wahrscheinlichere Faktor sein könnte. Abblocken konnten die Sechzger von den fünfzehn Schüssen trotzdem immerhin vier. Diese wären auch noch aufs tor der Löwen gegangen. Rechnet man diese in der Genauigkeitsrechnung mit ein sind das dreizehn Schüsse durch die Gastgeber die theoretisch gefährlich waren und zu einem Torerfolg hätten führen können.

Von den neun Schüssen der Löwen gingen mit vier die aufs Tor gingen was rein die Schussgenaigkeit betrifft zehn Prozent mehr als im Saisondurchschnitt aufs Gegnerische Gehäuse. Haching konnte keinen Schussversuch der Löwen abblocken, hatte aber mit Vollath an diesem Sonntagabend eine unüberwindbare Mauer im Tor.

Auch die Positionen aus denen geschossen wurde waren im Prinzip nicht kritikwürdig. Sieben von den neun Schüssen der Löwen wurden innerhalb der gegnerischen Box aus zentraler oder halbzentraler Position abgesetzt. Aber dennoch sind bei 48 Angriffen die m gegnerischen letzten Drittel enden, neun Schüsse, davon nur fünf aus dem Spiel heraus, zu wenig.

PPDA (14,75:9,38)

In der ersten Halbzeit war dieser Wert bei beiden Teams wie oben schon geschrieben nahezu Identisch. Jedoch wurde von den Teams ein Unterschiedlicher Ansatz im Pressing genutzt. Die Löwen waren beim Anlaufen zwar aktiver, konnten aber dabei kaum Aktionen setzen und die reine Bewegung zum Ball hin ohne Aktion zählt nicht bei der Bewertung dieser statistischen Größe dazu. Die im Raum gut stehenden Hausherren konnten also mit weniger Einsatz vorne und gleichzeitig hohe Aggressivität jenseits der Pressingrelevanten Zone gegen den Ball mehr erreichen als andersherum die Sechzger die sich zwar bemühten, den Aufbau der Hachinger anzulaufen aber dabei immer ein wenig pomadig und wenig entschlossen wirkten.

In der zweiten Hälfte des Spiels setzten die Hachinger ihre Pressinglinie teilweise extrem Tief und vertrauten in diesen Situationen gänzlich auf ihre hervorragend abgestimmte Defensive die das gesamte Spiel über sehr Souverän und ruhig agierte.

Nach dem zweiten Gegentor wurden die Sechzger doch noch giftig und pressten hoch. Aber alles in allem war da „der Kas scho bissn“ wie man in Bayern sagt und die Partie nicht mehr zu retten.

Die Tore

Hier könnt ihr Euch die Treffer und weitere Highlights des Spiels SpVgg Unterhaching – TSV 1860 München noch einmal ansehen. Entscheidend war war zwar das erste Tor der Gastgeber, aber nachdem dies einer Ecke entsprang blicken wir auf die Entstehungsgeschichte des zweiten Hachinger Treffers und wo, und wann es möglicherweise zu verhindern gewesen wäre.

Bei einem Angriff über die linke Seite der SpVgg kann Glück den Ballführenden Lamby auf Seiten der Gastgeber an der Seitenlinie nicht großartig stören, vielmehr begleitet er Lamby nur. Der überlupft ihn holt sich das Leder wieder, nimmt Tempo raus und stoppt ab. Dann legt er den Ball vier Meter zurück auf Weidner. Dieser flankt dann unbedrängt in den Strafraum der Löwen hinein wo Hobsch, dessen Bewachung in diesem Moment, theoretisch aus zwei Spielern bestand, trotzdem unbedrängt ins Tor Köpfen kann.

Sowohl die Aktion von Lamby an der Seitenlinie gegen die mehr Konsequenz im direkten Duell Pflicht gewesen wäre, als auch die Flanke durch Weidner, gegen die eine bessere Positionierung auf dieser Seite nötig gewesen wäre, sowie der Kopfball der schlussendlich zum Tor geführt, bei dem eine bessere Positionierung, des Innenverteidigers vor ihm, zur Abwehr genügt hätte, wären verhinderbar gewesen. Nur konnte keiner derjenigen die zuständig waren eingreifen. Am meisten hat sich dabei noch Glück bemüht um Lamby nicht auf der Seite durchbrechen zu lassen.

Das fiel auf

Zu wenig

  1. Zu wenig Bewegung im offensiven Zentrum, dadurch mussten die Sechzger für die eigene Progression immer wieder auf die Flügel ausweichen wo sie ein gefundenes Fressen für gut verdichtende und doppelnde Hachinger waren.

2. Zu wenig defensive Aggressivität und somit zu wenig Druck auf das Angriffsspiel der Gastgeber.

3. Zu wenig Selbstvertrauen in entscheidenden Situationen und gleichzeitig zu wenig richtige Entschiedungen im letzten Drittel. Spieler die schießen müssten passen oder legen sich die Kugel noch einmal vor nur um dann den Ball Postwendend zu verlieren. Dafür suchen andere Spieler, die eigentlich den Ball abspielen müssten das direkte Duell mit dem Gegenspieler und verzetteln sich. In beiden Fällen ist das Ergebnis dasselbe. Ballverlust und Umschaltchance für den Gegner.

4. Zu Wenig Schüsse aus dem Spiel heraus. Wenn ich aus dem Spiel heraus quasi nichts zustande bringe, muss ich bei den offensiven Standards besser performen.

Am Ende ist das für mich nur mit entweder zu wenig Spielintelligenz bei manchem, zu wenig Selbstvertrauen bei anderen, oder mit Selbstüberschätzung bei wieder ganz anderen zu erklären. Ich werde mich hüten hier nun Namen zu nennen aber wer sich das Spiel insgesamt und vor allem die Spielweise im letzten Drittel unserer Sechzger nocheinmal ansieht findet das auch selbst heraus wer wann und wie gemeint sein könnte.

Hiller

Sieben gehaltene Schüsse. Mehr braucht man nicht zu sagen. Ohne ihn im Tor hätte Haching möglicherweise noch den ein oder anderen Treffer mehr verbuchen können.

Fazit zu SpVgg Unterhaching – TSV 1860

Des war gar nix meine Herren. Mehr braucht man nicht zu sagen.

Datenquelle: Wyscout

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black_belt_blues

Trotz einiger Schwachstellen wäre der Kader besser als die letzten Ergebnisse vermuten lassen. Und natürlich steht hierbei auch der Trainer in der Verantwortung. Seine Qualität muss er nächste Saison beweisen. Dann hat er auch Einfluss auf die Kaderplanung und wir werden ihn insgesamt besser beurteilen können.
Ich hoffe, er packt es, denn meine Sympathien hat er noch immer auf seiner Seite. Ich vermute, den meisten Fans geht es ähnlich.

Elilfant

Übergreifend bin ich unsicher, was ich von unserem Trainer halten soll. Erst 8 Spiele ohne Niederlage und jetzt nur ein Sieg aus den letzten 8 Spielen.