Michael Köllner schickte im Saisoneröffnungsspiel gegen Meppen den TSV 1860 in einer offensiven 4-1-4-1-Grundformation aufs Spielfeld. Dies setzte den Gastgeber gleich vom Anpfiff weg gehörig unter Druck. Das vertikale 4-3-3 mit nur einem defensiven Mittelfeldspieler, mit dem Thorsten Frings agierte, konnte dem Druck der Löwen, die immer ein hohes Pressing spielten, in keiner Phase der ersten Halbzeit auch nur das Geringste entgegensetzen. Entlastungsangriffe auf das Münchner Tor fanden – wenn überhaupt – nur durch lange Bälle nach vorne oder durch Zufallsaktionen statt, bei denen individuelle Fehler der Giesinger den Meppenern halfen.

Bereits in der 3. Minute brachte Stefan Lex die Löwen in Führung. Die Entstehungsgeschichte dieses Treffers bedarf aber genauerer Betrachtung, denn nur Mölders und Lex hervorzuheben, würde der Mannschaft des TSV 1860 nicht gerecht werden.  Mitauschlaggebend für die frühe Führung waren auch Dennis Dressel und Fabian Greilinger.

Greilinger brachte nach einem Pass von Dressel durch zwei Meppener hindurch an der linken Außenlinie ca. acht Meter in des Gegners Hälfte einen langen hohen Diagonalball auf Zielspieler Mölders. Dieser nahm den Ball an und bediente mit seinem eher schwachen rechten Fuß Stefan Lex, der sich wiederum zum Zeitpunkt des Passes von Dressel auf Greilinger noch auf gleicher Höhe mit Dressel befunden hatte.

Vor allem genau dieser Pass, mit dem zwei Meppener überspielt worden waren, Greilingers blitzschnelle Reaktion sowie das Auge für den freien Raum und den freien Mitspieler, setzten hier den Löwensturm vor dem Meppener Strafraum großartig in Szene. Lex‘ Antizipation für die entstehende Situation und seine Laufbereitschaft sollten hier aber auch nicht unerwähnt bleiben.

In der ersten Phase des Spiels konnte der TSV 1860 – trotz geringeren Ballbesitzes in der ersten Viertelstunde, was wie schon im Spiel gegen Frankfurt den vielen Quer- und Rückpässen des Gegners geschuldet war – weitgehend das Spielgeschehen bestimmen und kam in der eigenen Hälfte kaum in Bedrängnis.

Zum Ende der ersten Halbzeit konnten die Löwen mit 52% Ballbesitz zwischen Spielminute 16 und 45 auch in dieser Statistik ein Übergewicht aufweisen. Ein einziges Mal tauchten die Emsländer gefährlich mit einem Criss Cross Flankenspiel, über das Valdet Rama ins Szene gesetzt wurde, vor dem Tor der Sechzger auf. Den Abschluss des Ex-Löwen wusste allerdings Marius Willsch per Kopfballabwehr zu unterbinden. Kein einziger Schuss auf den Kasten der Löwen ist den zum Spiel verfügbaren Statistiken zu entnehmen. Ganz im Gegenteil: Durch das disziplinierte Einhalten der Positionen und richtige Verschieben der Blöcke gegen den Ball, konnten die Löwen Meppen so stark unter Druck setzen, dass Angriffswelle um Angriffswelle auf den Strafraum der Gastgeber zurollte.

Dies funktionierte so gut, da nach Ballgewinn schon jeder Spieler für das Umschaltspiel nach vorne in der richtigen Position, kein Segment doppelt besetzt war und auch nahezu alle Laufwerge immer stimmten. Eine Passquote von nahezu 82% angekommener Pässe insgesamt zeigt, wie präzise unser Spiel nach vorne läuft. Die einzige Passstatistik, die hinterherhinkte, waren lange Bälle. Dort ist mit 57% noch etwas Luft nach oben. Abgesehen davon sind aber sowohl bei den Querpässen, als auch bei Vorwärtspässen, Steilpässen und den Pässe ins letzte Drittel alle Quoten jenseits der 75% Marke zu finden.

Auch die Schussstatistiken vom Samstag Nachmittag sehen den TSV 1860 München klar im Vorteil. Neun Schüssen der Löwen, von denen zwei aufs Tor gingen, stehen keinem einzigen Schuss der Gastgeber gegenüber. Ein komplette Halbzeit ohne einen einzigen Abschluss – der Hintermannschaft der Löwen kann man dafür nicht genug Lob für eine klasse Abwehrarbeit aussprechen.

Und nach vorn ging auch richtig viel: Allein Mölders hätte mindestens zwei Mal für eine Erhöhung des Spielstands sorgen können. Einen Kopfballtreffer nach Phillipp Steinharts Ecke von der linken Seite verhinderte die Leihgabe von Frings‘ Ex-Verein Werder Bremen im Tor der Meppener. Ein Alleingang Mölders‘ wurde ruppig und durchaus ahndungswürdig durch Steffen Puttkammer unterbunden. Kurz vor dem Ende der ersten Hälfte kam Mölders noch zu einem sehenswerten Fallrückzieher, den er allerdings nicht auf den Kasten der Gastgeber brachte, sondern ca. drei Meter links neben das Tor setzte.

Auch Dennis Dressel, Daniel Wein, Phillipp Steinhart, Erik Tallig, zweimal Fabian Greilinger und eben zweimal Mölders, versuchten mit ihren Abschlüssen den Spielstand zu erhöhen.

Gegen den Ball spielten die Löwen in Halbzeit eins taktisch diszipliniert im eingangs angesprochenen 4-1-4-1, wobei sich allerdings immer wieder auch die äußeren Mittelfeldspieler Dressel und Tallig ins defensive Mittelfeld zurückfallen ließen und Meppen somit einen 4-3 Abwehrriegel vorfand der – bis auf die angesprochene Situation, in der Rama der Adressat einer Flanke an den langen Pfosten war – nichts zuließ.

Offensiv verschob sich die 4-1-4-1 Formation – je nachdem wie die Angriffe abliefen – bisweilen zu einem 4-1-2-3, um sich nach Ballverlust aber sofort wieder auf die Ursprungspositionen zurückzuziehen. Die Quote von 42% gewonnenen Zweikämpfen liest sich auf den ersten Blick nicht wirklich gut, wird aber durch die Abfangquote absolut ausgeglichen: 34% der Meppener Vorwärtspässe, 55% ihrer langen Pässe, und mehr als 66% der Pässe ins letzte Drittel wurden von den Löwenspielern abgefangen.

Das sind hervorragende gute Quoten und liegen in jeder Kategorie mindestens 10% über dem, was der Gastgeber auf den Platz brachte.

Nach der Halbzeitpause kam der SVM sehr gallig aus der Kabine und schaffte es – wie  schon unsere Gegner in den letzten beiden Pflichtspielen, Würzburg und Frankfurt – direkt mit dem Wiederanpfiff des Spiels die Löwen unter Druck zu setzen. Im Durchschnitt ließ 1860 in dieser Phase über 26 Ballkontakte zu, bis eine Defensivaktion gegen den Ball erfolgte. Die Spieler in den schwarzen Trikots waren zu weit vom Gegner weg und stellten auch die Räume nicht entscheidend genug zu.

Nun schien der Matchplan, den Thorsten Frings seiner Elf auf den Weg gegeben hatte, aufzugehen. Neun Minuten waren in Halbzeit zwei gespielt, als Dejan Bozic für den SV Meppen traf. Bei diesem Tor sah die Hintermannschaft von 1860 ganz schlecht aus. Alle an dieser Szene beteiligten Abwehrspieler waren entweder zu passiv oder zu weit weg vom Gegenspieler. An der Löwen-Lethargie nach der Pause in nun drei Spielen hintereinander muss sich etwas ändern. Gott sei Dank ist die Mannschaft intakt und hat die Moral, das Stehvermögen und vor allem die Klasse, solche Fehler – solange sie nicht gegen einen Erstligisten passieren, wie jüngst gegen Frankfurt – wieder auszubügeln, eine Schippe draufzulegen, weiter nach vorne zu spielen und den Sieg doch noch einzutüten.

Bis zum erneuten Führungstreffer versuchte Meppen weiter Druck aufs Tor der Löwen auszuüben, kam allerdings in der Viertelstunde nach der Pause insgesamt nur zweimal zum Abschluss. Davon bekanntermaßen einmal aufs und auch ins Tor. Durch den Gegentreffer wachgerüttelt standen aber die Spieler des TSV 1860 in der Folge wieder näher am Mann und besser im Raum. In der 59. Minute war es dann soweit als Quirin Moll einen Freistoß an Lars Bünnings Kopf zimmerte, von wo der Ball glücklich, aber unhaltbar für den ins andere Eck laufenden Torwart der Meppener, in den Kasten abgefälscht wurde.

Kurz nach dem erneuten Treffer der Sechzger entschied sich Thorsten Frings für einen Wechsel in der Offensive. Der bis dahin blass gebliebene Valdet Rama (nur sieben angekommene Pässe und insgesamt 13 offensive Aktionen sprechen eine deutliche Sprache) musste den Platz verlassen. Für ihn kam – um das offensive Mittelfeld zu verstärken – der von mir eigentlich in der Startaufstellung erwartete Luka Tankulic.

Thorsten Frings stellte also auf 4-1-3-2 um. Tankulic im offensiven Mittelfeld, hinter ihm Marcus Piossek und Willi Evseev, die nun nominell jeweils auf den Halbpositionen im linken und rechten Zentrum spielten, dort aber Freiheiten genossen, das Spiel auf ihrer Position auch horizontal nach Außen zu verschieben. Dieser Wechsel bewirkte allerdings – nach der wiedererlangten läuferischen, kämpferischen und taktischen Überlegenheit des TSV 1860 – nichts Positives für das Spiel des SVM. Es gab für die Löwen stattdessen mehr Raum für Angriffe über die Flügel.

Der nächste Wechsel fand auf Seiten der Gäste statt: Richard Neudecker kam positionsgetreu für den mit einer gelben Karte belasteten Fabian Greilinger.

Die Hereinnahme eines weiteren Mittelstürmers in Minute 74 auf Seite der Emsländer (Hilal El-Helwe kam für Guder), änderte nichts an der taktischen Grundausrichtung, doch öffnete dies den rechten Flügel für die Löwen noch ein wenig stärker, da El-Helwe weiter im Sturmzentrum zu agieren versuchte und sich im Gegensatz zu Guder nicht so weit ins Mittelfeld zurückfallen ließ, wenn Meppen gegen den Ball spielte.

Darauf reagierte nun Löwencoach Köllner zwei Minuten später mit einem taktischen Wechsel: Dennis Erdmann kam für Lex ins Spiel. Damit stellten die Löwen auf ein 4-2-3-1 um, bei dem bei eigenen Ballbesitz Daniel Wein vom defensiven ins zentrale Mittelfeld aufrückte, um weiterhin den hohen Druck bei Angriffen aufrecht zu erhalten.

Verhängnisvoll für Meppen war in der Folge ein grobes Foul des linken Außenverteidigers Hassan Amin, der in der 82. Minute im Mittelkreis – nachdem er sich den Ball zu weit vorgelegt hatte – Daniel Wein mit gestreckten Bein umtrat und folgerichtig die Rote Karte sah. Der Meppener Trainer reagierte und schickte beim immer noch knappen Spielstand von 1:2 kurz später Innenverteidiger Jeron Al-Haziameh für Mittelfeldakteur Willi Evseev auf den Platz um die Viererkette wieder zu komplettieren.

Falls Thorsten Frings zu diesem Zeitpunkt die Niederlage schon akzeptiert hatte, ist das ein nachvollziehbarer Wechsel, um das Tordefizit nicht höher ausfallen zu lassen. Wenn man aber die letzten Minuten der Partie betrachtet, waren die Meppener Spieler keineswegs gewillt, die Niederlage hinzunehmen, denn sie versuchten weiterhin anzugreifen, was bis zwanzig Meter hinter der Mittellinie auch gelang. Dann fehlten allerdings entweder die Anspielstationen oder die Spieler des TSV 1860 stellten die Passwege so geschickt zu, dass kaum Pässe ins letzte Spielfelddrittel erfolgen konnten.

Wenn Meppen noch etwas im Spiel nach vorne hätte reißen wollen, hätte ihr Coach das Risiko mit drei – nach dem Platzverweis – verbliebenen Abwehrspielern weiterzuspielen eingehen müssen, um für ein Übergewicht im Mittelfeld zu sorgen. Ich hätte an Frings Stelle den zuvor eingewechselten El-Helwe wieder herausgenommen und Nico Andermatt gebracht. Mit Tankulic und Bozic war genug Torgefahr auf dem Platz, um noch zum Ausgleich zu kommen.

Ihre zahlenmäßige Überlegenheit im Mittelfeld wussten die Spieler des TSV 1860 trefflich auszunutzen und erspielten sich nun große Chancen, die Führung weiter auszubauen. Neudecker, Mölders und Tallig gaben in der Schlussphase alle mindestens einen Schuss ab.  Eine dieser Chancen nutzte Sascha Mölders, als er in der Nachspielzeit zuerst den von Marco Hiller abgeschlagenen Ball, schon knapp in der gegnerischen Hälfte per Kopf mit dem Rücken zum Tor zu Steinhart zurückbrachte, um dann sofort in Richtung Strafraum zu starten. Kurz vor der Grenze zum Sechzehner setzte er dann das herrliche hohe und lange Zuspiel über etwa dreißig Meter vom heute nahezu fehlerlosen Steinhart zum 3:1 Endstand direkt platziert und wuchtig ins lange Eck.

Nach diesem Treffer durfte Mölders, der sich zwei Scorerpunkte erkämpft hatte, für den Neuzugang Martin Pusic, der damit zu seinem ersten Einsatz im Löwentrikot kam, den Platz räumen.

Statistisch betrachtet bekam Meppen speziell in der letzten halben Stunde des Spiels kein Bein mehr auf den Boden. Ein einziger Schuss, weniger als 50% angekommene Vorwärtspässe und unter 45% Passquote ins letzte Drittel sprechen eine deutliche Sprache.

Der TSV 1860 München gewann also hochverdient, und – bis auf die 15 Minuten nach Wiederanpfiff – absolut überlegen. Nur drei Schüsse gaben die Meppener während der gesamten Partie ab.

Ein weiters äußerst positives Zeichen wurde von unserem Mann vor Ort wahrgenommen: Die am Spiel unbeteiligten Personen des 1860-Trosses, vom Pressesprecher über Funktionäre bis hin zu den Ersatzspielern benahmen sich – im absolut positiven Sinn – wie „normale Fans“ und unterstützten so ihre Kameraden. Ein tolles Zeichen für Emotion und Zusammenhalt!

 

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