Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Spiel des FC Viktoria Köln gegen den TSV 1860 München. Unser Gegner am morgigen Samstag zeichnet sich durch die Zahl 18,08 aus. Was es damit auf sich hat? Die Antwort darauf und viele weitere Informationen findet ihr im Folgenden.

Die Kölner erleben eine durchwachsene Saison. Bisher konnten bei fünf Siegen, ebenso vielen Niederlagen und drei Unentschieden 18 Punkte in dreizehn Spielen eingefahren werden. Am Samstag treffen nun zwei Teams aufeinander, die in der Tabelle zwei Punkte und vier Plätze trennen. Wie spielt die Viktoria, wo sind ihre Schwächen, was sind ihre Stärken?

Was können wir von der Mannschaft aus Köln erwarten?

In den bisherigen 13 Spielen schickte Trainer Pavel Dotchev seine Jungs bevorzugt im 4-2-3-1 aufs Feld. Ich rechne auch am Samstag wieder mit dieser Formation bei der Viktoria. Erstens sind die Akteure in dieser Formation sehr gut eingespielt; zweitens ist sie ein adäquates Mittel, um gegen eine offensivstarke Mannschaft sicher zu verteidigen ohne von vornherein mit zwei Ketten tief stehen zu müssen. Allerdings haben die Löwen gegen Mannschaften, die im 4-2-3-1 angetreten sind, eine gute Bilanz. Welche Systeme hätte der Gegner noch im Köcher? Sowohl 4-4-2 (2 DM) und 4-4-2 Raute ließ Dotchev diese Saison auch schon praktizieren.

Worauf müssen die Löwen aufpassen?

Die Stärken der Viktoria liegen offensiv eindeutig im präzisen Passspiel und dem Willen, das Mittelfeld schnell aber kontrolliert zu überbrücken. Das Spieltempo der Viktoria liegt bei einem Wert von 18,08. Das bedeutet das folgende: pro Minute Ballbesitz spielt Köln 18 Pässe (also etwa alle 3 Sekunden einen). Die meisten anderen Mannschaften in der Liga brauchen pro Pass eine Sekunde länger. Diese Sekunde macht oft den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg im Ballbesitzspiel aus. Zusammen mit der hohen Passpräzision ist das hohe Spieltempo eine gefährliche Waffe.
In den Spielen, die ich mir angesehen habe, fanden zudem nur wenige Angriffsversuche über den langen Pass in die Spitze statt. Es wird lieber mit hohem Laufpensum sowohl über die Flügel als auch durch die Mitte versucht die sich bietenden Räume effektiv auszunutzen.

Defensiv nutzt man vor allem die Fähigkeit durch gutes Stellungsspiel in Passwege einzulaufen und so Angriffe des Gegners zu unterbinden. Desweiteren hat die Viktoria mit ihrem guten und erfahrenen Torwart Mielitz einen Spieler zwischen den Pfosten, der den Unterschied in knappen Spielen ausmachen kann.

Wie also kommt Sechzig zum Torabschluss?

Die Schwächen der Mannschaft vom Sportpark Höhenberg liegen klar in der Arbeit gegen den Ball. Die Viktoria fällt vor allem bei Defensivduellen im Eins-gegen-Eins und beim defensiven Kopfballspiel negativ auf. Knapp die Hälfte aller zugelassenen Schüsse gehen zudem aufs Tor, was uns sagt, dass es um die Staffelung im Strafraum nicht unbedingt zum Besten bestellt ist. Das könnte (auch) an der Innenverteidigung liegen: In fast jedem Spiel wird diese neu zusammengewürfelt, was die fehlende Abstimmung erklärt.

Auch eine gewisse Abschlussschwäche kann man bei den Kölnern feststellen. An der Präzision der Abschlussversuche liegt es sicherlich nicht, denn die kann durchaus als gut beurteilt werden. Es hakt im Abschluss bei den Höhenbergern daran, in manchen Situationen den nötigen Druck hinter den Ball zu bringen. Das macht die Versuche zu einer leichten Beute des gegnerischen Torwarts.

Die Spielweise der Kölner

Aus einer kontrollierten Spieleröffnung heraus wird gerne über kurze, präzise Pässe der Weg nach vorne gesucht. Hohe Laufbereitschaft und viel Bewegung im Mittelfeld, um in freie Räume einzulaufen, zeichnen die Offensivbemühungen der Kölner aus.

Die Angriffsseite variiert trotz einer nicht zu verleugnenden Rechtslastigkeit des kölschen Spiels je nach Raumangebot. Lange Diagonalpässe, um Seitenwechsel einzuleiten, sind ein häufig genutztes Mittel. So befreit man sich aus durch Raumverdichtung eng gewordenen Spielfeldzonen. Daher werden aus vielen Angriffen, die eigentlich über rechts in die Statistiken eingehen durch diese Aktionen Angriffe durch die Mitte oder über links. Dort zeigt vor allem der von Trainer Dotchev zum Verteidiger umfunktionierte Linksaußen Simon Handle (#7) im Zusammenspiel mit Lucas Cueto (#11) offensiv bislang starke Leistungen.

Auch im Zentrum kann die Viktoria durchaus gefährlich werden. Mike Wunderlich (#8) ist bereits seit 2012 bei der Viktoria als Spielgestalter im zentralen Mittelfeld aktiv. Er hat mit seiner Erfahrung und dem Riecher für sich ergebende Situationen durch seine präzisen Pässe aus dem Zentrum in die Spitze schon mehr Schussvorlagen in die Tiefe gespielt als es den gegnerischen Defensivkräften lieb sein kann. Dass nur zwei der 23 Vorlagen verwandelt wurden, muss man der Abschlussschwäche seiner Kollegen ankreiden.

Die Zahlen der Viktoria

  • Ballbesitz 53%
  • Passquote 84%
  • gewonnene Defensivzweikämpfe 53% (schlechter Wert)
  • gewonnene Offensivzweikämpfe 43% (sehr guter Wert)
  • PPDA 11,06

Stärken und Schwächen des Systems 4-2-3-1

Die Stärken: Gegen den Ball ist das 4-2-3-1 in der Zentrale und Richtung eigener Box sehr kompakt. Es gibt den Gegnern kaum Raum um dort vernünftiges Passkombinationsspiel aufzuziehen. Auch gegen zwei oder drei Stürmer ist man durch die beiden defensiven Mittelfeldspieler gut abgesichert. Nach Balleroberung kann das Spiel über eben jene Sechser relativ variabel gestaltet werden. Sowohl über die Flügel als auch durch das Zentrum sind schnelle Angriffe möglich, wenn man die Lücken im Raum schnell erfasst und alle Offensivspieler ihre Laufwege situationsbedingt richtig durchführen. Oft schaltet sich einer der beiden Sechser auch aktiv und nicht nur als Ballverteiler in das Offensivspiel mit ein. Dadurch wird die Offensive als Ganzes schwerer auszurechnen.

Die Schwächen: Ein Gegner, der gern über die Flügel angreift, ist im Spiel gegen den Ball schwer zu kontrollieren. Die Wege, um einen Spieler zu doppeln, sind relativ weit. Zudem wird die Doppelung vom Angreifer oft frühzeitig erkannt, wenn sich der zur Hilfe kommende Spieler aus seiner taktischen Grundposition löst. Das führt bei guter Spielübersicht und genauem Passspiel zu viel Raum für die angreifende Mannschaft. Die Mittelfeldspieler auf den Außenpositionen müssen außerdem ein extrem hohes Laufpensum bewältigen, wenn sie die gegnerischen Flügel unter Kontrolle halten wollen. Im Spiel nach vorne ist vor allem das Fehlen eines zweiten Stürmers ein großes Manko, da sich dadurch für den Spieler in der Strumzentrale nur wenig Raum zur Entfaltung seiner Fähigkeiten bietet. Deshalb sind torgefährliche Mittelfeldspieler, die in Angriffssituationen mit aufrücken zwingend erforderlich, um im 4-2-3-1 erfolgreich zu sein.

Die Schlüsselspieler der Viktoria

Der mit 31 Jahren sehr erfahrene Torwart Sebastian Mielitz (#1) ist reflexstark und besitzt eine gute Strafraumbeherrschung. Eklatante Schwächen oder Unsicherheiten in gewissen Spielsituationen sieht man bei dem im Sommer aus der ersten dänischen Liga zur Viktoria gewechselten Schlussmann keine.

Mike Wunderlich (#8) ist in der Schaltzentrale im Mittelfeld der Spieler, der mit seiner Erfahrung aus 238 Pflichtspielen für die Viktoria und seinen weiter oben schon erwähnten Tugenden offensiv den Unterschied im Spiel der Kölner ausmachen kann. Zusätzlich zu seinem gefährlichen Passpiel in die Spitze sorgt er auch selbst mit bereits vier Treffern für viel Torgefahr.

Mittelstürmer Albert Bunjaku (#12) ist ein mit allen Wassern gewaschener Profi, der in seiner Karriere länderübergreifend auf 174 Erstligaspiele zurückblicken kann. Im Schnitt trifft er in jedem dritten Spiel. Mit seinen 37 Jahren ist er sicher nicht mehr der Jüngste, aber wie wir von Sascha Mölders wissen: Alter schützt vor Toren nicht. Mit seiner Schlitzohrigkeit, Erfahrung und dem Willen „auch mal dahin zu gehen wo es weh tut“ geht von ihm immer Gefahr aus, wenn er spielt. Dem Gesetz der Serie nach wäre er am Samstag mal wieder fällig ein Tor zu markieren.

Mein Fazit

Es wird ein höchst intensives Spiel werden, denn beide Mannschaften haben aufgrund der Ergebnisse in den letzten Spielen keine Geschenke zu verteilen. Der Ausfall von Dressel muss auf Seiten des TSV 1860 kompensiert werden. Zudem drohen Erdmann und Wein Gelbsperren. Um gegen die Viktoria aus Köln zu bestehen und möglichst drei Punkte nach München zu entführen muss Trainer Köllner wohl tief in die Taktikkiste greifen. Erstens sollte vermieden werden, dass sich die beiden defensiven Mittelfeldmänner die fünfte Gelbe abholen; zweitens muss der richtige Spieler als Ersatz für Dressel aufs Feld geschickt werden. Ich traue den Löwen durchaus einen Sieg zu, bin unter den gegebenen Voraussetzungen aber ganz klar auch mit einem Punkt mehr als zufrieden.

Diese Aufstellung schickt Trainer Pavel Dotchev voraussichtlich aufs Feld:

Heute gibt es ausnahmsweise auch die von mir erwartete (bzw. erhoffte) Aufstellung des TSV 1860, weil sich durch die Konstellation mit den drohenden Gelbsperren und der Rotsperre für Dressel die Mannschaft diesmal nicht quasi von alleine aufstellt:

2 KOMMENTARE

  1. Servus Stephan und weiterhin gute Bahnfahrt nach Kölle,
    beim letzten zugelassenen Auswärtsspiel in Jena hatten wir uns noch gesprochen und nun verhindert diese Corona-Plage schon über 8 Monate unseren Löwen live zu folgen.
    Danke für Taktiktafel und News und hoffentlich darfst Du mit mindestens einem Punkt zurückfahren. ELIL. Ritsch

    • Servus Ritsch,

      bin gerade auf der Rückfahrt – hat mit dem Punkt leider nicht sollen sein. Die Taktiktafel macht allerdings ein anderer aus unserem großen (und gutem, ich denke das darf man sagen) Team – der Bernd.

      Beste Grüße nach Wasserburg!

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