Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Spiel TSV 1860 München – FC Viktoria 1899 Berlin.

Benedetto Muzzicato, der Trainer der Berliner, lässt seine Elf mit erfrischendem Offensivfußball die Liga aufmischen. Die im Moment auf Tabellenplatz zwei stehende Mannschaft aus Lichterfelde ist bisher das Überraschungsteam der Liga. Warum ist das so und was kann das Rezept sein, um Viktoria Berlin zu schlagen?

Das sehr offensive 3-4-3 System, das Benedetto Muzzicato bei eigenem Ballbesitz spielen lässt, könnte man im Zweifelsfall als Grund für den momentanen Erfolg heranziehen. Es ist aber tatsächlich nicht nur eine Systemfrage. Sonst hätte Magdeburg unter Trainer Hoßmang letzte Saison in der Hinrunde die Liga ebenso aufgemischt wie es diese Saison Berlin tut.

Gegen den Ball verschieben die Berliner Situations- und Gegnerbedingt entweder zu einem 4-5-1 oder zu einem 5-3-2, das im letzten Drittel zum 5-4-1 wird. Damit stand die Viktoria in den meisten Spielen bisher gegen den Ball recht gut.

Die wichtigsten statistischen Werte von Viktoria Berlin

  • Ballbesitz 52%
  • Passgenauigkeit 78%
  • Defensive Zweikampfquote 58%
  • Flankengenauigkeit 36%
  • PPDA (Zugelassene Pässe pro Defensivaktion) 7,91

Sehen wir uns diese statistischen Werte an fällt auf, dass es bis auf die PPDA sehr durchschnittliche, mitunter sogar unterdurchschnittliche Werte sind. Was ist also das Geheimrezept der Berliner? In welchem Bereich sind sie besser als der Rest der Liga?

Es gibt drei offensive Kategorien, in denen Berlin einen der vorderen Plätze belegt. Ballkontakte im gegnerischen Strafraum, Schüsse aufs gegnerische Tor sowie die Schussgenauigkeit. Hinzu kommt, dass die Berliner die meisten sogenannten Schlüsselpässe pro Partie spielen und die meisten Torchancen aus dem Spiel heraus kreieren.

Gegen den Ball stehen die Berliner meist sehr hoch und gehen, wie der PPDA Wert zeigt, sehr giftig ins Pressing. Sie gewinnen dabei zwar nur wenige Zweikämpfe, aber stören ihre Kontrahenten oft dermaßen, dass spätestens im Mitteldrittel der Ballbesitz wieder wechselt. Alternativ werden Pässe der Gegner nach vorne aus der Not heraus geboren. Damit sind abgefangene Bälle im letzten Drittel für die Berliner ein Leichtes.

Das A und O für den Erfolg des Spiels der Viktoria ist also offensichtlich das Gelingen des Pressing. Sobald das funktioniert, läuft auch der restliche Matchplan zu Gunsten der Viktoria.

Sich aus dem Pressing der Berliner frei spielen, um dann mit schnellen Vorstößen durch die hochstehende letzte Reihe der Viktoria aufs Tor zu drücken wird also, wenn Berlin im Sechzgerstadion so auftritt, wie sie es bisher getan haben, das Grundrezept für den Erfolg gegen den Tabellenzweiten sein.

Stärken und Schwächen des 3-4-3

Stärken

Das 3-4-3 bietet mit seiner exzellenten Tiefenstaffelung im Zusammenspiel mit taktischer Disziplin im Positionsspiel sehr variantenreiche Spielzüge im Aufbau. Gerade für spielstarke Teams ist dieses System daher eine wahnsinnig effektive Waffe. Angiffspressing und Gegenpressing können mit der Überzahl an Offensivspielern gut umgesetzt werden. Diese Überzahl verhilft der Mannschaft im 3-4-3 auch im letzten Drittel zu hoher Variabilität.

Schwächen

Die Dreierabwehrkette muss situativ immer wieder aus dem Mittelfeld heraus verstärkt werden, wenn der Gegner sich aus dem Pressing befreien kann. Das 3-4-3 stellt hohe Anforderungen an die individuelle Stärke der Spieler sowohl mit als auch gegen den Ball. Wenn die Spieler ihre Rollen im taktischen Konzept nicht akribisch einhalten, kann das Spiel im 3-4-3 leicht zum Debakel werden. Außerdem ist es sehr konteranfällig.

Die Schlüsselspieler bei Viktoria Berlin

Der Keeper

Torhüter Philip Sprint (#1) musste zu Beginn der Saison nach einer Sprunggelenksverletzung im Auftaktspiel pausieren und saß nach seiner Rekonvaleszenz bis zum 6.Spieltag auf der Bank. Nun ist er seit vier Spielen wieder als Nummer eins im Kader. Der 1,96 m große Keeper ist reflexstark und natürlich aufgrund seiner Größe eine Macht bei hohen Bällen im eigenen Strafraum.

Abwehr

Schlüsselspieler in der Dreierkette ist meiner Meinung nach Jakob Lewald (#4). Trotz seines jungen Alters von nur 22 jahren ist er der Spieler im Defensivverbund der Berliner, der seinen Gegnern das Leben am schwersten macht. Er gewinnt 72% seiner Defensivduelle, fängt im Schnitt fünf Pässe pro Spiel ab und ist zudem kopfballstark. In der Spieleröffnung läuft es von hinten heraus meist über seinen Nebenmann Kapitän Christoph Menz (#30).

Mittelfeld

Björn Jopek (#25) ist die Schaltstation im zentralen Mittelfeld der Berliner. Der Spieler bringt Erfahrung aus 52 Zweitliga- und 102 Drittligaspielen mit. Bis jetzt könnte die Saison für Jopek kaum besser laufen. Dribbelstark, gutes Passspielund eine hohe Schussgenauigkeit zeichnen Jopek bis dato in dieser Saison aus. 3 Tore und zwei Vorlagen hat er bislang auf seinem Kerbholz. Wenn er aus dem Spiel genommen werden kann, ist das die halbe Miete.

Der Torjäger

Tolcay Cigerci (#14) ist der gefährlichste Spieler in Reihen der Viktoria. Fünf Vorlagen und sechs Treffer in zehn Spielen sind eine Referenz, die sonst keiner in Liga drei vorweisen kann. Er ist des Weiteren ein großer Faktor im Pressing der Berliner. Mit seinem Tempo beim Anlaufen der Gegenspieler erzeugt er starken Druck und sorgt somit oft für ungenaues Spiel der Gegner von hinten heraus, was in Folge zu schnellen Ballgewinnen der Berliner führen kann.

Fazit

Es wird für die Defensive des TSV 1860 München sicherlich Schwerstarbeit, am Samstag stabil dagegenzuhalten und ohne Gegentreffer zu bleiben. Für die Offensive sehe ich aufgrund der Spielphilosophie der Berliner, die gerne mit der letzten Linie sehr hoch stehen, durchaus Chancen mehr als nur einen Treffer zu erzielen. Der Knoten in der Offensive muss irgendwann einmal platzen. Am besten schon am Samstag.

Die Aufsteiger aus der Hauptstadt haben nach wie vor nichts zu verlieren und werden sicherlich von ihrem Offensivkonzept nicht abrücken. Wenn unsere Spieler es schaffen Jopek und Cigerci unter Kontrolle zu halten sowie gleichzeitig mit Tempo und Präzision nach vorne spielen, sollte gegen Berlin ein Dreier möglich sein.

So wie sich die Berliner allerdings bisher präsentiert haben, kann man keinesfalls von einem Pflichtsieg sprechen. Das wäre vermessen und auch dem Gegner gegenüber respektlos. Dennoch bin ich wie immer zuversichtlich, dass es, wenn die Konzentration stimmt und vor allem gegen den Ball fehlerfrei agiert wird, zu einem Sieg reichen wird.

Eine gut auf den Gegner vorbereitete Mannschaft des TSV 1860 München muss das umsetzen, was Michael Köllner ihr mitgibt. Dann klappt das mit den drei Punkten.

Diese Startaufstellung von Viktoria Berlin ist gegen den TSV 1860 denkbar

Mögliche Aufstellung Viktoria Berlin Gegen TSV 1860 München Im 3 4 3

Datenquelle: wyscout

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