Am morgigen Samstag kommt der 1. FC Magdeburg zu Besuch nach Giesing. Was ist taktisch von den Festungsstädtern zu erwarten?

Die beiden Pflichtspiele der noch jungen Saison im DFB-Pokal gegen Darmstadt 98 (2:3 n.V.) und letzte Woche in der Liga gegen Halle (0:2) wurden von den Magdeburgern jeweils mit einem defensiv ausgerichteten 4-4-2 begonnen. Vor der Viererkette fanden sich gegen den Ball zwei defensive Mittelfeldspieler im Zentrum, von denen einer bei eigenem Ballbesitz als sogenannter zurückgezogener Spielmacher fungieren, also auch ins zentrale Mittelfeld aufrücken sollte, was in der Ausführung dann einem 4-1-3-2 entspricht. Wobei sich in der Praxis auch die Außenverteidiger immer wieder in den Angriff einschalteten und ihre Mitspieler auf den Flügeln hinterliefen, um den Druck auf den Gegner dort zu erhöhen. Soviel zur zuletzt zu beobachtenden taktischen Grundausrichtung des 1. FCM.

Für das morgige Spiel könnten wir daraus ableiten, dass Trainer Thomas Hoßmang das beschriebene System generell favorisiert. Andererseits ließ er den FCM, seit er seinen Posten im Verlauf der vergangenen Saison von Pelé Wollitz übernahm, auch schon in gänzlich anderen Formationen antreten. Und dass dies auch gegen den TSV 1860 der Fall sein wird, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen. Denn wenn Magdeburg gegen uns bestehen will, muss es sich im Mittelfeld ein Übergewicht erarbeiten. Die wahrscheinlichste Formation, die Trainer Hoßmang auf den Platz stellen wird, ist daher ein 4-2-3-1.

Aufgrund mangelnder Alternativen in der Innenverteidigung sind dort Brian Koglin (#4) und Korbinian Burger (#27) wohl gesetzt, auf der Außenverteidigerposition wird links Timo Pertel (#29) spielen. Raphael Obermair (#28), der gegen Darmstadt und Halle das dazugehörige Pendant auf der rechten Seite gab, sehe ich gegen Sechzig eher im Mittelfeld. Warum wird nachfolgend noch erklärt. Sollte ich richtig liegen, wird statt Obermair der junge Henry Rorig (#15) als rechter Außenverteidiger aufgeboten.

Im Mittelfeld fehlt definitiv der gelbrotgesperrte Adrian Malachowski. Desweiteren wird auch Leon Bell Bell für diesen Mannschaftsteil vermutlich nicht zur Verfügung stehen. Gesetzt sein dürfte hingegen Jurgen Gjasula (#10) für die Rolle des Abräumers im defensiven Mittelfeld. Man kann davon ausgehen, dass der Magdeburger Doppelsechserriegel vor der Viererkette bestehen bleibt, wenn man bedenkt, wie beeindruckend 1860 in Meppen – und auch in den beiden Spielen gegen die höherklassigen Vereine aus Würzburg und Frankfurt – in der Offensive aufgetreten ist. Wenn Magdeburgs Trainer die richtigen Konsequenzen daraus zieht, wie leicht sich die Löwen in den drei vergangenen Spielen getan haben, sich im Mittelfeld ein Übergewicht zu erspielen, wenn sie nicht auf massive Gegenwehr treffen, wird Magdeburg mit einem Fünfer-Mittelfeld antreten. Dort sollen die Räume gegen den Ball dann so eng wie möglich gemacht und so das hervorragende Passspiel des TSV 1860 gestört werden. Neben Gjasula ist also entweder der gegen Halle schon eingewechselte Sebastian Jakubiak (#8) oder aber der erst am 17. September von Werder Bremen zum mittlerweile zweiten Mal zur Leihe an die Elbe gewechselte Thore Jacobsen (#22) zu erwarten. Auf der Flügelposition wird Thomas Hoßmang mit ziemlicher Sicherheit auf Daniel Steininger (#13) setzen. Ob dieser links oder rechts spielt, kommt darauf an, welchem anderen Spieler der FCM-Coach es zutraut, gegen uns zu bestehen. Und wer wird wohl die Position im zentralen/offensiven Mittelfeld bekleiden dürfen? Luka Sliskovic (#7), dessen nominelle Heimat das offensive Mittelfeld ist, könnte als vorgeschobener Spielmacher oder Schattenstürmer auflaufen. In den letzten Spielen fand man ihn jedoch auf dem linken Flügel. Eine Alternative zu Sliskovic als offensiver Mittelfeldmann wäre der erst 19jährige Julian Weigel (#26), der gegen Halle allerdings nicht im Kader stand. Entsprechend halte ich seinen Einsatz für eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist es – sollte Sliskovic auf links bleiben – dass Sören Bertram (#20) aus dem Sturm auf diese Position zurückgezogen wird. Falls aber doch Sliskovic ins offensive Mittelfeld rückt, würde wiederum Daniel Steininger dadurch vom rechten ins linke Mittelfeld wechseln. Durch diese Rochade würde der Platz auf der rechten Mittelfeldseite dann für Raphael Obermair frei, der laut allen verfügbaren Informationen auf dieser Position eher zu Hause ist, als auf Rechtsaußen in der Viererkette, wo dann – wie oben angemerkt – Henry Rorig zum Zug käme. Im Sturm wird bei einem 4-2-3-1 wohl Mannschaftskapitän Christian Beck (#11) als einzige nominelle Spitze aufgeboten.

Zugegebenermaßen ist diese Aufstellungsvorhersage ein wenig Orakelei – mit verschiedensten Varianten. Es besteht durchaus auch die Möglichkeit, dass Thomas Hoßmang einfach nur Jakubiak für den gesperrten Malachowski bringt und die Taktik – wie an den letzten beiden Wochenenden – beim 4-4-2 defensiv belässt. Denkbar ist aber auch, dass sich Sören Bertram ins offensive Mittelfeld zurückfallen lässt und somit eher als hängende Spitze operiert. Meiner Meinung nach müssten unsere Gäste allerdings, um gegen die Löwen ein Übergewicht im Mittelfeld zu erzielen, mit einem richtigen Mittelfeldakteur antreten, der mehr nach hinten arbeitet, als es ein nomineller Stürmer, wie Bertram vermutlich tun würde.

Daraus folgt, dass der 1. FCM sowohl mit einem zurückgezogenen Spielmacher (Jakubiak oder Jacobsen) neben Abräumer Gjasula für die Doppelsechs, als auch mit einem vorgeschobenen Spielmacher oder Schattenstürmer (Sliskovic) auf der Zehner-Position aufläuft und sich das von mir erwartete Fünfer-Mittelfeld bei eigenem Ballbesitz zu einem 4-1-3-1-1 breit verschiebt und gegen den Ball wiederum mit einem 4-2-3-1 flach zu rechnen ist. Wenn Magdeburg den Ball im eignen letzten Drittel erobern sollte, eröffnet also Jakubiak (oder Jacobsen) den Angriff in der Zentrale, von wo aus entweder die Flügel oder der sich weiter vorne in der Zentrale befindliche, vorgeschobene Spielmacher Sliskovic bedient werden. Bei Balleroberung weiter vorne stößt der defensive Spielmacher aus der Tiefe des Raums ins zentrale oder offensive Mittelfeld vor und schafft alleine durch seine Präsenz eine Vervielfachung der Möglichkeiten, den Angriff auf das Löwentor zu steuern. Von daher muss es oberste Priorität der Gastgeber gegen den Ball sein, die Spieler auf diesen Positionen (zurückgezogener Spielmacher/vorgeschobener Spielmacher/Schattenstürmer) so wenig wie möglich zur Entfaltung kommen zu lassen, sie vielleicht sogar ganz aus dem Spiel zu nehmen. Ich würde daher Sliskovic bis ca. fünfzwanzig Meter vor dem Tor Dennis Erdmann als sogenannten „Kettenhund“ zuteilen, der ihn, wenn Magdeburg in Ballbesitz ist, permanent verfolgt. Bei Jakubiak/Jacobsen sollte es genügen, im Raum zu decken und so die Passwege vernünftig zuzustellen. Wenn der Mannschaft von Michael Köllner das gelingt, verlagert sich das Offensivspiel der Magdeburger zwangsläufig auf die Flügel, von wo aus dann – wenn die Löwen die Leistung aus den letzten Spielen abrufen können – wenig Gefahr für den eigenen Strafraum, geschweige denn für das Tor von Marco Hiller zu erwarten ist.

Wie auch immer der Trainer des 1. FCM sich entscheidet, die Sechzger erwartet am Samstag auf alle Fälle eine defensiv eingestellte Truppe, die versuchen wird, so gut wie möglich die Angriffe der Hausherren zu zerstören um dann mit direktem oder dynamischem Konterspiel zum Erfolg zu kommen. Michael Köllner, wird sicherlich das richtige Rezept finden, um einen solchen für die Magdeburger auf Giesings Höhen zu verhindern.

Mögliche Aufstellungsvarianten der Magdeburger am Samstag:

 

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