Im kommenden Auswärtsspiel trifft der TSV 1860 München in Ostseestadion auf die Mannschaft des FC Hansa Rostock, die sich mit sieben Punkten auf Platz sechs in Schlagdistanz zur Tabellenspitze befindet. Was kann man vom FC Hansa Rostock im Spiel gegen unsere Münchner Löwen erwarten?

Was wissen wir über das Rostocker System?

Sicher ist bei Rostock, dass fast nichts sicher ist. So traten die Hanseaten in den bisherigen fünf Pflichtspielen, davon vier in der Liga und eins im DFB Pokal, in ebenso vielen verschiedenen taktischen Grundformationen auf. Eine genaue Einschätzung zu dem, was Rostock den Löwen am Samstag entgegenstellt, wird also erst nach der Verkündung der Startaufstellung am Spieltag durch Trainer Jens Härtel möglich sein.

Ich kann hier mit den mir gegebenen Mitteln also nur Vermutungen anstellen. Die Sache, dass Rostock in den letzten 12 Monaten in sage und schreibe elf verschiedenen Grundformationen in die Spiele ging, macht das alles auch nicht wirklich leichter. Da die Mannschaft von Trainer Michael Köllner diese Saison immer im variabel interpretierten 4-1-4-1 flach ins Match geschickt wurde, wird Trainer Jens Härtel seine Grundaufstellung möglicherweise daran orientieren, so mein Gedanke. Recherchen ergaben: Seit Härtel Trainer der Hanseaten ist, traf der FCH genau viermal auf Mannschaften, die mit 4-1-4-1 flach operierten. Gegen diese bot er jedoch drei unterschiedliche Grundformationen auf. Somit kann getrost frei nach Sokrates gesagt werden: Ich weiß, dass ich nichts weiß – und mit unsicheren Wahrscheinlichkeiten möchte ich nicht zu Werke gehen.

Daher wird diesmal die mögliche taktische Aufstellung, die man von Rostock im Spiel erwarten könnte, nicht das Hauptthema der TAKTIKTAFEL sein. Vielmehr werde ich Stärken und Schwächen im Rostocker Spiel sowie den Spielstil der Hanseaten an sich beleuchten. Denn Grundaufstellung hin oder her, es stehen auf den Schlüsselpositionen die gleichen Fußballer auf dem Platz. Dass man aus einer Mannschaft, die vertikales Spiel bevorzugt, nicht plötzlich eine Tiki-Taka Elf formen kann, nehmen wir nun gleich mal als Grundlage für die heutige TAKTIKTAFEL.

Die Analyse des Rostocker Spiels

Mit vertikalem Spiel sind wir nun auch sofort beim Thema. Die schnelle Überbrückung des Mittelfelds mit langen Bällen und Steilpässen, die oft in Zweikämpfen um den sogenannten zweiten Ball gipfelt, ist das beliebteste Rezept, mit dem die robust auftretende Mannschaft von Trainer Härtel im Vorwärtsgang operiert. Rund die Hälfte aller Angriffe des FCH wurden in den bisherigen vier Partien über den langen Ball oder über Steilpässe gefahren. Zudem ist das Spiel der Hanseaten überaus rechtslastig: 45.4% der Angriffe spielt Hansa Rostock über rechts, 29.2% über links, 25,4% durchs Zentrum. Schnelle Außenspieler hat Rostock in allen Mannschaftsteilen zur Verfügung, um mit der Flügelzange gefährlich zu werden. Bei etwa zwei Dritteln aller Angriffe wird versucht, über ein Zuspiel von Außen in den Strafraum zu kommen – diese Flanken der Hanseaten sind meist auch sehr zielgenau. Bei einer Erfolgsquote von 40% bei den Flanken, von denen die Rostocker Mannschaft pro Spiel etwa neunzehn Stück zustande bringt, kommen also jedes Wochenende etwa acht Flanken der Kogge dorthin, wo sie hinsollen.

Wenn das Spiel von Außen über Diagonalpässe ins Zentrum an die Strafraumgrenze verlagert werden soll, sind die Rostocker, auch weil dabei natürlich oft mehr Stationen erforderlich sind, weit weniger erfolgreich, ihr Ziel zu erreichen. Die fehlende Passgenauigkeit im letzten Spielfelddrittel ist ein kleines Manko der Mannschaft von Jens Härtel.

Angriffe der Mecklenburger durch das Zentrum werden, wenn man auf die vorliegenden Statistiken vertraut, bis auf wenige Ausnahmen, bereits im Keim erstickt. So kamen die Rostocker in dieser Saison bei einem Positionsangiff durch das Zentrum nur einmal in vier Spielen zum Abschluss.

Ob Rostock viel oder wenig in Ballbesitz ist, hat, wenn man den Statistiken Glauben schenken darf, wenig Einfluss darauf, wie oft die Jungs von der Warnow aus Positionsangriffen zum Abschluss gelangen. Im Spiel gegen Uerdingen hatte man über 66% Ballbesitz und kam auf insgesamt neun Schüsse. Im Spiel gegen Verl hatte Rostock bei lediglich 31% Ballbesitz die genau gleiche Anzahl Schüsse.

Gegen den Ball heißt beim FC Hansa Gegenpressing – sowohl über defensives Stellungsspiel, bei dem versucht wird, entscheidende Pässe zu verhindern, als auch am Mann durch robust geführte Zweikämpfe, wo auch gerne mal die Grätsche ausgepackt wird. Bei schnellen Angriffen, wenn sie nicht ins Pressing kommen, greifen die Rostocker auch gerne zum Mittel des taktischen Fouls, um kein Tempo ins Spiel des Gegners kommen zu lassen. Auch die Maxime, lieber ein Foul vor dem Strafraum, um dann beim Verteidigen des Freistoßes die Kopfballüberlegenheit auszunutzen, als den Gegner in den Sechzehner eindringen zu lassen wurde zumindest jüngst gegen Verl verfolgt. Bei Standards des Gegners in Strafraumnähe und generell bei hohen Bällen vertrauen die Hanseaten auf ihre Abwehrtürme, die mit einer Bilanz von insgesamt 69% gewonnenen Kopfballduellen im Strafraum diese Saison dort grandiose Werte aufweisen, sowie ihrem Torwart und Kapitän Markus Kolke (#1), der bei hohen Bällen und Standards als sicherer Rückhalt seines Teams gilt.

Auf reinen Zerstörungsfußball ist die Abwehr des FC Hansa nicht aus, wenn es nicht anders geht, muss aber durchaus mit Fouls gerechnet werden. Da ist man in Rostock nicht zimperlich. Nach Ballgewinn wird, soweit möglich, sofort versucht schnell in die andere Richtung zu spielen, um das Spiel in des Gegners Hälfte zu tragen, wobei man möglichst den schnellsten Weg in die rote Zone beschreitet, um zum Abschluss zu kommen.

Die wichtigsten Spieler der Rostocker

Schlüsselspieler der Rostocker sind bei eigenem Ballbesitz Bentley Baxter Bahn (#8) als Ballverteiler im Mittelfeld, Maurice Litka (#28), ein starker schneller Außenstürmer, Mittelstürmer John Verhoek (#18) sowie Jan Löhmannsröben (#24) im defensiven Mittelfeld, der, wenn nicht Torwart Kolke direkt den langen Ball in des Gegners Hälfte drischt, meist für die Spieleröffnung zuständig ist. Ex-Löwe Korbinian Vollmann (#10) der vielleicht von vielen in dieser Reihung erwartet wurde, kam bisher in nur zwei Spielen von Beginn an zum Einsatz und wurde jeweils nach ca. 60 Minuten ersetzt. Von daher sehe ich ihn nicht in der Rolle eines Schlüsselspielers für die Partie des FC Hansa gegen unsere Löwen.

Gegen den Ball ist vor allem Löhmannsröben der „Goldene Corn Flake“ im Spiel der Hanseaten. Er bestritt bisher, mit einer Ausnahme, in jedem Spiel mehr als doppelt so viele Defensivzweikämpfe, wie jeder seiner Kollegen. Dabei gewinnt er knapp zwei von drei seiner geführten Zweikämpfe und erobert auch dann und wann den Ball bereits in des Gegners Hälfte wieder zurück. Sein Stellungsspiel darf als gut eingeordnet werden, denn bereits 28 Mal konnte er im bisherigen Saisonverlauf Pässe von Gegenspielern abfangen und danach Angriffe der Rostocker einleiten.

Durch lautstarkes Dirigieren seiner Vorderleute und sichere Aktionen bei hohen Bällen glänzt der zweite defensive Schlüsselspieler, Torwart Kolke.

Den Ton in der Abwehrreihe wird Julian Riedel (#3) angeben. Die robuste Innenverteidigung der Rostocker muss jedoch am Samstag auf den – nach einem Platzverweis in Verl – rotgesperrten Damian Roßbach (#4) verzichten. Weiterhin fällt auch Lukas Scherff (#20) für das Spiel gegen die Löwen aufgrund eines Muskelfaserrisses aus – eine bittere Nachricht für die Hanseaten. Scherff war bisher in allen vier Partien über die volle Spielzeit auf dem Feld. Ferner ist auch der Einsatz von Nils Butzen (#16) unsicher, der zwar seine Fußverletzung auskuriert hat, jedoch das Training am Donnerstag wegen Leistenproblemen ausfallen lassen musste. Es ist fraglich, ob er am heutigen Freitag wieder ins Training einsteigen kann – die bisherigen Leistungen in seinen zwei Einsätzen in der Liga waren eher durchwachsen.

Das Fazit

Die Analyse der Rostocker Spiele dieser Saison bringt mich zu folgendem Fazit:

Eine spielstarke, passsichere Mannschaft kann den FC Hansa offensichtlich vor große Probleme stellen. Wer das Spiel in Verl (2:3-Erfolg für HaRo), gesehen hat weiß, wovon ich spreche. Die spielfreudigen Verler hatten über das gesamte Spiel hinweg nahezu 69% Ballbesitz, eine Passquote von über 83%, setzten vierzehn Schüsse ab, von denen acht auf das Tor von Kolke gingen. Sie schafften es außerdem ein ums andere Mal, sich aussichtsreiche Freistöße in Strafraumnähe und auch Ecken zu erarbeiten. Der Dreipunkteerfolg des FC Hansa in Verl darf als äußerst glücklich bezeichnet werden. Die zumindest fragwürdigen, wenn nicht sogar fehlerhaften Schiedsrichterentscheidungen, die den Treffern zum 1:0 (fragwürdiger Elfmeterpfiff) und 2:0 (nicht gepfiffenes Stürmerfoul) für Rostock vorangingen, haben das Spiel schon weit vor dem Abpfiff entschieden.

Ebenso verhält es sich mit den anderen Partien der Rostocker. Zurecht verloren sie gegen spielstarke Saarbrücker, und auch der Heimsieg zum Auftakt gegen Duisburg hat, trotz des deutlichen Ergebnisses (3:1), Schwächen der Rostocker bei der Passverteidigung und bei hohem Tempo des Gegners aufgezeigt.

Daraus folgt: Die Sechzger können als spielstarke und passsichere Mannschaft mit breiter Brust im Ostseestadion auflaufen und brauchen sich dort auf gar keinen Fall zu verstecken. Nichts desto trotz ist bei den schnellen, überfallartigen Angriffen, die sich aus Hansa Rostocks Vorliebe für das vertikale Spiel nach vorne ergeben, allerhöchste Vorsicht geboten. Unaufmerksamkeiten darf man sich keine leisten – diese werden gnadenlos bestraft. Wenn Michael Köllner den richtigen Matchplan ausgibt und die Mannschaft es obendrein schafft, 90 Minuten lang konzentriert, giftig und bissig gegen den Ball zu arbeiten, sind an der Warnow definitiv Punkte zu holen. Ob und wie viele es letztlich dann werden entscheidet hoffentlich das Können der Spieler und nicht Glück oder Zufall.

Zu guter Letzt möchten wir Euch natürlich für die Partie unserer Löwen gegen Hansa noch unseren Liveticker an’s Herz legen – wie immer auf Sechzger.de!

1 KOMMENTAR

  1. Saucool, da lernt man ja richtig was dazu!
    Ich sehe jetzt 60 als individuell qualitativ bessere Mannschaft, wenn die gegen Verl schon solche Probleme hatten, spielen die unseren sie ja fast schwindlig!

    Wenn die öfter ihre Formation wechseln, als andere Socken, dann haben wir hoffentlich Chancen, weil sie eben nicht eingespielt sind.

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