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Herzlich willkommen zu unserer Taktiktafel vor dem Heimspiel des TSV 1860 München gegen die Zebras aus Duisburg-Meiderich. Die Mannschaft von Trainer Thorsten Lieberknecht kommt diese Saison arg gebeutelt daher. Sowohl Corona-Quarantäne als auch unzureichende bzw. unglückliche Leistungen ließen die Ruhrpottler bis auf Platz 17 der Tabelle abrutschen. Zwei Niederlagen, zwei Unentschieden und einen Sieg konnten sie bisher erringen. Der 17. Rang ist mit zwei Spielen weniger auf dem Konto natürlich deutlich weniger aussagekräftig als es erscheint, denn mit fünf Punkten aus fünf Spielen ist man in dieser noch jungen Saison sicherlich kein akuter Abstiegskandidat.

Was sagt denn die Statistik bisher über den MSV aus? Duisburg ist auf präzises Passspiel (83% der Pässe kommen an) und auf Ballbesitz bedacht. Durchschnittlich haben die Zebras bisher knapp 10% mehr Spielanteile als ihre Gegner, die mit Ausnahme des KFC Uerdingen diese Saison alle auch schon gegen die Löwen spielen mussten. Weiterhin kann man sagen, dass der MSV Duisburg defensiv wie offensiv durchschnittlich mehr Zweikämpfe gewinnt als verliert.

Die Taktik des MSV Duisburg

Wie Löwencoach Michael Köllner, setzt auch Thorsten Lieberknecht auf ein flexibles 4-1-4-1 System. Wo die Stärken dieses Systems liegen, sollte eigentlich mittlerweile jeder Löwenfan verinnerlicht haben. Dies gilt allerdings auch für die Schwächen… Dennoch wäre es zu einfach, diesbezüglich zu pauschalisieren, denn gerade in diesem System stecken viele Möglichkeiten der Interpretation. So kann man es bei eigenem Ballbesitz je nach vorhandenem Spielermaterial zu einem 4-3-3, 4-4-2 Raute, 4-4-2 flach oder auch zu einem 3-5-2 verschieben. Genauso kann man gegen den Ball aus dem 4-1-4-1 im Handumdrehen ein 4-2-3-1 oder auch noch defensivere Verteidigungsschemata formen. Zum 4-3-2-1 und 5-4-1 DM kann man jederzeit gegen den Ball verschieben.

Thorsten Lieberknecht macht auch genau das: Er lässt seine Mannschaft während des Spiels eben flexibel auf die verschiedenen Versuche der Attacken und auf die Defensivformationen des Gegners reagieren. Gegen Duisburg zu spielen ist für jeden Gegner bisher unangenehm gewesen, da das System – sofern die Spieler konzentriert bleiben – auf fast alles, was der Gegner in den Ring werfen kann, eine Antwort parat hat.

Wie legt nun der MSV sein Spiel an? Was sind die Waffen in der Offensive? Womit muss der TSV 1860 München rechnen? Die Mitte (35%) und die rechte Seite (35,5%) sind die leicht bevorzugten Korridore auf dem Spielfeld, die Duisburg zumeist mit vertikalem Spielaufbau beackert. Aber auch vor einem Ausweichen auf die linke Bahn (29,5%) scheuen sich die Spieler des MSV nicht. Steilpässe und lange, genaue Bälle sind das bevorzugte Rezept der Duisburger, um bei Positionsangriffen in die gegnerische rote Zone einzudringen. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass die Zebras spielerisch limitiert wären. Leider fehlen den Meiderichern einige Zahnräder in der Offensive, allen voran Ex-Löwe Moritz Stoppelkamp (#10), um noch spielstärker auftreten zu können.

Auch der ein oder andere Konter hat Duisburg in den bisherigen Spielen gefährlich vor des Gegners Tor gebracht, Zählbares kam dabei jedoch bislang nicht heraus. Ab der Strafraumgrenze tat Duisburg sich in den bisherigen Spielen eher schwer. Sowohl beim Eindringen in die Box, als auch beim Abschluss im Strafraum hat der MSV noch viel Luft nach oben; mehr als ein Tor konnte Duisburg bisher in keiner Partie verbuchen. Am häufigsten zum Abschluss kam der MSV bisher im Spiel gegen den VfB Lübeck – dass das allerdings keine Kunst ist, wissen wir aus eigener Erfahrung. Trotzdem ließ die momentane Schießbude der Liga nur ein Tor der Meidericher zu. Die wenigsten Schüsse von Duisburg auf den eigenen Kasten ließ bisher die SpVgg Unterhaching zu.

Weil das 4-1-4-1 auch das System ist, mit dem die Sechzger vermutlich antreten werden, wird der Teil „Stärken und Schwächen“ diesmal etwas ausführlicher als gewohnt.

Die Stärken des 4-1-4-1-Systems sind sowohl gegen den Ball als auch in der Offensive mannigfaltig. Mit zwei Viererketten gegen den Ball zu spielen, macht die Räume für den Gegner meist sehr eng. Dadurch entsteht ein eng gestricktes Netzwerk, in dem sich die Spieler gegen den Ball gegenseitig breit absichern können. Die zwei Viererketten ermöglichen gute Orientierung für Spieler, vor allem während Spielsituationen, in denen gemeinschaftliches Handeln vonnöten ist. Beim Verschieben machen sich diese guten Orientierungsmöglichkeiten beispielsweise positiv bemerkbar.

Eine weitere Stärke ist die fast perfekte Raumaufteilung, die gegen den Ball die meisten Spielfeldbereiche abdeckt. Speziell die kompakte Verbindung zwischen Abwehr und Mittelfeld führt oft zu Vorteilen gegen den Ball und somit zur häufigen Eroberung zweiter Bälle, um danach mit gleich mehreren Anspielmöglichkeiten einen schlecht ausrechenbaren Gegenangriff zu starten.

Weil das System auch in der Breite kompakt gegen den Ball ist, hat man überall auf dem Spielfeld rasch Zugriff auf den ballführenden Gegenspieler. Im 4-1-4-1 wird andauernd die moderne Maxime verfolgt, dass der ballnächste Spieler permanent Druck gegen den Ball ausübt. Hohes Pressing regiert diese Formation. Das konnte man auf beeindruckende Art und Weise auch beim Auftritt der Löwen in Unterhaching beobachten, wo unsere Spieler dadurch etliche Fehler im Spielaufbau der Vorstädter provozierten.

Eine spezielle Rolle im 4-1-4-1 nimmt der defensive Mittelfeldspieler ein. Er muss durch sein Stellungsspiel a) Pässe des Gegners zwischen den Ketten ins letzte Drittel verhindern oder abfangen und b) dafür sorgen, dass die Viererkette möglichst lange auf einer Linie verteidigen kann. Falls es nötig wird, dass ein Innenverteidiger herausrückt, muss er in die Abwehrkette abkippen. Wenn der Gegner über außen kommt, kann der Sechser obendrein, indem er in die Kette abkippt, den Außenverteidiger absichern.

In der Offensive beruht die Stärke des Systems 4-1-4-1 – wie bereits beschrieben – in der Flexibilität, durch Verschiebungen in der zweiten Kette on the fly auf verschiedene Systeme umstellen zu können. Wenn man technisch versierte, schnelle, torgefährliche, intelligente Mittelfeldspieler oder Stürmer, die als falsche Neun, hängende Spitze, Schattenstürmer oder Raumdeuter ins Mittelfeld abkippen können, hat, gibt es vermutlich kein System, das sich so schwer ausrechenbar zeigt wie dieses.

Schwächen des 4-1-4-1: Vor allem der Solostürmer kann eine Schwäche sein, wenn die Mittelfeldspieler ihre Aufgaben nicht offensiv genug ausführen. Daher kann es vorkommen, dass der solitäre Stürmer zu sehr isoliert wird und ohne Bindung zum Spiel agiert. Wer sich mit Taktik nicht auskennt (was keine Schande ist), wird dann beim Stürmer die Schuld suchen, dass es aber an einer Fehlinterpretation seiner Mitspieler liegt, wird oft nicht erkannt. Wenn jedoch ein bis zwei Mittelfeldspieler situativ immer wieder nach vorne schieben, hat man auch mit nur einem Stürmer im System ausreichend Torgefahr.

Wenn der Sechser gegen den Ball nicht immer voll konzentriert zu Werke geht, bei Kontern nach Standards oder bei schlampigem Pressing, sind auch in der Defensive Schwachstellen vorhanden, die ein Gegner aufdecken und ausnutzen kann.

Da das Spiel im 4-1-4-1 sehr von den Offensivqualitäten und der Ballsicherheit der Flügelverteidiger abhängt, besteht logischerweise, falls einer dieser Spieler im Vorwärtsgang den Ball verliert, immer die Gefahr, dass sich im Zentrum vor der Viererkette Lücken im Raum ergeben, die vom Gegner erfolgreich ausgenutzt werden könnten, da der Sechser dann verschieben muss.

Wie können die Sechzger den MSV Duisburg knacken?

Wenn man die Spiele der Duisburger bisher ansieht, muss man sagen, dass Flügelangriffe über beide Seiten zu sehr gefährlichen Situationen oder auch Toren im Duisburger Strafraum gesorgt habeen. Genau wie Angriffe durch das Zentrum, wenn sie mit ausreichend Spielwitz oder vehement genug vorgetragen wurden. Der ein oder andere Konter, mit dem Duisburg nicht zurecht kam, wurde von diversen Gegnern auch schon gefahren; Lübeck beispielsweise traf nach einem Konter gegen die Zebras. Spezialrezept gibt es hierfür jedoch keins. Duisburgs Abwehr kann man prinzipiell überall aushebeln, am Ende werden individuelle Klasse, taktisches Verständnis der Akteure, Spielwitz und Fitness entscheidend sein.

Die Schlüsselspieler des MSV Duisburg

Da wäre als erstes Torhüter Leo Weinkauf (#1) zu nennen: Der reflexstarke und auch in der Strafraumbeherrschung beeindruckende 1,98 m große Hüne ist ein sicherer Rückhalt. Wie es bei so großen Torhütern allerdings oft der Fall ist, fehlt ihm ein wenig die nötige Beweglichkeit, um bei Schüssen aus der Nahdistanz oder auch bei flachen Schüssen zu glänzen. Im Eins gegen Eins und beim Herauslaufen hat er durchaus ein gutes Timing vorzuweisen.

Der rechte Flügelverteidiger Maximilian Sauer (#2) ist wie sein linkes Pendant Arne Sicker (#17) ein wichtiges Puzzleteil im Spiel über die Flügel nach vorn.

Die Offensivabteilung der Meidericher muss sich, um zu funktionieren, darauf verlassen können, dass vor allem Connor Kempicki (#6) sein bisher präzises Passspiel weiter genauso auf den Platz bringt.

Im Sturm steht Vincent Vermeij (#24) bisher in den meisten Partien für dem MSV in der Startelf, Top Vorlagengeber bisher war Sinan Karweina (#17).

Moritz Stoppelkamp (#10) wird nicht mit von der Partie sein. Ihn hat das Pfeiffersche Drüsenfieber ereilt. Hoffen wir, dass es nicht so schlimm endet wie einst bei Olaf Bodden, der noch immer mit den Folgen dieser tückischen Krankheit zu kämpfen hat. Auf diesem Wege deshalb gute Besserung an beide Ex-Löwen!

Fazit

Der TSV 1860 München hat keinen Grund, nicht optimistisch in dieses Duell zu gehen. Ich sehe keine Feldposition, die beim TSV 1860 nicht mindestens gleichwertig besetzt wäre. Sich in die Partie hineinzubeißen, giftig in die Zweikämpfe zu gehen und gutes Stellungsspiel werden auch diesmal der Schlüssel für unsere Löwen sein, um in das Spiel zu finden. Michael Köllner wird seine Mannschaft wie immer perfekt für den Gegner vorbereitet auf den Platz schicken. Schaut man darauf, was beide Mannschaften bisher gegen die gleichen Gegner (Ausnahme: KFC Uerdingen) geleistet haben, sollten drei Punkte für den Tabellenführer von der Grünwalder Sstraße im heimischen Stadion absolut machbar sein. Ich bin auf alle Fälle guter Dinge.

Unter diesem Text findet Ihr die von mir erwartete Aufstellung des MSV Duisburg. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass man sich aufgrund der hohen Rotation, die Thorsten Lieberknecht in der Startformation an den Tag legt, außer bei Weinkauf, Sauer, Sicker und Kempicki bei keinem Spieler wirklich sicher sein kann, ob er letztendlich in der Startformation den Vorzug erhält. Nur diese vier standen bisher in jedem Spiel von Beginn an auf dem Platz. Zudem wurde gestern ein weiterer positiver Corona-Fall bei den Zebras bekanntgegeben; welcher Spieler betroffen ist, wurde zurückgehalten.

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