Seit Wochen überschlagen sich die Meldungen rund um das morgige Duell der Löwen mit Türkgücü im Olympiastadion. Ja, auch bei sechzger.de gab es in letzter Zeit viele Artikel hierzu, auch von mir, das muss man an dieser Stelle ehrlicherweise sagen. Aber eins habt ihr bei uns nicht gelesen und werdet ihr auch nicht: dass das Spiel für den TSV 1860 München ein Derby ist. Das ist es nämlich mitnichten.

Derby hier, Derby da

Früher war dieser Begriff noch etwas besonderes. Tage, wenn nicht Wochen vor Anpfiff war bereits die Anspannung und Vorfreude auf diese eine Partie zu spüren. Er beschrieb magische und stimmungsvolle Spiele, bei denen zwei Mannschaften aufeinandertrafen, deren Fans eine ganz besondere Rivalität hatten. Eine Mannschaft hat ihren einen Derby-Gegner. Die beiden Spiele waren Highlights der Saison, sofern man in der gleichen Liga spielte. War dem nicht so, waren beispielsweise Aufeinandertreffen im Pokal oder anderen Wettbewerben umso spannungsgeladener.

Doch heutzutage ist eher die Frage, welches Spiel kein Derby mehr ist. Bayerische Vereine gegeneinander – Derby. Der Hamburger SV gegen die Roten – Nord-Süd-Derby. Sechzig gegen Augsburg – Derby. Die Löwen gegen Unterhaching – S-Bahn Derby. Der TSV 1860 gegen Türkgücü – Derby!

Ernsthaft? Halt stop mal bitte. Das klingt vielleicht wirklich schön und sorgt für mehr Klicks oder Aufmerksamkeit durch die Medien, aber es muss jetzt endlich Schluss sein mit diesem Schmarrn. Wie auch Wikipedia schon schreibt, wird dieser Begriff mittlerweile inflationär benutzt. Er ist abgenutzt und beschreibt nicht mehr das, was ihn eigentlich ausmacht. Wir betrachten hierzu eine Definition dieses Begriffs.

Derbys sind im Mannschaftssport Begegnungen zweier Vereine aus derselben Region, zwischen denen eine starke Rivalität besteht. … Manchmal steigert sich die Rivalität zwischen zwei Vereinen dadurch so sehr, dass Siege in Derbys höher bewertet werden als ein guter Tabellenplatz zum Saisonende.

Türkgücü gegen den TSV 1860 München ist kein Derby!

Gut, werden jetzt manche sagen. Passt doch soweit, wobei ich hier dann direkt widersprechen möchte. Starke Rivalität sehe ich keinesfalls so. Rivalität bildet sich erst über einen gewissen Zeitraum, aber sicher nicht in gerade einmal zwei Spielzeiten. Diese Emotionen werden eher künstlich herbeigeredet, um einen möglichst großen medialen Wirbel rund um die Aufeinandertreffen zu kreieren. Auch Aussagen wie die von Max Kothny, die später von Sascha Mölders – nennen wir es mal – korrigiert wurden, zielen wohl genau darauf ab.

Es gibt halt nun mal noch Vereine, die sich ihren Derby-Gegner suchen müssen, weil sie einfach sonst keinen haben. Aus Mangel an Alternativen wird das dann der TSV 1860 München. Grüße gehen an dieser Stelle raus nach Unterhaching und vor allem Augsburg! 😉 Fakt ist aber, dass es für ein ordentliches Derby immer zwei Seiten braucht. Wenn man dann einseitig das Spiel des Jahres ausruft, mag das für den Verein selbst eine größere Bedeutung haben. Für die Gegenseite bleibt es aber dabei: es geht “nur” um drei weitere Punkte in der 3.Liga und danach richtet sich der Fokus dann schon schnell auf den nächsten Gegner.

Also, abschließend noch einmal der Appell in alle Richtungen: Türkgücü gegen den TSV 1860 München ist kein Derby. Dieses Spiel sollte auch nicht als solches betitelt werden. Für die Löwen gibt es nur ein Derby, aber dieses findet nicht morgen im Olympiastadion statt. Es geht um drei Punkte – oder beim Gegner wohl eher darum, vor dem finanziellen Aus noch einmal ein paar Einnahmen zu generieren.

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Kann mich nur anschließen. Es gibt nur ein Derby gegen den FC Bäh erste Mannschaft, sonst nix!!! Wenn es auch der Blogger meint🤬

Wer?

Sehe ich ganz genauso.
Danke, dass das mal so auf den Punkt gebracht wurde. Insbesondere unsere jüngeren Fans benötigen diese Abgrenzung, wachsen sie doch mit vielen pauschal-inflationären, aber Hauptsache sensationslüsternen Begrifflichkeiten auf und erfahren kaum Unterstützung zur richtigen Anwendung.
Schöne Grüße
Altdorfer