Nun ist es also raus: Neben Clemens Lippmann, der die Löwen vermutlich in Richtung Paderborn verlassen wird, haben auch Jesper Verlaat, Thore Jacobsen, David Philipp, Maximilian Wolfram, Raphael Schifferl und Morris Schröter keine Zukunft mehr beim TSV 1860 München. Wird hier ein “personeller Kahlschlag” vorgenommen, wie er in den Medien bezeichnet wird? Oder ist das ein geläufiger Vorgang im Profisport?
Sechs auf einen Streich
Während die Abgänge des langzeitverletzten Schröter sowie von Philipp und Wolfram, die sich trotz starker Anlagen zu keiner Zeit dauerhaft in Giesing durchsetzen konnten, von einem Großteil der Fans akzeptiert und respektiert werden, werfen die anderen drei Personalien Fragen auf. Auch wir wurden (v.a. per Social Media) kontaktiert und um unsere Einschätzung gebeten und nicht zuletzt deshalb nutze ich diese Giesinger Gedanken, um meine Sicht auf die Dinge zu präsentieren.
Deshalb gleich zu Beginn die Quintessenz: Ich kann die Entscheidung in allen sechs Fällen nachvollziehen, auch wenn ich persönlich vielleicht im Einzelfall anders gehandelt hätte.
Publikumsliebling, Leader – und dauerverletzt
“Jetzt rollen die Köpfe”, “personeller Kahlschlag”, “Löwen-Beben”: Die Medien überboten sich gestern und heute regelrecht in ihren Formulierungen – und dabei habe ich den Boulevard sogar noch außer Acht gelassen. Aber trifft das denn wirklich zu? Oder ist das nicht einfach ein ganz regulärer Vorgang im Profisport?
Natürlich ist es bemerkenswert, wenn nach einer Saison sowohl der Kapitän als auch dessen Stellvertreter den Verein verlassen müssen. Nüchtern betrachtet kann man die Entscheidung der Verantwortlichen jedoch vermutlich verstehen.
Jesper Verlaat war über Jahre hinweg DAS Gesicht des TSV 1860, ist Publikumsliebling, ein Leader – aber seit September ohne Einsatz. Auch in der Saison 2024/25 war der Niederländer bereits wochenlang ausgefallen und dürfte sicherlich zu den Besserverdienern im Kader der Löwen zähen.
Verlässlichkeit vs Wirtschaftlichkeit?
Dies trifft vermutlich auch auf Thore Jacobsen zu, der vor zwei Jahren von Zweitligist SV Elversberg an die Grünwalder Straße gewechselt war. Seitdem ist er Stammspieler, nach Verlaats Ausfall auch Kapitän der Löwen. Lässt man so einen gehen, der zudem als Inbegriff der Verlässlichkeit gilt?
Ich persönlich mag seine Spielweise, seine sachliche Art und hätte mir den Norddeutschen schon auch gut weiterhin bei 1860 vorstellen können. Dennoch kann ich die Entscheidung der Löwen nachvollziehen – sowohl aus sportlicher als auch aus wirtschaftlicher Sicht, wenn man bedenkt, dass man auf dieser Position breit aufgestellt ist und somit jüngeren (und günstigeren) Spielern eine Perspektive bieten kann und will.
Ersatz vom Ersatz vom Ersatz
Kommen wir zu Raphael Schifferl, der zuletzt in Saarbrücken anstelle des verletzten Max Reinthaler eine herausragende Leistung zeigte. Und da sind wir vermutlich auch schon beim Punkt: Der Österreicher kam als Ersatz des Ersatzes zum Einsatz. Ja, Schifferl ist verlässlich und man kann ihn immer bringen.
Tatsächlich hat er es in den vergangenen beiden Jahren jedoch selten geschafft, sich in der ersten Elf des TSV 1860 zu etablieren – nicht bei Giannikis, nicht bei Glöckner und auch bei Kauczinski nicht. Dazu kommt, dass auch er immer wieder von Verletzungen geplagt wurde. Sicherlich ein Härtefall, aber gerade auch in Hinsicht auf Schifferls Defizite im Spielaufbau eine Entscheidung, die man durchaus mittragen kann.
Potenzial ausreichend ausgeschöpft?
Dass David Philipp, Maximilian Wolfram und Morris Schröter Fußball spielen können und vom Potenzial her in den oberen Regalfächern der 3. Liga anzusiedeln sind, steht wohl außer Frage. Schröter fiel jedoch fast ein Jahr lang aus und es ist nicht absehbar, inwiefern der Flügelspieler wieder zu alter Stärke und zu altem Selbstvertrauen zurückfindet.
Philipp und Wolfram hingegen wussten v.a. in der laufenden Saison nur punktuell zu überzeugen, pendelten zwischen Spielfeld, Bank und Tribüne – und das in einer Mannschaft, die verletzungsgeplagt war und nur selten überzeugen konnte.
Ist das ein “personeller Kahlschlag”?
Ist das nun ein “Löwen-Beben”? Oder ein “personeller Kahlschlag”? Aus meiner Sicht kann davon keine Rede sein, denn auch in der Vergangenheit verließen zum Saisonende stets mehrere namhafte Spieler den TSV 1860. Natürlich schmerzt es, wenn Identifikationsfiguren wie Verlaat oder zuletzt Hiller verabschiedet werden – es bietet jedoch auch anderen die Möglichkeit, in deren Fußstapfen zu treten.
Wenn man nun noch bedenkt, mit welch großen Erwartungen wir alle – sei es Mannschaft, Umfeld, Fans, Medien – in die Saison gestartet sind und wie sehr wir alle enttäuscht wurden, liegt es nahe, dass Veränderungen erfolgen (müssen). Und wenn man dann noch die wirtschaftliche Situation des TSV 1860 berücksichtigt, sollte man dafür Verständnis aufbringen und der sportlichen Führung um Markus Kauczinski und Manfred Paula die Chance geben, den Kader 2026/27 nach ihren Vorstellungen und wirtschaftlichen Möglichkeiten zu gestalten.
Die Giesinger Gedanken erscheinen regelmäßig als Kommentar und sind die persönliche Meinung eines Mitglieds unserer Redaktion oder eines Gastautors. Sie spiegeln nicht grundsätzlich die Meinung der gesamten Redaktion wider.











So, der erste Teil A ist erledigt. Es wurde schon einmal Platz geschafft. Jetzt kommt der nächste etwas schwierigere Teil B, nämlich eine vermeintliche Verbesserung des Kaders. Und dann kommt der schwierigste Schritt C bei der Sache mit der leistungssteigernden Umsetzung in der nächsten Saison.
Wenn das so stimmt, was die AZ schreibt, wird ja der Etat deutlich gekürzt. Da kann es natürlich auch sein, dass diese 6 wahrscheinlich nicht so schlecht verdienenden Spieler, genau diese Kürzungen ausmachen. Dann schaut es aber für Teil B schon mal nicht so gut aus. Teil C ist natürlich immer noch möglich, aber eventuell sollte man sich dann auch etwas realistischer mit der Zielsetzung in 26/27 beschäftigen.
Der Weg weg von dieser bescheidenen 3er Kette wäre ein gutes Zeichen. Dann hätten wir ausreichend IV, und Außenverteidiger haben wir ohnehin im Überfluss, die dürfen dann das spielen was sind können, statt auf den Flügeln zu versagen.
Aber kein AV, der überzeugt. Auf links mit Pfeifer und Jakob 2, die die Saison mehr verletzt als fit waren und rechts Danhof, der keine Flanke an den Mann bekommt. Quantität ist nicht Qualität…
Richtig, im System mit 3er Kette hat keiner überzeugt, Danhof ansatzweise, da kommt noch Rittmüller dazu, eine einzge Katastrophe auf dem Flügel, aber AV kann er ja vielleicht.
Ich finde Danhof und Rittmüller beide nicht gut. Auch als AV müssen Flanken an den Mann kommen.
Ich bin voll und ganz derselben Meinung. Einerseits wird von so manchem Fan eine andere Spielweise verlangt – andererseits soll sich aber nichts am Kader ändern.
Freilich ist der Abgang von Jesper Verlaat und Thore Jacobsen schmerzhaft, aber in meinen Augen auch, wie von dir beschrieben, nachvollziehbar.
Ich kann die Nichtverlängerung aller dieser Spieler mehr als nachvollziehen, vor allem auch in Hinblick darauf, dass unser Kader mit 33 Spielern maximal aufgebläht ist.
Ich hoffe, dass die Reduzierung der IV ein Hinweis auf eine Umstellung zur Viererkette ist.
Ich hätte ehrlicherweise auch nicht mit Deniz verlängert. War für mich nie eine verlässliche Größe im Kader, dazu auch nicht der Inbegriff eines Spielers, der das Spiel schnell macht.