In den sozialen Medien gibt sich Hasan Ismaik aktuell mit rätselhaften KI-generierten Postings und Suggestivfragen als Enttäuschter, Fragender und Zerknirschter aus, der doch im Grunde immer nur das Beste für den TSV 1860 München im Schilde führte. Was er davon tatsächlich selbst schreibt und was das Werk von PR-Agenten ist, bleibt unklar. Wer seine Verlautbarungen über einen längeren Zeitraum verfolgt, dem wird auffallen, dass Ismaik es versteht, die Farbe und den Tonfall rasch zu wechseln. Seine Klaviatur reicht vom polternden Aggressor à la Donald Trump bis zum vergeistigten Philanthropen.

Hasan Ismaik gegen 50+1

Fakt ist: Hasan Ismaik und seine Vertreter haben seit ihrem Einstieg als Gesellschafter bei Sechzig im Jahr 2011 nichts unversucht gelassen, um die 50+1-Regelung in der Praxis zu umgehen und sie auf juristischer Ebene zu Fall zu bringen. Seine Eingabe beim Bundeskartellamt im Jahr 2017 spricht eine ganz klare Sprache. Warum tut er das? Weil seine Anteile im Verkaufsfall deutlich an Wert gewinnen würden, sollte er die komplette Kontrolle über den Klub erlangt haben. Darüber hinaus entspricht es auch Ismaiks Selbstverständnis. In seiner Wahrnehmung hat er sich 2011 einen Klub in Deutschland gekauft.

HAM verkalkuliert sich

Mit der Kündigung der Darlehensverträge am 21. Mai 2026 und der Nichterfüllung der Zahlungszusage zum Stichtag 3. Juni 2026, haben Ismaik und seine Berater einen folgenreichen strategischen Fehler begangen. Dieser führte zum Lizenzentzug durch den DFB und zur Kündigung des Kooperationsvertrags durch den Mutterverein. Nun versuchen sie, ihr dysfunktionales Verhalten im Nachgang zu korrigieren. Hasan Ismaiks Berater waren offenbar fest davon ausgegangen, dass die Vereinsvertreter angesichts des Schreckensszenarios “Lizenzentzug” einknicken und ihnen den Klub faktisch übereignen würden, damit sie ihn nach eigenem Ermessen für einen Verkauf vorbereiten können. Um die Attraktivität für potenzielle Käufer zu erhöhen, sollte durch Struktur- und Prozessveränderungen die 50+1-Regelung beim TSV 1860 München de facto keine Rolle mehr spielen. Das dürfte das Kalkül hinter all ihrem Handeln gewesen sein. Doch dann haben sie bildlich gesprochen ihr Blatt überreizt. Das Spiel ist ihnen entglitten. Der Verlauf der Ereignisse legt eine solche Interpretation nahe.

Gauweiler als “letzte Patrone” von Ismaik?

Als Hasan Ismaik und seine Berater erkannten, dass sie zu weit gegangen waren und nun alles zu verlieren drohten, holten sie die kampferprobte Kanzlei Gauweiler & Sauter Rechtsanwälte ins Boot. Der bekannte frühere CSU-Politiker Peter Gauweiler (76) führt das Mandat selbst. Er soll Ismaik und seinen mit ihm verbundenen Unternehmen dabei helfen, zu retten, was noch zu retten ist. Gauweiler streitet dabei auf zwei Ebenen. Zunächst auf der juristischen Ebene des Vertragsrechts. Hier geht es darum, durch rechtliche Stellungnahmen, Gutachten und mögliche Klageandrohungen die eigene Verhandlungsposition zu stärken. Sollte keine Einigung erzielt werden, könnten Schadenersatzforderungen eine Rolle spielen.

Gauweilers Strategie gegen die Vereinsvertreter…

Mindestens ebenso wichtig ist es jedoch, die öffentliche Deutungshoheit im Konflikt zwischen Mutterverein und Investor zu erlangen. Gauweilers Strategie scheint darin zu bestehen, diesen Konflikt möglichst sichtbar und öffentlichkeitswirksam zu führen. Im Zentrum steht dabei der mediale Diskurs. Dadurch sollen die Vereinsvertreter unter Druck geraten. Ziel ist es, den Rückhalt bei Fans, Mitgliedern und Sponsoren für den Verein zu zerstören und eine Einigung mit dem “Investor” – oder je nach Perspektive auch eine Unterwerfung – als die einzig mögliche und sinnvolle Option für den TSV 1860 München erscheinen zu lassen. Dabei zieht der erfahrene Gauweiler alle Register.

…die Solidarität der Anhänger brechen

Für Gauweiler und seinen Mandanten stellt die breite Solidarität vieler Mitglieder und Fans mit den Vereinsverantwortlichen dabei eine kommunikative Herausforderung dar. Das Narrativ eines Vereins, der sich gegen einen übermächtigen Investor behauptet, trifft die Stimmung eines erheblichen Teils der Anhängerschaft. Bilder wie “Klein gegen Groß” oder “Tradition gegen Kapital” erzeugen starke Identifikation und Mobilisierung. Gauweiler dürfte sich dieser Dynamik bewusst sein und versuchen, ihr kommunikativ entgegenzuwirken. Dabei kann er auf jahrzehntelange Erfahrungen sowie auf ein gewachsenes Netzwerk in Politik und Medien zurückgreifen.

Einflussnahme auf die Medien…

In der Kommunikationswissenschaft werden solche Prozesse häufig mit den Begriffen “Agenda Setting” und “Framing” beschrieben. Dabei geht es weniger darum, Medien direkt vorzuschreiben, was sie berichten sollen. Vielmehr versuchen Interessenvertreter durch Hintergrundgespräche, exklusive Informationen oder bestimmte Interpretationsangebote Einfluss darauf zu nehmen, welche Themen Aufmerksamkeit erhalten und aus welcher Perspektive sie betrachtet werden.

…verfängt vor allem beim Boulevard

Besonders Boulevardmedien gelten in diesem Zusammenhang als empfänglich für entsprechende Einflussversuche. Der hohe Veröffentlichungsdruck und begrenzte personelle Ressourcen erschweren häufig eine umfassende Quellenprüfung. Nicht selten genügt die Aussicht auf eine exklusive Geschichte, um Informationen rasch zu veröffentlichen. Zwar verlangen journalistische Standards eine kritische Prüfung von Quellen, den Abgleich unterschiedlicher Positionen sowie Transparenz über mögliche Interessenlagen. Im Alltag vieler Redaktionen stehen diesen Ansprüchen jedoch erhebliche Zeit- und Wettbewerbszwänge gegenüber, die den Anspruch zur grauen Theorie werden lassen. Die Devise lautet: Sollte sich jemand beschweren, bringen wir die Gegendarstellung eben morgen.

Das Problem am Verlautbarungsjournalismus…

Verlautbarungsjournalismus beschränkt sich häufig darauf, die Aussagen verschiedener Akteure wiederzugeben, ohne deren Wahrheitsgehalt, Hintergründe oder Interessen kritisch zu prüfen. Er folgt dem Muster “A sagt dies, B sagt das” und überlässt die Einordnung vollständig der Leserschaft. Dadurch kann der Eindruck entstehen, unterschiedliche Positionen seien gleichermaßen fundiert, obwohl sie möglicherweise nicht auf denselben Fakten beruhen. Eine zentrale Aufgabe des Journalismus – die Recherche, Bewertung und Kontextualisierung von Informationen – bleibt dabei unzureichend erfüllt. Dies kann zur Verbreitung von Desinformation beitragen und erschwert es den Rezipientinnen und Rezipienten, die tatsächliche Bedeutung eines Sachverhalts zu erkennen.

…und am Lobbyismus

Lobbyismus gegenüber Medien ist nicht grundsätzlich problematisch. Journalistische Arbeit ist oft auf Informationen von Interessenvertretern angewiesen. Kritisch wird es dort, wo Einflussnahme die journalistische Unabhängigkeit beeinträchtigt oder wo Interessen und Quellen für die Öffentlichkeit nicht ausreichend transparent gemacht werden.

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4 Comments
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_Flin_

Man kann nur immer wieder die Fakten feststellen. Hasan Ismaik und Konsorten haben uns das zweite Mal in 9 Jahren einen Lizenzentzug eingebrockt.

Schadensersatzansprüche haben e.V. und KGaA gegenüber Hasan Ismaik.

HKM1860

Guter Artikel. Bin neu dabei in eurem Forum und alter Löwenfan. Habe bereits meine 2 Dauerkarten im F1 gekündigt. Bin gespannt, wie es weitergeht. Plane (!), evtl. eine Anzeige wg. Betrugs, da ja wohl schon länger feststand, das Darlehen nicht zu bezahlen, dann aber noch brav die Gelder für die Tix kassiert wurden (bei mir € 660 für 2 Tix im F1). Zudem könnte man eine Auskunft gem. DSGVO einfordern, was immensen Aufwand bereitet. Wie auch immer: ELIL – egal in welcher Liga, aber ohne HAMI.

_Flin_

Sei vorsichtig mit den Vorwürfen von Straftaten wenn Du keine hieb und stichfesten Beweise hast.

Mutloewe

Die AZ scheint besonders willfährig für billigsten Journalismus dieser Art zu sein.