Immer wieder liest man in Internet-Diskussionen rund um den TSV 1860 vom “Giesinger Staat”, der “Sekte”, den “Totengräbern” oder “Verzwergern”, die Münchens große Liebe durch angeblich undemokratische Strukturen klein halten und vom Profifußball entfernen wollen. Gemeint ist damit die Fanorganisation PRO1860, die sich im Januar 2020 eigentlich bereits auflösen wollte, ehe sie unerwartete Aufmerksamkeit durch Hasan Ismaik erfuhr und plötzlich aufblühte. sechzger.de Gründer Stephan Tempel, der sich aufgrund beruflicher und privater Verpflichtungen bereits seit Jahren zurückgezogen hatte, erinnert sich und ordnet das Wirken von PRO1860 anhand der heutigen Diskussionen ein.
Warum gibt es PRO1860 überhaupt?
Weil die „Opposition“, wie sie damals genannt wurde, massiv bekämpft und kriminalisiert wurde. Und weil es beim TSV alles war, aber nicht im Ansatz demokratisch. Es gab noch das Delegierten-System, damals, Anfang der 2000er. Größtenteils „Systemtreue“, vorgeschlagen vom Ehemann der in Lohn und Brot beim Verein und später der KGaA stehenden Fanbeauftragten. Was der so nebenbei getrieben hat (Stichwort: Hetze / Mobbing), ist ja inzwischen sogar belegt.
Jeder, der damals vor den Folgen des Umzugs ins Olympiastadion oder später in die Allianz Arena warnte, wurde vom damaligen Präsidium und seinen willigen Helfern als „Ewiggestriger“ gebrandmarkt. Konkret: WIR wurden bekämpft, von unserem Präsidium und seinen Helfern und Angestellten.
Ich habe es damals als Vereinsschädling sogar auf die offizielle Homepage des TSV geschafft. Namentlich. Den großen Artikel in der TZ darüber habe ich noch im Archiv. Das ist „Opposition bekämpfen“. Aber es wird noch besser…
Kampf gegen das Delegierten-System
Um das Delegierten-System zu zerbrechen, haben wir damals monatelang Delegierte gesammelt. Das, was die Lakaien von Wildmoser während der bezahlten Arbeitszeit gemacht haben, haben wir in unserer Freizeit gemacht.
Wir hätten damals sogar die rechnerische Mehrheit gehabt. Abgegeben wurden die Leute verteilt auf 5 Listen. Gegen Unterschrift vom Verein, weil wir schon eine Sauerei befürchtet hatten.
Die kam damals auch: Zwei Listen waren bei Abgabe angeblich (!) nicht unterzeichnet gewesen – was natürlich nicht der Wahrheit entsprach! So hatten wir bei der entscheidenden Mitgliederversammlung deutlich weniger Kandidaten als die „Liste Schnell“. Diese kamen übrigens alle rein und wurden Delegierte, weil wir – obwohl wir unorganisierte kleine Buben mit Anfang 20 waren – die Mehrheit im Saal stellten.
Wäre die Arena verhindert worden?
Natürlich waren wir danach bei einer großen Münchner Anwaltskanzlei, um das Ganze prüfen zu lassen. Der Anwalt setzte bei dem zu erwartenden Streitwert einen Stundensatz von 500,- Mark an, wenn ich mich recht erinnere. Damit war das Thema für uns leider erledigt.
Warum ich das erzähle?
Weil es die Delegiertenwahl war, bevor über die Beteiligung an der Arena abgestimmt wurde. Wenn „wir“ gewonnen hätten, hätten sich die Löwen nicht an diesem Projekt beteiligt, war Rückwirkend wohl deutlich besser gewesen wäre. Und ob es das Ding ohne Sechzig überhaupt geben würde (Zuschüsse für Erschließung, Grundstück etc. nur rechtlich machbar für zwei Vereine), ist ein anderes Thema.
Warum ist es gelaufen, wie es gelaufen ist?
Weil die damalige Opposition massiv bekämpft, kriminalisiert und mit unlauteren Mitteln bekämpft wurde. Und die Leute, die damals für die Arena waren und alles abgenickt haben, heulen heute rum und beklagen den Untergang der Demokratie, wenn jemand der auf einer Mitgliederversammlung haarsträubenden Blödsinn erzählt, ein „Buuuuh“ bekommt oder weil es keine Online-Wahlen gibt.
Last but not least: PRO1860 wurde dann später – im Februar 2006 – gegründet, um genau die oben beschriebenen Missstände zu bekämpfen. Diesmal öffentlich von mir und noch ein paar Mitstreitern, die diesem Wahnsinnsapparat etwas entgegen setzen wollten. Erfolgreich.
Leider ein paar Jahre zu spät, denn ansonsten hätten wir heute deutlich weniger Probleme in diesem Verein. Was haben wir als Erstes gemacht? Das undemokratische Delegiertensystem abgeschafft, damit die Mitglieder wieder das Sagen haben. Obwohl „wir“ die Macht im Verein hatten.
Und genau uns wirft man heute vor, dass wir undemokratisch wären. Das ist hanebüchen. Ich habe fertig.
Weiterführende Informationen
Januar 2020: Die Wahrheit über PRO1860 (Teil 1)
Februar 2020: Die Wahrheit über PRO1860 (Teil 2)
Oktober 2021: ARGE-Leaks (Teile 1-9)











Ich muss leider sagen, dass der Artikel ziemlich unverständlich geschrieben ist. Nur Leute, die sich wirklich mit der Thematik auskennen, können dem folgen.
Da widerspreche ich Dir gar nicht. Das war auch eigentlich eine Whatsapp an jemanden, der PRO für den (natürlich vom Hoeness geschickten ;)) Teufel hält ;)…
Die Veröffentlichung hier erfolgte aber natürlich mit Zustimmung von Stephan Tempel.
Achso okay. Könnte man vielleicht unemotionaler und chronologischer aufbereiten für die Website aber ich versteh’ auch, dass ihr das ehrenamtlich macht und nicht ewig Zeit habt.
Ich fand es ganz und gar nicht unverständlich!
Word! Gute alte Zeit … /s
Danke Stephan für die klare historische Einordnung. Und auch danke an @Kraiburger der mit Wahnsinns Beiträgen hier Trollen in den Kommentarspalten Paroli bietet. Auch wegen Leuten wie Euch ist 60 der geilste Club der Welt!
Auf geht’s Löwen – Jetzt erst recht!
Haargenau so ist es
Lese ich das richtig raus? Es hätte evtl. die gesamte Arena (Rot allein ging ja nicht) verhindert werden können, wenn der Stundensatz beim Anwalt damals bezahlbar gewesen wäre?
Da sind natürlich sehr viele “WENN” dabei.
Der Anwalt hätte bezahlbar sein müssen.
Wir hätten Klagen müssen.
Und Recht bekommen müssen.
Und das ganze natürlich in einem Zeitraum, bevor die Delegierten sich für den gemeinsamen Stadionbau entschieden haben.
Aber vereinfacht gesagt:
Wenn sie uns damals nicht unsere Kandidaten gestrichen hätten in der Demokratie unter KHW, hätten sich die Delegierten nicht für den Stadionbau ausgesprochen.
Ob das Ding dann wirklich nicht gebaut worden wäre…. oder was Ihnen dann wieder eingefallen wäre…. ist ein anderes Thema.
Es war ja bei weitem nichts im Ansatz so organisiert wie heute. Es hatte kaum jemand Internet.
Wir sind damals im Stadion zu Menschen gegangen, die wir vom sehen kannten und für in Ordnung hielten. Haben uns von denen die Telefonnummer geben lassen und sie dann in den nächsten Tagen angerufen und vom Plan erzählt und so die Daten bekommen.
Das waren viele Stunden Telefon, horrende Rechnungen dafür (nix Flatrate…) – und wenn damals der ganze Prozess sagen wir 30 000,- Mark gekostet hätte (natürlich wäre es teurer geworden) dann wäre das ungefähr so realistisch für uns gewesen wie selber ein Stadion zu bauen.
Danke für den sachlichen Beitrag. Ich hoffe, er öffnet dem ein oder anderen beim Thema Pro1860 die Augen – auch wenn mir der Glaube daran ehrlich gesagt schwerfällt.
Was ich immer wieder erstaunlich finde: Genau die Leute, die nach einer professionellen Vereinsführung rufen, übersehen den eigentlichen Kern des Problems. Der Niedergang hat seinen Ursprung im unprofessionellen Handeln beim Bau der Arena. Damals wurde kein Worst-Case-Szenario eingeplant – und genau dieser Fall ist mit dem Abstieg in die 2. Liga dann eingetreten. Ein seriös arbeitendes Unternehmen hätte so etwas von vornherein berücksichtigt.
Dieselben Leute verherrlichen heute die damalige Vereinsführung unter Wildmoser, nur weil es sportlich gut lief. Alles andere wird ausgeblendet. Dass der Preis dafür unser Untergang war – diese Verbindung stellen einige bis heute nicht her.
Wer sich mehr über diese ominöse Sekte informieren will: Heute Abend um 18:60 Uhr ist offener Pro-Stammtisch für jedermann im alten Wirt in Ramersdorf. Es gibt viel zu diskutieren. Es gibt was zu trinken und zu essen und nette Leute. Und einige der netten Leute beißen nicht einmal zu, wenn man eine andere Meinung vertritt.
Aber Vorsicht: Bislang ist noch jeder, der einmal da war, auch wieder gekommen!