Was haben der 1. FC Kaiserslautern, Borussia Dortmund, der FC St. Pauli, Rapid Wien, der 1. FC Nürnberg, der 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach, Austria Salzburg, der HSV (!) und der VfL Wolfsburg (!!) gemeinsam? Mit all diesen Vereinen (und vermutlich noch mehr) wird unseren Löwen eine Fanfreundschaft nachgesagt und entsprechende Schals befinden sich im Umlauf. Aber was ist da dran? Bestanden (und bestehen) da tatsächlich freundschaftliche Bande, wie eng sind diese und machen solche Fanfreundschaften überhaupt Sinn?

Ich möchte gar nicht weit ausholen oder irgendwelche statistischen Erhebungen anstellen, aber eins dürfte klar sein: Jeder sollte die Vereine und Fans nach eigenem Gusto aussuchen, die er sympathisch findet und je größer die Schnittmengen und Gemeinsamkeiten sind, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass man auch zusammenfindet. Oft reicht da auch schon ein gemeinsames Feindbild, um sogar ligaübergreifend Freundschaften zu kultivieren; so durfte sich beispielsweise Lautern jahrelang einer tatkräftigen Unterstützung seitens der Löwenfans sicher sein, wenn sie auswärts beim FC Bayern antraten. Und auch die Fans des FCK ließen sich nicht lumpen und supporteten die Löwen, wann auch immer die in deren Region antraten. Die Fanfreundschaft der beiden Vereine gipfelte in diversen gemeinsamen Festen, die auch sehr stark frequentiert waren; man kann also getrost behaupten, dass diese Verbindung sehr etabliert war. Und heute? Was ist davon übrig? Klar sind uns die Besuche aus der Pfalz insgesamt wohl lieber als solche aus Chemnitz oder Magdeburg, aber die Intensität der gegenseitigen Sympathien haben in den letzten Jahren doch deutlich nachgelassen. Und ja, einzelne persönliche Verbindungen bestehen noch immer, aus Sympathien wurden Freundschaften und das ist nicht wegzudiskutieren. Aber sonst? So allgemein? Fokussiert man sich heutzutage einfach mehr auf sich selbst und den eigenen Verein? Oder ist etwas Bestimmtes vorgefallen, das das Bündnis erschüttert hat?

Letzteres liegt beispielsweise beim FC St. Pauli sehr nahe, zu dem viele Löwenfans auch Jahre lang ein enges Verhältnis pflegten. Die Gemeinsamkeiten lagen auf der Hand: man war (und ist) der kleine Stadtteilverein, der einen vermeintlich übermächtigen Gegner in der Stadt hat. In Hamburg hat sich das sportlich mittlerweile relativiert, in München könnten die sportlichen und wirtschaftlichen Differenzen zwischen Blau und Rot kaum größer sein. Zudem war das linke Image des FCSP seit jeher für viele Fans sehr attraktiv, sodass die Schals mit dem Slogan “Zecken mögen Löwen” auf beiden Seiten zahlreiche Abnehmer fand. Und ich muss zugeben: den hatte ich vor 25 Jahren auch daheim! Und auch wenn meine Sympathien für St. Pauli heutzutage nicht mehr als schöne Erinnerungen sind, so muss man doch neidlos (oder eben doch mit sehr viel Neid…) anerkennen, dass dort in den letzten Jahrzehnten sehr viel richtig gemacht wurde, was bei uns komplett in die Hose ging. Man hat sich als Underdog klar positioniert, hat sein Image gepflegt, das Stadion ausgebaut, keinen finanziellen Harakiri begangen, den Dialog mit den Fans gesucht statt gegen sie zu arbeiten und es so geschafft, ein erfolgreiches Kommerz-Produkt zu werden, bei dem viele nicht mal kapieren, dass “not established since 1910” eigentlich ein ganz böser Anachronismus ist. Sehr clever! Was die Ultras Sankt Pauli (USP) allerdings geritten hat, ausgerechnet mit der roten Schickeria zu sympathisieren, bleibt wohl auf immer und ewig deren Geheimnis. Dass sich die Schickis an alles, was links und hip ist anbiedern, überrascht indes nicht, von der USP hätte man dann aber doch mehr Weitsicht und Haltung erwartet.

Wie dem auch sei: Die beiden ausführlichen Beispiele zeigen meines Erachtens deutlich auf, wieso generelle Fanfreundschaften zum Scheitern verurteilt sind. Zu unterschiedlich sind die Menschen, zu individuell die Sympathien, um alle über einen Kamm scheren zu können. Und auch wenn das als Totschlagargument in quasi jeder Diskussion herhalten muss, so kann man doch davon ausgehen, dass auch die Entwicklung im Bereich Social Media dazu geführt hat, dass Fußballfans zunehmend über gewohnte Tellerränder hinausblicken und sich ihre eigenen Urteil über Vereine und deren Fans bilden. Nicht dass ich wirklich Sympathien für den VfL Bochum hätte, aber ich mag deren Fans einfach schon alleine dafür, dass sie nicht zum BVB oder zu Schalke gehen, obwohl es sicher deutlich einfacher wäre – und das trotz des unsäglichen Links zu den Roten. Ich hätte an dieser Stelle natürlich auch Rot-Weiß Oberhausen, Rot-Weiß Essen oder den MSV Duisburg nennen können, aber Ihr versteht, worauf ich hinauswill, oder?

Und was hat es nun mit den Verbindungen der Löwen zum Club, zu Rapid, zum HSV und Wolfsburg auf sich? Ist das ernstzunehmen? Darauf ein ganz klares Jein! Die Sache mit dem Verein aus der Autostadt wurde von einem gemeinsamen Sponsor initiiert, aber – soweit ich das überblicken kann – von beiden Seiten nicht wirklich angenommen. Oder liege ich da falsch? Zumindest kenne ich niemanden (Gott sei Dank!), der dieser angeblichen Verbindung irgendeine Bedeutung zumisst. Anders bei Rapid und beim 1. FC Nürnberg, bei denen einige Fanclubs und -vereinigungen doch sehr leidenschaftlich bei der Sache sind und sich gegenseitig besuchen und bei Aktionen unterstützen. Und dann gibts da noch den HSV, der uns schon einmal einen Artikel wert war…

Bei mir gilt in Deutschland ganz klar: Nur des TSV! International habe ich jedoch durchaus Sympathien für andere Vereine, z.B. Schwarz Weiß Bregenz, den FC Winterthur oder den FC Luzern, die jedoch samt uns sonders auf persönlichen Begegnungen vor Ort basieren und ganz eng mit Freundschaften zu dortigen Fans verknüpft sind. Habt Ihr auch einen (heimlichen) Zweitverein und – wenn ja – welchen? Was ist Eure generelle Meinung zu Fanfreundschaften?  Noch aktuell oder ein überholtes Modell? Wir sind gespannt auf Eure Meinungen!

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