Ein Kommentar von Stephan Tempel

Für das Spiel am kommenden Montag “Spielvereinigung Unterhaching – TSV 1860 München” sind zumindest – Stand jetzt – 1400 Zuschauer zugelassen worden.

Sicherlich: Einigen wird es komisch vorkommen, dass in Zeiten von Corona und steigenden Fallzahlen ein Fußballspiel mit Zuschauern stattfindet. Einige werden wieder von einer Sonderrolle für den Fußball sprechen – das Gegenteil war bislang der Fall, zumindest in München und Umgebung:

Während am vorletzten Wochenende es kein Problem war, dass in der Staatsoper München 500 Zuschauer am Samstag Abend „Tosca“ beiwohnen konnten, mussten sowohl die Anhänger von den Löwen im Sechzgerstadion als auch die von TürkGücü im riesigen Olympiastadion draußen bleiben.

Die große Anzahl der Virologen ist sich einig: Unter freiem Himmel findet eine Übertragung des Corona-Virus nicht statt. Mit Mund-Nasen-Bedeckung und bei entsprechendem Abstand gleich zweimal nicht. In der restlichen Republik finden seit Wochen Fußballspiele mit bis zu 7500 Zuschauern statt – Infektionen oder gar Superspreader-Events sind dadurch bislang nicht bekannt geworden. Zum Glück.

Corona wird uns noch viele Monate begleiten. Es wird weder zum 1. November, noch zum neuen Jahr wie von Geisterhand verschwinden. Wir müssen lernen mit dem Virus zu leben. Sicherlich: Auf volle Stehplatzblöcke, Auswärtsfahrten im Bus, ausgiebige Siegesfeiern werden Fußballfans noch lange verzichten müssen – und dafür hat auch jeder Verständniss.

Aber die pure Anwesenheit mit ausreichend Abstand in einem Fußballstadion ist sicherlich nicht gefährlicher als die Anwesenheit in einer Oper, einer Kirche oder auf der Auer Dult oder einem Weihnachtsmarkt – und auch nicht überflüssiger: Auch hier hängen Arbeitsplätze daran – und wir reden nicht nur von gutbezahlten Fußballprofis, sondern auch vielen Vereinsangestellten die mit der Organisation der Spiele beschäftigt sind bis hin zum Ordner und Bratwurstverkäufer.

Für die Fernsehübertragungen macht es unserer Meinung nach einen großen Unterschied, ob ein Stadion komplett verwaist ist oder wenigstens zehn oder zwanzig Prozent der Plätze besetzt sind. Auch die Geräuschkulisse ist eine andere.

Schön, dass in Unterhaching bzw. beim zuständigen Landratsamt eine Entscheidung getroffen wurde, von der keinerlei Gesundheitsgefährdung ausgeht und die für die Vereine und Fußballfans zugleich ein kleines Fünkchen Hoffnung beinhaltet.

Man darf nicht vergessen: Die Fußballfans – vom Allesfahrer bis hin zu den oft gescholtenen Ultras haben sich bislang vorbildlich verhalten, die Regeln befolgt und sind den Stadien ferngeblieben. Die Möglichkeit ein Spiel mit ausreichend Sicherheitsabstand live verfolgen zu können haben sie sich redlich verdient.

Wollen wir hoffen, dass sich die Landeshauptstadt München ein Beispiel daran nimmt und zukünftig auch 6 Kilometer weiter Fußballspiele zumindest vor ein paar Zuschauern stattfinden werden.

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