Drei Tage frei und am Montag dann, wenn man einschlägigen Medien Glauben schenken darf, lediglich 50 Minuten Training – trotz (oder wegen) des heutigen Testspiels beim 1. FC Passau war die gestrige Einheit an der Grünwalder Straße überraschend kurz. Dass dies zu Kritik der kommentierfreudigen Dauernörgler führen würde, war zu erwarten, doch auch ich möchte diese “Kurzarbeit” vorsichtig hinterfragen.

50 Minuten zur Belastungssteuerung?

Keine Angst, ich werde hier nun nicht mit der Keule agieren und das Trainerteam um Markus Kauczinski an den Pranger stellen, zumal ich nicht die Möglichkeit hatte, den Übungsleiter nach seinen Beweggründen für die kurze Trainingseinheit zu befragen. In der Vergangenheit wurde sowas ja gerne mit “Belastungssteuerung” begründet, aber zieht dieses Argument diesmal? Nach drei freien Tagen gibts da ja trotz des Pokalspiels in Aubstadt nicht wirklich eine Belastung, die man steuern müsste, oder?

Auch am Sonntag davor in Regensburg hatte man nun nicht zwingend das Gefühl, dass jeder Spieler über seine Grenzen gegangen ist und nach der Erholungspause nochmal so eine verkürzte Einheit benötigen würde.

Kauczinski hat sich keinen Gefallen getan

Meine persönliche Meinung ist, dass sich Markus Kauczinski mit diesem 50-minütigen Training keinen Gefallen getan hat. Aus meiner Sicht wäre es natürlich – nicht zuletzt wegen des heutigen Testspiels – falsch gewesen, die Mannschaft nun zwei Stunden über den Platz zu jagen und Kondition zu bolzen. Dennoch war das für die Öffentlichkeit und nicht zuletzt die dauerkritisierenden Couch- und Wutlöwen, die wiederkehrend Lorant’sche Maßnahmen fordern, ein fatales Zeichen, das deren Narrativ geradezu befeuert, sollte die Partie am Sonntag gegen Saarbrücken in die Hose gehen.

Gibt es denn angesichts der derzeit sportlich unbefriedigenden Situation nichts, was man über die 50 Minuten hinaus trainieren könnte? Abläufe verfeinern? Spielzüge einstudieren? Standards optimieren? Irgendwas? Versteht mich nicht falsch: Markus Kauczinski ist Profi und wird schon wissen, was er tut, aber als Fan, der gerade in dieser Saison schon viel zu oft bitter enttäuscht wurde, fällt es mir schwer, die Dauer des gestrigen Trainings nachzuvollziehen.

Ach ja, was Positives gibt es auch zu vermelden: Kilian Jakob konnte die Trainingseinheit komplett absolvieren. Aber die war ja auch nicht sonderlich lang…


Die Giesinger Gedanken erscheinen regelmäßig als Kommentar und sind die persönliche Meinung eines Mitglieds unserer Redaktion oder eines Gastautors. Sie spiegeln nicht grundsätzlich die Meinung der gesamten Redaktion wieder.

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Chemieloewe

MKau muss wissen, was er wie in welchem Maße trainiert. Mir ist es ziemlich egal, ob er übertrieben gesagt 3…4h pro Tag 5 Tage die Woche trainieren lässt o. an 2…3 Tagen nur 30 bis 60 Min. Am Ende muss unser Spiel erfolgreich sein u. unsere Spieler müssen über 90+…Minuten einzeln u. im Teamverbund min. gute, jedoch mehrheitlich sehr gute bis Bestleistungen abliefern, bzw. man muss das Bemühen u. den mental kämpferischen Willen u. Einsatz unserer Spieler u. der ganzen Mannschaft erkennen, das zu erreichen. Dazu müssen Sie natürlich im Training befähigt werden u. persönlich die richtige, positive Motivation, Einstellung, Überzeugung u. Willenskraft aufbringen, ihr maximales Leistungsvermögen auszuschöpfen u. in den Dienst der Mannschaft zu stellen, um in jedem Spiel mit kämpferischer Leidenschaft u. bestmöglichem Einsatz u. Siegeswillen als Team erfolgreich zu sein. Wie sie, Trainer u. Spieler, das im u. als Team im Training hinbekommen, ist ihr Ding. Es muss halt in den Spielen passen – Spielweise, Taktik, Leistungsvermögen, Mentalität, Kampf u. Einsatz, Kondition, Schnelligkeit, Technik, Siegeswillen…usw. – dass wir zunehmend auch erfolgreicher/siegreicher werden. Sehen wir eine solche kontinuierliche positive Entwicklung in den Spielen über mehrere Spiele bzw. über die gesamte Saison, macht MKau im Training sicher alles, naja, zumindestens das meiste richtig u. gut. Genau das wollen wir jetzt mal hoffen.

_Flin_

Mir fällt es sowieso schwer, dieses “Profi” Dasein mit einer Stunde Arbeit am Tag als sinnvoll zu erachten. Ja, es gibt Reisestress. Ja, es ist Wochenendarbeit. Ja, es gilt, Verletzungen zu minimieren.

Aber ich hatte jetzt nicht den Eindruck, dass wir konditionell, spielerisch, mental oder vom Teamgeist her zur Spitze der Liga gehören.

Insofern gäb’s da schon genug zu tun.

juergen

Sehr gut, das zumindest mal zu hinterfragen. Bei den veröffentlichten Trainingszeiten hat man den Eindruck, dass die Herren Profis gefühlt nur 4x pro Woche trainieren. Aber da mag der Schein trügen…

Denke, um sich einzuspielen, gerade wo’s im Moment nicht rund läuft und auch als Zeichen für uns Fans (denk die meisten arbeiten mit ca 40-Std Woche) wäre es schön, den Eindruck zu erhalten, dass die sich auch da den A… aufreißen.
Im Moment hab zumindest ich eher das gegenteilige Gefühl und es wird sich in der harmonischen Wohlfühloase ausgeruht.