Am Freitag Abend fand meine persönliche Rückkehr ins Sechzgerstadion statt. Nachdem ich mich über ein Fernsehspiel und den Besuch eines Auswärtsspiels gaaaaaanz behutsam rangetastet habe, fand am Freitag also der Ernstfall statt. Persönliche Rückkehr ins Sechzgerstadion zum Pokalkrimi gegen Darmstadt 98. Ein Abend voller Elfer, Hiller, Emotionen!

Alle so ähnlich wie immer

Rund ums Sechzgerstadion ist es ca. 2,5 Stunden vor Anpfiff gut gefüllt, aber deutlich leerer als bei einem Spiel ohne Zuschauerbeschränkung. Das ist deutlich zu merken. Dennoch kann ich einen Großteil meiner Freunde treffen. Die zu erwartende Sperre für Jahreskartenbesitzer, die das Spiel gegen Würzburg im Stadion sehen konnten, ist erst am nächsten Samstag gegen Türkgücü zu erwarten. So gelang es uns, diverse Rudel zu bilden und größtenteils im Stadion präsent zu sein. Endlich kann man am Grünspitz wieder mit Leuten anstoßen, die man eineinhalb Jahre nicht gesehen hat. Wunderbar!

Grünspitz vor dem Pokalspiel gegen Darmstadt 98

Auch die grünen Bandl, die die 3G-Übereinstimmung für den Einlass am Stadion signalisieren, waren einfach bei einer netten Stewardin zu organisieren. Hätte nicht gedacht, dass das so einfach gehen würde.

Covid-Stewart händigt grüne Bandl nach erfolgreicher 3g-Prüfung vor dem Spiel aus

Das Sportliche rückt wieder in den Vordergrund

Nachdem bei den letzten beiden Spielen für mich deutlich die emotionale Komponente, den TSV 1860 München wieder vor seinen Fans spielen zu sehen, die Hauptrolle spielte, stand für mich am Freitag schon das Sportliche wieder im Vordergrund. Wann bekommt man schon als Drittligist die Chance, einen personell stark geschwächten Zweitligisten aus dem Pokal zu schmeißen? Diese Chance galt es zu nutzen und unsererseits auf den Rängen Alles dafür zu tun, um die Mannschaft nach vorne zu pushen.

Die Löwen legen los wie die Feuerwehr

Dann geht’s los und wir auf der Tribüne drehen in dezimierter Personalstärke gleich voll auf. Die Mannschaft auf dem Rasen lässt sich davon mitreißen und startet überlegen ins Spiel. Und wenn Stefan Lex mal wieder treffen würde, hätte es ganz früh 1:0 für den TSV 1860 München gestanden. Im Verlauf der ersten Halbzeit übernimmt Darmstadt dann auf dem Platz mit zunehmender Spielzeit die Kontrolle, während die etwa 4.000 Löwenfans im Stadion weiter furios anfeuern.

In Halbzeit zwei geben die Löwen dann wieder das Kommando. Uns auf der Tribüne geht langsam der Saft aus, das muss man zugeben. Die meisten von uns haben eine 18-monatige Stadionpause hinter sich und man merkt deutlich, dass eben nur etwa 4.000 statt 13.500 Löwenfans im Stadion waren.

Trotz numerischer Dezimierung gaben die Löwenfans Alles

Das Tor bringt den zweiten Wind

Als Phillipp Steinhart in der 75. Minute dann das 1:0 schießt, bekommt das Publikum die zweite Luft. Wir wollen an dieser Stelle nicht verschweigen, dass Merv Biankadi im Abseits stand und die Löwen großes Glück hatten, dass der Treffer gezählt hat. Leider hält die zweite Luft nur etwa fünf Minuten an. Die Lilien schießen mit ihrer einzigen Chance in der 80. Minute den Ausgleich. Nun wird es wirklich spannend! Allerdings lebt das Spiel nun mehr von der Spannung als von nennenswerten Torchancen. So geht es in die Verlängerung.

Die letzten Kräfte werden aktiviert

Sowohl auf dem grünen Rasen als auch auf den Rängen werden die letzten Körner aktiviert. Darmstadt wirkt feldüberlegen, ohne großen Druck zu entfalten. Dennoch hat man latente Angst, dass sie irgendwie einen über die Linie bringen könnten. Dann wird aus heiterem Himmel Richy Neudecker in der 111. Minute schön am Fünfmeterraum von Biankadi in Szene gesetzt. Leider hat Richy aktuell nicht die Form der Vorsaison und setzt den Ball an Außennetz.

Elferschießen = Hiller-Time

So geht es ins Elfmeterschießen und die Fans geben ein letztes Stakkato. “Gegen Hiller habt Ihr keine Chance” hallt es nach 120 kräftezehrenden Minuten durch Giesing. Und tatsächlich! Gleich den ersten Schuss pariert unser Marco und es herrscht diese Extase mit angezogener Handbremse. Großer Vorteil für Sechzig, aber noch ist nichts gewonnen. Die fünf folgenden Elfermeterschützen der Giesinger lassen nichts anbrennen. Alle treffen sicher und so bleibt der Anlauf von Keanu Staude der einzige Schockmoment in diesem Elfmeterschießen.

Elfer, Hiller, Emotionen

Damit geht ein Abend voller Elfer, Hiller und Emotionen kurz vor halb zwölf zu Ende. Mein Sohn, der auch so seine Durchhänger hatte, ist hellwach und trotzdem todmüde. Der MVV-Fahrplan lässt noch eine unschön lange Heimfahrt vermuten. Aber – und auch das ist einfach 1860 – ein Sechzger.de Redakteur kann uns nach einem kurzen Anruf noch nach Hause chauffieren und so kehrten zwei restlos glückliche Löwen erstmals nach Mitternacht von einem Löwenspiel nach Hause. Ein unvergesslicher Abend, danke an alle!

 

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Ich fand die Stimmung am Freitag grandios. Man hat wirklich keinen Unterschied gemerkt, ob jetzt 4.000 oder 15.000 da waren.

Wieder so ein Spiel, das Sechzig in keinem anderen Stadion der Welt gewonnen hätte.

Fand die Stimmung auch maximal mittelmäßig. Alles zu durcheinander und zum Teil völlig aus dem Takt. Nichts desto trotz wars ein geiler Abend. Ein bißchen gruselig finde ich die Österreich Fahnen mit dem Löwen drauf. Passt irgendwie nicht.

Also mir fehlen die Ultras überhaupt nicht, endlich wieder spielbezogene Anfeuerung statt ewig langes Dauer-Tralala. Dass man nicht 120 Minuten ununterbrochen anfeuern kann, ist ja keine Überraschung, aber ich habe selten so eine tolle Stimmung erlebt. Wenn die Ultras ihre ewig langen Dauergesänge anstimmen, die keiner mitsingt, ist auch immer ein Stimmungsloch, allerdings erheblich länger als am Freitag

Für mich gehört die aktive Fanszene einfach zu 100 % dazu. Trommeln Fahnen choreos etc und v.a. Die vorsänger. Im Stadion an seinem Platz selbst mag die Stimmung überragend ohne vorsänger sein, am Rasen bei den auswärts Fans und im TV kommt nur Brei rüber. Es wird zu schnell gesungen, übereinander und verschiedene Lieder ohne takt etc.

Wenn sich die aktive Fanszene auch mal nach anderen richten würde, könnte ich dir zustimmen. Leider meinen sie, sie sind alleine da und haben das alleinige Recht, alles bestimmen zu können. Bei den Choreos stimme ich dir zu, beim Support nicht…

Ich war gegen Würzburg im Stadion und hab die gleiche Erfahrung gemacht dass uns irgendwann die puste ausgegangen ist. Da merkt man schon dass die Ultras fehlen. Hoffe sie kommen bald zurück, wenigstens auswärts müsste es doch möglich sein.