Was gibt es nicht für schöne schöne Fußballphrasen? „Die Scheiße am Fuß haben“, „den Bock umstoßen“, „die Gelegenheit beim Schopf packen“, „befreit aufspielen“, wahlweise „den Knoten platzen lassen“ oder „der Knoten ist geplatzt“, „wir dürfen nur auf uns schauen“ und so weiter und so fort. Ich bin mir sicher jedem von Euch fallen auf Anhieb noch ein paar Dutzend Fußballfloskeln ein. Was passiert, wenn man die zu wörtlich nimmt, könnt Ihr hier sehen.

Nach dem gestrigen Kick gegen die Elf mit dem Bob im Wappen aus einer südlichen Münchner Vorstadt boten sich auch einige Floskeln an, um das Spiel der Löwen und die aktuelle Lage des TSV 1860 München zu beschreiben.

Ich schwanke zwischen zwei gängigen Floskeln, um unsere aktuelle Situation zu beschreiben:

„Wir haben unsere Chancen genutzt und deshalb verdient gewonnen“

Auf die momentane Situation und die kurzfristige Analyse passt diese Plattitüde vielleicht am Besten. Gestern war sicher keines der schönsten Spiele dieser Saison und die Löwen hatten sicher schon bessere Auftritte diese Saison als gestern, bei denen sie trotzdem nicht als Sieger vom Platz gingen. In unserer neuen Rubrik Winningers Sprachnachrichten habt Ihr ja unter der Woche mitbekommen, dass auch bei uns in der Redaktion – nennen wir es mal – „angeregt“ diskutiert wurde, woran es denn bei den letzten Auftritten des TSV 1860 gehapert hat. Die eine Fraktion fand, dass die berühmte Effektivität vor dem Tor fehlte („wenn‘s nicht läuft, dann läuft’s nicht), die andere fand den Spielaufbau zu vorhersehbar. Interessanterweise fand niemand, dass Sechzig in den letzten Wochen schlecht spielt. Kleinster gemeinsamer Nenner war irgendwie so etwas wie „der Ertrag stimmt für den Aufwand nicht“. Auch so eine Floskel…

“Aufwand und Ertrag”

Gestern stimmte aus meiner Sicht der Ertrag ziemlich gut. Auch der Aufwand war hoch, aber nicht so schön anzusehen wie in so manch anderem Spiel der jüngeren Vergangenheit. Aber mit drei Punkten stimmt die Ausbeute. Was mich besonders positiv stimmt, ist die bessere Chancenverwertung gegenüber den letzten Auftritten. Lediglich Mölders verballerte in der 10. Minute eine Großchance, als er etwas überraschend freistehend an eine Hereingabe kam und diese etwa 2 Meter neben das Gehäuse setzte.

Dennis Erdmann nutzte dann seine Chance in der 35. Minute als sich der Hachinger Torwart und ein Verteidiger gegenseitig behinderten und er den Ball überlegt wuchtig in den freien Teil des Tores schoss. Bis auf einen weiteren beherzten Fernschuss von Tallig warn das die einzigen Chancen in Durchgang 1. Nach der Pause hatte Tallig dann erneut einen guten Fernschuss, der nur um Zentimeter am Kreuzeck vorbeistrich.

“Das Spiel stand auf Messers Schneide”

Aber dann war es wieder soweit und die Hachinger glichen nach einer Ecke aus. Das zerfahrene Spiel stand erneut auf der Kippe und hätte in beide Richtungen gehen können. Als sich dann diese Bogenlampe von Flanke (einer meiner früheren Trainer hätte gesagt „der fliegt so hoch, da liegt Schnee drauf, wenn er runter kommt“) in den Strafraum senkte, war unser Sascha da und besorgte in sensationeller Manier per Fallrückzieher den erneuten Führungstreffer. Und das mit der ersten Chance nach dem Ausgleich in einer ziemlich trostlosen Phase des Spiels. Genau das hat die letzten Spiele gefehlt. Dass wiederum Mölders das 3:1 von Stefan Lex vorbereitete, zeigte ein Mal mehr seine Ausnahmestellung bei uns und in der Liga. Und mit 3:1 „war der Kaas bissen“ und wo wir gerade bei Stefan Lex sind, fällt mir eine andere hoffentlich passende Phrase ein.

„Der Knoten ist geplatzt“

Der Stefan Lex hat mir in den letzten Wochen tatsächlich etwas leid getan, ob seiner zahlreichen vergebenen Chancen. In so mancher Situation konnte man auch den Eindruck gewinnen, dass er etwas verunsichert agierte. So mancher wunderte sich schon, dass er nach wie vor in der Startelf steht. Durch die Verpflichtungen von Biankadi und Staude ist ja nochmal ziemlich Konkurrenz für ihn in den Kader gekommen. Jetzt hat er gestern endlich wieder einen über die Linie gebracht und sich wie ein Schneekönig gefreut. Das hat mich wiederum wahnsinnig gefreut für ihn. So mancher Schreihalsreporter hätte sicher „Endlich ist der Knoten bei Lex geplatzt“ in die Giesinger Nacht gebrüllt. Ich denke, das wird man in den nächsten Spielen sehen.

Kann man auch über die ganze Mannschaft sagen, dass der Knoten geplatzt ist? Ich möchte da nicht voreilig sein, das wird man wahrscheinlich erst nach den nächsten ein bis zwei Spielen sehen. Aber ich denke, dass dieser Sieg mental sehr wichtig war. Die Mannschaft hat gesehen, dass sie noch (oder besser wieder?) gewinnen kann. Auch ein Spiel wie gestern, das mehr gearbeiteter als gespielter Fußball war und nach dem Ausgleich auf der Kippe stand. Ich sehe es so, dass dieses Spiel der Mannschaft Auftrieb geben sollte für die nächsten entscheidenden Wochen im Kampf um den Aufstieg. Mental wird dieser Sieg der Mannschaft weiterhelfen. Vielleicht ist es Parallele zum Sieg gegen Waldhof nach der erfolgosen Serie im November/Dezember. Nun stehen zwei Auswärtsspiele an, wenn die erfolgreich absolviert werden, ist wieder alles drin und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass „der Knoten geplatzt ist“. Klingt auf jeden Fall besser als „… dann ist der Wurm drin“!

Was meint Ihr? Wie geht es die nächsten Wochen weiter? Kommt der TSV 1860 München nochmal in Schlagdistanz zu den Aufstiegsplätzen?

1 KOMMENTAR

  1. es war sicher nicht einfach, was aber auch an der überharten Gangart des Gegners lag. könnte ich mir vorstellen und der Schiedsrichter hat nur zugeschaut. ich bin einfach nur froh, dass wir gestern gewonnen haben und wünsche Daniel Wein, eine hoffentlich schnelle genesung und das es nix schlimmes ist. ich hab mich sehr für Lang gefreut.
    jetzt was anderes:
    für mein enpfinden war gestern Magentasport spürbar auf Seiten der Hachinger. das war unverschämt und nicht neutral. auf keinem Fall, der Schiedsrichter übrigends genauso würde ich sagen.

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