Sommer(ferien)zeit heißt in unserer großen sechzger.de-Redaktion immer, dass viele neue Eindrücke in aller Herren (und Frauen) Länder gesammelt und dann später hier der interessierten Leser*innenschaft präsentiert werden. Erst Ende Mai diesen Jahres war der Kollege Stefan Kranzberg in Albanien unterwegs und ließ uns in seinem Artikel Länderpunkt im Zeichen der Jugend an seinen Erlebnissen teilhaben. Ich habe es ihm nun gleich getan und mich mit meinen beiden Söhnen für eine Woche in das Land auf dem Balkan begeben. Dass dabei auch Fußballspiele besucht wurden, versteht sich von selbst. Am Ende wurden es fünf Stück.
Conference League Playoff in Tirana
Los ging es direkt mit – Achtung, Trommelwirbel – EUROPAPOKAL! Also konkret mit den finalen Playoffs zur Qualifikation für das “richtige” internationale Geschäft. Ich hatte vorab von daheim aus ordentlich mitgezittert mit einem der Hauptstadtklubs, Dinamo City, der in der Runde zuvor das gefühlt Unmögliche möglich gemacht und den – vom Kaderwert fast zehnmal so schweren – Dritten aus der kroatischen HNL, Hajduk Split aus dem Wettbewerb geworfen hatte. So kam es am Donnerstag, den 28. August zum Playoff-Rückspiel gegen den polnischen Vorjahresdritten,
Dinamo City scheitert
Die Geschichte des Spiels in diesem – wie ich finde – sehr gelungenen modernen Stadion ist schnell erzählt. Die 2.200 Einheimischen, die in dem 22.000er-Stadion auf Haupt- und Gegentribüne untergebracht waren, hofften auf ihre Mannschaft, die aufopferungsvoll kämpfte, aber fußballerisch meist zu ungenau und überhastet agierte. Das schnelle Tor, das vielleich eine Aufholjagd einläuten würde, wollte nicht fallen. Erst nach 68 gespielten Minuten fiel es. Und die Gäste wirkten plötzlich nervös. Ging da noch was? Zwei Tore in 20 Minuten? Nicht absolut unmöglich. Doch die Hoffnung währte nur elf Minuten, dann erzielte ein Holländer mit griechischen Wurzeln den Ausgleich für die Polen und sicherte so die Quali für die Conference League 25/26. Nach dem Spiel gab es sowohl im mit rund 500 Fans besetzten Gästeblock, als auch auf der Heimseite viel Applaus für die 22 Akteure. Dass es später beim Transport der Fanbusse der polnischen Anhänger auf der Autobahn Richtung Flughafen Tirana zu einem direkten Angriff durch albanische Hools kam, erfuhr man am nächsten Morgen über die Sozialen Medien. Ob die Angreifer zum Spiel selbst im Stadion anwesend waren, entzieht sich meiner Kenntnis.
Spielbesuch mit Löwenfan
Eine nette und wesentlich harmonischere Begebenheit rund um diesen Spielbesuch, sei hier auch noch erwähnt. Da sich schon im Vorfeld unseres Urlaubs herausstellte, dass ein Leser und Freund von sechzger.de an genau diesem Donnerstag den letzten Abend eines Albanien-Aufenthalts verbringen würde, wurde vereinbart, die Partie in Tirana gemeinsam zu besuchen. Gesagt, getan. Wir hatten eine lustige Zeit und erinnerten uns angesichts der sportlichen Ausgangslage (und unseres ähnlichen Alters) natürlich sehr aktiv an das UEFA-Cup-Duell unserer Löwen mit Rapid Wien im Herbst 1997. Grüße gehen an dieser Stelle raus an Anselm!

Zweite Liga weiter südlich
Nach einem Tag Fußballpause standen dann am Samstag gleich zwei Partien auf dem Programm. Ein Zweit- und ein Erstligakick. Los ging’s in der Stadt Fier etwa 85 Kilometer Luftlinie südlich von Tirana. Ein netter, aber – wie eigentlich die allermeisten Stadien im Land – schon sehr in die Jahre gekommener Ground mit einer Stahlrohrtribüne, auf der sich samstags um vier eine niedrige dreistellige Anzahl an Zuschauern einfand. Viel Emotion auf dem Rasen und am Ende ein schiedlich-friedliches 1:1, das sich die Gastgeber mit einer couragierten Leistung in den Schlußminuten noch wacker und verdientermaßen erkämpften. Sechs Euro hatte uns der Spaß gekostet – und das war er auch Wert. Wir düsten direkt nach dem Abpfiff die 49 Straßenkilometer in Richtung der kleinen Stadt Rrogozinhe, Heimat des amtierenden albanischen Meisters.
Beim albanischen Meister war einiges los
Das atmosphärisch stimmungsvollste und emotionalste Fußballerlebnis dieser Reise durch Albanien bescherte uns – erneut für den Eintritt von umgerechnet 10,- EURO für den Sitzplatz auf Höhe der Mittellinie – am Samstag Abend das Spiel zwischen KF Egnatia und AF Elbasani. Die von Anfang an sehr aufgeheizte Stimmung hat wohl einen historischen Hintergrund, der hier allerdings nicht allzusehr vertieft werden soll. Es geht um einen Spielabbruch in einem Aufstiegsspiel zwischen den beiden Vereinen kurz nach der Jahrtausendwende – wegen einer Rauferei auf dem Rasen! Dass aus den Fanblöcken Albaniens, sofern so etwas wie aktive Fans anwesend sind, ab und an Böller und teilweise wirklich laute Kanonenschläge auf das Spielfeld geworfen werden, gehört dort – anders als “klassische” Pyrotechnik, die in unseren fünf Spielen gar nicht zum Einsatz kam – zum Stadionbesuch offensichtlich dazu. Im konkreten Fall betätigten sich die rund 250 Gästefans aber schon eine halbe Stunde vor dem Anpfiff entsprechend. Auch von den Heimfans, deren “harter Kern” allerdings deutlich weniger Personen zählte, flog immer wieder mal etwas knallendes in den Innenraum. Eine Durchsage, dies doch zu unterlassen, konnten wir nicht ausmachen. Gehört hier wohl einfach dazu.
Das Stadion von Egnatia ist – neben dem oben schon angesprochenen Nationalstadion – die modernste Anlage, die uns bei unserem Aufenthalt, während dem wir uns noch einige Stadien ohne Spielbesuch ansahen, begegnet ist. Sie bietet 7.500 Besuchern Platz, erinnert – rein optisch – an typische Campus-Stadien Deutscher Bundesligisten und die beiden Tribünen waren an jenem Abend zu etwa einem Drittel gefüllt. Den Zuschauern wurde ein durchaus unterhaltsames Match präsentiert, bei dem die Gäste direkt vor dem Pausenpfiff unter großen Jubel mit 1:0 in Führung gingen. Nachdem sie aber im zweiten Abschnitt – ganz ähnlich wie die Gastgeber im Zweitligaspiel am Nachmittag – die knappe Führung nur verwalten wollten und gar nichts mehr für das Spiel taten, fiel folgerichtig in der 83. Minute der Ausgleich. Danach wurde es hektisch und wild. Der Torschütze bejubelte seinen Treffer extrem provokativ vor dem Gästeblock, worauf ihm zahlreiche der oben angesprochenen Böller entgegenflogen, denen er allerdings recht enstpannt auswich. Minutenlange Rudelbildung auf dem Rasen und drei Platzverweise vermittelten einen Eindruck, was wohl in der Vergangenheit bei dieser Partie schon los war.
Drittes Spiel, drittes 1:1
Als Krönung erhielten die Gäste in der neunten Minute der Nachspielzeit einen Elfmeter, der zunächst verschossen, im Nachschuss aber dann doch zu einem Treffer führte, der wiederum nach minutenlangem frenetischem Jubel im Gästeblock bei gleichzeitig ausführlicher Diskussion unter den Protagonisten auf dem Rasen, zurückgenommen wurde. VAR auf albanisch heißt: Lange Unterbrechungen aber leider keinerlei Informationen an die Zuschauer, was eigentlich los ist. So machten wir uns schließlich leider in Unkenntnis über die Gründe für die Nichtanerkennung des Treffers auf die rund einstündige Fahrt in unser Nachtquartier in der Hafenstadt Vlora.
Fortsetzung folgt…
Über die beiden noch am Sonntag besuchten Spiele wird in einem weiteren Artikel im Laufe der kommenden Woche berichtet. Und ein Fazit zum Groundhopping und -spotting in Albanien gezogen. Dass dies ziemlich positiv ausfallen wird, dürfte wenig überaschen.












































Eine äußerst launige Berichterstattung. Hat wohl Spaß gemacht in Albanien. Ich habe mal einen Blick auf den Spielplan der ersten albanischen Liga geworfen. Wie geht es denn, dass zehn Clubs 36 Spieltage veranstalten? Kein Wunder, dass da kaum Zuschauer kommen.
4 x 9
Da gibts dann aber auch noch Play-Offs, wenn ich mich nicht täusche.
Was hat denn auf dem Gruppenfoto der Typ mit dem weißen T-Shirt vorher zu sich genommen? Der Blick lässt schon so auf einiges schließen … 😉
Wegen der roten 🤮Sitze dort vermutlich
Das ist mit Sicherheit der Grund … 😂
Vielleicht geht der einfach mit geöffneten Augen durch’s Leben. 😉
Wirklich ein faszinierendes Land, das ich noch einmal bereisen möchte.