Ein paar freie Tage, aber die Saison der Löwen ist schon beendet. Was tun? Na klar, woanders wird noch Fußball gespielt, also Spielpläne, Flüge und Hotels checken – und los gehts! Diesmal führte mich die Leidenschaft Groundhopping nach Montenegro, genauer gesagt in die Hauptstadt Podgorica.

Von wegen “hässlichste Hauptstadt Europas”

Hässlichste Hauptstadt Europas” – diese ungemein aufmunternde Aussage eines Freundes über Podgorica begleitete mich auf dem Weg nach Montenegro. Der Flug startete aufgrund eines Organisationsversagens am Memminger Flughafen mit 45 Minuten Verspätung, dafür lief dann vor Ort alles rund. Das Taxi brachte mich für einen Fixpreis ins zentrumsnahe Hotel und auch die gekaufte montenegrinische SIM-Karte funktionierte nach kurzen Anlaufschwierigkeiten problemlos. 500 GB für 10 Euro – kann man mal machen, zumal Montenegro ja nicht zur EU gehört und somit andernfalls horrende Roaming-Gebühren anfielen.

Generell ist das Preisniveau in der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik deutlich unter dem hierzulande. Gerade in Bezug auf Nahrungsmittel ist das sehr deutlich spürbar und wird gerne ausgenutzt. Ich glaub, ich hab in meinem Leben noch nie so viel und so guten Kaffee in mich reingeschüttet wie in diesen vier Tagen. Auch die montenegrinische Küche lädt zur Völlerei ein, wobei Vegetarier wohl eher wenig Freude haben dürften. Ach ja, ein kleines Craft Beer-Festival fand auch noch statt und wurde nicht nur einmal aufgesucht.

Sightseeing und Groundspotting in Podgorica

Um es gleich mal vorweg zu nehmen: Es gibt mit Sicherheit hässlichere Hauptstädte in Europa! Podgorica befindet sich im Umbruch, hat aber schon jetzt viel Schönes zu bieten. Für drei Tage ist es wunderbar, eine Woche wäre vermutlich zu lang. Aber ich bin ja vor allem nach Montenegro gereist, um meinem Hobby Groundhopping zu frönen. Leider war für Samstag kein Spiel angesetzt und auch der Spielplan im grenznahen Albanien wies für diesen Tag eine weiße Seite aus. Egal, dann halt Sightseeing und Groundspotting!

Nach der Kathedrale der Auferstehung Christi, der Millennium Bidge, der St-Georgs-Kirche und der alten Brücke über den Fluss Ribnica landete ich am Stadion pod Gorica, dem Austragungsort des Pokalfinals. Kurz mit dem Ordner geratscht und rein zum Fotos machen. Gut gelaufen. Nach einem weiteren ausgeprägten Fußmarsch durch den Gorica Park, wo zahlreiche Schildkröten frei rumlaufen, erreichte die Sportanlage des FK KOM.

Besuch beim montenegrinischen Fußballverband

Bei 35 Grad besichtigte ich den Ground und ließ mir noch einmal bestätigen, dass das Jugendspiel am Sonntag im Stadion (und nicht am angrenzenden Kunstrasen) stattfinden würde. Einen weiteren Gewaltmarsch später war ich wieder im Zentrum, suchte mir eine Kneipe fürs CL-Finale, verließ diese aber pünktlich zum verspäteten Anpfiff wieder und landete auf dem Craft Beer-Festival, wo das Spiel bei feinen Getränken auf einem kleinen Bildschirm übertragen wurde.

Für Sonntag war schlechtes Wetter angesagt – und so kam es dann auch. Zunächst schien jedoch noch die Sonne, was ich zu einem Ausflug zum montenegrinischen Fußballverband nutzte. Auf dem Trainingsgelände steht auch ein schickes Stadion, direkt daneben hat der FK Budućnost, der beliebteste Verein des Landes seine Trainingsplätze. Apropos: Die ganze Stadt ist voll von Graffitis und Wandmalereien des fünfmaligen Landesmeisters bzw. von deren Ultra-Gruppierung Varvari (“Barbaren”).

Endlich Groundhopping in Montenegro

Danach gings dann aber endlich zum Live-Fußball und das Wetter zeigte sich inzwischen von seiner schlechtesten Seite. Es regnete wie aus Kübeln und – natürlich – hatte der FK KOM das Spiel seiner U19 gegen den OFK Titograd nun doch vom Stadion auf den Nebenplatz verlegt. Es wäre ja auch zu schön gewesen… Die Gastgeber gewannen 1:0, ich verließ den Platz mit Abpfiff und begab mich auf die Suche nach einem Taxi. Kurz vor der Verzweiflung blieb dann doch noch eins stehen und brachte mich zum Hotel. Kurz trockene Sachen anziehen und ab zum Stadion zum Pokalfinale.

Dort durfte man umsonst (!) rein, trotzdem waren “nur” knapp 4.500 Fans vor Ort. Obwohl Fußball neben Basketball und Wasserball der Nationalsport ist, hält sich das allgemeine Interesse an den lokalen Teams arg in Grenzen. Ich war jedenfalls froh, dass mit Budućnost und dem FK Dečic Tuzi zwei Teams aufeinander trafen, die immerhin über einen einigermaßen großen Fanstamm verfügen.

Treffen mit Neu-Löwe Meris Skenderovic

Das Geschehen auf dem Platz hatte über weite Strecken Zweitliganiveau, am Ende setzte sich der FK Budućnost Podgorica sehr glücklich mit 1:0 durch und feierte seinen vierten Pokalsieg. Auf den Tribünen wurde ordentlich gezündelt, deutsche Sportkommentatoren und -funktionäre wären vermutlich bereits nach fünf Minuten in Schnappatmung verfallen.

Bereits für den Abend des Pokalfinals war eigentlich ein Treffen mit 1860-Neuzugang Meris Skenderovic angedacht, das dann leider nicht zustande kam. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben und so klappte es dann am Montag Vormittag. So erfuhr ich dann doch noch einiges über den montenegrinischen Fußball und lernte einen bescheidenen, bodenständigen und sehr sympathischen jungen Mann kennen, der hoffentlich seinen Weg bei den Löwen gehen wird.

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Interessanter Bericht!

gratulation zu diesem Bericht.

Schöner Bericht. Danke.