Nachdem unser Leser Stefan der Pridnestrowischen Moldauischen Republik (PMR, auch bekannt als Transnistrien) bereits 2019 einen Besuch abgestattet hatte, zog es nun auch sechzger.de Redakteur Stefan Kranzberg zusammen mit zwei weiteren Löwenfans in das Land, das es offiziell gar nicht gibt. Zuvor standen jedoch schon zwei Spiele in der moldauischen Hauptstadt Chisinau auf dem Programm. Viel Spaß mit Groundhopping Moldawien!

Groundhopping Moldawien

In den vergangenen Jahren war ich bei meinen Groundhopping-Trips auf dem Balkan ja in der Regel alleine unterwegs, diesmal hatte ich jedoch zwei Mitstreiter gefunden, die mich begleiteten. So nutzten wir das Wochenende um das Löwen-Heimspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden, um den Länderpunkt Moldawien abzuhaken und neue Menschen und Kulturen kennenzulernen. So viel vorab: Es sollte sich absolut lohnen!

Von Memmingen aus ging es am Freitagmorgen in die moldauische Hauptstadt Chisinau, die Busfahrt vom Flughafen ins Zentrum der 600.000-Einwohner-Stadt kostete umgerechnet 30 Cent. Generell ist das Preisniveau in der Republik Moldau, wie Moldawien offiziell heißt, deutlich unter dem deutschen, man findet aber durchaus auch Restaurants etc., in denen man sein Geld schnell loswerden kann.

Groundhoppertreffen bei Victoria

Nach dem Check-In in der zentral gelegenen und sehr ansehnlichen Airbnb-Unterkunft führte uns der erste Weg ins Restaurant um die Ecke und anschließend per Taxi durch den freitäglichen Feierabendverkehr zur Joma Arena des Erstligisten Dacia Buiucani. Dieser Club stand diesmal jedoch nicht auf dem Platz, sondern die beiden Zweitligisten FC Victoria Chisinau und FC Falesti. Auf den Rängen fanden sich rund 20 deutsche Groundhopper (u.a. aus Rostock, Kiel und Dortmund) ein, auf dem Kunstrasen bestimmten die Gäste aus Falesti das Geschehen.

Obwohl die Gastgeber am Ende nochmal drückten, rettete das Gastteam den knappen 2:1-Vorsprung vor insgesamt ca. 100 Zuschauern über die Zeit und feierte den ersten Sieg gegen Victoria seit 2020.

Sightseeing in der Hauptstadt

Da das Match bereits um 17 Uhr beendet wurde, hatten wir anschließend noch reichlich Zeit zum Sightsseing, kamen am jüdischen Friedhof sowie der Gedenkstätte zum Pogrom 1903 – 1905 vorbei und schlenderten anschließend den Bulevardul Ștefan cel Mare entlang, der als Prachtmeile Chisinaus gilt. Dort findet man nicht nur den Präsidentenpalast, das Parlament und den Triumphbogen, sondern auch das verlassene Observatorium des Palastes der Pioniere. Ein beeindruckender Lost Place mitten in der Stadt.

Auch den nächsten Vormittag widmeten wir uns einigen Sehenswürdigkeiten und sahen u.a. die Kaskaden des Valea-Morilor-Parks, das Eterniate-Ehrenmal mit der ewigen Flamme, das Areal des abgerissenen ehemaligen Nationalstadions und das Stadionul Dinamo. Anschließend kehrten wir zum Mittagessen ein, ehe wir zu Spiel 2 unserer Tour aufbrachen.

Zimbru leider auf Kunstrasen

Bereits am Vorabend hatten wir erfahren, dass der FC Zimbru Chisinau sein Heimspiel gegen Dacia Buiucani nicht im großen Stadion, sondern auf dem Kunstrasen nebenan austragen würde. Unsere Begeisterung hielt sich in Grenzen, war dies doch eigentlich als sportlicher Höhepunkt unserer Reise geplant. Ändern konnte man es eh nicht, also arrangierten wir uns mit den Begebenheit und wurden mit einem 3:2-Sieg der Gastgeber belohnt.

Neben dem Kunstrasenplatz mit Tribüne verfügt der FC Zimbru auch noch über einen ausgebauten Naturrasenplatz, auf dem auch gelegentlich Spiele ausgetragen werden. Nach dem Spiel ging es zügig in Richtung Unterkunft, wo wir uns das Heimspiel der Löwen gegen den SV Wehen Wiesbaden im sechzger.de Liveticker und im Stream reinzogen und mitfieberten. Nach einer abendlichen Einkaufstour zog es uns ins Bett, denn sonntags sollte das nächste Highlight auf uns warten.

Grandiose Tour nach PMR

Bereits im Vorfeld hatten wir bei PMR-Tours die Sowjettour gebucht, die uns die sozialistische Vergangenheit der Pridnestrowischen Moldauischen Republik näherbringen sollte. Fahrer Zhenya holte uns also morgens in Chisinau ab und kutschierte uns über die innermoldauische Grenze (mit Kontrolle und Registrierung) in die Stadt Bender (nicht verwandt oder verschwägert mit Lars, Sven und Manfred). Dort erwarteten uns bereits Organisator Andrey und Guide Valery, die uns ihr Land zeigen wollten. Das gelang ihnen ausgezeichnet und wir waren wirklich froh, dass wir die beiden an unserer Seite hatten.

Die Führung begann jedoch mit einer Warnung: Die in Deutschland geläufige Bezeichnung “Transnistrien” ist in PMR gesetzlich verboten und kann dort mit einer Geldstrafe oder gar bis zu 15 Tagen Haft bestraft werden.

Ausflug nach Bender und Tiraspol

In Bender besuchten wir zunächst eine Kantine im Stile der UdSSR, das Tkatschenko Kulturhaus, das Monument “Die Macht den Sowjets”, die Gedenkstätte für die Verteidiger Pridnestrowiens und ein verlassenes Administrationsgebäude der Flussanlegestelle. Anschließend fuhren wir weiter nach Tiraspol, wobei wir erwähnten, dass wir Fußballfans seien und relativ kurzfristig erfahren hätten, dass an diesem Tag ein Spiel der U19 des FC Sheriff in Tiraspol stattfinden würde. Das war nicht einmal gelogen, denn die Seite des moldauischen Fußballverbandes hatte den Termin erst zwei Tage zuvor festgelegt. Andrey versprach uns, sich zu erkundigen, ob das stimme und ob es eine Möglichkeit gäbe, das mit unserer Tour zu verbinden.

Angekommen in Tiraspol zeigte uns Valery unter anderem die Denkmäler für Lenin, Suvorov, den Kosmonauten Gagarin und Katharina der Großen. Darüber hinaus sahen wir die Gedenkstätte des Ruhmes, das Theater, die Universität und das Rathaus – alles mit reichlich sozialistischem Anstrich. Nachdem wir ein paar PMR-Rubel abgehoben und uns mit Souvenirs eingedeckt hatten (u.a. Münzen aus Kunststoff, die bis vor ein paar Jahren tatsächlich offizielles Zahlungsmittel waren), nahmen wir ein traditionelles Mittagessen ein, besorgten ein paar Flaschen Bier (Gründung der Brauerei: 1860) und besuchten einen aufgegebenen Freizeitpark. Anschließend trafen wir uns erneut mit Andrey, der inzwischen die Bestätigung bekommen hatte, dass die U19 nachmittags spielt und dass Fahrer Zhenya uns auch später wieder nach Chisinau zurückbringen könne. So kamen wir also völlig unverhofft noch zu einem dritten Match!

Hallenfußball beim FC Sheriff

Der Komplex des FC Sheriff Tiraspol ist einfach nur der Wahnsinn! Ich war ja schon viel unterwegs, aber so etwas Luxoriöses habe ich noch nicht gesehen. Am Stadtrand hat der 21-malige moldauische Landesmeister ein riesiges Areal, auf dem er gleich zwei Stadien sowie 14 Natur- und Kunstrasenplätze unterhält. Darüber hinaus verfügt er über eine Halle mit einem Fußball- und einem Futsal-Platz – beide mit Tribüne.

Am Tag vor unserem Besuch hatten die Profis von Sheriff ihr Ligaspiel in der Arena Acoperit ausgetragen, wir durften der Youth League-erprobten U19 gegen Dacia Buiucani zusehen. Tiraspol war dem Gegner phasenweise grotesk überlegen, verpasste es aber, nach dem frühen 2:0 den Sack zuzumachen. Die Gäste kamen in der zweiten Hälfte immer besser ins Spiel und trotz Unterzahl kurz vor dem Schluss sogar noch zum Anschlusstreffer. Mehr war aber nicht drin und so hasteten wir mit Abpfiff zum vereinbarten Treffpunkt und fielen nach einem letzten Abendessen erschöpft aber glücklich ins Bett. Bereits um 3 Uhr klingelte dann der Wecker, denn der Rückflug wartete…

Groundhopping auf sechzger.de

In den letzten Monaten erschienen bereits einige Groundhopping-Artikel auf sechzger.de. Hier eine kurze Übersicht:

Groundhopping Rumänien
Groundhopping Mazedonien bzw. Nordmazedonien
Groundhopping Armenien
Groundhopping Thailand I
Groundhopping Thailand II
Groundhopping Ukraine
Groundhopping Kuba
Groundhopping Montenegro
Groundhopping Indien
Groundhopping Kirgisistan
Groundhopping Saudi-Arabien
Groundhopping Antarktis (Südgeorgien)
Groundhopping Kolumbien
Groundhopping Indonesien
Groundhopping Laos
Groundhopping Georgien
Groundhopping Sansibar
Groundhopping Transnistrien
Groundhopping Nordkorea
Groundhopping Bulgarien
Groundhopping Senegal
Groundhopping Gambia
Groundhopping Guinea-Bissau
Groundhopping Frankreich
Groundhopping Kosovo & Nordmazedonien
Groundhopping Bosnien
Groundhopping Taiwan
Groundhopping Tunesien
Groundhopping Algerien
Groundhopping Türkei
Groundhopping Galicien (Teil I / Teil II)
Groundhopping Madrid (Teil I / Teil II)
Groundhopping Ecuador (Teil I / Teil II)
Groundhopping Albanien I
Groundhopping Albanien II (Teil 1 / Teil 2)
Groundhopping Schweden (Teil I / Teil II)
Groundhopping Finnland
Groundhopping Norwegen
Groundhopping Litauen
Groundhopping Lettland
Groundhopping Kanada
Groundhopping Sri Lanka

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RaulGarcia

Klingt nach einer sehr interessanten Tour. Im Artikel habe ich nur den Hinweis auf die engen Beziehungen zwischen Transnistrien (und vermutlich auch Sheriff Tiraspol) und dem Putin-Russland vermisst. (Oder ich hab’s überlesen.) Erklärt sehr wahrscheinlich auch die luxuriöse Ausstattung des Clubs.