Ende März machte sich unser Leser Peter von Oldenburg zum Groundhopping auf den Weg nach Belgien und Luxemburg. Insgesamt besuchte er dort drei Partien – und wurde beim KFC Amel mit einer sehenswerten Pyro-Show überrascht. Viel Spaß beim Lesen!
Groundhopping Belgien & Luxemburg
Wenn ich vorher hätte tippen sollen, bei welchem Spiel meiner Belgien/Luxemburg-Tour am meisten Pyro zum Einsatz kommt, ich hätte wohl auf das Nations League Playoff-Spiel gesetzt – und damit verloren.
Derby in der 7. Liga: KFC Amel – RFC St.Vith
Doch von Anfang an: Ich hatte schon vor einiger Zeit gehört, dass in Ostbelgien einige Dorfvereine eine kleine Szene haben, und so wollte ich mein Glück versuchen: beim Derby der Provenciale 2, KFC Amel gegen RFC St.Vith. Samstag, 20 Uhr. Am Vormittag des Spieltages schneite es noch ausgiebig in diesem hoch gelegenen Teil Belgiens (500-700 Höhenmeter). Ich war unsicher, ob dieses Duell der 7. belgischen Liga überhaupt stattfinden könnte – und wie es stattfand!
Vor dem Spiel stärkte ich mich bei einer örtlichen Fritture im kleinen Dorf, wo sich Teile der Szene “Commando Amel 05” ebenfalls eingefunden hatten. Nach dem Fußmarsch zum Sportplatz (Kapazität 1500) wärmte ich mich im Vereinsheim auf, das baulich geschickt über der kleinen Tribüne liegt und sogar Fensterplätze für die zarteren Gemüter bereithält.
Pyro in Ost-Belgien
45 Minuten vor Anpfiff kamen direkt vor meinem Fenster die Gästefans aus St. Vith an. Als ich das Vereinsheim kurz vor Anpfiff verließ, stellte ich fest: Die beiden Fanszenen haben sich nebeneinander platziert, um vom Dezibelplus des Tribünendachs zu profitieren. Ich kam kaum noch aus dem Haupteingang raus, so rappelvoll waren die Stufen. Sonst war der Platz nur von Stankett berandet. Auf der Gegengerade profitiert die Anlage von einem Naturhang, auf dem sich die zahlreichen Hopper eingefunden hatten. Hier genossen wir die wunderbare Perspektive bei sternenklarer Nacht auf die beiden Szenen, die ihre Mannschaften mit Pyro und Gesängen begrüßten.
Sportlich war es insofern interessant, als der Aufsteiger St. Vith aktuell Tabellenzweiter ist und den KFC Weywertz jagt (nur der Erste steigt auf). KFC Amel ist Tabellenneunter und sann auf Wiedergutmachung nach der 1:2-Hinspielniederlage. Das Spiel war hochklassig, wurde unter großem Einsatz geführt und vom Publikum gebannt verfolgt. RFC St. Vith war allerdings etwas überlegen und schoss folgerichtig das Führungstor. Die anschließende Druckphase der Hausherren blieb wirkungslos. Erst nach einem Platzverweis für Amel wegen Notbremse kurz vor Schluss war die Messe gelesen.
Bring our own beer in Amel
Auf den Rängen waren geschätzte 500 Personen, St. Vith brachte etwa 30 aktive Gästefans mit (“Büchelstadt Offenders” und die “Ultras St. Vith”), den KFC Amel unterstützten etwa 60 Ultras. Trotzdem konnten die Gäste das Duell um die Lautstärke knapp für sich entscheiden. Das Tor wurde mit einem Bengalo gefeiert, die beiden Szenen beschimpften sich konstant aufs Allerschönste. Die Stimmung blieb trotzdem friedlich, dabei sei zu erwähnen: Es gab keine Einlasskontrollen, keine Ordner, keine Polizei.
Die Kulinarik war wunderbar, neben ortsüblichem Jupiler und selbstgegrillten Burgern konnte man auch selbst einfach Bier mitbringen. Das Spiel war ein absolutes Highlight für mich. Ich kann nur empfehlen, die Augen nach Derbys in Ostbelgien offen zu halten!
Besuch beim Tabellenführer KFC Weywertz
Am Tag drauf habe ich dem Tabellenführer KFC Weywertz einen Besuch abgestattet. Hier war die zweite Mannschaft von Etoile Elsautoise zu Gast. Dieses Spiel fand vor den kreisligaüblichen 100 Fans statt. Das Stadion ist baulich vergleichbar mit Amel, wenn auch die Tribüne deutlich kleiner ausfällt. Daher haben sich die Ultras Weywertz (vermutlich) selbst eine kleine Tribüne gebaut, inklusive Bierversorgung. Dort fanden sich etwa 20 entspannte Anhänger*innen ein, die angesichts des uninteressanten Gegners den Sonntagnachmittag gemütlich plaudernd und biertrinkend verbrachten. Auch hier gibt es einen Naturhang auf der Gegengerade, der eine schön erhöhte Perspektive auf das Spiel bietet.
Das Spiel entschied der Tabellenführer relativ locker mit 4:0 für sich, die Jungspunde von Elsautoise waren einfach zu ungefährlich in des Gegners Hälfte. Die meisten Abschlüsse landeten in den hohen Fichten hinter dem Tor der Weywertzer.
Die Ligue Provinciale 2 C bleibt damit spannend, es wird nächste Saison sicher wieder ein Derby mit Ameler Beteiligung geben. Wie sich wohl der Aufsteiger in der Provinciale 1 schlägt und ob dort weitere Derbys zu erwarten sind?
Nations League in Luxemburg
Das dritte Spiel der Tour wartete im kleinen Nachbarland auf mich: Luxemburg gegen Malta, Rückspiel Nations League Play-Off. Ohne Gewähr: Da spielt der Tabellenvorletzte der C gegen den Zweiten der D, vergleichbar mit der Relegation in den deutschen Profiligen. Das Hinspiel hatte Luxemburg 2:0 für sich entschieden, trotzdem war das Stade de Luxembourg mit 9.100 Personen fast ausverkauft.
Heimfans erzählten mir vorab, wie wichtig das Duell sei, um die Chance auf künftige WM-/EM-Qualifikationen zu haben. Das geht nämlich für kleinere Nationen über die Nations League einfacher als über die klassische Quali. In den D-Gruppen gibt es keine direkten Quali-Plätze, in der C sehr wohl.
Ungefährdeter Sieg der “Rout Léiwen”
Das Stadion liegt am Stadtrand in einer unrealen Welt aus Bürokomplexen und Autobahnen, ist für sich aber architektonisch ganz gelungen: Die Außenhaut aus Metallpaneelen gibt dem kleinen Kasten einen eigenen Look, und die Nähe zum Feld und die gute Organisation machen den Besuch trotz allem ganz angenehm.
Das Spiel wurde von beiden Seiten offensiv geführt, aber Luxemburg konnte gefährlicher vor dem Tor werden und holte relativ ungefährdet einen 3:0-Sieg. Fantechnisch war weniger Stimmung geboten als in der belgischen 7. Liga, was sicher auch am etwas exotischen Gegner lag, der etwa 40 Fans auf seiner Seite hatte. Für den Gastgeber legte sich ein organisierter Block mit Zaunfahnen lautstark ins Zeug, ich schätze die Aktiven hier auf 150. Das Publikum feierte den frühzeitig feststehenden Erfolg mit zahlreichen La-Olas und gleichzeitigen Wechselgesängen. Die einzige Rauchentwicklung kam hier allerdings aus den Bratereien, in denen Hamburger-Patties nicht ganz fachmännisch zubereitet wurden.
Auf dem Weg zurück habe ich die belebte Innenstadt Luxemburgs durchquert, die spektakulär steile Passagen und tolle Panoramen bietet. In einer der urigen Altstadtbars konnte ich noch das Scheitern der Italiener in der WM-Quali sehen. Die Rückfahrt am nächsten Tag zog sich wegen unzähliger Baustellen und Schienenersatzverkehr zwar in die Länge, hielt aber malerische Momente und menschenleere Züge bereit. Ich freue mich darauf, Luxemburg mal im Liga-Alltag zu besuchen!
Groundhopping auf sechzger.de
In den letzten Monaten erschienen bereits einige Groundhopping-Artikel auf sechzger.de. Hier eine kurze Übersicht:
Groundhopping Rumänien
Groundhopping Mazedonien bzw. Nordmazedonien
Groundhopping Armenien
Groundhopping Thailand I
Groundhopping Thailand II
Groundhopping Ukraine
Groundhopping Kuba
Groundhopping Montenegro
Groundhopping Indien
Groundhopping Kirgisistan
Groundhopping Saudi-Arabien
Groundhopping Antarktis (Südgeorgien)
Groundhopping Kolumbien
Groundhopping Indonesien
Groundhopping Laos
Groundhopping Georgien
Groundhopping Sansibar
Groundhopping Transnistrien
Groundhopping Nordkorea
Groundhopping Bulgarien
Groundhopping Senegal
Groundhopping Gambia
Groundhopping Guinea-Bissau
Groundhopping Frankreich
Groundhopping Kosovo & Nordmazedonien
Groundhopping Bosnien
Groundhopping Taiwan
Groundhopping Tunesien
Groundhopping Algerien
Groundhopping Türkei
Groundhopping Galicien (Teil I / Teil II)
Groundhopping Madrid (Teil I / Teil II)
Groundhopping Ecuador (Teil I / Teil II)
Groundhopping Albanien I
Groundhopping Albanien II (Teil 1 / Teil 2)
Groundhopping Schweden (Teil I / Teil II)
Groundhopping Finnland
Groundhopping Norwegen
Groundhopping Litauen
Groundhopping Lettland
Groundhopping Kanada
Groundhopping Sri Lanka
Groundhopping Moldawien






















