Fußballerweisheit

Wer eins-null führt, der meist verliert lautet eine bekannte, aber keineswegs empirisch belegte Fußballerweisheit. Und doch kann gewiss jeder Fan mindestens ein Spiel in seiner persönlichen Biographie benennen, auf das diese Aussage zutrifft. In der Regel sogar mehrere. Wenn das eigene Team aber nach eigener Führung dann gleich noch fünf Buden kassiert, dann bleibt das defintiv im Gedächtnis. Für den Auftritt der Löwen am Sonntag, den 28. November 2004 in Aachen gilt das auf jeden Fall. Nicht zuletzt aufgrund der Folgen, die das Spiel dann noch nach sich zog.

Nur der Aufstieg zählt

Nach dem Abstieg aus der Bundesliga im Mai 2004 startete eine runderneuerte Löwenmannschaft unter ihrem neuen Trainer Rudi Bommer ein wenig holprig, aber nicht völlig enttäuschend in die erste Saison in der harten Zweitligarealität. Freilich genügten dem anspruchsvollen Umfeld angesichts der Forderung nach dem sofortigen Wiederaufstieg die bis Ende November erreichten fünf Siege und fünf Unentschieden keineswegs. Außerdem offenbarten vier Niederlagen in der Liga und ein durchaus peinliches DFB-Pokal-Aus in der 2. Runde gegen den Ligakonkurrenten Eintracht Trier, dass das mit der Rückkehr ins Oberhaus kein Selbstläufer werden würde. Und der war eigentlich Pflicht, wollte man doch im Sommer 2005 in die neu gebaute Allianz Arena auf keinen Fall als grauer Zweitligist einmarschieren. So ging es heute vor siebzehn Jahren also als Tabellenfünfter zum zu diesem Zeitpunkt schon fünf Punkte entfernten Vierten nach Aachen.

Auf den Support der Löwenfans ist das spätere Endergebnis am Tivoli nicht zurückzuführen

Ein Traumfreistoß zur Führung

Die 19.300 Zuschauer im alten Tivoli staunten nicht schlecht, als der erst zwei Minuten zuvor verletzungsbedingt eingewechselte Jiayi Shao mit einem direkten Freistoß aus rund 30 Metern das 1:0 für die Löwen erzielte. Roman Tyce hatte wegen einer Knieverletzung frühzeitig den Platz verlassen müssen. In der Folge dominierten die Löwen sogar das Spiel und erarbeiteten sich Chancen auf das 2:0. Das nächste Tor fiel jedoch auf der anderen Seite: Der damals 22jährige Simon Rolfes erzielte mit einem Heber den Ausgleich. Weitere fünf Minuten später hatten die Gastgeber die Partie gedreht. Der gebürtige Münchner Alexander Klitzpera traf nach einer Ecke per Kopf zum 2:1. Die Löwen waren nun völlig von der Rolle und kassierten folgerichtig sieben Minuten vor dem Halbzeitpfiff auch noch ein drittes Tor: Erneut nach einer Ecke überwand Eric Meijer Keeper Hofmann.

Guter Start: Gleich fällt das 1:0 für die Löwen…

Am Ende ein Debakel

Sechzig fand in der zweiten Halbzeit nicht mehr zurück ins Spiel, erarbeitete sich keine eigenen Chancen, ließ aber noch zwei weitere Treffer für die Alemannia zu, sodass unter dem Strich ein Debakel stand. Kai Michalke (62.) und Thomas Stehle (75.) sorgten für ein deutliches, aber durchaus verdientes 5:1 für die Gastgeber. Der angereiste Löwenanhang war bedient.

Entlassung von Rudi Bommer erst sechs Tage später

Dass bis zur – im Umfeld schon eine Weile geforderten – Entlassung von Rudi Bommer noch sechs Tage vergingen und Co-Trainer und Nachfolger Rainer Maurer nur zwei Tage zur Vorbereitung auf das folgende Montagabend-Spiel gegen Greuther Fürth blieben, dokumentiert die – vorsichtig ausgedrückt – etwas chaotische Situation bei Münchens großer Liebe zur damaligen Zeit. Mit dem Abstand von siebzehn Jahren kann man heute festhalten, dass der sympathische Aschaffenburger das erste Opfer in einer sehr langen Reihe von Aktiven beim TSV 1860 war, das an dem verzweifelten Versuch scheiterte, den Verein nach dem Abstieg 2004 zurück in die Bundesliga zu führen.

Die Aufstellung der Löwen

Rudi Bommer schickte am 28.11.2004 in Aachen folgende Mannschaft des TSV 1860 auf’s Feld im Tivoli:

Hofmann – Cerny, Komljenovic, Frühbeis, Bullut (39. M. Schäfer) – Lehmann, Baier, Tyce (8. Shao), Lepoint – Kolomaznik, Krontiris (65. Agostino)

Tore:
0:1 Shao (8.)
1:1 Rolfes (23.)
2:1 Klitzpera (28.)
3:1 Meijer (38.)
4:1 Michalke (62.)
5:1 Stehle (75.)

FOTOS: Wolfgang Budack

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was für ein negatives Spiel für uns damals. geführt am ende aber doch leider überhaupt keine Chance. aber überhaupt keine. das war aber damals auswärts zum Beispiel auch in Aue der Fall gewesen, am zweiten Spieltag wo wir freitag-Abend 1:3 verlohren hatten. wahnsinn mit Pflipsen und Co.