Man muss es sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Über 100 Millionen Euro. Nein, das ist nicht etwa der aktuelle Marktwert von Sascha Mölders. Vielmehr ist das der Betrag, den der TSV 1860 innerhalb von 12 Jahren zur Abbezahlung der Allianz Arena beigesteuert hat. Geld, das den Löwen heute natülich an allen Ecken und Enden fehlt. Und gehören tut den Löwen heute von der Arena: nichts! Stattdessen wartet der TSV 1860 noch immer, dass die Stadt München den Um- und Ausbau des Grünwalder Stadions auf den Weg bringt.

Der FC Bayern, der TSV 1860 und die Allianz Arena

Zwar wird eine neue Flutlichanlage für rund 1,2 Millionen Euro eingebaut, alle weiteren Schritte liegen jedoch noch immer auf Eis und werden von Stadtratssitzung zu Stadtratssitzung verschoben. Klar, wir sprechen hier von bis zu 60 Millionen Euro, die bei einem positiven Bescheid aufgebracht werden. Nicht eben ein Pappenstiel in Zeiten von Corona, in denen auch bei den Kommunen das Geld nicht wirklich locker sitzt. Dennoch sollten sich die Verantwortlichen der Stadt München mal vor Augen führen, dass sie den Weltkonzern FC Bayern München jährlich in beträchtlicher Höhe subventionieren. Wie? Vor dem Bau der Allianz Arena durch den FCB und den TSV 1860 wurde das Gelände von einem Gewerbegebiet in ein weniger wertvolles Sondernutzungsgebiet umgewandelt. Martin Runge, Landtagsabgeordneter der Grünen, dazu:

“Dem FC Bayern wird jährlich ein Millionen-Beitrag in den Rachen geschmissen.”

Wiedergeburt in Giesing

Insofern wäre es wohl nur recht und billig, wenn nun auch die Löwen ein Stück vom Kuchen abbekämen. Die Süddeutsche Zeitung bringt in ihrer Reihe “Inside 1860 – Die Löwen, die Arena und das Geld” neben dem Ausbau des Grünwalder Stadions auch einen neuen Standort mit Neubau ins Spiel. Inwiefern diese Option für die chronisch klamme KGaA relevant ist, möchte ich an dieser Stelle nicht beurteilen. Ich gehe jedoch davon aus – und die letzten Jahre haben dies auch eindrucksvoll gezeigt – dass die meisten Löwenfans den Stanort Giesing ohnehin bevorzugen würden. Seit der Rückkehr aus der Allianz Arena blühen der TSV 1860 und seine Anhängerschaft geradezu auf und der Begriff “Wiedergeburt” erlebte bei den Löwen eine, naja, Renaissance, also Wiedergeburt.

Für ein zweitligataugliches Sechzgerstadion

Der nächste Schritt wäre logischerweise das Aus- und Umbau der Heimat. Aufstockung der Kapazität auf über 18.000 Zuschauer (obwohl dies zugegebenermaßen unbefriedigend wäre), Errichtung eines neuen VIP-Bereichs mit Logen. Nicht zu vergessen natürlich Maßnahmen zur Erlangung der Zweitligatauglichkeit. Insgesamt rund 60 Millionen Euro soll die Modernisierung des Grünwalder Stadions kosten. Eine Investition, die nicht zuletzt für die Zukunft der Löwen sehr wichtig wäre. Und geradezu ein Klacks verglichen mit dem, was Stadt, Land, Bund und der TSV 1860 in die Allianz Arena investiert haben…

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JA. Es ist dringend Eile geboten und die Verantwortlichen der Stadt sollten keine weitere Verzögerungen zulassen. Das Kulturgut TSV 1860 in München hat die WM-Arena ermöglicht und diese gehört nun einzig dem ohnehin reichen Marktführer. Als Grün-Rote Stadtregierung mit dem Anspruch an sozialen Ausgleich und Frieden sollte vor den Bundestagswahlen der endgültig ligaunabhängige Ausbau (ideal mit Erweiterungsoption auf 25 000) am 15.9.2021 fixiert werden. Und zwar auch mit erträglicher neuer
Stadionpacht für DEN Traditionsklub der Stadt inmitten der City. Sechzig s coming home forever !