Olympiastadion. Hertha BSC. Da war doch was… Natürlich denkt man unweigerlich an diesen Elfmeter in der 89. Minute. Aber es gab auch deutlich positivere Erlebnisse mit der alten Dame unter dem historischen Zeltdach. Heute vor 23 Jahren besiegte der TSV 1860 die Hauptstädter beispielsweise mit 3:1 und Michael Hofmann erlebte – im Gegensatz zu gestern – einen ganz besonderen Tag.

Unbefriedigende Saison 1997/98

Nach Platz 7 in der Vorsaison und der Qualifikation für den UEFA-Pokal sollte es in der Spielzeit 1997/98 eigentlich nochmal ein Stück weiter nach oben gehen. In der Mannschaft stimmte es nicht, vermutlich eine Folge der “Feten-Affäre” um Kapitän Manfred Schwabl, der vom TSV 1860 suspendiert worden war. International setzte man sich gegen Jazz Pori durch, ehe man an Rapid scheiterte. Auch im DFB-Pokal kam das frühe Aus: In Runde 2 setzte es eine 1:2-Pleite beim damaligen Regionalligisten Hannover 96.

In der Bundesliga lief es ebenfalls unrund. Nur zwei Siege gelangen in den ersten zehn Saisonspielen, darunter jedoch ein 3:2-Erfolg in Dortmund. Die internationalen Ränge waren schon bald nur noch mit dem Fernglas zu sehen, stattdessen musste man sich schön langsam nach unten orientieren und mit dem Thema “Abstiegskampf” beschäftigen.

Hofmann: Debüt beim TSV 1860

Apropos Fernglas: Seine Heimspiele trug der TSV 1860 in der Saison 1997/98 im Olympiastadion aus, ebenso natürlich die Derbies gegen den FC Bayern. Genau dort wurde dem viel zu früh verstorbenen Bernd Meier am 11.04.98 eine Unachtsamkeit zum Verhängnis. Die Szene mit Carsten Jancker kennt vermutlich jeder…

Für Werner Lorant war dieses Gegentor bei der 1:3-Derbyniederlage Grund genug, Meier aus dem Tor zu nehmen und nie wieder in der Bundesliga einzusetzen. Eine Woche später stand Michael Hofmann im Tor der Löwen und feierte sein Bundesliga-Debüt. Der Franke war knapp zwei Jahre zuvor von der SpVgg Bayreuth nach Giesing gewechselt und kam bis dahin nur bei den Amateuren zum Einsatz. In seiner ersten Saison bei der Zweiten in der Bayernliga fiel er weniger sportlich, als vielmehr durch drei (!) Platzverweise auf. Nach dem Aufstieg in die Regionalliga erwies er sich jedoch als solider Rückhalt. Dennoch erschien die Bundesliga für den heutigen Torwarttrainer von Türkgücü, der gestern wenig Grund zur Freude hatte, doch eine Stufe zu hoch.

Polster & Co. verzweifeln an Hofmann

Seine Sternstunde erlebte der Keeper vermutlich bei seinem zweiten Einsatz in der Bel Étage. Beim 3:2-Sieg des TSV 1860 im Müngersdorfer Stadion brachte er Toni Polster & Co. schier zur Verzweiflung. Der Sieg beim 1. FC Köln ebnete letztendlich den Weg zum Klassenerhalt.

Unumstrittene Nummer 1 bei den Löwen war Hofmann dennoch selten. Immer wieder wurden ihm andere Torhüter vor die Nase gesetzt, während der Franke auf der Bank Platz nehmen musste. Dennoch bestritt er bis 2010 stolze 162 Spiele für den TSV 1860, ehe er zu Jahn Regensburg weiterzog.

Der Besuch der alten Dame

Heute vor 23 Jahren stand Hofmann also erstmals bei den Profis zwischen den Pfosten. Passenderweise im Olympiastadion, wo man sich ja gestern wieder traf. Nach nur einem Punkt aus den vorherigen drei Spielen musste am 31. Spieltag dringend ein Sieg her. Neben dem Torwart kamen auch Kientz, Borimirov und Ouakili nach der Derby-Pleite neu ins Team. Zudem rückte Jeremies in Mittelfeld, während Zelic einen sehr offensiv orientierten Libero gab. Er war es auch, der in der 23. Minute an den Pfosten schoss, Bernd Hobsch staubte zum 1:0 ab. Was für eine Erlösung! In Minute 35 dann der zweite Streich: Hobsch wurde im Strafraum gefoult und Bernhard Winkler verwandelte den fälligen Elfmeter zum 2:0.

Ouakili erlöst den TSV 1860

Kurz nach der Pause verkürzte Michael Preetz für die Hertha, anschließend hielt Hofmann die Führung von 1860 fest. Es durfte gezittert werden im weiten Rund, doch am Ende gab es ein Happy End. In der Schlussminute traf Abderrahim Ouakili zum 3:1 für die Löwen und sicherte dem TSV drei enorm wichtige Zähler im Abstiegskampf.

Die Aufstellung der Löwen

Trainer Werner Lorant schickte am 18.04.1998 folgendes Team aufs Feld:

Hofmann – Kientz, Zelic, Greilich – Borimirov (68. Pelé), Stevic, Jeremies, Heldt (90. Gorges), Ouakili – Winkler, Hobsch (79. Agostino)

Tore:
1:0 Hobsch (23.), 2:0 Winkler (35., Elfmeter), 2:1 Preetz (53.), 3:1 Ouakili (90.)

 

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