Nun ist sie also da, die Insolvenz. Die Stunde Null.
Die Insolvenz einer Spielbetriebs-KGaA, die 2002 aus der Not heraus gegründet wurde, um eine überdimensionierte Arena stemmen zu können. Die 2011, als man sich schon lange sicher war, dass die Arena nicht zu stemmen sei, aus der Not heraus an einen Investor aus Nahost verkauft wurde.
Jetzt ist diese KGaA also insolvent.
24 Jahre KGaA sind beendet
24 Jahre lang war der Fußball-Spielbetrieb des TSV 1860 München, das Herzstück unseres Vereins, in eine „Kommanditgesellschaft auf Aktien“ ausgegliedert.
24 Jahre – ein Bruchteil der Geschichte unseres stolzen Vereins.
Nach 24 Jahren spielt nun die erste Mannschaft selbst wieder für den TSV München von 1860 e.V.
Für unseren Verein! Für uns! Für niemanden anders!
Für uns als Fans des TSV 1860 München bedeutet diese Insolvenz eine Zäsur. Sie ist ein Wendepunkt.
Der Wendepunkt bedeutet, dass wir uns nicht mehr auf alten Gepflogenheiten ausruhen dürfen. Der Wendepunkt bedeutet, dass jetzt wir – die Fans, Mitglieder und Funktionäre des TSV 1860 München – wieder vollumfänglich Verantwortung für unseren Verein und unsere Fußballmannschaft haben.
Wendepunkt in der Geschichte des Fußballs bei 1860 München
Der 23.6.2026 ist ein Wendepunkt in der Geschichte des Fußballs bei 1860 München und es liegt an uns, dass diese Geschichte positiv fortgeschrieben wird.
Die Geschichte, wie es zum 23.6.2026 gekommen ist, ist bereits endgültig geschrieben. Sie wird in unsere Archive eingehen und ist unweigerlich mit einem 15-jährigen Missverständnis verbunden. Auch gutbezahlte PR-Agenturen können diese Geschichte jetzt nicht mehr umschreiben.
Für all das, was nach dem 23.6.2026 passiert, tragen jetzt wir die Verantwortung.
Wir müssen alle unsere Gepflogenheiten und Feindbilder überdenken. Wir müssen nach vorne blicken und dem Verein helfen, wieder dahin zukommen, wo er hingehört.
Die Zeit ist vorbei, in der man sich auf den Schultern des Investors ausruhen konnte. Der eine Teil der Fans, der sein Engagement zurückfuhr, weil man mit dem Investor einen willfährigen Sündenbock hatte, für den man keinen Finger krumm machen musste. Der andere Teil des Fans wiederum ruhte sich auf dem Investor aus, weil: Er wird schon zahlen – um mehr muss man sich nicht kümmern. Und wenn nicht, dann ist sowieso der eigene Verein schuld.
Die Zeiten sind vorbei!
Stunde Null bei den Löwen
Wir müssen uns nicht mehr am Investor abmühen und diskutieren, welche Fehler er gemacht hat. Wir müssen uns auch nicht mehr daran abmühen, welche Fehler möglicherweise auch unsere Leute im Verein gemacht haben. Denn heute ist der Tag 0, an dem es kein „Wir gegen die“ mehr gibt. Es gibt noch den TSV 1860 München. Seine Fans, seine Mitglieder, seine Funktionäre.
Und es gibt jede Menge Arbeit und jede Menge an Verantwortung.
Wir tragen jetzt alle gemeinsam die Verantwortung dafür, dass das Bild über unseren Verein in der Öffentlichkeit wieder geradegerückt wird. Dafür, dass wieder verlorenes Vertrauen zurückgewonnen wird. Und für all das, war nun an Entscheidungen auf uns zukommt.
Wir haben die Stunde Null.
Wir haben viele Fragen und wenige Antworten.
Wir wissen nicht, wie es mit dem Markenrechten weitergeht, mit den Dauerkarten, mit der Mannschaft und mit dem Trainingsgelände.
Aber wir wissen, dass es bei all diesen Themen ohne uns Mitglieder eben NICHT weitergeht. Wir sind die Mitglieder, die Kommunikatoren, die Träger des gesamten Vereins. Die einzigen Anteilseigner. Ohne uns läuft nix!
Fans und Mitglieder sind gefragt
Heute am Tag Null, wenn noch viel zu viele Fragen im Raum stehen, gibt es vor allem eine Frage, die jeder für sich selbst jetzt neu bewerten kann: Was bis gestern hieß „Was kann Sechzig für mich tun?“ heißt ab sofort: „Was kann ich für Sechzig tun?“.
Und jeder kann etwas tun: Tragt euer Trikot und euer T-Shirt. Erzählt den Leuten, dass wir eben NICHT tot sind, sondern jetzt gerade erst anfangen zu leben. Nehmt eure Freunde und Bekannte an die Hand und werbt Mitglieder, denn nichts kann dieser Verein mehr brauchen als Mitglieder. Überlegt euch, welcher von euren Freunden vielleicht Hilfe braucht, weil er zwar eine laute Stimme im Stadion hat, aber vermutlich kein weiteres Geld, um sich eine zweite Jahreskarte zu kaufen. Geht zu den Stammtischen, den Fanclubs, zum Löwenstüberl – redets mit den Leuten! Denkts drüber nach, ob und welche Fanorganisationen Sechzig jetzt braucht, unterstützt die bestehenden Strukturen. Hinterfragts auch, ob die nächste Pyro-Geldstrafe wirklich notwendig ist. Überlegt euch, wie euer Auftreten im Löwentrikot auf andere wirkt. Bietet eure Mitarbeit an. Helft mit, packt mit an. Und wenn es nur mit 10 Euro in der Spendenbox ist. Seid solidarisch. Seid Löwen! Zeigt den Menschen, was in uns Löwen steckt! Zeigt allen, dass man Giesing, dass man Sechzig NIEMALS unterschätzen darf.
Streiten war gestern, Anpacken ist jetzt!
Aber vor allen Dingen: Hörts des Streiten auf! Wir haben nicht genug Energie, um ständig nach hinten zu schauen. Über vergebene Chancen und vermeintliche Fehler zu diskutieren. Was nicht heißt, dass man keine Kritik üben soll. Bleibts kritisch, aber bleibts sachlich. Und überlegt bei jeder Kritik, was ihr selber besser machen würdet. Und behaltet immer im Hinterkopf: Ab jetzt habt ihr auch immer die Chance, euch einzubringen und es selber besser zu machen!
Das, was war, ist geschrieben. Heute ist Tag Null. Der Tag, an dem der TSV 1860 München wieder für den TSV 1860 München Verantwortung übernimmt. Wir alle sind der TSV 1860 München – Wir alle sind der Verein! Alles, was ab jetzt geschrieben wird, liegt auch in deiner Hand.
Pack ma’s an – auf die nächsten 166 Jahre!
Möge das, was wir aufgerichtet haben, fortblühen, möge Eintracht, Friede, möge echte turnerische Brüderlichkeit unter uns herrschen, dann ist das Bestehen des Vereins gesichert; Mögen auch die politischen Stürme, und diese werden nicht ausbleiben, die Länder erschüttern, sie werden dem Vereine auch manche Wunden schlagen, aber keine, welche dessen Leben gefährden wird.
Ludwig Schnittler, erster Präsident des TSV 1860 München im Jahr 1860
Titelbild: TSV 1860 München e.V.











Ich will ja kein Wasser in den Wein schütten, aber noch ist die KGaA technisch nicht insolvent und liquidiert, auch wenn es wahrscheinlich so kommen wird.
Ansonsten möchte ich euren Aufruf unterschreiben und wo es nur geht meinen Teil für unseren Verein beitragen. Dazu gehört es auch verbal endlich abzurüsten und sich gemeinsam wieder hinter dem Löwen zu vereinen.
Auf geht’s Löwen!
im Prinzip hätt ma alles für einen Neuanfang, geiler Verein, jede Menge Fans und unerschütterliche Liebe. Basd….
Die Kameradschaft ja die Kameradschaft die macht bei Sechzig alles aus!
Gemeinsam in eine neue Zeit!
an den Sechzger Marsch hab’ ich auch gerade gedacht 😉
Ja der Verein beginnt bei Stunde Null und es wird schwierig genug aber auch mit Stunde Null wird nicht aufgehört um unseren Aufbruch und Neuanfang ein Haufen Mist erzählt wird. Und da sehe ich das Problem weiterhin.
“Und wenn der Sturm vorüber ist, wirst du dich nicht mehr erinnern, wie du ihn überstanden hast. Du wirst nicht einmal sicher sein, ob er wirklich vorbei ist. Aber eines ist sicher: Wenn du aus dem Sturm herauskommst, wirst du nicht mehr derselbe Mensch sein, der hineingegangen ist.” – Haruki Murakami – Kafka am Strand
Na mal sehen ob Hasis Lemminge die noch Smartphone benutzen können aufhören zu stänkern…Sollten wir natürlich um die Zeit 2027 kein Schampionslig Pokal auf der 114 im Glaskasten stehen haben werden sie wahrscheinlig wieder gegen eV hetzen…
Gerade bist du der einzige Kommentar, welcher den Text wohl nicht ganz verinnerlicht hat…
“Aber vor allen Dingen: Hörts des Streiten auf! Wir haben nicht genug Energie, um ständig nach hinten zu schauen.”
Lasst das bitte mit den Beleidigungen (“Hasis Lemminge”). Das ist doch genau das, was Stefan in seinem Leserbrief meint. Wir sollten damit anfangen. Bitte weist auch andere drauf hin, dass wir die Feindbilder bitte nicht mehr so offensiv ausleben. Wir mussten viel einstecken und werden das in Zukunft auch noch müssen. Aber wenn wir nicht anfangen, kommen wir nie mehr zusammen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, damit anzufangen!
Ich glaube es wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, dieses “verbale Abrüsten”, um das der Präse nach seiner Wahl gebeten hat, mal ernsthaft anzugehen.
Anm. der Redaktion:
Der Kollege Tomcat4eva hat mittlerweile eine Denkpause erhalten.
Schön geschrieben, Stefan! Kann ich nur unterstreichen !
Ich würde dir gerne Recht geben. Bei den meisten Zeilen stimme ich Dir zu.
Bin aber nicht überzeugt davon, dass die Insolvenz so läuft wie wir das alle gerne hätten und Ismaik dann wirklich weg ist. Hoff ma´s.
genau das befürchte ich nämlich auch, dass er dann wie ein Schachterldeifi aus dem Karton hüpft und schreit: “schaut mal wer da ist, der GröLFaZ – we need a new irgendwas” aber die Hoffnung stirbt zuletzt. So jetzt wird erst mal der Mitgliedsantrag ausgefüllt, auch wenn ich mittlerweile 1.000 km weg wohne
Yes, too many people lookin’ back…(Bob Seger)
Danke für diese klaren und wahren Worte! Das 15-jährige Missverständnis ist vorbei, jetzt zählt nur noch der TSV 1860 München. Das Zitat unseres ersten Präsidenten Ludwig Schnittler zeigt uns genau die Richtung: Weg von den alten Feindbildern, hin zu gelebter Solidarität. Das gilt ab heute für uns alle!
genau so✊🏻 Wir sitzen alle im selben Boot!!