Es geht auf das Ende der Saison zu. Einige Spieler beim TSV 1860 München haben schon verlängert, andere stehen als sichere Abgänge fest. Wer von den Spielern, deren Verträge auslaufen noch verlängern wird, können wir nicht vorhersagen. Stammspieler bzw. Schlüsselspieler deren Verträge auslaufen sind Richy Neudecker und Dennis Dressel. Merveille Biankadis Leihvertrag neigt sich ebenfalls dem Ende zu. Stephan Salger wechselt fix in die Heimat zu seinem ehemaligen Verein, dem 1. FC Köln. Auch Ergänzungsspieler wie Tim Linsbichler, Keanu Staude oder Talente wie Innenverteidiger Niklas Lang haben noch kein neues Arbeitspapier bei den Löwen erhalten. Ob einem der genannten Spieler ein Angebot seitens des Vereins vorliegt, weiß außerhalb des Vereins niemand. Es ist also an der Zeit, sich Gedanken zu machen, wer diese Spieler ersetzen könnte.

Wo besteht Bedarf?

Gehen wir also der Reihe nach vor. Beginnend mit der Innenverteidigung wo Abwehrchef Stefan Salger sicher nächste Saison nicht mehr für die Sechzger seine Fußballschuhe schnüren wird. Es ist unbestritten, dass das Duo Belkahia & Morgalla im Spiel gegen den 1. FC Saarbrücken eine bestechende Leistung gezeigt hat. Allerdings ist es auch so, dass diese beiden Spieler mit dreiundzwanzig und siebzehn Jahren noch sehr jung sind und für die weitere Entwicklung Zeit brauchen. Abgesehen davon ist ein “alter Hase” mit Erfahrung wichtig für die dauerhafte Stabilität eine Abwehrformation. Dass Innenverteidiger von Verletzungen oder Sperren verschont bleiben, ist auch nicht zu erwarten.

Nehmen wir also an, dass außer Salger auch Lang dem Verein den Rücken kehrt, bräuchte man zwei Neuzugänge in der Innenverteidigung. Einen erfahrenen Haudegen und einen Ergänzungsspieler. Die Rolle des Ergänzungsspielers könnte möglicherweise einem Talent aus dem Unterbau im Verein anheimfallen. Darum liegt der Fokus zumindest in diesem Artikel auf dem erfahreneren Innenverteidiger.

Was haben die Löwen in der Innenverteidigung?

Mit Belkahia hat der TSV 1860 München einen beidfüßigen Spieler auf dieser Position, also braucht man nicht darauf achten, welcher Fuß beim potentiellen Neuzugang der stärkere ist. Ich habe mich in den vergangenen Tagen ein wenig durch die Listen möglicherweise bezahlbarer, ablösefreier Spieler im In- und Ausland gewälzt. Mein Fokus lag dabei – abgesehen von Grundvoraussetzungen wie Zweikampf- und Kopfballstärke – unter anderem darauf, dass es hinsichtlich der Integration in die Mannschaft so gut wie keine Sprachbarriere gibt. Des Weiteren lag das Augenmerk auf der Erfahrung des Spielers. Im besten Fall hat der Kandidat schon Spiele in höheren Ligen bestritten oder war in der 3. Liga, bzw. in einer zur 3. Liga vergleichbaren Spielklasse stets eine wichtige Stütze in seinem Team.

Innenverteidiger im Inland

3. Liga

Rechtsfuß Michael Schultz, derzeit noch bei Eintracht Braunschweig unter Vertrag ist für mich einer von zwei Kandidaten aus der 3. Liga im möglicherweise bezahlbaren Spektrum der Innenverteidiger. Extrem zweikampfstark, für einen Spieler auf seiner Position sehr schnell, mit einer Größe vom 1,94 m auch ein guter Kopfballspieler, ist sein einziges Manko ein leicht verbesserungswürdiges Stellungsspiel, was er aber durch seine Schnelligkeit ausgleicht.

Ein weiterer Kandidat in Liga drei ist Lukas Gugganig vom VfL Osnabrück. Auch sein Vertrag endet am 30.6 diesen Jahres. Leicht schwächeren Werten im defensiven Zweikampf stehen – obwohl ihm auf Schultz drei cm an Größe fehlen – etwas bessere bei Luftduellen gegenüber. Sein größtes Manko gegenüber Schultz ist die Geschwindigkeit. Hier hat Schultz die Nase klar vorn. Muss Gugganik in ein Laufduell, verliert er es in fünf von zehn Fällen. Betrachtet man allerdings die Statistik etwas genauer, sieht man, dass Gugganigs Stellungsspiel dermaßen gut ist, dass die fehlende Geschwindigkeit nicht so stark ins Gewicht fällt.

Im Vergleich dieser beiden Kandidaten sehe ich Gugganig als den Spieler der in der Verlosung bei mir die Nase leicht vorne hätte. Nicht nur, dass seine Gesamtperformance statistisch in dieser Saison einen Deut besser war, er würde sich in München als Österreicher auch nicht der bayerischen Sprachbarriere ausgesetzt sehen und würde eine lange Reihe österreichischer Leistungsträger im Team der Löwen fortsetzen.

2. Liga

Kommen wir nun zu Kandidaten aus der 2. Bundesliga. Tim Knipping von der SG Dynamo Dresden ist hier einer der Kandidaten, die aufgrund des auslaufenden Arbeitspapiers interessant sind. Lange durch einen Kreuzbandriss außer Gefecht gesetzt, kommt Kipping seit Anfang März bei den Dynamos wieder in der Stammelf zum Einsatz. Ob das einen möglichen Wechsel behindert, sei mal dahingestellt. Es geht hier ja um potenzielle Kandidaten und nicht um Vertragsverhandlungen. Eine sehr hohe Quote gewonnener Defensivzweikämpfe und Luftduelle, kaum verlorene Laufduelle und auch ein gutes Stellungsspiel sind klare Indikatoren für die Klasse des 1,90 m großen Innenverteidigers.

Defensivallrounder Marcel Correia vom SC Paderborn ist – wie der scheidende Stefan Salger – 1,86 m groß. Mit der Erfahrung aus 185 Zweitligapartien und 19 Spielen im Oberhaus wäre er sicherlich eine gute Wahl. Eine Weiterbeschäftigung des 32jährigen bei Paderborn ist nicht zu erwarten und auch ein neues Engagement bei einem anderen Verein im Unterhaus sehe ich als eher unwahrscheinlich an. Als Verstärkung der Innenverteidigung beim TSV 1860 München in der 3. Liga wäre dieser Spieler aber sicherlich gut zu gebrauchen. Abgesehen von seiner Stammposition in der Innenverteidigung ist er auch ein solider defensiver Mittelfeldspieler. Auf der rechten Außenverteidigerposition kann er – wenn Not am Mann ist – auch eingesetzt werden.

Wie Knipping bei Dynamo Dresden unter Vertrag und ab Sommer ablösefrei wäre Sebastian Mai. Der 1,95 m große Hüne brillierte als Abwehrchef der Dynamos in deren Aufstiegssaison 2020/21. Mittlerweile spielt er selten von Anfang an in der von Guerino Capretti trainierten Elf aus Elbflorenz. Vergleicht man seine statistischen Werte in dieser Saison mit der aus dem Aufstiegsjahr, ist klar zu erkennen, dass der gebürtige Dresdener sich in der 3. Liga gut behaupten kann, aber für Liga zwei eher unbrauchbar ist. Will man einen Spieler holen, der auch nach einem möglichen Aufstieg weiter hilft, wäre meine Empfehlung: Finger weg von Mai!

Innenverteidiger jenseits der Grenzen

Schweiz

Nikki Havenaar, dessen Vertrag beim FC Thun im Sommer ausläuft, hat sowohl die niederländische als auch die japanische Staatsbürgerschaft. Bei Havenaar ist mit seiner Größe von 1,98 m die absolute Lufthoheit im Strafraum sicher. Des Weiteren ist er auch auf dem Boden sehr zweikampfstark. Kulturelle oder sprachliche Probleme sind keine zu erwarten. Havenaar hat sich schon in Österreich und im deutschsprachigen Teil der Schweiz seine Meriten verdient. Er ist ein solider Defensivspieler, besinnt sich auf das war er kann und geht kein unnötiges Risiko ein. Das bedeutet allerdings nicht, dass er nur auf der vom Trainer bestimmten Defensivlinie kleben würde. Der 27jährige Innenverteidiger ist für einen Spieler auf seiner Position durchaus torgefährlich und spielt obendrein durchaus präzise Offensivpässe.

Niederlande

Ted van de Pavert, im Moment bei de Graafschap Doetinchem in der zweiten niederländischen Liga unterwegs, ist ein sehr schneller, zweikampfstarker Spieler, der mit einer Größe von 1,94 m auch im Kopfballspiel meist die Oberhand behält. Typisch für Spieler aus den Niederlanden ist sein extrem genaues Passspiel. Ob er ins Gehaltsgefüge passt, vermag ich natürlich nicht zu sagen. Vom Marktwert her läge van de Pavert an der oberen Grenze dessen, was momentan beim TSV 1860 München beschäftigt ist. Seine Herkunft aus der grenznahen Provinz Gelderland lässt darauf schließen, dass es keine Sprachbarriere gäbe.

Österreich

Patrick Puchegger ist ein extrem schneller Innenverteidiger, der momentan für den Floridsdorfer AC in der zweiten österreichischen Liga spielt. Abgesehen von einem nicht ganz so grandiosen Kopfballspiel – in der Liste der ausgewählten Spieler gewinnt Puchegger nach Correia die zweitwenigsten Kopfballduelle – ist dieser Spieler in allen anderen defensiv relevanten Kategorien durchaus drittligareif und bei der unter Michael Köllner zu erwartenden Weiterentwicklung des 26jährigen in Zukunft vermutlich auch für höhere Aufgaben brauchbar. Für mich ist er abgesehen von den üblichen statistischen Werten vor allem wegen seiner für einen Innenverteidiger hohen Schnelligkeit interessant.

Damit wäre der Blick auf die möglichen Innenverteidiger als Verstärkung für die Sechzger abgeschlossen. Welchen Spieler aus der Liste seht Ihr als realistischen Nachfolger für Stefan Salger auf dieser Position? Oder habt ihr vielleicht sogar eigene Vorschläge, die mir durch die Lappen gegangen sind? Spieler wie Tim Rieder oder Filip Kusic, die ja sowieso schon in der Gerüchteküche gehandelt werden habe ich übrigens absichtlich nicht erwähnt, denn ich wollte das Spektrum der Kandidaten erweitern und nicht über bereits köchelnde Gerüchte informieren.

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Der Spielerkörper gehört dem Herrn Deichmann, oder irre ich da?

Sag mal Bernd, was spart eigentlich Sechzig ein, da man ja keinen Scout mehr braucht und auch die Taktikanalyse frei Haus geliefert wird?
😉

Mein persönlicher Favorit (soweit realisierbar) wäre definitiv Tim Knipping… Der hat vor seiner schweren Verletzung für Dynamo Top Spiele gemacht, ist kopfballstark, torgefährlich und im Hinblick auf den Blick Richtung Liga 2 absolut zweitligatauglich. Aber auch den anderen genannten Namen wäre ich nicht abgeneigt:)
.

Eow, das ist ja mal eine echte qualitative Analyse und kein reines Name-Dropping wie beim Boulevard/ Boulevard24! Danke für die viele Arbeit, welche Du dir dabei gemacht hast , Bernd!

Von den Kandidaten wäre Puchegger wohl am ehesten finanziell realistisch. Was muss man sich denn unter seinem schlechten Kopfballspiel vorstellen? Ein IV soll ja eigentlich hinten die Lufthoheit gaben und vorn bei Ecken eine Torgefahr ausstrahlen. Beides ist dann ja wohl weniger gegeben, oder?

Wie wäre es denn als Back Up mit Lukas Aigner!? Der trägt den Löwen im Herzen und ist bei Chemnitz gesetzt.

Ich hätte gerne den Puchegger. Wobei der in seiner Vita jetzt nicht nur “meine” Vereine stehen hat… 🙂

Ich fände Mai nach wie vor sehr geeignet. Der könnte uns sicher helfen, auch bei Standards vorne gefährlicher zu werden. Wobei mir mit Belkahia, Lang und Morgalla in der IV auch nicht bange wird.

Den Mai hätte ich ja vor seinem Wechsel nach Dresden schon gerne bei uns gesehen. Ziemlicher Brecher und auch einer, der mal zulangt.